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Pathetisch, praktisch, gut

Serie Gründergeist 62: Existenzgründung - der persönliche Weg in die unternehmerische Selbstständigkeit
Rezension: Jost Burger

Gründer brauchen Ideen und Praxiswissen. Und sollten wissen, dass der Weg in die unternehmerische Selbstständigkeit ein ganz persönlicher ist. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt es nicht, wie das letzte Buch in unserer Reihe zeigt.

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Unsere Gründergeist-Serie nähert sich dem Ende. Da passt es, wenn wir in diesem letzten Beitrag ein Buch vorstellen, das einige unserer zentralen Gedanken zum Thema Gründen vereint: Gründen heißt vor allem Existenzgründung und ist eine sehr persönliche Sache. Eine Sache, die wohl in den seltensten Fällen vom Wunsch getrieben ist, ein multinationales Imperium zu schaffen. Zum Gründen braucht es vor allem Idee und Mut zum Machen. Aber ohne so ein bisschen instrumentelles Wissen geht's halt auch nicht.  

Und das ist die Grundhaltung von Existenzgründung von Gerd Walger und Ralf Neise. "Als Unternehmer entwickelt und verwirklicht der Mensch in Freiheit und Selbstverantwortung die Idee, die er persönlich verkörpert", heißt es da zum Beispiel. Anders als in vielen anderen Ratgebern, sehen die Autoren im Gründer oder Manager nicht den Manager der Betriebswirtschaftslehre, der funktional vorgeht, um eine fertige Idee umzusetzen. Sie kehren diese Betrachtungsweise um - und das bedeutet, "den Blick auf den bewussten, schöpferischen Akt des Menschen zu wenden und diesen zum Inhalt und zum Ausgangspunkt der Betrachtung zu machen." Gründen ist ein schöpferischer Entwicklungsprozess, in welchem sich der Unternehmer - weil er immer wieder verschiedene Rollen einnimmt, etwa des Marktforschers, des Kaufmanns, des Finanzfachmanns - ständig neu erfindet und erkennt. Mitsamt seiner Idee. Gründen als ein hermeneutischer Prozess der Selbsterkundung - wenige Ratgeber gehen das Thema mit dieser intellektuellen Tiefe an.  

Die aber eben - siehe die Verbindung aus fundierter Betrachtung und Betonung der Praxis - auch nicht abreißt, wenn es in medias res geht, in Form ganz praktischer Ratschläge: Businesspläne müssen nicht sein - dienen aber zur Ordnung der Gedanken. Geld gibt's von Banken - aber auch von Venture-Kapitalgebern. Der Schwerpunkt liegt klar auf den Bereichen Beratungsangebote (öffentliche und private), Finanzierungs- und Förderungsmöglichkeiten - und der Reflexion über die persönliche Situation, in der sich ein Gründer befindet. Letzteres meist in einem Duktus, den manche als zu akademisch empfinden mögen. Grafiken, Abbildungen und Quellenangaben erscheinen im Geist einer universitären Abhandlung. Dem Nutzwert tut das keinen Abbruch, dem Lesevergnügen mitunter schon.  

Über diesen "wissenschaftlichen" Umweg sagt das Buch aber gerade sehr viel dazu, dass Gründen ein persönliches Abenteuer und im besten Sinne eine Reise zu sich selbst ist, die von einem wachen Geist begleitet sein will. Wer aber bereit ist, sich auf den reflektierenden, wissenschaftlich-analytischen Ton einzulassen - vielleicht, weil er mit manch oberflächlichem oder kumpelhaftem Ratgeber nichts anfangen kann - bekommt hier neben handfestem Praxiswissen Material und "food for thought", das beim Erfühlen und Erarbeiten von Mut, Ideen und Gründerlust hilft.  


changeX 11.05.2012. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Zum Buch

: Existenzgründung. Der persönliche Weg in die unternehmerische Selbstständigkeit. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2012, 153 Seiten, 24.90 Euro, ISBN 978-3-17-022145-1

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Autor

Jost Burger
Burger

Jost Burger ist freier Journalist in Berlin. Er schreibt als freier Mitarbeiter für changeX.

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