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Sicheinschleichen in die Selbständigkeit

Serie Gründergeist 24: Raus aus der Komfortzone - Sabine Asgodoms Gründertipps aus dem prallen Leben.

Ratgeberwissen bleibt meist abstrakt und bedeutungslos. Nicht so in diesem Buch, das mit anschaulich erzählten Geschichten aufwartet. Und einem entschiedenen Plädoyer: für Selbständigkeit als Lebensform.

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Auch sie hat es erwischt. Hat Umsatz und Gewinn verwechselt. In bemerkenswerter Offenheit schreibt Sabine Asgodom: "Ich habe den Kardinalfehler der Gründer begangen: habe Umsatz und Gewinn nicht unterschieden. Alles meins, hatte ich mir gedacht." Sie hatte gute Geschäfte gemacht, der Laden lief, doch dann kam der Steuerbescheid. Nachzahlung für das vergangene und das vorletzte Jahr plus eine auf Grundlage der guten Einnahmesituation neu berechnete Vorauszahlung für das laufende Jahr. Beinahe wäre die selbständige Managementtrainerin in "die Falle des dritten Jahres" gelaufen. Um ein Haar schrammte sie an der Insolvenz vorbei. 

Heute platziert sie die Regel "Verwechsle niemals Umsatz mit Gewinn!" gleich auf Platz zwei ihrer Top-Ten-Ratschläge für Gründerinnen. Darüber rangiert nur noch die Grundregel "Übernimm Verantwortung für dein Handeln". Und das ist auch das Leitmotiv des sehr persönlichen Ratgebers, den Sabine Asgodom geschrieben hat: Raus aus der Komfortzone ist ein entschiedenes Plädoyer für Selbständigkeit als Lebensform: "Aus der Komfortzone treten heißt, frische Luft schnuppern, Neues wagen, ausgetretene Pfade verlassen, Unzufriedenheit ernst nehmen und etwas verändern. Und es heißt immer: Mein Leben selbständig in die Hand nehmen."  

Die Asgodom schöpft aus ihrem reichen Erfahrungsschatz. Ihr Gründerwissen ist nicht irgendwelchen Lehrbüchern entnommen, sondern stammt tatsächlich "aus dem prallen Leben". Und es ist anschaulich und unmittelbar nachvollziehbar dargebracht. Mit ihrem Plädoyer für ein "Sicheinschleichen" in die Selbständigkeit trifft sie die Interessenlage vieler Menschen, die mit der Selbständigkeit liebäugeln, aber vor dem sprichwörtlichen Sprung ins kalte Wasser zurückschrecken. Der Rat, die ersten Schritte parallel zum alten Job zu tun und nach und nach die selbständige Existenz aufzubauen, ist wahrscheinlich der beste Weg, die Selbständigenquote im Land zu erhöhen. Und entspricht auch der gängigen Gründungspraxis, denn Selbständigkeit in Teilzeit nimmt zu. Wer hierbei Beistand sucht, ist bei Sabine Asgodom richtig: "Machen Sie eine Liste: Was können Sie gut? Was wollten Sie immer schon tun? Und dann überlegen Sie, wie Sie es ausprobieren könnten - ehrenamtlich, versuchsweise, als Praktikantin, im Urlaub, am Wochenende." Hier wird zugleich klar, dass es diesem Buch weniger um Entrepreneurship im Sinne von Gründung eines Unternehmens geht, sondern um Selbständigkeit als "Entscheidung für eine Lebensform", wie das der Soziologe Armin Nassehi genannt hat. 

Wer in diese Richtung denkt, findet in diesem Buch einen wirklichen Ratgeber - und das gilt nicht nur für Gründerinnen, an die das Buch sich in erster Linie wendet, sondern auch für Angehörige des männlichen Geschlechts. Dass sie dabei in der weiblichen Form angesprochen werden, sollten sie verkraften können (andersherum ist es für Frauen ja gang und gäbe). 

Bleibt die Frage, warum Gründer doch immer wieder in die Falle laufen und Umsatz und Gewinn nicht auseinanderhalten - sprich an betriebswirtschaftlichem Basiswissen scheitern. Es gibt wohl zwei Gründe: Zum einen ist vielen Ratgeberautoren diese Unterscheidung viel zu banal, um besonders darauf hinzuweisen. Zum anderen bleiben abstrakte Lehrsätze ohne Bedeutung für die alltägliche Praxis. Um Wissen in den Köpfen zu verankern, braucht es Geschichten. Wie sie Sabine Asgodom erzählt. 



changeX 28.10.2010. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Zum Buch

: Raus aus der Komfortzone, rein in den Erfolg. Das Programm für Ihre persönliche Unabhängigkeit. Campus Verlag, Frankfurt / New York 2008, 249 Seiten, ISBN 978-3-593-38233-3

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Autor

Winfried Kretschmer
Kretschmer

Winfried Kretschmer ist Chefredakteur und Geschäftsführer von changeX.

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