Aber bitte zukunftsfähig

Für das Projekt VICO lotet die Firma ecom.AG in Fachgesprächen wichtige Hintergründe aus.

Von Nina Hesse

VICO - das steht für "virtueller Coach". Für ein ausgefeiltes Programm, das Mitarbeiter virtueller Unternehmen künftig bei der Weiterbildung unterstützen soll. Aber bis die intelligente Software fertig ist, muss noch viel Forschung geleistet werden. Weil sich ein solches Projekt nur transdisziplinär anpacken lässt, arbeiten sechs Kooperationspartner aus der Wissenschaft und zwei Unternehmen aus der Wirtschaft in dem Verbundprojekt mit. Wie in einem Staffellauf steigen die Partner nacheinander ein; die einzelnen Teilprojekte greifen ineinander. Gleich zu Anfang ist die Erfahrung der Firma ecom.AG gefragt.

In mehreren Funktionen spielt eine Firma namens ecom.AG beim Projekt VICO eine Rolle: einmal zu Projektbeginn, bei den vielfältigen Recherchen, die zurzeit laufen. Im Prozess: als ständige Praxisbegleiter und -auswerter. Und später dann noch einmal bei der Umsetzung, wenn der virtuelle Coach vom Konzept zur realen Software wird.
Doch wer steckt hinter ecom? Entstanden ist das Unternehmen 1999 aus dem Zusammenschluss von sechs Instituten und kleinen Unternehmen, die sich mit dem Thema nachhaltiges Wirtschaften beschäftigten. Sie hatten sich kennen gelernt, als sie gemeinsam das Projekt "Ökokaufhaus" anpackten - in solchen Kaufhäusern sind 40 bis 50 Anbieter von ökologischem Einzelhandel, Handwerk und ökologisch orientierten Dienstleistungen unter einem Dach zu finden. "Heute sind einige der ehemaligen Partner unter dem Dach der ecom.AG fusioniert, andere sind selbstständig geblieben", erzählt Dr. Peter Moll, Vorstandsmitglied der ecom.AG. "Darunter sind IT-Firmen, deren Kompetenzen Webdesign und Programmierung sind, ein Baustoffhändler und die Ethik AG, die sich mit ethischer Geldanlage beschäftigt." Die Akteure bei ecom wissen also aus eigener Erfahrung, wie es ist, in einem Verbund mit vielen verschiedenen Partnern zu arbeiten - das kommt ihnen bei den Vorarbeiten an VICO zugute.
Kernkompetenz von ecom.AG sind zukunftsfähige Dienstleistungen und neue Vertriebswege, auch das sind gute Voraussetzungen für die Beteiligung an VICO. Im Auftrag von Produkt- oder Dienstleistungsanbietern erkundet die Firma neue Vertriebsmöglichkeiten - ob im Internet oder real - agiert als Kooperationspartner für Gemeinschaftsmarketing und unterstützt die Marketingstrategie ihrer Kunden. Vertreter aus Politik oder Verwaltung können die Erfahrung von ecom bei der Entwicklung von Modellprojekten für nachhaltiges Wirtschaften und für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung nutzen. Und natürlich ist auch das ursprüngliche Thema Ökokaufhaus noch nicht vom Tisch: Entwickler von Qualitätszentren, Themenkaufhäusern und ökoindustriellen Gewerbeparks berät ecom bei der Suche nach Investoren, der Mieterakquise, der Konzeptentwicklung und Standortsuche.

Gemeinsames Marketing, gemeinsame Qualifizierung.


Bei der Vermarktung von neuen Nutzungskonzepten und Dienstleistungen ist das Motto von ecom "Raus aus der Nische". Denn noch vernebeln gerade in Deutschland Vorurteile den Konsumenten den Blick. "Beim Wort 'Ökoprodukte' hat jeder sofort Bioläden vor Augen, es klingt nach Wollsocken und Jesuslatschen", klagt Moll. Dabei beruht nachhaltiges Wirtschaften darauf, die Wirtschaft zukunftsfähig zu machen und in vielen kleinen Schritten zu reformieren. Und zu den neuen Konzepten und Dienstleistungen zählen Dinge wie Energiecontracting und moderne Finanzierungsformen, die mit dem Vollkornbrot-Image wenig zu tun haben.
Dr. Peter Moll selbst, der bei ecom.AG für VICO zuständig ist, ist Historiker/Philosoph und Umweltwissenschaftler. Er war einer der Ersten, die sich mit dem Thema nachhaltiges Wirtschaften beschäftigten. Unter anderem arbeitete er bereits im Vorfeld der berühmten Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro über nachhaltiges Wirtschaften und schrieb zu der Zeit in England über die Grenzen des Wachstums. Die Welt der Wirtschaft kennt er, da er mehrere Firmen gegründet hat, aus eigener Erfahrung. Als er gefragt wurde, ob er Interesse habe, an VICO mitzuwirken, fand er sofort Überschneidungen, die ihn interessierten: "Es ist wichtig, dass es Marktplätze für nachhaltiges Wirtschaften gibt. Ökokaufhäuser beispielsweise bestehen aus Marketinggemeinschaften - und die brauchen eine gemeinsame Basis für die Qualifizierung. Deshalb ist das Thema für uns sehr relevant."

Gespräche mit Fachleuten.


Sowohl später bei der Programmierung als auch jetzt bei der Vorarbeit ist die Expertise von Moll und seinen Kollegen für das Projekt nützlich. "Wir prüfen, wie der Bedarf in der Wirtschaft konkret aussieht, welche Funktionen VICO haben muss, wie er an Branchen angepasst werden muss", erklärt Moll. "Aufbauend auf den Forschungsergebnissen des gesamten Projektteams erstellen wir ein Pflichtenheft für unsere Programmierer." Sein Fazit: Zwar haben Großunternehmen eher weniger Bedarf an einem virtuellen Coach wie VICO, da sie eigene Schulungsabteilungen, Programme und Instrumente für die Weiterbildung haben. Aber für kleine und mittlere Unternehmen gibt es bislang nichts Vergleichbares. Hier könnte VICO sich als hilfreich erweisen. Denn hier wird Weiterbildung selten zentral organisiert, die mit knappen finanziellen Spielräumen kämpfenden Geschäftsführer haben selten Zeit für "weiche Themen". Das heißt: Jeder Mitarbeiter muss sich selbst um seine Qualifizierung kümmern und ist möglicherweise dankbar für Unterstützung dabei, zum Beispiel durch einen virtuellen Coach. "Wir müssen aber genau schauen, auf welche Branchen VICO passt, welche Themen sich darüber qualifizieren lassen", erklärt Moll. Denn in virtuellen Unternehmen sind, wie seit längerem bekannt, auftretende Probleme oft zwischenmenschlicher Natur.
Um mehr über die Marktgegebenheiten zu erfahren, führt Moll zurzeit Gespräche mit Schulungsexperten und anderen Fachleuten. Unter anderem plant er, eine Personalagentur für Netzwerkmanager aufzusuchen - für das VICO-Team natürlich eine gute Informationsquelle. Auch ein Gespräch mit Professor Schuh von der RWTH Aachen, einem Pionier im Bereich virtuelle Fabriken, steht auf dem Programm, um mehr über solche Strukturen und Organisationen zu erfahren. Molls Bilanz seiner bisherigen Expertengespräche: "Es gibt Interesse, aber oft heißt es, dass die Funktionalitäten noch konkreter werden müssen. Und auch skeptische Stimmen sind zu hören."
Stimmen, die vermutlich nach und nach verstummen werden. Denn VICO reift immer weiter aus. Wozu auch Molls Recherche beiträgt. Unter anderem hat er eine ganze Reihe von Anbietern ausfindig gemacht, die Angebote zum Thema Netzwerkmanagement und Kooperation haben. Alles potenzielle Partner mit Inhalten für VICO.

Nina Hesse ist freie Mitarbeiterin von changeX.

Kontakt:
p.moll@nutzfaktor.de
www.ecomAG-online.de
www.nutzfaktor.de

Zum changeX-Partnerportrait: ViCO - Virtueller Qualifizierungs-Coach

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Nina Hesse

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