Simplify your work!

Living at Work-Serie | Folge 2 | - Werner Tiki Küstenmacher über gut organisiertes und entspanntes Arbeiten.

Oft spiegelt der Zustand des Schreibtisches das Chaos in Kopf und Leben wider. Dann tut es gut, Ballast abzuwerfen. Ordnung zu schaffen. Klarheit und Struktur zu erreichen. Wieder zu lernen, sich auf eine Sache zu konzentrieren, statt mehrere Dinge gleichzeitig zu tun.

Simplify - das ist eins der Zauberworte der letzten Jahre gewesen. Ich bin immer wieder verblüfft, wie positiv die Leute darauf reagieren. Sie begreifen gleich, dass nicht gemeint ist, dass man ohne Strom in einer Holzhütte leben soll. Gerade Leute ab 35 Jahren verstehen das sofort: das Leben vereinfachen, auf das Wesentliche kommen. In diesem Alter hat man Lebensphasen hinter sich, in denen man viel angesammelt hat: Man steigt in den Beruf ein und lernt neue Dinge, begegnet vielen neuen Leuten, man kauft ein Haus oder mietet eine große Wohnung, man schafft Babysachen und tausend andere Gegenstände an. Doch irgendwann muss man den Bogen kriegen und sich wieder verkleinern, den Ballast loswerden.

Entrümpeln - sein Büro und sich selbst.


Im Büro gelten die gleichen Regeln - Ballast abzuwerfen befreit. Wenn man die Sache systematisch angeht, ist es gar nicht so schwer, seinen Schreibtisch in den Griff zu bekommen und sich den Berufsalltag leichter zu machen. Der wichtigste Tipp ist, keine Papierstapel aufzuhäufen, sondern die Unterlagen in verschiedene Fächer einer Hängeregistratur einzuordnen. Das sollte man zum zentralen Organisationsinstrument machen.
Beim Zeitmanagement ist der wichtigste Simplify-Tipp: Versuchen Sie nicht, zwei Dinge gleichzeitig zu machen, konzentrieren Sie sich auf eine Sache. Denn sonst schaffen Sie letztlich nichts von dem, was Sie sich vorgenommen haben. Die Folge: Frust, Aufschieberitis. Alle erfolgreichen Menschen haben diese Gabe, hundert Unwichtigkeiten einfach zu lassen und sich auf eine Sache zu stürzen.
Viele Leute haben sich angewöhnt, gleichzeitig zu telefonieren und E-Mails zu schreiben. Das merkt man sowohl an den E-Mails als auch an den Telefongesprächen. Ich spüre es sofort, wenn ich mit jemandem telefoniere und derjenige macht noch irgendetwas anderes dabei. Inzwischen nehme ich auch keine Aufträge mehr entgegen, die man mir vom Auto aus telefonisch gibt - die Leute können sich nachher an nichts mehr erinnern.

Gesundheit und Privatleben in den Griff bekommen.


Doch seine Arbeit richtig zu organisieren ist nur ein kleiner Teil des Simplify-Konzepts. Da alle Bereiche des Lebens miteinander wechselwirken, sollte man auch seine Gesundheit und sein Privatleben vereinfachen. Im Bereich Gesundheit sollte man alle Dinge sein lassen, die einem weh tun oder die einen quälen. Gerade im Business-Bereich kenne ich Leute, die seit 20 Jahren keinen Sport mehr gemacht haben und plötzlich Marathon laufen wollten. Dass diese Kandidaten irgendwann crashen, ist vorgezeichnet. Viel besser ist, sich im Alltag mehr zu bewegen: die Treppe zu benutzen, statt den Aufzug zu nehmen, das Auto etwas weiter weg parken und ein paar Schritte mehr machen. Das bringt mehr als solche Gewaltaktionen.
Ganz zentral ist, dass man sich regelmäßig Zeit dafür nimmt, mit seinem Lebensgefährten wirklich zu sprechen - und zwar nicht übers Wetter, die Kinder, die Arbeit und das Haus. Die beste Methode dafür ist ein Zwiegespräch, bei dem man sich nach gewissen Regeln abwechselnd gegenseitig etwas über sich erzählt. Ich habe schon Briefe bekommen von Leuten, die meinten, sie seien fast in Ohnmacht gefallen, als sie diese Methode ausprobiert haben - sie haben 20 Jahre lang nicht gewusst, was ihr Ehepartner eigentlich denkt.
Damit man nicht nur an Symptomen herumdoktert, gehört zum Simplify-Konzept auch, dass man grundlegend über sein Leben nachdenkt. Dass man einmal formuliert, was man selbst eigentlich will. Die meisten unserer Lebensziele haben wir uns nicht selbst überlegt, sie kommen von außen. Zum Beispiel: "Es ist besser, mehr Geld zu haben als weniger", "Es ist gut, im Beruf aufzusteigen" oder "Es ist gut, sehr dünn zu sein und viele Muskeln zu haben." Solche Leitsprüche akzeptieren wir ganz selbstverständlich, ohne uns jemals überlegt zu haben, was eigentlich für uns selbst das Beste ist.

Lebensziele formulieren.


Dass alle Bereiche des Lebens zusammenhängen, kann man an ein paar skurrilen Beispielen beobachten. Zum Beispiel sind Menschen, die in ihrer Wohnung viel Gerümpel aufgehäuft haben, oft dick. Und Menschen, deren Wohnungsfußboden mit Gegenständen übersät und kaum noch begehbar ist, haben häufig finanzielle Probleme. Diese Fakten habe ich in einem Buch entdeckt und seither in meinem Bekanntenkreis immer wieder bestätigt gefunden. Es ist wirklich verblüffend - vor allem, weil man ja denkt, dass das Leute sind, die sehr viel besitzen. Doch es ist wohl eher so, dass diese Menschen ihr Leben nicht im Griff haben und sich das in ihrer Wohnung abbildet. Es gibt da viele verborgene Zusammenhänge.
Sein Büro und sich selbst zu entrümpeln ist auf jeden Fall eine Anstrengung, die sich lohnt. Viele Leute sagen: "Ich bin eben chaotisch und werde bis zum Lebensende in einem Chaos hausen." Aber - und das sagen auch Spezialisten - das ist ein Zustand, den man beenden kann. Deshalb ist die Hauptbotschaft von Simplify: Es ist möglich! Fang einfach mal an! Es ist viel einfacher, das Chaos zu besiegen, als mit Alkohol oder Kettenrauchen aufzuhören.

Übersicht aller bereits erschienenen Beiträge der "Living at Work-Serie".

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Werner Tiki Küstenmacher ist Autor des Bestsellers Simplify your life, der im Campus Verlag erschienen ist.

www.simplify.de
www.smart-working.de

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Vom 19. bis 23. Oktober 2004

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Werner Tiki Küstenmacher

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