Lebenslanges Lernen leben
Patchwork-Karrieren - wie changeX-Leser leben und arbeiten.
Von Sascha Hellmann
Geradlinige Lebensläufe, das war einmal. In der individualisierten Gesellschaft von heute kann sich jeder den passenden Lebensentwurf selbst aussuchen. Brüche, Überraschungen und Durststrecken eingeschlossen. Das Leben ist ein Patchwork unterschiedlicher Phasen, riskant und abwechslungsreich. In den nächsten Monaten porträtieren wir ausgewählte changeX-Leser. Spannende Menschen mit schillernd unterschiedlichen Lebens- und Arbeitswelten. In einer Serie von journalistischen Kurzporträts. Neue Folge 20: Franziska Schumacher in Hollfeld. / 21.05.08
Franziska Schumacher
Franziska Schumacher:
"Arbeit ist für mich Ansporn, hält mich jung. Etwas Gutes, da wir sehen, dass wir vielen Menschen helfen können."
Franziska Schumacher ist 57 Jahre alt. Geboren wird sie im österreichischen Bergdorf Abtenau, wo sie die Dorfschule besucht. "Ich bin ein Bergbauernkind", sagt sie. Das sind die Wurzeln, auf die sie heute noch stolz ist und die ihr die nötige "Erdung" bei allen Plänen und Aktivitäten geben. Heute lebt sie in Hollfeld, zwischen Bayreuth und Bamberg.
Nach der Schule zieht sie nach Salzburg, wo sie die Haushaltungsschule besucht, eine Hotel- und Gastronomieausbildung und im Anschluss noch eine Kochausbildung absolviert. Sie hätte zwar den Bauernhof der Eltern übernehmen können - "aber die Welt war mir zu eng", erinnert sie sich. Nach ihrer Ausbildung arbeitet sie ein paar Jahre in einem Hotel in Salzburg. Sie heiratet und bekommt mit ihrem Mann zwei Söhne. Ein Umzug nach Erlangen folgt: Sie wird in einem Hotel Betriebsassistentin. "Zeitweise eine 90-Stunden-Woche", sagt sie. Die Ehe geht auseinander. Schumacher wechselt mit ihren zwei Kindern nach Heidelberg, wo sie tagsüber die Hotelfachschule besucht und nachts in der Gastronomie arbeitet. Nach einem Jahr bricht sie die Weiterbildung ab. Sie lernt ihren zweiten Mann kennen, mit dem sie nach Füssen geht, wo sie ein Restaurant leiten. Ein erneuter Wechsel steht an: Sie ziehen nach Tirol, wo sie eine Pension und später auch ein Restaurant führen. Während dieser Zeit besucht Schumacher Weiterbildungen der Handelskammer in Innsbruck. "Ich habe alles, was es damals an Trainerausbildungen gab, mitgenommen."

Wir brauchen die Besten.


1988 hat sie einen schweren Unfall, dessen Folgen ihr eine langfristige Arbeit in der Gastronomie nicht mehr ermöglichen. Sie entwickelt für ein Projekt europäische Servicestandards, gibt Trainings in der Gastronomie und absolviert eine Ausbildung zur Fach- und Verhaltenstrainerin sowie eine Ausbildung zur Wirtschaftsmediatorin. 1999 stirbt ihr Mann. Sie gründet mit einer Kollegin das College Hollfeld, eine "Akademie für lebenslanges Lernen speziell für Unternehmerinnen und Führungskräfte aus klein- und mittelständischen Unternehmen". "Wir haben schnell gemerkt, dass wir nur mit Unternehmerinnen in unserer eigenen Branche arbeiten können". Die Idee zu "Gastropower" reift. 2001 erweitert sie das Unternehmen, indem sie Trainings speziell für den Gastronomie- und Hotelbereich organisiert. "Wer nix wird, wird Wirt", sei überholt, sagt Schumacher. Der Mensch spiele im Gastronomie- und Hotelbereich die entscheidende Rolle. "Wir brauchen die Besten in unserem Beruf." Gegenwärtig leitet sie mit einer Kollegin das Geschäft, das auf einen umfassenden Trainerpool zurückgreifen kann. "Wir haben für alle Belange im Tourismus einen passenden Trainer."

Keinen schöneren Beruf.


Sie schreibt zwei Bücher: Der clevere Gastronom und Gastronomie der Sinne. Bei der Recherche zum dritten Buch stößt sie auf ihr bisher wichtigstes Thema: den Generationenkonflikt im Familienbetrieb. Falsch!, sagt sie: Statt Familienkonflikten soll es aber Familiendialoge geben. Dafür entwickelt sie nun ein Coaching-Programm, das nach ihrer derzeitigen Ausbildung zum Life-Coach im September 2008 starten soll. Auf die Frage, was Arbeit ist, antwortet sie: "Arbeit ist für mich Ansporn, hält mich jung. Etwas Gutes, da wir sehen, dass wir vielen Menschen helfen können." Die saisonalen Schwankungen im Hotel- und Gastronomiegewerbe prägen auch ihre Auftragslage. So gibt es immer wieder ruhigere Zeiten, in denen sie sich ihrem Privatleben ausgiebiger widmen kann. "Doch gibt es für mich keinen schöneren Beruf", sagt Schumacher. "Ich empfinde das, was ich tue, als meine Berufung." In der Natur findet sie zudem immer den nötigen Ausgleich. Auf changeX ist sie durch Internetrecherchen gestoßen. "Unheimlich spannendes Wissen" präsentiere changeX, sagt sie. Wenn sie die Artikel liest, denkt sie oft: "Genau das ist es."
Franziska Schumacher ist ihrer Berufung zur Gastronomie und Hotellerie schon früh gefolgt. Über Jahrzehnte hat sie praktische Erfahrungen in unterschiedlichsten Positionen gesammelt, sich ständig fortgebildet - und lebenslanges Lernen gelebt. Ihr Wissen gibt sie nun als Trainerin und Autorin weiter.

Sascha Hellmann ist freier Mitarbeiter bei changeX.

Kontakt:
Franziska Schumacher
College Hollfeld GmbH / Abt. Gastropower
Karl-Adams-Straße 4
96142 Hollfeld
Telefon: 09274-947820
Fax: 09274-947821
E-Mail: info@gastropower.de
Internet: www.gastropower.de

© changeX [21.05.2008] Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Sascha Hellmann
Hellmann

Sascha Hellmann ist freier Journalist in Heidelberg. Er arbeitet als freier Mitarbeiter für changeX.

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