Verantwortung von innen
Nachhaltigkeitsarbeit in einem Weltkonzern. Ein Blick hinter die Kulissen - ein Dossier der Arcandor AG.
Von Sascha Hellmann
Verantwortung übernehmen! Ökologische und soziale Belange neben ökonomischen berücksichtigen! Für Unternehmen, die sich Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen geschrieben haben, ist das kein hehrer Appell. Sondern Anspruch an sich selbst. Doch wie sieht es damit in den Unternehmen wirklich aus? Die Arcandor AG hat eine Journalistin eingeladen, sich ein eigenes Bild von der Nachhaltigkeitsarbeit im Konzern zu machen. Ihre Ergebnisse sind in einem Dossier zusammengefasst. / 19.08.08
Nachhaltigkeit ist ein großes Wort. Und gleichzeitig ein großes Versprechen, das Unternehmen, die sich für Nachhaltigkeit engagieren, der Gesellschaft geben. Aber wie sieht die Nachhaltigkeitsarbeit in einem Unternehmen konkret aus? Wie lebendig ist das propagierte Engagement? Was tun und wie denken die Menschen, die sich für Unternehmensverantwortung engagieren? Die Arcandor AG hat ihre Tore geöffnet, um einen Blick auf die eigene Praxis in Corporate Social Responsibility zuzulassen. Es ist ein Blick hinter die Kulissen, der der Journalistin Anja Ruf ermöglicht wurde. Sie hat Gespräche mit Mitarbeitern und Führungskräften im Bereich Unternehmensverantwortung der Arcandor AG geführt und ihre Ergebnisse im Dossier Nachhaltigkeitsarbeit in einem Weltkonzern. Ein Blick hinter die Kulissen veröffentlicht, das der Ausgabe 6/2008 von welt-sichten beiliegt. Dieser Blick zeigt Innenansichten, die sich von der Außenperspektive unterscheiden sollen. Gleichzeitig sei das Dossier aber auch "ein Experiment, eine Gratwanderung". Schreibt Ruf im Editorial. "Schafft der Blick hinter die Kulissen mehr Transparenz für die Stakeholder oder bietet er CSR-Profis eine Bühne zur Selbstdarstellung? Und umgekehrt: Bedeutet mehr Transparenz für die im Unternehmen, die sich haben interviewen lassen, mehr Möglichkeiten zum Dialog mit Stakeholdern oder machen sie sich damit angreifbarer?" Fragen, die offenbleiben, die jedoch auch die Offenheit des Ansatzes dokumentieren. Und die ein Blick von außen gar nicht zu berücksichtigen vermag. Eben darin liegt der Reiz.

Praktikerinnen hinter den Kulissen.


"Ein Stockwerk höher warten die beiden Interviewpartnerinnen schon", schreibt Ruf zu der Begegnung mit den Managerinnen Esther Tse und Marion Schenk, deren gemeinsame Aufgabe es ist, die gesellschaftliche Verantwortung des Konzerns für die Lieferkette umzusetzen. "Eis gilt es nicht zu schmelzen, doch eine freundliche Reserviertheit ist spürbar. Die beiden Damen wissen nicht genau, was auf sie zukommt, die Fragen sind nicht abgesprochen. Sich vor dem Interview erst einmal einen Kaffee zu holen, empfinden alle als gute Idee." Beim Kaffee wird manches konkreter: Tse lebt in Hongkong, sie ist für Asien verantwortlich, Schenk lebt in Nürnberg und ist mit Europa betraut. Beide überwachen die Lieferkette der Hauptimportmärkte Asiens und Europas. Führen Stichproben in Fabriken durch, sprechen mit Arbeitern. Qualifizieren Lieferanten, soziale und ökologische Standards zu gewährleisten. Die beiden "Praktikerinnen hinter den Kulissen", wie Ruf schreibt, sind von der Notwendigkeit ihrer Arbeit überzeugt. "Man braucht neben einem langen Atem auch den Glauben an die positiven Aspekte der Globalisierung und einen gesunden Optimismus! Und all das haben wir."
Klaus Wilmsen setzt woanders an. Seine offizielle Bezeichnung: "Abt.-Direktor Qualitätssicherung und Umweltschutzbeauftragter Karstadt Warenhaus GmbH". Im letzten Jahr ist er als einziger Wirtschaftsvertreter in den Vorstand von TransFair e. V. gewählt worden. Das ist jedoch nur ein Projekt von vielen, seine Aktivitäten reichen von bundesweiten Energiesparaktionen über "Bio Erleben!" mit Schaukochen bis zum cleveren Karstadt-Igel Clemens Clever, der für den ökologischen Schulstart wirbt. Seit Wilmsen mit einer Tütensparaktion, durch die der Verbrauch an kostenlosen Tragetaschen von 240 Millionen auf 150 Millionen reduziert wurde, Kosten einsparen konnte, "weiß der Karstadt-Vorstand, dem Wilmsen direkt untersteht, dass man mit Umweltschutz sogar Geld verdienen kann", schreibt Ruf. Gutes tun und darüber reden!
Ein Fall unter vielen für die Kommunikationsexpertin Dr. Alexandra Hildebrandt, die den Bereich Gesellschaftspolitik leitet. Obwohl sie häufig mit Journalisten zu tun hat, ist es eine Premiere für sie, dass eine Journalistin sie in ihrem Arbeitsalltag begleitet. Für die studierte Literaturwissenschaftlerin und Psychologin, die sich selbst als Grenzgängerin sieht, fallen Beruf und Berufung zusammen. Ihre Aufgaben sind Organisationsentwicklung und Kommunikation. Doch beides lasse sich weder voneinander trennen noch gewichten. "Heutzutage müssen Organisationen flexibel sein - ebenso wie die Menschen, die für sie arbeiten. Kommunikation ist dabei ein entscheidender Faktor", sagt Hildebrandt. Allein die rund 200 E-Mails, die sie täglich erhält, um zur Unternehmensverantwortung des Konzerns Stellung zu beziehen, sind ein Beweis für die Bedeutung der Kommunikation.

Glaubwürdiges Engagement.


Der Rundgang der Journalistin Ruf zeigt, dass die Ansätze zur Umsetzung unternehmerischer Nachhaltigkeit vielfältig sein können. Und dass die Arcandor AG mit ihren Mitarbeitern an unterschiedlichen Punkten ansetzt. Professor Dr. Stefan Schaltegger, Leiter des weltweit ersten MBA-Studiengangs zum Nachhaltigkeitsmanagement am Centre for Sustainability Management, beleuchtet im Abschlussartikel des Dossiers Fragen zur Unternehmensverantwortung. Er schreibt: "Die Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise setzt neben Gesetzen, Marktanreizen und öffentlicher Aufmerksamkeit vor allem den Wandel des Unternehmens selbst voraus: einen Wandel in seinen Organisationsstrukturen, seiner Kultur, seinen Zielsetzungen und Managementsystemen sowie im angewendeten Wissen und Können seiner Entscheidungsträger." Ökologische, soziale und ökonomische Ansprüche müssten integrativ berücksichtigt und zu einer neuen innovativen Sicht zusammengeführt werden. Das Engagement für gesellschaftliche Anliegen wird zu einem Bestandteil der betrieblichen Wertschöpfung. "Am glaubwürdigsten ist das Engagement dann, wenn es nachvollziehbar und dauerhaft sowohl zu sozialen und ökologischen Verbesserungen als auch zum Unternehmenserfolg beiträgt." Der Blick hinter die Kulissen zeigt Aspekte der Nachhaltigkeitsarbeit bei der Arcandor AG. Auf lange Sicht wird auch der Blick von außen über die Glaubwürdigkeit des Engagements Auskunft geben können.

Sascha Hellmann ist freier Mitarbeiter bei changeX.

Nachhaltigkeitsarbeit CoverArcandor AG (Hg.):
Nachhaltigkeitsarbeit in einem Weltkonzern. Ein Blick hinter die Kulissen.
Ein Dossier der Abteilung "Gesellschaftspolitik" der Arcandor AG in Zusammenarbeit mit der Redaktion welt-sichten, Essen 2008.

 

Kontakt:
Arcandor AG
Dr. Alexandra Hildebrandt
Leiterin Gesellschaftspolitik
Theodor-Althoff-Straße 2
D-45133 Essen
Tel.: +49 (0)201/727-96 62
Fax: +49 (0)201/727-69 96 62
alexandra.hildebrandt@arcandor.com
www.arcandor.com

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Sascha Hellmann ist freier Journalist in Heidelberg. Er arbeitet als freier Mitarbeiter für changeX.

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