Zwischen den Interessen schaukeln
Patchwork-Karrieren - wie changeX-Leser leben und arbeiten.
Von Sascha Hellmann
Geradlinige Lebensläufe, das war einmal. In der individualisierten Gesellschaft von heute kann sich jeder den passenden Lebensentwurf selbst aussuchen. Brüche, Überraschungen und Durststrecken eingeschlossen. Das Leben ist ein Patchwork unterschiedlicher Phasen, riskant und abwechslungsreich. In den nächsten Monaten porträtieren wir ausgewählte changeX-Leser. Spannende Menschen mit schillernd unterschiedlichen Lebens- und Arbeitswelten. In einer Serie von journalistischen Kurzporträts. Neue Folge 8: Roland Spinola in Fulda. / 28.02.08
Roland Spinola
Roland Spinola:
"Ich mache genau das, was mir Spaß macht. Und das ist ein Privileg."

Roland Spinola ist 71 Jahre alt. Der geborene Kölner geht nach dem Abitur nach München und studiert dort Maschinenbau. Er stellt jedoch bald fest, dass er "nicht der geborene Techniker" ist. Die Arbeit mit Menschen interessiert ihn mehr. So arbeitet er nach dem Studienabschluss vier Jahre als beratender Ingenieur in ganz Bayern. Er heiratet seine Frau Anke und sie bekommen drei Kinder. Spinola erinnert sich an diese Jahre: "Wir sind in goldenen Zeiten groß geworden. Es ging immer nach oben." 1966 kommt der Wechsel zu IBM. "Das war eine Karrierechance." Veränderungen gehören nun zu Spinolas weiterem Werdegang bei IBM, was intern nicht "International Business Machines Corporation" hieß, sondern "I've been moved", sagt Spinola. So wechselvoll seien die Aufgaben gewesen. Er fängt als Computerspezialist an, wird dann Vertriebsbeauftragter und wechselt darauf ins Marketingmanagement. Dann geht Spinola nach Brüssel, gibt Marketingschulungen im internationalen Bereich. Als er nach Deutschland zurückkommt, wird er Leiter der Systemanalyse in Frankfurt, später Vertriebsleiter. Und es geht wieder nach Brüssel, wo er den Führungsnachwuchs der IBM schult. "Sie sehen, wie ich vom Computerfachmann über Vertrieb, Marketing in Schulung und Weiterbildung reingewachsen bin." Rückblickend erkennt Spinola ein Profil seiner Tätigkeiten: "Es waren immer besondere, neue Aufgaben, die vorher so noch nicht da waren. Das hat mich gereizt. Und ich konnte mich kreativ austoben."

Potenziale erkennen.


1982 stößt Spinola auf H.D.I. - "Herrmann Dominanz Instrument", ein Verfahren, um menschliche Denk- und Verhaltensweisen zu erfassen und darzustellen. Basierend auf der eigenen Selbsteinschätzung zeigt es die relative Verteilung der bevorzugten Denk- und Verhaltensweisen - so wie ein Mensch sich selbst sieht. Insofern ist es kein Test, sondern eine Möglichkeit, eigene Potenziale klarer erkennen und besser ausbauen zu können. Mittels dieses Verfahrens sind auch Beratungen von Unternehmen möglich. Spinola ist davon so fasziniert, dass er neben seiner Tätigkeit bei IBM mit diesem Instrument in der Unternehmensberatung arbeitet. Doch irgendwann nimmt die Nebentätigkeit zu viel Raum ein. 1989 stellt sich die Frage: "IBM oder H.D.I.?" Die Entscheidung fällt für Letzteres. Zusammen mit seiner Frau baut Spinola das Herrmann Institut Deutschland in Fulda auf. Er setzt seine Beratungstätigkeit fort, bildet gleichzeitig Trainer aus und schreibt Bücher und Fachartikel über seine Erfahrungen mit dem Modell. 2001 verkauft Spinola. Aus dem Institut geht nun die Herrmann International Deutschland (HID) in Weilheim hervor. Doch wie lässt sich Spinolas Erfahrung mit dem Modell, die er in fast 20 Jahren erworben hat, verkaufen und damit auch vermitteln? "Roland, wir brauchen dich noch!", ertönt der Ruf aus Weilheim, erinnert sich Spinola. Und seither ist er für HID als Trainer tätig. Bis heute.

Nie mehr arbeiten.


Neben der Trainertätigkeit und dem Aufbau eines Trainernetzwerkes hält Spinola Vorträge: "Herrmann Dominanz Instrument, Paradigmenwechsel und Tabuthemen wie Geld." Er arbeitet noch täglich in seinem Büro im Haus. "Ich mache genau das, was mir Spaß macht. Und das ist ein Privileg." Auf die Frage, was Arbeit ist, sein sollte, erinnert sich Spinola an einen Spruch, der seine Situation gut beschreibe: "Wenn man das tut, was man gerne tut, muss man sein ganzes Leben nie mehr arbeiten." Natürlich gebe es auch immer Dinge, die getan werden müssten. "Aber im Grunde tue ich nur das, was ich gerne tue." Allerdings gibt es auch viele Wochen, in denen er nicht arbeitet. Dann unternimmt er Reisen mit seiner Frau und ist für seine Familie da. Sieben Enkelkinder fordern von Spinola auch die Rolle des Großvaters. Einen roten Faden sieht Spinola in seinem beruflichen Werdegang: "Es ist wie ein Schaukelprinzip." Er schaukele zwischen dem Techniker auf der einen Seite und dem kreativen Umgang mit Menschen auf der anderen Seite.
Auf changeX ist Spinola über einen Tipp gestoßen: "Schau dir das doch mal an, das ist doch was für dich." Er schaut sich changeX an und nutzt seitdem die für ihn hochinteressanten Beiträge. "changeX ist ungewöhnlich. Die haben eine schöne Formel gefunden."
Roland Spinola ist beruflich als Techniker gestartet, hat jedoch die Arbeit mit Menschen immer mehr als seine Berufung empfunden. Über viele Stationen ist er seinen unterschiedlichen Neigungen nachgegangen und lebt nun als siebenfacher Großvater technisches und menschliches Know-how.

Sascha Hellmann ist freier Mitarbeiter bei changeX.

Kontakt:
Roland Spinola
Training & Consulting
Klausenerstr. 4
36037 Fulda
Telefon: 0661-60 52 93
Fax: 0661-60 25 64
Mobil: 0171-40 11 038
E-Mail: Roland.Spinola@hid.de
Internet: www.rolandspinola.de
www.thinkonyourfeet.de

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Sascha Hellmann
Hellmann

Sascha Hellmann ist freier Journalist in Heidelberg. Er arbeitet als freier Mitarbeiter für changeX.

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