Alternative: Übernahme

Serie Gründergeist 34: Einen Betrieb übernehmen - aber wie? Der Praxisratgeber von Reiner Walter und Maria Wirtz
Text: Jost Burger

Gründer müssen nicht bei null anfangen. Eine Existenz kann auch gründen, wer ein bestehendes Unternehmen übernimmt. Zwar fehlt der Übernahme der Glamour des Gründens, nicht selten ist sie die bessere Lösung. Manchmal vielleicht sogar die beste. Ein ungewöhnlicher Praxisratgeber bietet Begleitung an.

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Man möchte ja nichts verschreien, aber es ist nun einmal leider so, dass viele Unternehmensgründungen schiefgehen. Der Gründe sind viele, aber wer sich mit der Sache beschäftigt, der weiß: Oft liegt's am Prinzip Gründung. Das kann eben nicht jeder. Das heißt aber nicht, dass dieselbe Person nicht ein hervorragender Unternehmensführer sein kann. Wie kommen diese Leute dann zu einem Unternehmen? Durch eine Firmenübernahme.  

Allzu oft ziehen Menschen, die gerne selbständig arbeiten wollen, diese Möglichkeit der Existenzgründung nicht in Betracht. Vielleicht, weil ihr vorderhand der Glamour des Gründens, des Schaffens fehlt. Dabei gibt es Konstellationen, in denen sich die Übernahme eines bestehenden Betriebs geradezu als Ideallösung darstellt. Zum Beispiel, wenn das Unternehmen von Anfang an eine gewisse Produktionsausstattung oder erfahrene Mitarbeiter braucht. Dennoch - ein leichtes Unterfangen ist so eine Übernahme nicht.  

Da hilft der Ratgeber Einen Betrieb übernehmen - aber wie? aus dem Reiner Walter Verlag. Obwohl schon 2005 erschienen, sei es jedem empfohlen, der sich mit dem Gedanken einer Firmenübernahme als Existenzgründung trägt.  

So wie Michael Bauer. Das ist nämlich der Held des Buches. Ein Managementbuch mit einem Helden? Tatsächlich wagen die Autoren Reiner Walter und Maria Wirtz einiges. Sie vermitteln die umfangreiche Erfahrung, die sie aus ihrer Praxis als Nachfolgeberater mitbringen, in Form der persönlichen Erzählung der Geschichte eben jenes Michael Bauer, Ich-Perspektive und dramatische häusliche Diskussionen inklusive.  

Und das Kunststück gelingt: Ohne künstlich und aufgesetzt zu wirken, berichtet Diplom-Ingenieur Bauer, wie er seinen Traum verwirklicht, einen eigenen Maschinenbaubetrieb zu führen. Geschildert werden die ersten Diskussionen mit seiner Frau - anschließend geht's in den Praxisteil Profilerstellung; die langwierige Suche nach dem richtigen Unternehmen - gefolgt vom Praxisteil Unternehmensbewertung; die schwierigen Verhandlungen mit dem Eigentümer, die Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten und Fördergeldern, die Tücken der Personalpolitik und all die anderen Klippen, die es auf dem Weg zum Betriebskapitän zu umschiffen gibt (ein Ziel, das Bauer natürlich erreicht). Neben den praktischen Exkursen im Anschluss an jede dieser Phasen finden sich im zweiten Teil noch viele Übersichten, Aufzählungen und Checklisten - von den Elementen eines Kaufvertrages bis zur Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Es fehlt wirklich nichts.  

Dass Bauer auf der letzten Seite im Gespräch mit seiner Frau Bilanz zieht und zum Schluss kommt, dass die ganze Sache furchtbar anstrengend war und er das alles - natürlich - ohne Berater nie geschafft hätte, jetzt aber doch ziemlich glücklich sei, macht die Darstellung richtig sympathisch. Oder realistisch, wenn man so will. Besseres kann man von einem Praxisratgeber nicht sagen.  



changeX 15.08.2011. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Zum Buch

: Einen Betrieb übernehmen - aber wie?. Existenzgründung durch Unternehmensnachfolge. Reiner Walter Verlag, Wuppertal 2011, 278 Seiten, 35 Euro, ISBN 978-39810174-0-3 

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Autor

Jost Burger
Burger

Jost Burger ist freier Journalist in Berlin. Er schreibt als freier Mitarbeiter für changeX.

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