Fantasie statt Hamsterrad
Das Pippilotta-Prinzip - das neue Buch von Christine Weiner und Carola Kupfer.
Von Nina Hesse
Wer wäre nicht gerne mutig, voller Ideen, offenherzig und unverwechselbar? Pippi Langstrumpf hat ein wunderbares Leben, sie hat es sich genau so eingerichtet, wie sie will. Sie ist ein Paradiesvogel, zu dem man sich einfach hingezogen fühlen muss. Kurz, ein wunderbares Vorbild für Frauen, die an ihrem grauen Alltag und sich selbst leiden. Keine Angst, Sie brauchen sich dafür die Haare nicht rot zu färben und nicht auf Zopffrisur umzusteigen, damit etwas von Pippi auf Sie abfärbt ... Weiners und Kupfers Trainingsprogramm genügt.
Jeder kennt mindestens eine von ihnen, und die Dunkelziffer ist noch sehr viel höher: Frauen, die Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl haben und ständig an sich selbst zweifeln. Frauen, die schüchtern schweigen, wenn sich an der Kasse jemand an ihnen vorbei vordrängt. Frauen, die sich von Partner und/oder Chef Unglaubliches gefallen lassen, ohne Konsequenzen zu ziehen. Die Verlage haben diese im bayerischen Volksmund liebevoll Hascherl genannte Spezies als dankbare Ratgeber-Käuferinnen erkannt. Denn wenn sie es sich noch nicht bequem in der Opferrolle eingerichtet haben, dann leiden sie gewöhnlich unter sich selbst und würden sich liebend gerne ändern.
Eins der sympathisch-lockersten Bücher zu diesem Thema ist jetzt gerade erschienen: Das Pippilotta-Prinzip erinnert an ein geniales Rollenvorbild, Astrid Lindgrens berühmt-berüchtigte Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf. Sie ist unbändig, lustig und phantasievoll, mutig, offenherzig und macht, was sie will, woran sie praktischerweise niemand hindern kann. Toll. Wer wäre nicht gerne so wie sie. "Pippisein macht einfach Spaß - auch wenn wir es über die Jahre des Erwachsenwerdens vergessen haben", ermutigen Christine Weiner und Carola Kupfer. "Was spricht dagegen, ein paar Seiten von Pippilotta in unseren Alltag zu integrieren?" Wieder ein paar Seiten der Kindheit in das langweilige, durchgeplante Erwachsensein zu holen. Oft sind die Lebendigkeit und die Träume nach und nach aus unserem Leben verschwunden.

Mehr Spaß, bitte!


In einem umfassenden Trainingsprogramm möbeln die Autorinnen die Frechheit ihrer Leserinnen auf. Aber nicht nur die. Pippi kann zum Beispiel auch gut allein sein, sie unterhält sich selbst. Ein guter Anlass für ein paar Übungen, wie man sich selbst genug ist und seinen inneren Schatz findet. Ein Blick zurück in die Kindheit, auf erste Erfolgserlebnisse, hilft dabei.
Pippi geht ungehemmt ihren Wünschen und Neigungen nach und kasteit sich nicht, Beschränkungen ignoriert sie. In einem Geschäft 20 Kilo Bonbons zu kaufen ist für sie überhaupt nichts Besonderes. Bei einer beliebigen erwachsenen Frau würde der Gedanke an ein solches Verhalten einen konzertierten Aufmarsch innerer Bedenkenträger auslösen. Schade eigentlich. Deshalb erklären Weiner und Kupfer, wie man besagte Bedenkenträger erkennt und sie so lange mit penetrantem "Warum?" beziehungsweise "Warum eigentlich nicht?" nervt, bis sie Ruhe geben. Der nächste Kaufrausch kann beginnen!
Natürlich gehört wie in jedem Ratgeber dieser Art dazu, negative Glaubenssätze in sich selbst aufzuspüren und durch positive zu ersetzen. Das Wissen um das, was man kann, und das, was man erreichen will, macht einen stark. Dann kann man es sich auch leisten, ab und zu genüsslich anders, vielleicht sogar seltsam und merkwürdig zu sein und es zu genießen. So wie Pippi eben. In der drögen Wirklichkeit sind dann aber doch eher Klone der braven Annika verbreitet: "Sehr häufig halten Frauen mit ihren Wünschen und der eigenen Meinung hinterm Berg, weil sie befürchten, unangenehm aufzufallen", ist die Diagnose der Autorinnen. "Eigentlich wäre es den meisten von uns am liebsten, alle hätten uns lieb und wir könnten dennoch eine ganz besondere Ausstrahlung haben." Also: Schräge Verhaltensweisen, die man bewundert, ruhig mal ausprobieren!

Abschied von Tunnelblick und Perfektionswahn.


Ein gängiges Problem ist auch, dass manche Frauen vor lauter Suchen das Finden vergessen, nach einer Weile einen Tunnelblick entwickeln. Gemeint ist natürlich vor allem die aufreibende Suche nach Mr. Perfect. Auch hier kann man erstaunlicherweise von Pippi lernen. Pippi will finden und findet. Sie will glücklich sein und ist es. Also: runterschalten und genussvoll suchen. Und nebenbei von Lindgrens Heldin lernen, wie man unvollkommen und locker zugleich sein kann. Es ist unglaublich erleichternd, mal nicht perfekt zu sein. Einfach mal ausprobieren!
Nina Hesse ist freie Mitarbeiterin von changeX.
Christine Weiner / Carola Kupfer:
Das Pippilotta-Prinzip. Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt,
Campus Verlag, Frankfurt/New York 2006,
208 Seiten, 16.90 Euro,
ISBN 3-593-37768-3
www.campus.de
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: Das Pippilotta-Prinzip. . Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.. Campus Verlag, Frankfurt/New York 1900, 208 Seiten, ISBN 3-593-37768-3

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