Unsere Shortlist

Die Nominierungsliste für die Wahl zum changeX-Buch des Jahres

Die Auswahl war nicht einfach. Und wir haben sie uns nicht leicht gemacht. Hier eine Kurzübersicht über die Buch-Kandidaten der Nominierungsrunde, ausgewählt von der Jury für die Wahl zum changeX-Buch des Jahres. Mit den Kurzbegründungen der Juroren.

Wie beim Oscar, da legt Anja Wert darauf, sind die gewählten Titel nicht mehr Bestandteil der Shortlist.  

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Daniel Goleman: Konzentriert euch! Eine Anleitung zum modernen Leben, Piper Verlag, München 2014, 384 Seiten, 19.99 Euro, ISBN 978-3-492-05652-6  

Alle mal kurz aufschauen vom Smartphone und herhören! "Aufmerksamkeit" schallt uns mittlerweile von allen Seiten um die Ohren. Manch einer hält das Konzept für nicht mehr als eine infame neue Möglichkeit, Mitarbeiter auszubeuten. Quatsch: Ohne Aufmerksamkeit, ohne Konzentration, ohne Eins-nach-dem-anderen und ohne Auch-mal-innehalten-und-warten wird das nichts: mit dem Gehirn, mit dem Leben, mit der Zukunft! Aufmerksamkeit, die alte Tugend - das beste Gegenmittel zur "Wir wollen alles, und zwar sofort und gleichzeitig"-Mentalität, die uns ja angeblich so nach vorne bringt. 

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Lisa Herzog: Freiheit gehört nicht nur den Reichen. Plädoyer für einen zeitgemäßen Liberalismus, Verlag C.H.Beck, München 2014, 207 Seiten, 14.95 Euro, ISBN 978-3-406-65933-1  

Leider hat ja die Zahnarzt- und Hotelbesitzer-Partei den Liberalismus endgültig in Verruf gebracht. Dabei kann genau die Kombination aus Freiheit zum wirtschaftlichen Handeln des Einzelnen und dem Wissen um die uns eingeborene Solidarität endlich den Weg schaffen zu einer Wirtschaft, die den Menschen wirklich sieht. Ohne die Verteufelung des Geldmachenwollens. Und ohne die dumme Verachtung von Menschen, die einfach nicht so gut mitkommen. Auch Aufsichtsräten wurden schließlich früher mal die Windeln gewechselt.  

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Byung-Chul Han: Psychopolitik. Neoliberalismus und die neuen Machttechniken, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2014, 124 Seiten, 19.99 Euro, ISBN 978-3-10-002203-5  

Manche Ideen sind so groß, dass es schon ein Gewinn ist, wenn sie - statt völlig durchdacht - nur angedacht sind. Was, wenn wir wirklich dabei wären, uns munter einer ökonomischen Macht zu unterwerfen und unsere zunehmende Unfreiheit auch noch für Freiheit zu halten? Han wendet die ästhetisch-moralische Kritik an der schönen heilen Welt 3.0 ins Politische und lässt uns erahnen, dass Selbstoptimierung und Selbstausbeutung zwei Seiten einer - neoliberalen - Medaille sind. Dieses Buch setzt einen provokativen, radikalen Kontrapunkt. Es rückt die psychische Feinsteuerung individuellen Verhaltens in den Blick und liefert damit zugleich Ansatzpunkte zu einem besseren Verständnis dessen, was Management ist.  

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Annette Jensen, Ute Scheub: Glücksökonomie. Wer teilt, hat mehr vom Leben, oekom verlag, München 2014, 320 Seiten, 19.95 Euro, ISBN 978-3-865816610  

Annette Jensen und Ute Scheub zeigen in ihrer Glücksökonomie, wie sehr die Zukunft von unserem eigenen Verhalten abhängt. Wir müssen verändern - aber wir können das auch. In unserem eigenen Tempo, nicht so atemlos wie die Gründer, und nicht so verschlafen wie die Behörden. Lehre: Es liegt an uns selbst, ob es gut oder schlecht wird.  

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Sylvia Löhken: Intros und Extros. Wie sie miteinander umgehen und voneinander profitieren, GABAL Verlag, Offenbach 2014, 360 Seiten, 24.90 Euro, ISBN 978-3-86936-549-7  

Endlich sagt’s eine: Gruppenarbeit kann so grauenvoll sein. Gemeinsames Lernen so eine Qual. Kooperation so unerträglich. Weil es auch Menschen gibt, die einfach mal in Ruhe und alleine nachdenken möchten, und nicht nur solche, die sich richtig reinhängen und dann scheinbar kein Feedback kriegen. Beide zusammen ergänzen sich wunderbar, wenn sie lernen, den jeweils anderen zu verstehen. Dies sagt übrigens einer, der ganze Hallen zuquatschen kann.  

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Niels Pfläging: Organisation für Komplexität. Wie Arbeit wieder lebendig wird - und Höchstleistung entsteht, Redline Verlag, München 2014, 141 Seiten, 12.99 Euro, ISBN 978-3-86881-570-2  

Zuerst erschien dieses Buch im Selfpublishing, erregte dann die Aufmerksamkeit des Redline Verlags und schaffte den Sprung ins Verlagsprogramm. Seitdem gibt es eine erweiterte Auflage. Eine bemerkenswerte Karriere eines im Selbstverlag (wie man früher sagte) herausgebrachten Buches. Zumal sein Thema nicht eben mainstreamig ist. Es bietet eine wunderbar anschaulich aufbereitete Einführung in das Verständnis von Organisationen als komplexe soziale Systeme. Niels Pfläging zeigt, wie sich neue Organisationen bauen lassen. Und er macht Mut, damit anzufangen. Ein eminent wichtiges Buch.  

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Philip Roscoe: Rechnet sich das? Wie ökonomisches Denken unsere Gesellschaft ärmer macht, Carl Hanser Verlag, München 2014, 316 Seiten, 21.90 Euro, ISBN 978-3-446-44037-1  

Die Ökonomie bestimmt unser Leben. Bis in alle Lebenswinkel legt sie fest, wie wir leben, wie wir sprechen, wie wir denken, wie wir handeln. Doch wir merken es nicht mal mehr. Umso wichtiger, dass uns jemand mal wieder die Augen öffnet. Was bleibt zum Beispiel von der jahrtausendealten Tugend der Gastfreundschaft in Zeiten von Airbnb? Was geschieht mit uns, wenn das Kosten-Nutzen-Denken allmächtig wird, wenn wir uns bei unseren Entscheidungen zunehmend an "objektiven" Zahlen orientieren und uns von Zahlen regieren lassen? Rechnet sich das? ist ein wichtiges Plädoyer gegen die grassierende Ökonomisierung des Lebens, gegen die Einpreisung allen Tuns und Lassens. Und: eine Lobpreisung des Über-die-Stränge-Schlagens.  

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Ariadne von Schirach: Du sollst nicht funktionieren. Für eine neue Lebenskunst, Tropen Verlag, Stuttgart 2014, 185 Seiten, 17.95 Euro, ISBN 978-3-608-50313-5 Wenn ein Mainstream aus ebenso gedankenloser wie narzisstischer Selbstoptimierungsliteratur alles fortzureißen droht, sollte einem jede Rettungsboje recht sein. Auch eine, die fraglos Mängel aufweist. Du sollst nicht funktionieren ist kein "Früher war alles besser"-Manifest, sondern eine nötige Polemik gegen den schleichenden Verlust der Autonomie des Menschen - eine gebotene Warnung vorm Ertrinken in Besinnungslosigkeit.

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Anne M. Schüller: Das Touchpoint-Unternehmen. Mitarbeiterführung in unserer neuen Businesswelt, GABAL Verlag, Offenbach 2014, 368 Seiten, 29.90 Euro, ISBN 978-3-86936-550-3  

Anne Schüller zeigt in ihrem Buch, wie ein Unternehmen aussieht, wenn man es konsequent vom Kunden her denkt - und kommt dabei zu ganz ähnlichen Ergebnissen wie andere Architekten des Neuen, die vom Inneren der Organisation ausgehen: Unternehmen sind künftig nicht mehr pyramidenförmig, sondern haben eine nach außen runde und nach innen vernetzte Struktur. Ohne formale Hierarchien, dafür mit viel Selbstorganisation. Und wann das alles umgesetzt wird? Schüller sagt klar: Unternehmen haben keine andere Wahl.  


changeX 15.12.2014. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Jury Bücher des Jahres 2014 mit X
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Das Buch des Jahres wählten: Detlef Gürtler, Chefredakteur des Schweizer Zukunftsmagazins GDI Impuls, und Holm Friebe, digitaler Vordenker und Gründer der Zentralen Intelligenz Agentur in Berlin, gehörten als externe Mitglieder der Jury an. Sie ergänzten das Team der bewährten changeX-Stammautoren Jost Burger, Dominik Fehrmann, Anja Dilk und Heike Littger um changeX-Chefredakteur Winfried Kretschmer.

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