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Eine Stimme für die Zukunft
Die Aufgaben des Weltzukunftsrats - das neue Buch von Jakob von Uexküll und Herbert Girardet.
Von Nina Hesse
Gerade ist Jakob von Uexküll vom Time Magazine zu Europas Held 2005 ernannt worden. Der von Uexküll gegründete "Alternative Nobelpreis" hat schon Dutzenden von internationalen Vorkämpfern für soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz weltweite Aufmerksamkeit verschafft und ihnen damit ermöglicht, ihre Projekte erfolgreich fortzuführen. Nun hat Jakob von Uexküll eine neue, dringend benötigte Vision: Er setzt sich für einen Weltzukunftsrat ein, der darauf achten soll, dass langfristig gedacht und gehandelt wird.
Wir wissen, was falsch läuft. Und trotzdem scheinen wir nicht fähig zu sein, es zu verhindern. Globaler Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung verschlimmern sich, die Ungleichheit zwischen Arm und Reich verschärft sich immer weiter, die Gier nach Macht und Gewinn regiert fast ungebremst, der Prozess des "Fortschritts" scheint kaum noch beeinflussbar. Da ergreift manchen ein Gefühl der Hilflosigkeit, viele Menschen reagieren mit Zynismus und Frustration.
Nicht so Jakob von Uexküll, der Gründer des Alternativen Nobelpreises. Mit Tatkraft und einer starken Vision geht er zurzeit daran, eine neue Institution aus der Taufe zu heben: den World Future Council (WFC, auf Deutsch: Weltzukunftsrat). Er soll dazu beitragen, eine faire und zukunftsgesicherte Welt zu schaffen und wesentliche Veränderungen anzustoßen. Seine Rolle könnte die eines globalen Gewissens sein. "Entscheidungen, die heute getroffen werden, haben längerfristige Auswirkungen als je zuvor, aber kurzfristiges Denken ist zu einem dominierenden Trend geworden", heißt es in der Einleitung von Die Aufgaben des Weltzukunftsrats. "Es wird immer deutlicher, dass selbst minimale strukturelle Veränderungen die maximale politische Umsetzbarkeit übersteigen. Das führt zu Misstrauen in nationale und internationale Organisationen."
Uexkülls flammendes Plädoyer für den Zukunftsrat und seine scharfe Kritik am Verhalten der Regierungen, am grassierenden Egoismus und dem Diktat des Marktes leuchten jedem Leser ein, der in den letzten Jahren Zeitung gelesen hat und weiß, was sich in der Welt tut. Der WFC soll sich auf das konzentrieren, was notwendig ist - vor allem in den Bereichen Frieden, Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Kurz: Er soll die dringend benötigte unabhängige Institution werden, die ethische Prinzipien in nationales und globales Handeln integriert. Dass es auf der Welt sehr viele verschiedene Wertvorstellungen gibt, sieht Uexküll nicht als Hindernis, denn es gibt einen starken gemeinsamen Nenner: "Wir wollen alle respektiert werden und vertrauen können. Wir wollen unseren Kindern eine bessere Welt übergeben."

Die Planungen laufen schon.


Klingt toll. Und sehr ehrgeizig. Wie soll das alles praktisch umsetzbar sein? In dem schmalen Band wird deutlich, dass Uexküll und seine Unterstützer das Konzept schon sehr gut durchdacht und vorbereitet haben. Das Planungskomitee arbeitet bereits seit zwei Jahren und hat schon einiges an Spenden für das Projekt gesammelt; ein detaillierter Geschäftsplan liegt vor. Die Akteure sind hervorragend vernetzt: Über 8.000 Organisationen in 200 Ländern sowieso mehrere Tausend Abgeordnete und interessierte Personen hat das Komitee um ihre Meinung und Unterstützung gebeten - und positive Antworten gab es viele.
Das und die Tatsache, dass Uexküll der Initiator des Projektes ist, machen Hoffnung, dass es einen World Future Council tatsächlich einmal geben wird. Uexküll ist kein Nobody mehr, er wird ernst genommen - und hat bewiesen, dass er solche großen Pläne verwirklichen kann.
Einige Eckdaten des zukünftigen World Future Council werden im ersten Teil des Buches beschrieben:
  • Der WFC soll eine ständige Einrichtung sein. Geplant sind drei oder vier Büros an zentralen Stellen, unter anderem in der Dritten Welt; das "Hauptquartier" wird möglicherweise in Deutschland angesiedelt.
  • Der WFC wird aus bis zu 100 angesehenen Menschen (aber auch Vertretern der Jugend) aus der ganzen Welt bestehen.
  • Der WFC wird aktiv mit den vorhandenen internationalen Netzwerken von Parlamentariern und der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, um (über Medien und Internet) handfeste Strategien und langfristige Problemlösungen von Land zu Land zu verbreiten. Der Council wird die Schaffung nationaler und regionaler Zukunftsräte unterstützen, die öffentliche Unterstützung für die Ideen und Strategien mobilisieren.
  • Der WFC wird von bis zu 24 Expertenkomissionen beraten werden, deren Auftrag es sein wird, sich mit wichtigen Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsfragen zu befassen. Sie werden globale Entwicklungen verfolgen und Vorschläge für relevante nationale Gesetzgebungen und internationale Verträge machen.

Praktische Anleitung.


Der zweite Beitrag des Bandes unterfüttert Uexkülls Thesen, liefert zusätzliche Statistiken über den miserablen Zustand der Welt und Details über die geplante Struktur des Weltzukunftsrats. Am interessantesten ist dabei der Rückblick auf den Kampf um Nachhaltigkeit, so dass man einen Eindruck von dem bekommt, was schon getan und versucht wurde. UN-Gipfel, die Konferenz von Rio, Agenda 21 ..., versucht wurde schon einiges. Doch gebracht hat es wenig, die Situation hat sich eher noch verschlimmert. "Wir brauchen keine Gipfel, sondern Handlungen und Resultate", resümiert Herbert Girardet.
Konkretes darüber, wie die regionalen Ableger des großen Weltzukunftsrats funktionieren könnten, gibt es im dritten Teil des Buches. Hier berichtet Robert Unteregger über die Zukunftsräte in der Schweiz, die seit 1997 auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen geschaffen werden. Unteregger hörte 1996 von der Idee eines Zukunftsrats und war sofort überzeugt. In den folgenden Monaten gelang es ihm und Gleichgesinnten, ein Startkapital von 50.000 Franken zusammenzubringen; außerdem erarbeiteten sie sich eine genaue Vorstellung dieser regionalen Zukunftsräte, von denen eine Vielzahl in Städten und Gemeinden entstehen könnte. "Der jeweilige Zukunftsrat soll zwischen fünf und zwölf Mitglieder haben, damit sie für die Öffentlichkeit als Persönlichkeit fassbar bleiben", so das Ergebnis. Sinnvoll ist eine Amtsperiode von sieben bis zwölf Jahren (es lebe das Langfristdenken!). Mit diesen Akteuren unterstützt der Zukunftsrat die Arbeit des Parlaments vor Ort und initiiert Gespräche und Diskussionen über das Thema Zukunft.
Man darf gespannt sein, ob das Schweizer Beispiel Schule macht und welchen Einfluss der geplante Weltzukunftsrat tatsächlich gewinnen wird.
Nina Hesse ist freie Mitarbeiterin von changeX.
Jakob von Uexküll / Herbert Girardet:
World Future Council:
Die Zukunft gestalten. Die Aufgaben des Weltzukunftsrats,

J. Kamphausen Verlag, Bielefeld 2005,
143 Seiten, 10 Euro,
ISBN 3-89901-046-9
www.weltinnenraum.de
Der Time-Artikel über Jakob von Uexküll:
www.time.com/time/europe/hero2005/uexkull.html
Lesen Sie dazu auch:
Hoffnung! Moderne Helden und Vorbilder - die zwei neuen Bücher aus dem J. Kamphausen Verlag.
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Zum Buch

: World Future Council. . Die Zukunft gestalten. Die Aufgaben des Weltzukunftsrats. J. . Kamphausen Verlag, Bielefeld 1900, 143 Seiten, ISBN 3-89901-046-9

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