Erben lernen

Plötzlich und unerwartet - das neue Buch von Kirsten Schubert
Rezension: Anna Katharina Fricke

Der Vater, ein bekannter Familienunternehmer, stirbt - und plötzlich ist alles anders. Seine Tochter nimmt uns mit auf eine Reise durch die Untiefen von Erbschafts- und Nachfolgeregelungen. Ein sehr persönliches Buch, das anderen in ähnlicher Situation helfen soll, Hürden und Stolpersteine im Vorfeld zu vermeiden.

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Erben, das ist, wenn einer hinterlässt, also gibt, und andere vererbt bekommen, also nehmen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Das weiß niemand besser als Kirsten Schubert. Die Autorin hat den steinigen Weg von Erben und Unternehmensnachfolge am eigenen Leib erfahren.  

Als ihr Vater, Gründer der ehemaligen Schubert Unternehmensgruppe, stirbt, beginnt für sie als leitende Mitarbeiterin eine Odyssee durch die Erbschafts- und Nachfolgeregelungen. Mit ihrem Buch nimmt sie uns mit zurück in diese Zeit, die nicht nur von Trauer, sondern auch von konkreten Existenzängsten geprägt war.  

Schnell wird klar, dass es in diesem Buch nicht allein um juristische oder betriebswirtschaftliche Fragen geht. Vor allem geht es um die emotionale Ebene und psychologische Aspekte. Denn die zählen vor allem, wenn es ums Erben in einer Unternehmerfamilie geht. Von daher nimmt uns die Autorin im ersten Teil ihres Buches zunächst mit in ihre Jugend und schildert, wie sie als Tochter eines patriarchischen Unternehmervaters aufwuchs.


Über Tod redet man nicht


Im nächsten Teil erfahren wir Genaueres über die eigenen Hürden, die sie erlebte, und lernen weitere Beispiele bekannter Unternehmen mit ähnlichen Problemen kennen. Schuberts grundsätzlicher Appell ist zunächst, sich mit dem Thema offen auseinanderzusetzen: "Über Tod redet man nicht, übers Erben nur hinter vorgehaltener Hand", sagt die Autorin. Und das ist auch das Kernproblem. Denn bei diesem Thema machte auch ihr Vater die Schotten dicht, mit der Folge, dass das Testament sich als Hauptursache der folgenden Schwierigkeiten herausstellen sollte.  

Im weiteren Verlauf erfahren wir zum Beispiel, wie ein Testamentsvollstrecker, einst Freund der Familie, dieser plötzlich im Nacken sitzt. Der Leser lernt, wie eine drohende Dauertestamentsvollstreckung Erben regelrecht außer Gefecht setzt. Andererseits lernen wir aber auch, wie hilfreich eine postmortale Vollmacht ist, mit der der Bevollmächtigte die dringlichsten Geschäfte weiterführen kann. Denn nicht selten frieren Banken Konten ein, bis ein Erbschein vorliegt.  

Im letzten Teil schildert die Autorin ihre Erfahrungen beim Unternehmensverkauf - Rückschläge und Hindernisse inklusive. Schuberts Fazit: "Vererben ist eine Lebensaufgabe, deren Problematik oft unterschätzt wird." Sie empfiehlt, einen erfahrenen Navigator hinzuzuziehen, der einen sicher ans Ziel bringt. Genau das hat sie zu ihrer neuen Lebensaufgabe gemacht und stellt ihre Erfahrungen als Beraterin anderen Familienunternehmen zur Verfügung.


Weckruf für Erblasser und Augenöffner für Erben


Das Buch ist insbesondere empfehlenswert für diejenigen, die ein Unternehmen erben sollen. Mit ihrem Buch lässt uns die Autorin an ihrem Lernprozess teilhaben. Ihr Ziel ist, dass andere Erben eine günstigere Ausgangslage haben als die Autorin selbst. Das Buch versteht sich als Beginn einer Beratung, die dort ansetzt, wo andere aufhören: an der Selbstreflexion der Erben und Erblasser und der Auseinandersetzung mit Gefühlen, Erwartungen und Hoffnungen. Kurzum: ein Weckruf für künftige Erblasser und ein Augenöffner für Erben. Absolut lesenswert!  


Zitate


"Über Tod redet man nicht, übers Erben nur hinter vorgehaltener Hand." Kirsten Schubert: Plötzlich und unerwartet

"Vererben ist eine Lebensaufgabe, deren Problematik oft unterschätzt wird." Kirsten Schubert: Plötzlich und unerwartet

 

changeX 23.10.2015. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Zum Buch

: Plötzlich und unerwartet. Der steinige Weg der Erben und Unternehmensnachfolger. Murmann Publishers, Hamburg 2015, 200 Seiten, 30 Euro, ISBN 9783867744669

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Autorin

Anna Katharina Fricke
Fricke

Anna Katharina Fricke ist freie Journalistin in Berlin. Sie schreibt als freie Mitarbeiterin für changeX.

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