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Mach mal Pause

Mit Pausen mehr erreichen
Essay: Ulrike Reiche

Jeder vierte Mitarbeiter verzichtet heute auf seine Arbeitspause. Es wird durchgearbeitet und rangeklotzt. Das ist fatal. Denn Pausen erhalten die Leistungsfähigkeit und haben entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit und Produktivität von Unternehmen. Pausen reduzieren die Fehlerquote, verbessern die Lösungskompetenz und fördern Effizienz und Kreativität im Arbeitsprozess. Gefragt ist deshalb ein Mindshift, ein Wandel der Einstellung zur Pause: Pausen sind kein lästiges Übel. Sondern Voraussetzung für gute Arbeit und Unternehmenserfolg.

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Mach doch mal Pause! Angesichts flexibler Arbeitszeiten, mobiler Einsatzorte und zunehmender Stressbelastung hat der Werbespruch aus den 1950er-Jahren eine hohe Aktualität. Nach neuesten Untersuchungen verzichtet derzeit jeder vierte Mitarbeiter komplett auf seine Arbeitspause. Bei erhöhtem Workload tendieren viele Menschen dazu, ihre Arbeit nur noch selten zu unterbrechen. So verzichten sie auf ihr Mittagessen und andere Erholungspausen selbst dann, wenn die Zeiterfassung die vorgesehene Mindestpausenzeit automatisch abzieht. Bei vielen Menschen löst dieses Arbeitsverhalten das "Hamsterrad"-Gefühl aus, sie fühlen sich getrieben und kommen nicht mehr zur Ruhe. 

Damit rückt der Begriff "Entschleunigung" in den Blick. Schlagworte wie Stressmanagement und Resilienz haben in den vergangenen Jahren Einzug in die Berufswelt gehalten, der Trend zur Achtsamkeit ist en vogue. Damit einher gehen betriebliche Präventionsmaßnahmen wie Rückenschule und Yogakurse. Und das ganze Unternehmen kann sich im Rahmen eines Audits für sein vorbildliches betriebliches Gesundheitsmanagement zertifizieren lassen. Man sollte also annehmen, dass im betrieblichen Umfeld alle notwendigen Weichen dafür gestellt sind, dass Mitarbeiter dauerhaft leistungsfähig bleiben.  

Warum dies dennoch nicht der Fall ist? Am rechtlichen Rahmen liegt es nicht. Der ist eindeutig.


Die Pause - weder Goodwill noch Sozialleistung


Ein Blick auf die Arbeitszeitgesetzgebung zeigt, dass der aktuelle Trend zu einer gesundheitsorientierten und die menschlichen Ressourcen schonenden Arbeitsweise keineswegs neu ist. Rechtliche Regelungen zu einer Beschränkung der Arbeitszeit haben eine lange Tradition. Drei Beispiele: 

  • Schon im ausgehenden Mittelalter beschränkte das Bergrecht in Deutschland und Österreich die Dauer der Schicht in Bergwerken auf sechs, später acht Stunden. Noch im Jahr 1553 bekräftigte Kaiser Ferdinand I. von Österreich die Begrenzung des Arbeitstages auf acht Stunden. Damals zeichnete sich in den Bergwerken aber bereits eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeiten ab, die in der industriellen Revolution dann eskalierte - und eine Gegenbewegung zur neuerlichen Beschränkung der Arbeitszeit provozierte.

  • 1839 verankerte Friedrich Wilhelm III. mit dem sogenannten Preußischen Regulativ den Gesundheitsschutz von jugendlichen Fabrikarbeitern in der Rechtsordnung. Diese Regelung gilt als das erste deutsche Gesetz zum Arbeitsschutz.

  • Die heute übliche 40-Stunden-Woche wurde in den meisten Branchen im Laufe der 1950er-Jahre eingeführt. Diese allgemeine Grundsatzregelung wurde ab 1994 im Arbeitszeitgesetz weiter ausdifferenziert. Das Gesetz zielt vorrangig auf den Gesundheitsschutz sowie die Sicherheit der Beschäftigten ab und legt unter anderem eine durchschnittliche werktägliche Arbeitszeit von acht Stunden fest.

Die Intention der gesetzlichen Regelungen war stets, die Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung zu schützen, wenn auch vorrangig aus wirtschaftlichen Gründen. Ihrer Einführung gingen jeweils Phasen besonderer Belastungen voraus, die zu Engpässen am Arbeitsmarkt führten: Im 19. Jahrhundert war in den Fabriken eine 80-Stunden-Woche die Regel. Infolge dessen ließen sich seinerzeit kaum noch taugliche Männer als Soldaten für die Armee rekrutieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Überlebende schwer belastet oder als Invaliden zurück in die Berufswelt und waren nur eingeschränkt arbeitsfähig. Im folgenden Wirtschaftsaufschwung wurden dann alle verfügbaren Kräfte gebraucht. Heute wiederum stellt sich vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung - im Durchschnitt älter werdende Belegschaften und längere Lebensarbeitszeiten - und einem sich bereits abzeichnenden Fachkräftemangel die Frage, unter welchen Bedingungen Menschen dauerhaft leistungsfähig bleiben und mit den sich immer schneller verändernden Arbeitsbedingungen zurechtkommen.  

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte differenzierte sich der gesetzliche Rahmen auf Grundlage wissenschaftlicher Forschung weiter aus. Hinzu kamen weitere Regelungen in Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit. Hierzu zählen auch die gültigen Regelungen zu Pausenzeiten. Sie sind im Arbeitszeitgesetz verankert und damit - was fälschlicherweise oft angenommen wird - weder ein Goodwill des Arbeitgebers noch eine von den Gewerkschaften geschickt ausgehandelte Sozialleistung. Die im Gesetz festgeschriebenen Mindestzeiten sollen dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit von Beschäftigten im gesamtwirtschaftlichen Kontext zu erhalten. Der Gesetzgeber nimmt daher Unternehmen und Führungskräfte in die Pflicht: Verstöße gelten als Ordnungswidrigkeit und werden mit Bußgeldern geahndet. Es ist Aufgabe der Führungskraft, den betrieblichen Ablauf und die gesetzlichen Vorschriften im Blick zu behalten.


Gesundheit aus dem Blick


Angesichts dieses eindeutigen rechtlichen Rahmens stellen sich Fragen: Warum verzichten dennoch so viele Beschäftigte auf ihr gutes Recht auf Pausen? Warum verzichten sie - zu ihren eigenen Lasten - auf die notwendige Erholung, besonders in arbeitsreichen Zeiten? Warum werden die Pausenregelungen von vielen Führungskräften nicht ernst genommen?  

Die Gründe sind vielfältig. Sie liegen in den Auswirkungen von Wirtschaftstrends wie Digitalisierung, Zentralisierung und Outsourcing. Sie gehen einher mit einer stärkeren Arbeitsteilung, flexibleren Arbeitszeiten und führen zu einer zunehmenden Mobilität: Derzeit pendeln in Deutschland mehrere Millionen Menschen täglich mehr als eine Stunde von und zu ihrem Arbeitsort. Hinzu kommt die Angst vor einer Disruption, die in kürzester Zeit bewährte Geschäftsmodelle und Produkte durch technische Innovation verdrängt und damit Arbeitsplätze gefährdet. In Studien werden diese Faktoren als Gründe für eine erhöhte Stressbelastung und Unzufriedenheit am Arbeitsplatz genannt. Repräsentative Mitarbeiterbefragungen ergeben zudem, dass Führungskräfte oft negativen Einfluss auf das Arbeitsverhalten und die Krankenquote haben. So werden beispielsweise unklare Arbeitsaufträge und mangelnde Wertschätzung der Mitarbeiter als belastende Faktoren genannt. 

All dies führt dazu, dass Beschäftigte, aber auch viele Selbständige, aus Angst vor Arbeitsplatz- respektive Auftragsverlust zusätzliche Belastungen auf sich nehmen - und dabei sich selbst aus dem Blick verlieren. Dies gilt insbesondere für leistungsstarke Menschen, die sich mit ihrer Arbeit identifizieren und sich dementsprechend engagieren. Auch wenn wir von den Bedingungen in den Fabriken des 19. Jahrhunderts weit entfernt sind, lässt sich die aktuelle Situation in einem Punkt mit der damaligen Zeit vergleichen: An die Stelle der seinerzeit körperlich überlastenden Arbeitsweise tritt heute eine psychomentale Belastung durch die sich im rasanten Tempo verändernden modernen Technologien und flexiblen Arbeitsbedingungen, begleitet von Verschiebungen am Arbeitsmarkt. Es fehlt an Orientierung, und von jedem Einzelnen ist gefordert, permanent dazuzulernen und sich fortwährend anzupassen. Wohl auch deswegen stellt sich bei vielen Menschen das Gefühl ein, durchgehend arbeiten zu müssen, um stets am Ball zu bleiben und auf der Höhe der Zeit zu sein. 

Zudem geraten häufig genug die natürlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter aus dem Blick der Unternehmen. Als Schlüsselfaktoren für wirtschaftlichen Erfolg gelten unverändert Kennziffern wie Produktivität, Effizienz sowie ein stringentes Kosten- und Risikomanagement. Dabei konzentriert sich das Management gemeinhin auf technische oder funktionale Aspekte wie reibungslose Arbeitsprozesse, Produktinnovation und Vertriebszahlen. Die Mitarbeitergesundheit hingegen spielt keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Doch auch sie ließe sich in diesem Licht betrachten: Nur wer seinem natürlichen Bedürfnis nach angemessenen Erholungszeiten und einem ausgewogenen Arbeitsrhythmus nachkommt, kann auf Dauer Höchstleistung bringen, effizient und fehlerfrei arbeiten und dadurch den Unternehmenserfolg mehren. Auch dabei geht es um mehr Produktivität, höhere Effizienz, bessere Vertriebserfolge, geringere Kosten und schließlich auch ein höheres Unternehmensergebnis.


Pausenzeiten sind frei verfügbar


In solchen Zeiten bleibt Unternehmen wie Beschäftigten nur ein Gegenmittel: vital und lernfähig bleiben! Denn fortgesetztes Durcharbeiten bis zum Umfallen und der Verzicht auf Erholungszeiten sind kontraproduktiv. Denn Gesundheit ebenso wie lebenslanges Lernen erfordern Zeit zur Regeneration, und zwar kontinuierlich und direkt in den Arbeitsalltag integriert. Dennoch wird die Pausen-Frage sowohl bei den Beschäftigten selbst als auch bei Führungskräften, Betriebsräten und Arbeitsschutz-Fachkräften als ein "nice to have" betrachtet. Erholungspausen gelten als lästige Einschränkung der flexiblen Arbeitszeitgestaltung und sind im Zweifel ein Problem des arbeitenden Individuums.  

Was bei dieser engen Betrachtungsweise vernachlässigt wird: Pausen erhalten die Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers und nützen damit zunächst einmal ihm selbst. Darüber hinaus haben sie jedoch entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit und Produktivität von Unternehmen. Pausen reduzieren die Fehlerquote, verbessern die Lösungskompetenz und fördern Effizienz und Kreativität im Arbeitsprozess. Und sie erhalten Zeiten, in denen Kommunikation und Informationsaustausch im Team stattfinden können, wirken sich also positiv auf Betriebsklima und Arbeitsorganisation aus. Diese Effekte sind wesentliche Voraussetzungen dafür, dass ein Unternehmen sich dauerhaft erfolgreich am Markt behaupten kann. Dies gilt umso mehr, wenn die Digitalisierung die wirtschaftliche Entwicklung beschleunigt und fortgesetzte Innovation erfordert.  

Den Mitarbeitern verlangt die aktive Pausengestaltung ein erhöhtes Maß an Selbststeuerung ab, vor allem bei flexiblen Arbeitszeiten. Pausenzeiten sind frei verfügbar, der Mitarbeiter entscheidet also selbst, (a) was er macht und (b) wo er die Pause verbringt. Daher zählen Pausen auch nicht zur Arbeitszeit, es sei denn, sie sind kürzer als 15 Minuten und der Mitarbeiter darf den Arbeitsplatz nicht verlassen (Bereitschaft). Bei eigenständiger Organisation der Arbeit kommt es darauf an, von vornherein und gezielt die Dauer der Arbeitszeit sowie der Pause zu planen. Aus gutem Grund. Denn geplante und bewusst gestaltete Pausen sind die einfachste und wirkungsvollste Burnout-Prophylaxe! Die Voraussetzung dafür ist, dass sich eine Person selbst beobachtet und lernt, ihre Pausen zu nutzen. Orientierung hierfür bieten beispielsweise folgende Fragen:

  • Wie, wo und mit wem möchte ich meine Pausen verbringen?

  • Welcher Pausentyp bin ich? Brauche ich eher Bewegung oder den Rückzug an einen ruhigen Platz, um einen Moment abzuschalten?

  • Wie sieht mein idealer Pausenrhythmus aus? Empfehlungswerte hierzu sind: Alle 90 Minuten eine kurze Erholungspause einlegen, mittags möglichst 30 bis 60 Minuten pausieren.

Die meisten Menschen denken bei dem Wort "Pause" an längere Arbeitsunterbrechungen wie eine ausführliche Mittagspause oder gar an Auszeiten wie das Wochenende oder den Urlaub. Dabei meint Pause jede Unterbrechung der Arbeit, und sei sie auch noch so kurz. Schon einige konzentrierte Atemzüge oder ein paar Schritte mitten in der Aktivität reichen häufig, Kopf und Körper eine Erholung zu verschaffen. Wer solche Momente in seinen Alltag integriert, erhält dauerhaft seine Kraft und hat auch in der Freizeit noch genügend Energie für persönliche Interessen. Das macht zufrieden und beugt dem Burnout vor. Und im Übrigen ermöglichen Pausen es auch, einen Schritt aus dem Hamsterrad herauszutreten und das eigene Leistungslevel zu überprüfen. Kurze Mikropausen helfen, den Kopf frei zu machen und so Antworten auf dringende Fragen zu finden oder kreative Ideen zu entwickeln. So gesehen ist die Pause nicht nur ein Mittel zur gesunden Selbststeuerung, sondern auch ein Innovationstreiber.


Führungsfrage Pause


Maßgeblichen Einfluss auf die herrschende Pausenkultur im Unternehmen haben selbstredend die Führungskräfte. Sie haben einen reibungslosen Betriebsablauf zu gewährleisten und sind gleichzeitig dafür verantwortlich, dass die gesetzlichen Regelungen in ihrem Verantwortungsbereich eingehalten werden. Machen Mitarbeiter etwa gar keine Pause mehr, stellt dies eine Verletzung der Arbeitszeitvorschriften dar, die auf die Führungskraft zurückfällt. Diese Gemengelage führt häufig dazu, dass sich Führungskräfte dem notwendigen Abstimmungsprozedere im Team entziehen, indem sie entweder rigide Vorgaben machen, was die gewünschte Flexibilität der Arbeits- und Pausenzeiten konterkariert, oder aber den Mitarbeitern unkontrolliert freie Hand lassen und damit ihre Aufsichtspflicht vernachlässigen. Dieses gern mit dem Label "Vertrauensarbeitszeit" versehene Verhalten delegiert die Problematik auf die Ebene der Beschäftigten und verhüllt die dahinter stehende Einstellung: "Es ist mir egal, wie viel du arbeitest, Hauptsache, das Ergebnis stimmt."  

Diese Ignoranz aufseiten der Führungskräfte führt dann etwa dazu, dass Teammeetings zu einem Zeitpunkt angesetzt werden, wenn die meisten Mitarbeiter präsent sind, zum Beispiel während der Mittagspause oder am Ende des Arbeitstages. Dass die Mitarbeiter dann keine Möglichkeit zum Kantinenbesuch oder der Teilnahme an Präventionsmaßnahmen haben, wird billigend in Kauf genommen.  

Ein gesundes Führungsverhalten verlangt hingegen, gemeinsam mit den Mitarbeitern einen Weg durch das Spannungsfeld von einerseits flexiblen, individuellen Arbeitszeiten und andererseits vorgegebenen Servicelevels und fixen Ablaufprozessen zu finden. Was sich für viele wie eine Quadratur des Kreises anhört, ist nichts anderes als die Herausforderung, vor der auch die Mitarbeiter stehen: die Anpassung des eigenen Verhaltens an veränderte Rahmen- und Arbeitsbedingungen. Für die Führungskräfte bedeutet dies, sich von weitverbreiteten Kontrollmechanismen zu verabschieden und ihren Teams die Fähigkeit zur Selbstorganisation zuzutrauen. Es reicht, den Mitarbeitern durch Vorgaben zur gewünschten Arbeitsleistung (inklusive Arbeitszeiten) einen Orientierungsrahmen zu geben, den das Team dann in gemeinschaftlicher Abstimmung ausfüllt. Mit dieser konstruktiven Einstellung lässt sich auch der allgegenwärtigen Sorge vor dem digitalen Fortschritt begegnen. Wie es der Zukunftsforscher Matthias Horx unlängst formulierte: "Disruption entsteht immer dann, wenn alte Systeme träge, selbstgerecht und zukunftsblind werden." Wo sich Arbeitszeiten flexibilisieren und digitales Arbeiten Einzug hält, sind Führungskräfte gefordert, sich von einem überholten Top-down-Führungsverständnis und rigiden Vorgaben zu verabschieden. Nur dort, wo Mitarbeiter die Möglichkeit haben, eigenständig und flexibel zu agieren, sind künftig Arbeitsqualität und Produktivität aufrechtzuerhalten.


Mindshift: Pausen sind kein lästiges Übel


Eine gesunde Arbeits- und Pausenkultur ist von elementarer Bedeutung für den Geschäftserfolg von Unternehmen. Angesichts fortschreitender Digitalisierung müssen sie kontinuierlich mit der technologischen Entwicklung und den damit einhergehenden Folgen Schritt halten. Doch das ist lediglich das, was alle anderen Marktteilnehmer ebenso tun. Es stellt sich also die Frage, in welchen Bereichen darüber hinaus noch Produktivitätssteigerungen und Kostenoptimierung möglich sind, um einen wirtschaftlichen Vorsprung zu generieren. Diese Betrachtung mündet konsequenterweise in der Überlegung: Wo könnte das Unternehmen stehen, wenn die Mitarbeiter auf gesunde Art mehr erreichen? 

Es gilt, bei Führungskräften auf allen Hierarchieebenen als auch bei den Mitarbeitern einen Mindshift auszulösen, eine grundlegende Veränderung der Einstellung zur Pause: Pausen sind kein lästiges Übel, sondern die Voraussetzung für bessere Arbeitsergebnisse und den Unternehmenserfolg. Umsetzen lässt sich ein solcher Einstellungswandel am besten im Rahmen eines systematischen betrieblichen Gesundheitsmanagements. Der herrschenden Pausenkultur kann hierbei eine Schlüsselrolle zukommen: Zeigt sich doch am Umgang mit Pausen, wie in einem Unternehmen gearbeitet wird und ob der Change hin zu einem gesünderen Arbeitsverhalten gelingt. Das erfordert oftmals keine gewaltigen Programme. Häufig lässt sich eine pausenfreundliche Infrastruktur allein schon durch die Nutzung vorhandener Ressourcen schaffen: Beispielsweise bieten arbeitsplatznahe Rückzugsräume in leer stehenden Büros den Beschäftigten die Möglichkeit, die Arbeit kurz zu unterbrechen und einen Moment zu entspannen. Damit diese Möglichkeiten auch in Anspruch genommen werden, sind Führungskräfte dazu anzuhalten, ihren Mitarbeitern Auszeiten zu ermöglichen.


Der Mensch im Mittelpunkt der Wirtschaft


Letztlich aber muss Gesundheit als integrativer Bestandteil jeder Unternehmensstrategie verstanden werden. Der Kreis schließt sich erst dann, wenn der Begriff "Nachhaltigkeit" in Unternehmen über eine ressourcenschonende Produktion und energieeffiziente Bürotürme hinausgedacht und der Mensch selbst in den Mittelpunkt des Wirtschaftsgeschehens gerückt wird. Auch diese Erkenntnis ist keineswegs neu: Schon Mitte der 1990er-Jahre hat der Zukunftsforscher Leo A. Nefiodow betont, dass die ganzheitliche Gesundheit Auslöser und Träger des aktuellen großen Wirtschaftszyklus ("Der sechste Kondratieff") sein werde. Er sah die Auswirkungen aktueller Trends wie die Digitalisierung, disruptiver Entwicklungen und sozialer Verwerfungen voraus und prophezeite die Notwendigkeit tragfähiger Wachstumskonzepte. Vor allem müsse die Produktivität im Gesundheitswesen deutlich verbessert werden. Dies erfordert eine Abkehr von der bislang üblichen Fokussierung auf körperliche Störungen und Krankheiten. Stattdessen sollten Gesundheitsausgaben als Investitionen betrachtet werden, die einen nachhaltigen Effekt erzielen und vorbeugende Maßnahmen in den Vordergrund rücken. So ließen sich die aufgrund körperlicher und psychischer Krankheiten entstehenden Kosten reduzieren und volkswirtschaftlich bedeutsame Produktivitätssteigerungen realisieren. 

Dieser Herausforderung sehen sich heute vorausschauende Unternehmer gegenüber. Damit ist das Einhalten von Pausenzeiten ein erster Schritt in die richtige Richtung - und dennoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.  


Zitate


"Nur wer seinem natürlichen Bedürfnis nach angemessenen Erholungszeiten und einem ausgewogenen Arbeitsrhythmus nachkommt, kann auf Dauer Höchstleistung bringen, effizient und fehlerfrei arbeiten und dadurch den Unternehmenserfolg mehren." Ulrike Reiche: Mach mal Pause

"Pausen erhalten die Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers und haben entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit und Produktivität von Unternehmen." Ulrike Reiche: Mach mal Pause

"Pausen reduzieren die Fehlerquote, verbessern die Lösungskompetenz und fördern Effizienz und Kreativität im Arbeitsprozess." Ulrike Reiche: Mach mal Pause

"Geplante und bewusst gestaltete Pausen sind die einfachste und wirkungsvollste Burnout-Prophylaxe!" Ulrike Reiche: Mach mal Pause

"Kurze Mikropausen helfen, den Kopf frei zu machen und so Antworten auf dringende Fragen zu finden oder kreative Ideen zu entwickeln." Ulrike Reiche: Mach mal Pause

"Nur dort, wo Mitarbeiter die Möglichkeit haben, eigenständig und flexibel zu agieren, sind künftig Arbeitsqualität und Produktivität aufrechtzuerhalten." Ulrike Reiche: Mach mal Pause

"Eine gesunde Arbeits- und Pausenkultur ist von elementarer Bedeutung für den Geschäftserfolg von Unternehmen." Ulrike Reiche: Mach mal Pause

"Pausen sind kein lästiges Übel, sondern die Voraussetzung für bessere Arbeitsergebnisse und den Unternehmenserfolg." Ulrike Reiche: Mach mal Pause

 

changeX 01.06.2017. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Quellenangaben

Autorin

Ulrike Reiche
Reiche

Ulrike Reiche berät seit 2004 Unternehmen und Privatpersonen rund um Gesundheit und Beruf. Zu diesem Themenkreis publiziert sie regelmäßig Fachartikel und Bücher. Zuletzt erschienen ist ihre Ratgeber-Reihe: Meine Yoga-Pause für den Job. Have a break, Meine Yoga-Pause für zu Hause sowie Meine Yoga-Pause für unterwegs. Website: www.humanatwork.de

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