Selbst gemacht

GDI Impuls Nummer 3.2012 widmet sich der "Zukunft der Produktion"

Die große Story des 20. Jahrhunderts - die Massenfertigung - geht allmählich zu Ende. Dafür entstehen beständig neue Technologien und Einsatzgebiete für Individualproduktion. Sie können in den kommenden Jahrzehnten Wirtschaft und Gesellschaft ebenso umwälzen, wie es PC und Internet in den vergangenen Jahrzehnten getan haben.

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Fab-Lab und 3-D-Drucker - so heißen die Neuentwicklungen, auf denen das "Maker Movement" beruht. Sie haben das Potenzial, so der Beitrag von GDI Impuls-Chefredakteur Detlef Gürtler, die Güterproduktion wieder dorthin zurückzubringen, wo sie vor der industriellen Revolution angesiedelt war: direkt zu den Konsumenten. Nicht mehr Supply Chain Management oder Prozessautomatisierung bestimmen dann die zukünftige ökonomische Entwicklung, sondern Individual- und Eigenproduktion.  

Langfristig können daraus insbesondere jenen Standorten Probleme erwachsen, die ihre Stärke aus ihren Beschäftigten ziehen; für China mit seinen besonders günstigen Arbeitskräften gilt das ebenso wie für die Schweiz oder Deutschland mit ihren besonders qualifizierten Mitarbeitern. Doch erhält die Entwicklung auch von einer sehr technikfernen Seite Unterstützung: Die Sehnsucht nach dem Ursprünglichen bringt die Landwirtschaft zurück in die Stadt und das Handwerk zurück in den Hinterhof. Science und Romance ergänzen sich.  

Kurz- und mittelfristig steht die Individualproduktion allerdings vor dem Problem, sich durchzusetzen. "Derzeit tragen die Bastler die Entwicklung des 3-D-Druckers", sagt der Hackerspace-Betreiber Maximilian Bauer im Interview mit GDI Impuls, "doch was fehlt, sind die professionellen Anwendungen - oder soll man Kaffeetassen fürs Büro ausdrucken?" Den nächsten Schritt in die Breite sieht Bauer eher im Spielzeugmarkt: "Die Kids kommen damit jedenfalls gut zurecht." 

Das Potenzial der Individualproduktion für Medizintechnik und Pharmaindustrie loten Anja Dilk und Heike Littger in einer Forschungsreportage aus. Personalisierten Medikamenten werden dabei insbesondere in der Krebstherapie große Chancen eingeräumt; die Produktion individualisierter Organe sei dagegen noch ferne Zukunftsmusik.  

In "Converging Technologies" sieht der Soziologe Norbert Bolz eine spannende Perspektive für die nächsten Jahrzehnte. Physik, Informatik und Biologie wüchsen zusammen, indem sie ihre kleinsten Bestandteile Atom, Bit und Gen miteinander in Beziehung setzen und neue Welten schöpfen. Die Möglichkeit, uns dabei selbst neu zu formen, zu designen, werde das Verhältnis des Menschen zu Technologie und Fortschritt verändern: Ein "neuer Bund mit der Technik" entstehe.  

GDI Impuls ist zu beziehen über das GDI Gottlieb Duttweiler Institute. Auskunft: Daniela Fässler daniela.faessler@gdi.ch, Telefon +41 44 724 61 11 


changeX 13.09.2012. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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