Nachhaltigkeit - ein neues Geschäftsfeld?

Demnächst diskutieren die Teilnehmer eines Kongresses, welche Rolle Nachhaltigkeit in Zukunft spielen wird.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit hat große Beachtung gefunden, doch die Wirkung war bislang gering. Jetzt setzt sich ein Kongress des Wuppertal Instituts mit der Zukunft dieses Themas auseinander und möchte noch einmal zum Nachdenken darüber anregen. Denn möglicherweise eröffnet das Prinzip Nachhaltigkeit sogar ganz neue, zukunftsfähige Geschäftsfelder.

Die Idee.


Nachhaltige Entwicklung, so die Definition der Brundtland-Kommission 1987, ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr werden befriedigen können. Das Reden über Nachhaltigkeit war zwei Jahrzehnte lang die Domäne der Forstwirtschaft, Biologie und Ökologie. Seit der Umweltkonferenz in Rio 1992 wurde Sustainable Development auch zum Thema der Politik, immer mehr auch der Wirtschaft, einer breiten Umweltbewegung und der Öffentlichkeit - weltweit. Für den verantwortungsbewussten Bürger könnte Nachhaltigkeit bedeuten: "gut" leben, einer sinnvollen Arbeit nachgehen, natürliche Rohstoffe und Energie maßvoll konsumieren - ohne dabei Naturschranken zu überschreiten. Für Unternehmen könnte Nachhaltigkeit heißen: durch den schonenden Umgang mit Rohstoffen und den Einsatz von Effizienztechniken die Energie- und Ressourcenproduktivität steigern und so innovative und damit umweltverträgliche Produkte gestalten. So könnte die Wirtschaft nachhaltig wachsen und dabei der Naturverbrauch konstant gehalten werden.

Die Realität.


Noch deuten globale Trends darauf hin, dass Flächen-, Energie- und Materialverbrauch keineswegs nachhaltig sind. Noch fehlen die nötigen politischen Anreize, um die eingefahrenen Strukturen zu ändern. Indes: Die Natur leidet mehr denn je; trotz großer Anstrengungen und Erfolge ist ein tatsächlicher Durchbruch der Umweltbewegung ausgeblieben. Die breite Öffentlichkeit scheint noch kaum Zugang zum Thema zu finden. Auch in der Politik gelingt es noch nicht, Nachhaltigkeit zum Thema aller Ressorts zu machen. Derweil wird in der Wirtschaft eine der wichtigsten Leit-Ideen des 21. Jahrhunderts zum Leit-Thema: Zukunftsfähigkeit wird zum Geschäftsfeld. Beherrschten in die achtziger und neunziger Jahren Shareholder Value, Fabrik der Zukunft und Gruppenarbeit die Managementseminare, so sind heute "Ethik-Investment", "Human Capital" und umweltorientierte Unternehmensleitlinien die Themen. Mode - sagen Kritiker. Die Unternehmen würden das Prinzip Nachhaltigkeit nur zur Bemäntelung von Interessen nutzen, die keineswegs nachhaltig seien. Unabdingbar sagen jene Unternehmen, die den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens mit dem Erreichen nachhaltiger Ziele wie Vertrauen, Identifikation, schlichtweg "ethisches Handeln" verknüpft sehen.

Der Trend.


Jedoch, der alltägliche Rinderwahnsinn - dokumentiert in den Risiken von Wissenschaft und Technik, dem Überschreiten "natürlicher Grenzen" in der Lebensmittelproduktion und Marketing-Konzepten - hat den gesellschaftlichen Konsens und die Identifikation mit dem technischen Fortschritt aus der Bahn geworfen. Miteinander reden ist das Gebot der Stunde. Wissenschaft, Politik und Wirtschaft sind daher gefordert, sich der Leitidee Nachhaltigkeit zu stellen. Ansätze dazu gibt es: Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat im Juli 2001 einen Rat für nachhaltige Entwicklung berufen, der für den Umweltgipfel 2002 in Johannesburg eine nationale Strategie für eine nachhaltige Entwicklung erarbeiten soll. Die deutsche Wirtschaft hat - unter Beteiligung von 21 führenden Unternehmen wie DaimlerChrysler, Siemens, Allianz, Gerling und Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft - im Juli 2001 ein "Forum Nachhaltige Entwicklung" gegründet. Zentrales Motto: Transparenz und offener Dialog.

Der Kongress.


Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, das sich seit seiner Gründung vor zehn Jahren systematisch mit dem Konzept Nachhaltigkeit auseinander setzt und viele wissenschaftliche Publikationen zu diesem Thema - zum Beispiel die Studie "Zukunftsfähiges Deutschland" - erarbeitet hat, möchte eine breite Öffentlichkeit zum Nachdenken über das Prinzip Nachhaltigkeit anregen.
Am 28. und 29. November 2001 findet dazu der Jahreskongress des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen in der historischen Stadthalle in Wuppertal statt. Repräsentanten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft werden miteinander diskutieren und versuchen, herauszufinden, ob die Leitidee Nachhaltigkeit zu neuen Geschäftsfeldern führt und ob Werte wie Vertrauen, ethisches Handeln und Ziele wie gleiche Rechte für zukünftige Generationen überdauern.

Anmeldungen an:

Wuppertal Institut
WZN-Kongressbüro Döppersberg 19
42103 Wuppertal
E-Mail: Monika.Kieslich@wupperinst.org.
http://www.wupperinst.org/jahreskongress2001

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Dirk Bril

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