Wer will, muss nicht

Verbesserungswissen ist ein Rohstoff der Zukunft, entscheidend aber ist die freiwillige Weitergabe
Von Petra Leipold

Verbesserungsideen können weder verordnet noch erzwungen werden, sie sind eine ganz persönliche und freiwillige Leistung jedes einzelnen Mitarbeiters. Erfahren Mitarbeiter, dass ihre Führungskräfte die Beteiligung am Verbesserungsprozess fördern und unterstützen, werden sie diesen bereitwillig mittragen.

Verbesserungswissen ist ein Rohstoff der Zukunft. Mitarbeiter (*) zu begeistern, sich an einem betrieblichen Ideenmanagement zu beteiligen, leistet somit einen wichtigen Beitrag für die Sicherung der Zukunft eines Unternehmens. Entscheidend dabei ist jedoch, dass die Beteiligung am Ideenmanagement von den Mitarbeitern mitgetragen wird. Wenn wir heute von Ideenmanagement sprechen, so ist damit der mitarbeitergetragene Kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP) gemeint. Andere Ideensysteme zielen hingegen überwiegend auf einen von Experten getragenen Verbesserungsprozess.


Führungsaufgabe Unternehmenskultur


Ein Ideenmanagement ist ein wichtiger Baustein der Unternehmens- und Führungskultur, denn es trägt dazu bei, dass Mitarbeiter ihr eigenes Aufgabengebiet mitgestalten und es optimieren. Daraus resultiert eine Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit, der Mitarbeiter erhält eine positive Rückkopplung von der Führungskraft und erfährt durch das Ideenmanagement eine offizielle Anerkennung durch das Unternehmen.  

Ein partnerschaftlicher Führungsstil hat dabei einen positiven Einfluss auf die Innovationskraft der Mitarbeiter. Je intensiver die Kommunikation zwischen den Hierarchieebenen und je größer die Einflussmöglichkeiten der Mitarbeiter sind, desto mehr Verbesserungsideen können entstehen.  

Eine wichtige Aufgabe von Führung ist es, einen idealen Nährboden für eine erfolgreiche Beteiligung der Mitarbeiter am Ideenmanagement zu schaffen. Dabei spielt die Gestaltung einer positiven Unternehmenskultur durch die Führungskraft eine maßgebliche Rolle. Die Führungskraft kann hierbei die folgenden Bereiche positiv beeinflussen:  

  • Führung: Eine beteiligungsorientierte Unternehmenskultur fördert den Weitblick der Mitarbeiter über ihren eigenen Aufgabenbereich hinaus; sie unterstützt Eigeninitiative und Verantwortungsübernahme und fördert eine gemeinsame Erarbeitung von Visionen und Zielen.
  • Weiterbildung und Verbesserung: Im Mittelpunkt steht die Befähigung der Mitarbeiter, nach besseren Lösungen suchen zu können (zum Beispiel durch Fachwissen und betriebsinterne Informationen, um so unternehmerisches Denken und Handeln überhaupt zu ermöglichen) und dies auch zu dürfen (zum Beispiel, indem Zeitressourcen für Verbesserungsfindung und -umsetzung eingeplant werden). Wichtig sind das Coachen von Thematisierungen und Analysen sowie die Vermeidung von Barrieren, die Kreativität eindämmen würden.
  • Team: Eine positive Unternehmenskultur bedeutet hier, den Ausgleich von Stärken und Schwächen im Team zuzulassen und konstruktive Kritik und gegenseitige Wertschätzung zu fördern.
  • Service: Die Bedürfnisse und Erwartungen der Kunden stehen immer im Zentrum des Handelns und werden stetig hinterfragt. Diese Grundeinstellung wird auch auf die internen Kunden übertragen - auf den Umgang mit Kollegen und Kolleginnen.


Wandel zur Verbesserungskultur


Eine positive Unternehmenskultur kann sich in eine Verbesserungskultur wandeln. Dazu können folgende Merkmale als Vergleich zu Hilfe genommen werden: (**)

  • Zielrichtung für Verbesserungen: stetige Prozess- und Parameteroptimierung, Evolution, kontinuierliche Anpassung der Ablauforganisation.
  • Verbesserungsideen: überall auch im kleinen Stil, Detailverbesserungen, stetige Qualitätsverbesserung.
  • Ideenmanagement: Ist in das Tagesgeschäft integriert.
  • Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiter und Führungskräfte: Ist hoch; als Beleg dient die Eingangsquote von Verbesserungsideen.
  • Verantwortungsübernahme: Ist bedenkenlos und bereitwillig. Es gilt: "Wer will, muss nicht!"
  • Einsatz von Gebrauchs- und Verbrauchsgütern: Ist wirtschaftlich und eigenverantwortlich, sichtbar auch an Verbesserungen zur Vermeidung von Verschwendung.
  • Fehlzeiten: Sind gering, denn die Mitarbeiter fühlen sich akzeptiert, mitverantwortlich und kommen gerne zur Arbeit.
  • Personalentwicklung: Ist umfassend und bezieht alle Mitarbeiter ein.
  • Kritikverhalten: Ist konstruktiv und annehmend.
  • Entscheidungsfindung, Problemlösung: Wird im Team vor Ort mitgestaltet; Lösungsvorschläge der einzelnen Mitarbeiter werden kurzfristig verfolgt.
  • Verhalten gegenüber Fehlern: Fehler sind die Quelle für Verbesserungen - weg von der Fehlerkultur hin zur Verbesserungskultur!


Entscheidend: Freiwilligkeit


Das Ideenmanagement belohnt nicht das Abarbeiten des Pflichtenheftes der Mitarbeiter. Die korrekte Bearbeitung der Arbeitsaufgaben ist vielmehr die Voraussetzung für das Arbeitsverhältnis. Über das Ideenmanagement wird die Verbesserung - also die Vermeidung von Verschwendung und die Weiterentwicklung der eigenen oder anderer Arbeitsaufgaben - durch das Unternehmen anerkannt und belohnt. 

Oftmals nicht gesehen wird, dass die Teilnahme am Ideenmanagement von den Mitarbeitern emotionale Risikobereitschaft verlangt. Die Mitarbeiter stellen sich mit ihren Verbesserungsideen ihren Kollegen und den Führungskräften - denn meist müssen andere mitentscheiden, ob der eigene Anspruch, eine verständliche und umsetzbare Problemlösung, Verbesserung oder Innovation gefunden zu haben, greift. 

Solche Verbesserungsideen können weder verordnet noch erzwungen werden, sie sind eine ganz persönliche und freiwillige Leistung jeder einzelnen Mitarbeiterin und jedes einzelnen Mitarbeiters. Erfahren die Mitarbeiter durch ihre Führungskräfte die eindeutige und klare Befürwortung ihrer Teilnahme am Ideenmanagement, werden sie den Kontinuierlichen Verbesserungsprozess bereitwillig mittragen. 


(*) Wenn wir vom "Mitarbeiter" sprechen, sind natürlich immer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeint. 

(**) Siehe dazu mein Buch Führungsinstrument Ideenmanagement: Ein Instrument zur Unternehmenswertsteigerung - Ein Beleg guter Führung  


changeX 31.10.2012. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

ZI

Zentrum Ideenmanagement

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Zum Buch

: Führungsinstrument Ideenmanagement. Ein Instrument zur Unternehmenswertsteigerung - Ein Beleg guter Führung. Verlag Karl Maria Laufen, Oberhausen 2010, 150 Seiten, 23.80 Euro, ISBN 978-3-874682510

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Autorin

Petra Leipold
Leipold

Petra Leipold ist Betriebsökonomin, leitet das Ideenmanagement der opta data-Gruppe und ist im Bereich Ideenmanagement als Beraterin, Dozentin und Buchautorin tätig. Sie ist Beiratsmitglied des Zentrums Ideenmanagement im Deutschen Institut für Ideen- und Innovationsmanagement.

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