Innovation Kartoffel
Führen wie der Alte Fritz. Der Anti-Machiavelli für Manager - das neue Buch von Peter Fidrich.
Von Florian Michl
Friedrich der Große war Stratege, Querdenker, Innovator und Organisator. Aber vor allem war er erfolgreich. Von ihm können Manager lernen. Zum Beispiel, wie sie Mitarbeiter führen, sich dem Wettbewerb stellen, für Wachstum sorgen, Innovationen vorantreiben und vor allem: wie sie zielgerichtet handeln. / 07.01.09
Fidrich Cover"Von treuen Untertanen wurde er geliebt, von seinen Gegnern gehasst, von den Nationalsozialisten missbraucht, in der DDR 'rehabilitiert' und als Reiterstandbild auf Ostberlins Boulevard Unter den Linden zurückverpflanzt." So beschreibt der Unternehmensberater Peter Fidrich den ehemaligen König von Preußen, Friedrich den II., genannt "der Große".
1740 bestieg dieser den Thron, da war er gerade 28 Jahre alt, durch einen Briefwechsel mit Voltaire und eigenen Studien philosophisch gebildet und Autor zweier Bücher: den Betrachtungen über den gegenwärtigen Zustand Europas und des Antimachiavell, in dem er sich mit der rücksichtslosen Machtpolitik des Niccolò Machiavelli kritisch auseinandersetzt - ironischerweise, denn bereits zwei Jahre später ist er es, der Schlesien den Habsburgern streitig macht: Die so genannten Schlesischen Kriege entscheidet er für sich - Preußen ist damit die fünfte anerkannte Großmacht nach Österreich, Frankreich, Russland und Großbritannien.
40 Jahre kann er den Großmachtstatus aufrechterhalten - ein enormer Erfolg in einer Zeit, in der die Länder "wie Spielkarten erkämpft, getauscht und verteilt" werden. Das klingt nach den Märkten heute - und diese Parallele macht ihn als Vorbild für heutige Manager interessant. Welchen Handlungsmaximen folgte er? Welche Ideale und Werte hatte Friedrich der Große, der "Bündnisse schloss und brach" und "alles daransetzte, seinen Ruhm zu vergrößern"? Der aber auch den Strafvollzug humanisierte und die Folter abschaffte. Die Justiz reformierte und "Greencards" für ansiedlungswillige Ausländer vergab. Der die Schulpflicht vom fünften bis zum 13. Lebensjahr einführte und eine gezielte Bauernschutzpolitik begann. Dabei zeigt sich: Seine Werte haben nichts an Aktualität eingebüßt - es sind Parameter des Erfolgs und zum Teil Grundwerte menschlichen Handelns fern von Trends und Moden.

Braindrain im 18. Jahrhundert.


In seinem neuen Buch beschreibt Fidrich die Regierungszeit des Preußenkönigs bis zu seinem Tod: Dabei lernt der Leser ein Kapitel deutscher Geschichte kennen, auch wenn das eher an der Oberfläche geschieht. Ausführlicher und interessanter sind die Parallelen zur Gegenwart, die Fidrich zieht. Hier machen sich die Jahre bemerkbar, die der Autor in den Topetagen von IBM, Nixdorf und Siemens verbracht hat.
Zum Beispiel der Braindrain: Den gab es auch schon unter Friedrich dem Großen. So wie heute die Manager von Firma zu Firma wandern, waren auch die militärischen Führungskräfte im 17. und 18. Jahrhundert nicht einem Auftraggeber, einer Armee verhaftet. "Vielmehr zeichneten sie sich durch Internationalität aus und befehligten die Truppen mal des einen, mal des anderen Landes. Prinz Eugen von Savoyen war ein klassisches Beispiel", schreibt Fidrich. Der Preußenkönig hingegen erkannte die Gefahr einer solchen Entwicklung. Als sein Generaldirektorium einmal für einen Gerber um Genehmigung bat, außerhalb Preußens eine Meistertochter heiraten zu dürfen, antwortete er: "Das Direktorium soll Leute ins Land ziehen und nicht hinausschaffen. Das sind recht lächerliche Anfragen. Unterstehen Sie sich, mit dergleichen wiederzukommen!" Auf die Art konnte Friedrich II. noch ganz einfach eine Abwanderung von Fachkräften verhindern. So viel zum Thema Mitarbeiterbindung.

Eigentümer vor Manager.


Nah an der Realität unserer Zeit ist die Frage, ob Unternehmen nicht besser von Eigentümern geführt werden sollten als von angestellten Managern. Des Alten Fritz Antwort fällt eindeutig aus: "Die Menschen verwachsen innerlich mit dem, was ihnen gehört. Der Staat gehört den Ministern nicht; sein Wohlergehen liegt ihnen also nicht wahrhaftig am Herzen." Hatte Friedrich der Große recht? Zumindest nach den Aussagen des Managers der Fondsgesellschaft Frankfurt-Trust, Friedrich Diel: Demnach würden eigentümergeführte Unternehmen deutlich höhere Renditen erzielen als solche mit angestellten Managern, zitiert ihn Fidrich.
Es sind aber nicht nur solche Brücken zur Gegenwart, die das Buch interessant machen. 17 Kapitel geben Einblick in Friedrichs "Management-Methoden": Wie er sich dem Wettbewerb und Druck der anderen Staaten stellt, das Wachstum seines Reiches fördert, die Soldaten motiviert und Innovationen vorantreibt. Berühmt ist in dieser Hinsicht sein "Kartoffelbefehl", als sich Bauern anfangs weigerten, die "merkwürdige Knolle" anzubauen: Die preußischen Beamten hätten die Aufgabe, den Bauern den Nutzen dieses nahrhaften Gewächses begreiflich zu machen, verfügte er. Im Handeln war der Preußenkönig nicht zimperlich. Und das sollte auch keine Führungskraft sein, schreibt er im Antimachiavell: "Nicht die Gedanken, sondern die Handlungen eines Fürsten machen die Menschen glücklich."

Florian Michl ist freier Mitarbeiter bei changeX.

Peter Fidrich:
Führen wie der Alte Fritz.
Der Anti-Machiavelli für Manager.

Econ Verlag, Berlin 2008,
272 Seiten, 18 Euro.
ISBN 978-3-430-20039-4
www.econ-verlag.de

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Zum Buch

: Führen wie der Alte Fritz.. Der Anti-Machiavelli für Manager.. Econ Verlag, Berlin 2008, 272 Seiten, ISBN 978-3-430-20039-4

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Autor

Florian Michl
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Florian Michl schreibt als freier Autor für changeX.

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