Besser entscheiden

Das Wissensmagazin GDI Impuls über Decision Design

Da dank Hightech und Big Data die Prognosen immer präziser werden, steigt die Notwendigkeit, auch unsere Entscheidungen zu verbessern - oder zumindest bessere Entscheidungsverfahren zu entwickeln.

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Die Sommerausgabe von GDI Impuls untersucht das dynamische Spannungsfeld von Prognose und Entscheidung: bei Menschen (wie in der Medizin), auf Märkten (wie dem für disziplinierende Produkte) und Maschinen (wie den Robocars). Da Prognosen immer besser werden, steigt der Druck, auch unsere Entscheidungen zu verbessern. 

Am Fall der US-Schauspielerin Angelina Jolie zeigen sich sowohl die Chancen als auch die Risiken neuer Prognoseverfahren: Gentests geben bis aufs Prozent genau aussehende Prognosen über zukünftige Erkrankungen - und stellen damit auch (noch) völlig gesunde Menschen vor die Entscheidung über radikale medizinische Eingriffe. Karin Frick, die Leiterin des GDI-Thinktanks, weist in einem Beitrag auf ein grundlegendes Problem neuer Prognoseinstrumente hin: "Die Anbieter versprechen, dass Menschen aufgrund besseren Wissens rationaler entscheiden. Aber stimmt das auch? Die Verhaltensforschung zeigt doch, dass Menschen oft nicht rational, sondern emotional entscheiden." Der Fortschritt der Prognoseverfahren müsse deshalb von einem Fortschritt der Entscheidungsverfahren begleitet werden.  

Den besten Ansatzpunkt für Fortschritte in diesem Segment sieht der Verhaltensökonom Gerhard Fehr in der frühen Kindheit. Denn das, so Fehr im Interview, sei die Zeit, in der sich beim Menschen die Geduldspräferenz herausbilde, und diese wiederum sei entscheidend für die Entscheidungsqualität: "Geduld. Sie ist die Erfolgspräferenz. Ob Planung oder Selbstbeherrschung, intrinsische Motivation oder Intelligenz, alles hängt von der Geduld ab." Fehrs Top-Tipp für mehr Erfolg: "dem Kind jeden Abend vor dem Schlafengehen eine Geschichte vorlesen". Das sei ein Stabilitätsanker, mit dem Stress deutlich reduziert werden könne, "und es hat sich gezeigt, dass die Entwicklung von Geduldspräferenzen sehr stark davon abhängt, wie viel Stress bei der Erziehung herrscht".  

Einen anderen Weg zu einem besseren Decision Design beschreibt ein Text der am 4. Mai im Alter von 75 Jahren verstorbenen Schriftstellerin Helga Königsdorf. Sie schlägt zwei globale Entscheidungsstrukturen für den Kampf gegen absolute Armut und Umweltzerstörung vor. Der Text, im Jahr 1994 verfasst, wird in GDI Impuls erstmals veröffentlicht. Königsdorfs Analyse ist heute noch genauso aktuell wie vor 20 Jahren, und ihre Vorschläge sind (leider) noch genauso weit von der Umsetzung entfernt wie damals.  

Um Entscheidungen, die einen selbst betreffen, geht es in zwei weiteren Beiträgen: Anja Dilk beschäftigt sich mit dem sich verbreitenden Phänomen der digitalen Selbstvermessung und dem Einsatz von Big Data im Gesundheitssektor. Judith Mair, Bitten Stetter und Team unternehmen einen Streifzug durch die Lebenswelt des perfekten Ichs im Jahr 2020, in der disziplinierende Produkte ideale Körper und berechenbares Glück versprechen.  

GDI Impuls ist zu beziehen über das GDI Gottlieb Duttweiler Institute. Auskunft: Daniela Fässler daniela.faessler@gdi.ch, Telefon +41 44 724 61 11 


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