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Europäer beraten Europäer.
| Folge 23: Leyla Guilany von Pleon Paris. |
Von Gundula Englisch
Pleon ist ein neues europäisches Beratungsunternehmen. Seine Vision ist ungewöhnlich: Die Intelligenz der einzelnen Länder und Regionen für eine gemeinsame Netzökonomie nutzen. In den nächsten Monaten begleiten wir diese einmalige Mission mit Reportagen und Essays. Aus einem Europa, in dem zusammenwächst, was zusammengehört. Heute: Leyla Guilany � die junge Account-Managerin ist auf der ganzen Welt zu Hause und überzeugt ihre Kunden mit ungewöhnlichen Eventideen.
Leyla Guilany
Leyla Guilany, Account-Managerin bei Pleon Paris.
Winter an der Seine. Eine Stimmung, die an das gleichnamige Ölgemälde von Paul Gauguin erinnert: dramatische Wolkenberge, graubrauner Himmel, blassbeige Häuserfassaden, die Bäume kahl, die Flaneure dick vermummt. Nur der Schnee fehlt noch - vorerst.
Paris trägt heute gedeckte Farben. Sogar die multikulti-bunte Rue du Clichy wirkt an so einem Tag ein bisschen blass. Da fällt das rote Pleon-Schild an der Villa Pierre Ginier richtig angenehm ins Auge.
Leyla Guilany kommt gerade vom Mittagessen. Eilig windet sie sich aus ihrem langen roten Schal - und verströmt augenblicklich Heiterkeit und Wärme. Die gebürtige Iranerin arbeitet als Account-Managerin in der PR-Beratung von Pleon France und ist seit fünf Jahren dabei. "Als ich zum ersten Mal hier reingekommen bin, habe ich mich gleich verliebt", sagt sie, hält kurz inne und lächelt dann verschmitzt. "Verliebt in dieses Büro und in die Arbeitsatmosphäre. Die Kollegen, die Räumlichkeiten, die Firmenkultur - alles ist sehr offen, dynamisch und persönlich, das liegt genau auf meiner Wellenlänge."

Wo gute Ideen wachsen.


Leyla Guilany deutet auf die verglaste Rückwand des Besprechungsraums. Durch den dichten Bambusdschungel eines Innenhofs fällt der Blick auf die Loft-artige Büroetage: Eine meterlange, raumhohe Bücherwand, davor in lockerer Gruppierung einige Schreibtische. "Dort sind mein Arbeitsplatz und mein Team", sagt die 28-Jährige und beschreibt mit ausholenden Gesten und fliegenden Haaren, wie dort üblicherweise organisiert, recherchiert, diskutiert und gebrainstormt wird. Zu den Kunden, die sie betreut, gehören die Satellitenfirma Astra, der Softwareanbieter Compuware, der Elektronikkonzern LG, der Headset-Produzent Plantronic und seit jüngstem CNN Europe. PR-Beratung für einen Fernsehsender? "Aber ja. Die Europa-Tochter von CNN will sich in Frankreich als Informationskanal besser bekannt machen. Und der Mutterkonzern wird dieses Jahr 25 Jahre alt. Unsere Agentur berät zwar überwiegend Kunden aus der IT-Branche, aber unsere Expertise ist sehr breit gefächert."
Die 50 Mitarbeiter von Pleon France verteilen sich auf drei Kompetenzzentren - Marketing, Kommunikationsberatung und PR. Zwischen diesen Abteilungen sind die Grenzen flach und durchlässig. Man arbeitet in enger Vernetzung mit den anderen Kollegen - "zum Vorteil der Kunden und für den eigenen Erfahrungsaustausch", sagt Leyla Guilany. "Intensive Kommunikation ist wichtig, damit gute Ideen wachsen können. Im stillen Kämmerlein möchte ich nicht arbeiten."

Nerven behalten.


Stille Kämmerlein gibt es auch kaum bei Pleon France. Die Arbeitsplätze in dem ehemaligen Paketlager verteilen sich auf zwei offene Galerien oberhalb einer großen Halle mit Bar und Sitzgruppen. Das Ganze wirkt eher wie ein großes Café mit Bibliothek - relaxed und ungezwungen. Wenig deutet darauf hin, dass hier hart gearbeitet wird.
"Das Aufregendste an meinem Job?" Leyla Guilany denkt kurz nach - und antwortet mit einer Spur von Ironie in den Mundwinkeln: "Dass kein Tag wie der andere ist. Wenn ich morgens anfange, weiß ich nicht, was mich alles erwartet. Und abends sortiere ich dann die guten und die bösen Überraschungen. Wichtig ist, dass man die Nerven behält."
So wie vor einigen Monaten, als die junge PR-Managerin einen Anruf ihres Kunden Plantronic bekam und keine 24 Stunden Zeit hatte, um die Ideenskizze für ein großes Event vorzulegen. Es ging um eine Veranstaltung anlässlich einer neuen Geschäftspartnerschaft ihres Kunden, zu der 50 Journalisten aus ganz Europa kommen sollten. Leyla Guilany weiß aus Erfahrung, wie schwierig es ist, die Leute von der Presse von ihren Schreibtischen wegzulocken. Deshalb musste sie sich etwas Besonderes einfallen lassen: Die zündende Idee wurde in letzter Minute im Brainstorming mit den Kollegen gefunden: Eine Einladung an die Cote d'Azur in Form einer "secret mission": Zuerst ein Einladungsbrief mit einem Pröbchen Sonnencreme und dem Hotelprospekt. Dann eine Erinnerung, die Badesachen nicht zu vergessen. Und schließlich ein Brief mit der Auflösung des Rätsels und dem vollständigen Programm. Gerade einmal vier Wochen hatten Leyla Guilany und ihr Team, um das Event zu organisieren. Und trotz diverser Pannen ("die üblichen Überraschungen") wurde das Ereignis zum Volltreffer. "Ein deutscher Journalist hat mir gesagt, es wäre die am besten organisierte Veranstaltung, die er in seinen 24 Berufsjahren erlebt hat. Das war für mich die schönste Bestätigung, dass wir einen guten Job gemacht haben", sagt Leyla Guilany und ihre Augen leuchten dabei noch mehr als sonst.
Events sind ihre große Leidenschaft. Nicht unbedingt, weil sie abwechslungsreicher wären als die üblichen Pressemeldungen, Newsletter, Produktlaunches oder Pressekonferenzen. "Routine gibt es bei meiner Arbeit nie", meint die Account-Managerin. "Aber Events sind mir deshalb so wichtig, weil sie fabelhafte Gelegenheit bieten, der Öffentlichkeit ein außergewöhnliches und lebendiges Gesicht meiner Kunden zu präsentieren. Das ist besonders wichtig für Firmen, die technische Produkte und Services anbieten - Headsets, Software oder Satellitenanlagen sind eben von sich aus nicht besonders aufsehenerregend oder glamourös."

Technologie statt Lippenstift.


Ihr Handwerk hat Leyla Guilany am renommierten Institute Superieure de la Communication gelernt, einer privaten Hochschule für PR, Journalismus, Werbung und allgemeine Kommunikation. Nach zwei Jahren macht sie ihren Abschluss und ist wild entschlossen, sich einen Job in der Mode- oder Kosmetikbranche zu suchen: "Der Traum aller jungen Mädchen. Aber dann fragte mich eine erfahrene PR-Frau, ob ich wohl mit 40 immer noch Spaß daran hätte, Lippenstifte anzupreisen. Das saß!" Und weil zu dieser Zeit gerade das Technologiefieber der Jahrtausendwende tobte, startet Leyla Guilany ihre Karriere bei einem Softwarehaus und wechselt nach wenigen Monaten zu Pleon France, damals noch Brodeur Worldwide France. "Ich war überrascht, wie spannend und kreativ die PR-Arbeit in einer Agentur sein kann, die schwerpunktmäßig Technologiefirmen berät. Kosmetik? Die kaufe ich heute lieber, als für diese Branche zu arbeiten."
Leyla Guilany zwinkert mit den Augen und gibt zu, dass sie ihre Vorliebe für Glanz und Glamour trotzdem nicht abgelegt hat. "Ich bin süchtig nach Zeitschriften und Magazinen", sagt sie und erzählt, dass sie jede Woche die Kioske nach den neuesten Mode- und Lifestyle-Gazetten abgrast. Allerdings gehören auch Wirtschafts- und Nachrichtenmagazine auf ihren wöchentlichen Schmökerplan. Und einmal im Monat erkundet sie eine neue Special-Interest-Presselandschaft: "Männer, Boote, Dekoration - was mich eben gerade interessiert."
Sonstige Hobbys? "Klavier und Saxophon spielen", sagt Leyla Guilany. Aber leider hätte sie wenig Gelegenheit dazu. Das Klavier steht bei ihren Eltern und das Saxophon lässt sie lieber im Schrank - um den nachbarschaftlichen Frieden nicht zu stören. Dafür hört sie ständig Musik, ganz egal ob Hip-Hop oder Mozart; auch wenn es abends im Büro mal spät wird, dann aber richtig laut.
Ihre wichtigsten Prinzipien bei der Arbeit? "Keep smiling", sagt Leyla Guilany und bestärkt ihre Worte mit einem überzeugenden Lächeln. "Seine privaten Launen sollte man nicht an den Arbeitsplatz mitschleppen. Allenfalls, wenn es wirklich etwas Ernstes ist. Aber wegen ein bisschen Liebeskummer im Job schlecht drauf zu sein, das geht bei mir nicht durch. Wenn im Team gute Stimmung herrscht, sind die Ergebnisse der Arbeit einfach besser." Dass in einem solchen Arbeitsklima originelle Ideen gut gedeihen, stellt die PR-Beraterin mit ihren Events unter Beweis. "Mir geht es darum, besondere Erlebnisse zu kreieren. Etwas, was im Gedächtnis bleibt und verbindend wirkt", sagt Leyla Guilany und berichtet von einem Event, das sie vor kurzem für die Softwarefirma Compuware organisiert hat: Ein Dinner im legendären Ritz - aber nicht etwa im Restaurant, sondern in der Hotelküche - und zwar selbst zubereitet von den Compuware-Managern, den geladenen Journalisten und den Chefköchen des Nobelhotels gemeinsam.

Familientreffen, weltweit.


Wo bleibt bei so viel Trubel und Erlebnissen das Privatleben? Leyla Guilany zieht die Augenbrauen hoch und breitet entwaffnend die Hände aus: "Ich bin Teilzeit-Stiefmutter. Einen halben Monat lebt die siebenjährige Tochter meines Verlobten bei uns, dann sind wir eine ganz normale Familie. Und in der anderen Hälfte des Monats genießen wir das Nachtleben." Und das Reisen darf natürlich auch nicht zu kurz kommen. Schon als Studentin ist Leyla Guilany viel durch die Welt gereist - eine gute Gelegenheit, um ihre Tanten, Onkel und Cousins zu besuchen, die auf verschiedenen Kontinenten verstreut leben. Als ihre Familienmitglieder den Iran als politische Flüchtlinge verließen, war Leyla zehn Monate alt. Ihr großer Traum ist es, endlich einmal in das Land ihrer Geburt reisen zu können.
Aber es gibt noch mehr weiße Flecke auf ihrer Reiselandkarte und deswegen freut sich Leyla Guilany ganz besonders darüber, dass ihre Firma nun Pleon heißt und ihre Kollegen in ganz Europa sitzen. Die interkulturelle Kommunikation jedenfalls dürfte der reiselustigen und polyglotten PR-Frau nicht schwer fallen. Immerhin spricht sie fließend Englisch, Spanisch und Persisch. Kleine Kostprobe gefällig? "Reïli rochanlam ban choman hastam emrouz", sagt Leyla Guilany in melodischen Sprachwellen, "das heißt: Ich freue mich sehr, Sie heute hier begrüßen zu dürfen." Und wie sagt man zum Abschied? "Rodanfez!"
Draußen vor der Tür trägt die Stadt immer noch Winterfarben - aber irgendwie ist es ein bisschen wärmer und heller geworden.

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Leyla Guilany ist Account-Managerin bei Pleon Paris.

Gundula Englisch arbeitet als freie Redakteurin für changeX.

Weitere Informationen:
www.pleon.com

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Gundula Englisch, Journalistin, Autorin und Filmemacherin, arbeitet als freie Autorin und Redakteurin für changeX.

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