Wir kündigen!
Alle Folgen im Überblick

Vorher
Mit Namen. Wer einen Namen hat, wird im täglichen Scheinwerferlicht bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.
Nachher
Ohne Namen. Wer anonym bleibt, hat die Freiheit, das Neue auf unbegrenzte Weise zu denken.
Vorher
Früher wurde Futurologie inszeniert wie Fernsehen: Der Bürger konnte sich zurücklehnen und spannende Unterhaltung konsumieren: mit Robotern, Heli-Rucksäcken und Urlaub auf dem Mond. Das Ganze folgenfrei. Heute ist das Futurum fest in der Hand von Apokalyptikern höheren Alters, die ihr eigenes Ableben mit dem Ende der Welt verwechseln. Sie vermiesen Kindern und Jugendlichen die Zukunft, weil sie selbst keine mehr haben. Und die Mächtigen freuen sich über jeden, der sich nicht einmischt.
Nachher
Zukunft geschieht nicht, sie wird gestaltet. Von denen, die an sie glauben. Sie ist offener und unberechenbarer denn je, sie lädt ein als faszinierender Möglichkeitsraum. Wir entwickeln Szenarien, denken in Alternativen und auf Vorrat, betreiben einen Prozess permanenter kreativer Zerstörung. Mit den selbst auferlegten Beschränkungen in unseren Köpfen fangen wir an: Sie sind die wahren Grenzen des Wachstums. Mit Phantasie siegt die Zukunft über die Diktatur der Gegenwart.
Vorher
Arbeit ist das halbe Leben, weil wir arbeiten, um zu leben. So kommen wir nie auf einen grünen Zweig.
Nachher
Arbeit ist das ganze Leben, und wir leben, um zu arbeiten. Wir sitzen schon längst auf einem stabilen Ast im Baum der Erkenntnis.
Vorher
Einfalt.
Nachher
Vielfalt.
Vorher
Wohl oder übel! Das Händehoch der Postmoderne.
Nachher
Wohlstand ist die selbst bestimmte Idee, Konzeption und Realisierung eines gelungenen Lebens.
Vorher
Wir wissen, was Unglück ist, und sind nicht mal dann glücklich, wenn es ausbleibt. (Man könnte auch sagen: Dumm sein und Arbeit haben, das ist Glück.)
Nachher
Wir wissen, was Glück sein kann, und sind nicht unglücklich, wenn es sich nicht immer gleich auf Zuruf einstellt. (Man könnte auch sagen: Schlau sein und eine Arbeit daraus machen, das ist Glück.)
Vorher
Die Ökobewegung war sehr erfolgreich darin, ihre Mythen in den gesellschaftlichen Mainstream einzubauen. Die schönsten lauten: Indianer lebten in schönster Harmonie mit der Natur und waren sanft, edel und gut; Landschaft ist schön, wenn unberührt; Afrikaner müssen Elefanten genauso klasse finden wie wir; für Delphine gibt es nichts Größeres, als ihre Good Vibrations mit im Meer planschenden Esoterikern auszutauschen. Der Mensch (im Singular) gilt als pathologischer Irrtum der Evolution, im Plural wird er zur tödlichen Plage des Planeten. Dass D-Day naht, da sind sich Naturschützer, Zeugen Jehovas und Profipessimisten wunderbar einig.
Nachher
Homo sapiens ist aus Natur hervorgegangen, und seine Werke bauen auf Natur auf: Städte, Autobahnen, Internet. Die Devise "Bloß nichts anrühren!" hat ausgedient. Ebenso wie hirnrissige Begründungen, wir müssten Natur "um ihrer selbst willen" erhalten. Vielmehr nutzen wir Pflanzen, Tiere und Landschaften für unsere Zwecke. Und schützen sie, weil WIR sie schön finden. Marktprinzipien befruchten das Ökomanagement: Disney schützt die Gorillas in Zentralafrika, und siehe da, die Populationen wachsen. Selbstverständlich übernehmen wir, die einflussreichste Spezies, besonders große Verantwortung für die Umwelt. Eigentum verpflichtet - das gilt auch für Heimatplaneten.
Vorher
Vielleicht, Arbeitskreis, Willkür.
Nachher
Ja, ja - nein, nein.
Vorher
Erfolg war früher durch Leistung definiert. Wer sie dauerhaft erbrachte, wurde mit Eigenheim, Traumurlaub und feudalem Leben belohnt. Jedoch nur, wenn er sich als Duckmäuser an die gesellschaftlichen Normen anpasste. Heute hat man Erfolg auch ohne Leistung. Oben ist, wer sich erfolgreich inszeniert. Jeder hat eine Chance, der Dumme sogar häufig Glück. Damit haben wir den Gipfel der Selbstverarschung erreicht! Jeder will nichts tun, aber alles bekommen.
Nachher
Erfolg ist die größtmögliche Übereinstimmung zwischen persönlichen Hoffnungen, Plänen und Zielen und der Möglichkeit, sie umzusetzen. Entdecker gesucht! Erfolg basiert auf der Vernetzung der eigenen Bedürfnisse mit gesellschaftlicher Zukunftsfähigkeit. Jeder tut, was er will - und das bekommt er auch.
Vorher
In Deutschland paart sich locker sitzender Technikpessimismus mit blindem Antikapitalismus, um sich dann in kulturpessimistischer Depression zu entladen. Gerne in Feuilletons und Bürgerinitiativen. Als ebenso blind erweist sich der Gegenpol, jenes Heer erfinderischer Zwerge, die in ihren technotopischen Heilsversprechen die Widerspruchsmöglichkeit des physischen Störfaktors Mensch gerne ausklammern.
Nachher
Fortschritt ist, wenn das Neue freudig begrüßt, es von allen Seiten berochen und befingert werden kann, ohne als unbotmäßiger Angriff aufs Altgewohnte diskriminiert zu werden. Und Fortschritt ist vor allem dann sehr fortschrittlich, wenn dessen technische Promotoren auch noch gelernt haben, dass sich ihre Tüftlerleidenschaft nicht nur in L'art-pour-l'art-Erfindungen austobt. Sie sind dann Spitze und werden in ihrer elitären Technikkompetenz erst dann anerkannt und bewundert, wenn sie begriffen haben, dass sie nicht nur sich und ihrem finanzklammen Forschungsinstitut dienen. Sondern denen, die etwas mit ihren Einsichten, Erkenntnissen und Erfindungen anfangen können. Anders gesagt: Fortschritt ist, wenn alle intelligenter werden.
Vorher
Die Feinde der Vernunft sind noch lange nicht besiegt. Im Gegenteil, Magie und Mythen treiben ihr Unwesen bis in die große und kleine Politik hinein. Quacksalber und Allheiler überall. Die Geschäftemacherei mit Esoterika, den kleinen Fluchten aus der Moderne, ist dabei noch das kleinere Übel. Schlimmer ist die Tatsache, dass durch das Einsickern voraufklärerischer Kulte schleichend der demokratische Konsens ausgehöhlt wird, wonach bewiesen werden muss, was man behauptet. Bei Erdstrahlen und Wunderheilern schalten Bürger den Verstand ab, bei Mythen wie "Achse des Bösen" die Politiker. Jeder glaubt, was er will.
Nachher
Vernunft regiert. Mythen sterben. Und die nächste Stufe menschlicher Evolution ist nicht prä-, sondern transrational.
Vorher
Immer mehr. Die Folge: Wir schrumpfen in nationalstaatlicher Enge, bürokratischer Kleingeisterei und alltäglicher Monotonie.
Nachher
Immer besser. Die Folge: Wir wachsen über uns hinaus und vertrauen der Grenzüberschreitung. In eine Welt, die uns gut findet.
Vorher
Lieber aufrecht sterben als auf den Knien leben.
Nachher
Lieber aufrecht leben als auf den Knien sterben.
Vorher
Brüder zur Sonne zur Freiheit!
Nachher
Die Freiheit nehm ich mir!
Vorher
Vernetztes Denken? Politiker, Manager und Medienleute gaukeln uns eine übersichtliche Welt vor, bedienen die Sehnsucht nach Simplem, nach einfachen Wahrheiten. Sie manipulieren, indem sie unzulässig vereinfachen. Komplexität? Zu kompliziert, zu belastend.
Nachher
Egal, wie komplex die Welt heute erscheint, morgen wird sie garantiert noch komplexer sein. Kein Grund zum Jammern, sondern ein gutes Zeichen für zunehmende Freiheit und Vernetzung auf der Welt. Komplexität? Ein Mehr an Möglichkeiten.
Vorher
Einfalt. Nationalstaat. Bollwerk. Mitte.
Nachher
Vielfalt. Region. Cluster. Rand.
Vorher
Wer nichts kann, ist nicht vertrauenswürdig. Wer kein Vertrauen mehr hat, sollte andere nicht länger täuschen und seinen Platz sofort frei machen.
Nachher
Wer etwas kann, ist vertrauenswürdig. Wer kein Vertrauen mehr hat, sucht sich ein neues Leben, in dem er wieder können darf, was er wirklich will.
Vorher
Ein starres Korsett von "Das-tut-man-nicht-Normen", gepaart mit angsteinflößenden Sanktionsandrohungen bei Verstößen. Als Agenten dieses Terrorregimes mit angeblichem Ewigkeitswert zeichneten sich Eltern, Lehrer, Chefs, Pfarrer und überhaupt Obrigkeiten aus. Der von ihnen seit geraumer Zeit beklagte "allgemeine Werteverfall" ist zugleich eine richtige wie eine falsche Beobachtung. Ihr ständig erhobener moralischer Zeigefinger ging der aufgeklärten Nachkriegsgeneration der Ichlinge so auf die Nerven, dass sie den Regelverstoß zur Regel Nummer eins erhob: Was verboten ist, macht uns gerade scharf.
Nachher
Nicht die Werte sind obsolet geworden, sondern die Intoleranz, mit der sie einerseits verteidigt, andererseits ignoriert wurden. Wissenszuwachs und Individualisierung führen zu einer Renaissance alter Werte in den neuen Möglichkeitsräumen, die sich die Menschen selbstständig eröffnen. Mit der Entdeckung des Selbstwertes wächst die Erkenntnis, dass wertorientiertes Handeln nicht nur nützlich, sondern auch notwendig ist, um besser zusammenleben und -arbeiten zu können. Was wertvoll sein soll, unterliegt einer ständigen inneren und äußeren Suche nach Balance zwischen den Polen Freiheit und Bindung, zwischen Ich-Begrenzung und Lustmaximierung. Wir finden einfallsreiche Kompromisse zwischen einem Mehr an Selbstverwirklichung und erstickender Beziehungsenge. Weil wir es uns wert sind.
Vorher
Ursprünglich ein netteres Wort für ökosoziale Marktwirtschaft. Verluderte in den 90er Jahren zu einem bürokratischen Konzept, das Heerscharen von Beauftragten und Experten zu Lohn und Ehren verhalf, Normalbürgern aber ein Rätsel blieb. Ungute Verbindung von Zukunftsangst und Verzichtsethik. Garantiert humorfrei.
Nachher
Wir vertrauen einer Gegenwart, die Umweltschonung längst zum gesellschaftlichen Mainstream gemacht hat. Und einer Zukunft, in der unsere Kreativität neue Probleme mit neuen Erfindungen beantworten wird. An die Stelle von Verzicht tritt die Tat. Wir handeln nach der Maxime: Hinterlasse die Welt besser, als du sie vorgefunden hast.
Vorher
Müde.
Nachher
Ausgeschlafen.
Vorher
Geld regiert die Welt. Geld bedeutet Macht, Reichtum, Wohlstand, Erfolg, Unabhängigkeit, Freiheit und Glück. Man muss arbeiten und Geld verdienen, um tun zu können, was man will. Alles pure Illusion.
Nachher
Tu, was du magst, dann bekommst du, was du brauchst. Die Quelle für Freiheit, Glück, Sicherheit oder Unabhängigkeit sind und bleiben wir selbst. Wir selbst sind das Tauschmittel. Wir bestimmen über unser Leben. Mit und ohne Geld, wie es uns beliebt.
Vorher
Gesundheit ist die Abwesenheit von Krankheit. Aus der Vorstellung heraus, dass der wissenschaftlich erforschte menschliche Körper Krankheitssymptome entwickelt, die bestimmte Funktionen dieser Maschine aus Fleisch und Blut beeinträchtigen, entwickelte die wissenschaftliche Medizin ein mittlerweile riesiges Instrumentarium an Möglichkeiten, diese Symptome zu eliminieren. Das so genannte Gesundheitssystem, das daraus erwuchs, hat mit Gesundheit nichts mehr zu tun: Es ist zu einem sauteueren Selbstbedienungsladen degeneriert, in dem das Kartell der Symptomkurierer ständig neue Krankheiten erfindet, so dass lukrative Folgeaufträge stets garantiert sind.
Nachher
Gesundheit ist die weitgehende Abwesenheit eines schmarotzerhaften Krankheitssystems, das auf Fehlfunktionen von Körpermaschinen fixiert ist. Im Mittelpunkt des Gesundheitswesens steht nicht mehr die Frage, was krank ist, sondern was gesund erhält. Die Menschen haben sich die Oberhoheit über ihr Leben und ihren Körper zurückerobert, weil sie erkannt haben, dass Erkrankung immer auf etwas Ungelebtes schließen lässt. Sie haben gelernt, dass sie viel mehr Leben leben können, als bisher gedacht. Das macht sie gesünder. Sie nehmen gerne Dienstleistungen in Anspruch, die ihnen ihr individuelles Salutogenese-Programm zusammenstellen helfen. Es herrschen Zustände wie im alten China: Der Arzt als Gesundheitsberater wird nur noch bezahlt, wenn man gesund bleibt. An einer Krankheit verdient er nichts mehr. Gesamtgesellschaftlich werden dadurch riesige Ressourcen frei, die neue Produktivitätssprünge erzeugen.
Vorher
Wer hip und modern klingen will, tauft alte Hierarchien kurzerhand in Netze um. Selbst der letzte Vorstandsvorsitzende, ausgestattet mit feudaler Macht und Herrlichkeit, der aber gerne zur Generation @ gezählt werden würde, stilisiert sich als Netzwerker. Doch hinter den klingenden Wortkulissen regieren die alten Bekannten "Command and Control" hemmungsloser denn je.
Nachher
Mündige Menschen organisieren sich selbst. Verbinden sich für Projekte, Engagement, Spaß. Weben intelligente Maschen. Knüpfen Netze ohne Zentrum. Vertrauen ist darin wichtiger als Kontrolle. Gut informierte Konsumenten sprechen mit den Anbietern auf Augenhöhe. Globalisierung wird zu einem Prozess, der von einem globalen Netzwerk kritischer Menschen sozial und ökologisch gestaltet wird. Alle Macht geht von den Vernetzten aus. Hier kommt die fünfte Gewalt: das Netz. Wir. Alle.
Vorher
Das System hat sich selbstständig gemacht.
Nachher
Selbstständige machen das System. Den Tüchtigen gehört die Welt, dem Rest das Weihnachtsgeld.
Vorher
Solidarität bedeutet Geld spenden. Es entlastet von der Erkenntnis, am Not und Elend dieser Welt mitzuwirken. Man kauft sich frei von der Mitverantwortung.
Nachher
Solidarität bedeutet, mehr als Geld zu spenden. Es bedeutet Mitverantwortung. Auch am Elend, das man mit Geld lindern möchte. Solidarität beginnt vorher. Aus ihr erwächst das Grundgefühl der Achtsamkeit für den Anderen. Heute besteht sie vielerorts darin, sich nicht in dessen Angelegenheiten einzumischen.
Vorher
Streben nach Erkenntnis, Wissen und Veredelung der Individualität nach innen wie nach außen, und damit so alt wie der menschliche Geist. Ergebnis von Lernanstrengung, mittels derer sich der Mensch für sich selbst interessant macht, andere an seinem Interessantsein teilhaben lassen kann und sich am Ende ohne Anleitung von Besserwissern seines eigenen Verstandes bedient.
Nachher
Bildung fördert nicht nur die Lust, ein Ich zu sein. Sie ist der Schutzpanzer gegen die medial vermittelten Sinnlosigkeitsdrogen. Bildung ist die einzige Chance, sich in der entfesselten Arbeitsgesellschaft einen erfüllungsverheißenden Marktnischenplatz in den vorderen Reihen zu sichern. Bildung verliert ihren Beschulungscharakter und regeneriert zum angeleiteten Autodidaktentum.
Vorher
Erster Schritt: Mobilität wird auf Verkehr reduziert. Zweiter Schritt: Verkehr wird von den zuständigen Technokraten und Planwirtschaftlern behandelt wie Müll; möglichst vermeiden, vermindern, verlagern, am besten ganz verbieten und Urlaubsflüge nur noch alle paar Jahre genehmigen. Dritter Schritt: Stillstand! Statt über menschliche Bedürfnisse und Beweggründe zu sprechen, faseln Ingenieure von Durchflussprofilen, Verkehrsströmen und deren Eindämmung. Sie beschwören hydraulische Rhetorik, als gehe es um Deichbau. Und vergessen, dass es die großen Gefühle wie Neugier und Liebe sind, die Menschen bewegen. Denn weil Sehnsucht keine Sinuskurve ist, wird sie im Weltbild der Verkehrsbürokraten ausgeblendet. Besonders haben sie es auf die Freizeitmobilität abgesehen. Die sei irrational, ergo überflüssig, also zu vermeiden, vermindern � siehe oben.
Nachher
Mobilität bedeutet nicht, Kilometer zu fressen, sondern seine Ziele zu erreichen. Grenzen zu überwinden. Aufzubrechen, um sowohl physisch als auch geistig fortzukommen. Als Akt geografischer Emanzipation befreit sie von Schicksal und Standort. Globale Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur brauchen ein hohes Maß an Mobilität, um ihre Vitalität zu erhalten. Migration ist nicht automatisch ein Treck ins Elend, sondern ein Zeichen für Glückssuche und Glaube an das bessere Leben. Migranten, oft besonders mutige und unternehmerisch denkende Menschen, sind Vorposten der Zukunft. Der aufgeklärte Homo mobilis ringt um eine neue Balance zwischen Entfesselung und Verwurzelung, virtueller Bewegung und sinnlichem Kontakt, Geburtsbindungen und Wahlverwandtschaften. Er sucht sein persönliches Tempolimit, seine Eigenzeit: Eine Relativitätstheorie für den Alltag entsteht.
Vorher
Zunächst ein kleingeredeter Begriff, später ein Fremdwort, dann eine dem Vergessen anheimgefallene Lebenshaltung. Im wohlfahrtsstaatlichen System der organisierten Verantwortungslosigkeit kreist alles Sinnen und Trachten um die eine Kerngröße: Sicherheit. Soziale natürlich, also in monetären Größen zu bemessende Sicherheit. Wo die persönliche Verantwortung abhanden kommt, gedeiht der Wunsch nach Versorgung, ohne Pflichten übernehmen zu müssen. Der Boden ist bereitet für psychischen Infantilismus, gepaart mit grenzenloser Gier - oben wie unten. Und dem latenten Verdacht, immer und überall nur Opfer zu sein.
Nachher
Die ersten mühsamen Versuche, den Begriff Verantwortung kollektiv neu zu buchstabieren, ernten narzisstisch gekränktes Geschrei: "Zumutung", "sozial ungerecht". Der neue Zwang, das Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen und selbstständig zu organisieren, fördert aber die befreiende Erkenntnis, dass mit der gewohnten Sorglosigkeit in Abhängigkeit ein Grundpfeiler moderner Gesellschaften fast zusammengebrochen ist: die menschliche Würde. Wir haben sie uns im vollen Bewusstsein der Eigenverantwortung zurückerobert und machen jetzt ein Versprechen der Aufklärung wahr: Jeder ist seines Glückes Schmied.
Vorher
Risikogesellschaft - das will ja keiner. Also wird Nullrisiko angestrebt. Mit dem Hinweis auf mögliche Gefahren, irgendwann irgendwo für irgendwen, traut sich keiner mehr auf unbekanntes Terrain. Schon Zehntklässler planen ihre Karrieren bis zur Rente durch. Echtes Unternehmertum, untrennbar verbunden mit Aufbruch und Wagemut, wird nicht gefördert. Der Staat etabliert ein perverses Vorsorgeprinzip, das mit Hinweis auf Promillewahrscheinlichkeiten auch den letzten Rest von Innovationswillen lähmt. Eine ganze Gesellschaft beschließt, voll versichert an Langeweile zu sterben.
Nachher
Die Menschen lernen, zwischen tatsächlichen und eingebildeten Risiken zu unterscheiden. Sie üben den kalkulierten Umgang mit Unsicherheit, das Abwägen zwischen Chance und Scheitern. Sie verstehen, dass die Freiheit, ihr Leben selbst zu gestalten, nicht ohne ein Quäntchen Unsicherheit zu haben ist. Statt vor falschen Gefahren zu schützen, packt der Staat die echten an, Arbeitslosigkeit und Armut. Manager bekommen ihre Riesengehälter nur noch dann, wenn sie auch persönlich für Erfolg oder Misserfolg haften. Menschen mit Zivilcourage sind die neuen Helden der Nation.
Vorher
Jedes Ziel ist okay.
Nachher
Erreichen, was man will.
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