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Kleines u, großes U

Hereingeschaut: beim Entrepreneurship Summit 2015
Report: Anja Dilk

Ein volles Audimax Sonntagmorgen um neun; eine Konferenzflasche als Pilotversuch; zwei Start-ups mit aktuellen Crowdfunding-Kampagnen on stage; Entry-preneurship für Flüchtlinge; und viele, viele Geschäftsmodelle, Ideen und Praxisbeispiele: Der Entrepreneurship Summit 2015 bestätigt seinen Ruf, die Ideenbörse für Gründer in Deutschland zu sein. Egal, ob es ums große oder ums kleine Unternehmen geht. Inhaltlicher Schwerpunkt in diesem Jahr: Kreislauf-Design von Stoffströmen.

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Gunter Pauli ist einer, von dem kann man nicht genug bekommen. Was also heißt hier "Schon wieder ich, Gunter Pauli", wie er sich auf dem Entrepreneurship Summit auf großer Bühne am Sonntagmorgen selbst einführt? Natürlich macht gerade das den Mann aus Belgien so sympathisch - diese Mischung aus Understatement, unverkrampfter persönlicher Offenheit und einem Tun, das den Mund offen stehen lässt: Mit seiner "Blue Economy", einer Wirtschaftsweise, die im Einklang mit dem Ökosystem unseres blauen Planeten zu arbeiten versucht, hat er in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben 200 Projekte angeschoben und drei Millionen Arbeitsplätze geschaffen.  

Da sind zum Beispiel die 3.000 Bauernhöfe, die Pilze auf Kaffeesatz züchten und so auf Basis konsequenter Stoffkreisläufe eine Ernährungsgrundlage für viele Menschen schaffen. Schon wird das Pilzzucht-Modell in einer stillgelegten Schwimmhalle in Rotterdam nachgeahmt. Mit dem Kaffeesatz, verrät Pauli, lässt sich noch viel mehr machen. Er lässt sich in Teppichen, in Kühlschränken oder Farben etwa einsetzen, er kann Platin ersetzen, um Wasserstoff zu spalten.


Kakerlaken-Entrepreneure sein


Da ist zum Beispiel Papier aus Stein, das ohne Bleichen, ohne Kleber, ohne Wasser, Gifte und ohne Abholzung von Bäumen auskommt, beim Drucken 15 bis 20 Prozent Tinte spart und zu 100 Prozent wieder in den Stoffkreislauf zurückzuführen ist. Begeistert von der Idee hat China bereits vier Steinpapier-Fabriken gebaut, endlich ist auch in Europa eine Entrepreneurin bereit, den Schritt zu wagen: Anne Pleun van Eijsden, die mit ihrem Team am 15. Oktober eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter gestartet hat.  

Da sind Disteln, diese chronisch unterschätzten Pflanzen, die auf Millionen Hektar Land in Europa wachsen - als "Unkraut". Doch aus Disteln kann man Tierfutter machen oder Treibstoff, ihre Enzyme lassen sich zur Herstellung von Ziegenkäse nutzen. Doch bislang nutzt diese biochemische Ressource fast niemand.  

Gunter Pauli ist einer, der hartnäckig fragt: Warum eigentlich nicht? Er ist ein Vernetzer, ein Inspirator oder, wie er selbst sagt, ein "Enzym", eine "Fliege an der Wand, die zuhört und Ideen weiterträgt". Manchmal ist er Bulldozer, der Hindernisse aus dem Weg räumt, sagt er über sich, oft Chef eines Orchesters, der die Akteure in einer komplexen Welt dirigiert und ein kleines Stück bessere Welt erschafft. Das gelingt freilich nur, wenn "Entrepreneure die Freiheit haben, weiter zu gehen als ihre Träume"; wenn sie sich nicht um Regeln scheren; wenn sie sich nicht - wie der Panda, der nur Bambus frisst und deshalb vom Aussterben bedroht ist - auf ein einziges Geschäft konzentrieren, sondern in alle Richtungen denken. Die Kakerlake macht es vor: Ihr ist völlig schnuppe, was sie frisst, deshalb kann sie überall überleben und das seit Millionen Jahren. "Wir sollten", ruft Pauli, "Kakerlaken-Entrepreneure sein!"


Wirtschaft anders angehen


Der jährliche Entrepreneurship Summit in Berlin mit wortgewaltigen Rednern wie Gunter Pauli ist längst zu einer Institution geworden. Fast 2.000 Unternehmer und Entrepreneurship-Fans pilgern jeden Oktober zum Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin, um sich inspirieren zu lassen, sich auszutauschen, ihr Konzept in einem Quick-Pitch auf die Probe zu stellen. Einen "magischen Ort, eine Bühne für Unternehmertum", nennt den Summit der Verleger Florian Langenscheidt. "Hier entstehen kreative Ideen, die die Welt verbessern und mit denen man gleichzeitig Geld verdienen kann", findet Ralf Fücks, Chef der Heinrich-Böll-Stiftung.  

Denn immer mehr will der Summit nicht mehr einfach nur Lust auf Gründung machen und Entrepreneure durch anregende Diskussionen und einen dicken Methodenkoffer auf dem Weg zu einem erfolgreichen Unternehmensstart begleiten. Es geht zunehmend darum, mit klugen unternehmerischen Geschäftsmodellen den Hebel für eine neue Ökonomie umzulegen. "Wirtschaft anders angehen", nennt das Günter Faltin, Erfinder und Macher des Summits. "Wer heute noch quantitative Wachstumsziele und Gewinnmaximierung an die erste Stelle setzt, passt nicht mehr in unsere Zeit. Wenn Unternehmen bereit sind, für dieses quantitative Wachstum fast jeden Preis zu zahlen, so sehr, dass sie sogar das Risiko eingehen, des Betrugs überführt zu werden, dann läuft etwas falsch in unserer Ökonomie", sagt Faltin. "Dann stimmt die Richtung nicht mehr." Denn nicht einzelne Manager sind die Stolpersteine, sondern an den grundlegenden Werten, Orientierungen und Organisationsstrukturen der Unternehmen krankt es. Faltin: "Wir brauchen Alternativen zur Ökonomie abgewirtschafteter Konzerne. Mit intelligenteren Konzepten, anderen Werthaltungen, anderen Ideen, anderen Menschen." Entrepreneuren, die für eine "intelligentere Ökonomie" kämpfen: ein zukunftsfähiges Wirtschaften.


Konferenzflasche im Pilotversuch


Der Summit wäre nicht der Summit, wenn es bei der Theorie bliebe. Er ist voller Praxisbeispiele. Beispiele für neue und zuweilen kühne Geschäftsmodelle, die zu durchleuchten einer der inhaltlichen Schwerpunkte der jährlichen Konferenz ist. Zuerst natürlich wieder Vordenker Pauli mit seiner neuesten Idee, die er hofft, im nächsten Jahr starten zu können: DYCLE, eine Abkürzung von diapers cycle - Windelkreislauf. Aus vollen Babywindeln wollen Entrepreneure Humus machen, auf dem Millionen Obstbäume wachsen, die wiederum Kohlenstoff aus der Luft binden würden. Die Windeln selbst werden aus Holzkohle und Küchenabfällen gefertigt, sie sollen umsonst an Stadtbewohner abgegeben werden, die sich in 100-Mann-Gemeinschaften organisieren und die vollen Windeln anschließend an wohnortnahen Sammelstellen zur Aufbereitung abgeben. Die Windelaufbereitung könnte Städten Geld sparen; 200.000 Windeln wandern etwa jeden Tag in Paris auf die Mülldeponien. Fünf Prozent des städtischen Mülls könnten so vermieden und stattdessen für die Anpflanzung von Bäumen umfunktioniert werden. Ein spannend klingendes, ausgetüfteltes Rundumkonzept, wenn auch in der euphorischen Kurzdarstellung auf dem Summit das finanzielle Geschäftsmodell nicht ganz deutlich wurde.  

Es gibt freilich nicht nur die großen Würfe, sondern auch viele kleine Projekte, die an den Ständen ihre Ideen präsentieren und zeigen, mit welch innovativen Methoden sie ihre Unternehmen voranbringen. Der Kakao-Anbieter Koawach zum Beispiel mit seinem fair gehandelten Bio-Kakao mit einem guten Schuss Koffein aus Guarana drückt den Besuchern am Probierstand eine Postkarte in die Hand, abzugeben beim Lieblingsladen um die Ecke: "Lieber Filialleiter, ich wünsche mir Koawach bei ....... weil .......".  

Die Jungs von Ratio-Drink, einem Start-up, das Bio-Fruchtsaftkonzentrate aus der Bag-in-Box-Packung zum Abzapfen bietet, haben eine "Konferenzflasche" entwickelt. Es gibt sie heute gratis für jeden Summit-Gast. Bedruckt mit Eichstrichen für die richtige Mischung von Saft und Wasser für Besucher, mit einem Feld, um seine Flasche mit seinem Namen zu kennzeichnen, optisch lässig und obendrein praktisch im Flens-Bier-Style mit Plopp-Verschluss. Die Konfi-Flasche ist ein Testballon. "Wir wollen die Becherflut auf Konferenzen reduzieren", sagt Ratio-Drink-Chef Rafael Kugel, "und gleichzeitig die Marke bekannter machen." Mit Erfolg. Die Flasche macht Lust aufs Probieren. Knapp 100 Drei-Liter-Boxen tranken die Besucher heute leer, etwa 2.000 Liter Saftschorle wurden daraus gemischt. Und die Flasche spart Müll. Fünfstellig war die Zahl eingesparter Becher an diesem Sonntag. Auch die Nachsorge wie bei Gläsern oder Kaffeetasse entfällt, denn der Besucher darf die schicke Konferenzflasche mit nach Hause nehmen. Weiterbenutzen erwünscht. Kugel ist zufrieden: "Wir haben heute schon sechs Anfragen für andere Konferenzen bekommen."


Lizenz zum Bestatten


Einen ungewöhnlichen Weg, ein innovatives Unternehmen weiterzubringen, geht auch Lydia Gastroph. Die Goldschmiedin und Kunstdesignerin aus München hat lange mit Serienschmuck aus eigener Goldschmiedemanufaktur ihr Geld verdient. Bis ihre Geschäftspartnerin nach Amerika ging und Gastroph den Neuanfang wagte, ohne ihr Erfolgsstandbein Schmuck aufzugeben. Es war ein sehr emotionales, persönliches Erlebnis und daher vielleicht eine doppelte Antriebsfeder, die sie zu ihrem neuen Geschäftsmodell brachte. Eine Freundin starb ein Jahr nach der Geburt ihres Babys an Krebs, mit 34 Jahren, Gastroph begleitete sie bis zum Schluss im Hospiz und erlebte: Die Zeit am Lebensende kann genauso intensiv und schön sein wie eine Geburt. Warum verdammt gibt es so wenig in unserer Kultur, das Tod, Abschiednehmen und Beerdigung zu einer würdevollen Sache macht, für den Gestorbenen und die Angehörigen, fragte sich Gastroph. "Das Bild meiner Freundin in einem hässlichen Eichensarg hat mich lange nicht mehr losgelassen." 

Heute designt Gastroph Särge im Bauhausdesign. Schlicht, modern, schön. Wer möchte, kann seinen Sarg zu Lebzeiten als Truhe, Bank oder Schrank benutzen, und viele tun es. Für Gastroph sind Särge nicht Kisten für Tote, sondern Teil einer künstlerischen Inszenierung des Abschiednehmens. Ihren ersten Pop-up-Store neben dem Café Selig im Münchner Schwulenviertel inszenierte sie als Ausstellung. Sie wurde in Galerien herumgereicht, die Kunden standen Schlange. Zum "Proof of Concept" stellte sie ihr Modell in Günter Faltins Labor für Entrepreneurship vor, erzählte von ihrem Plan, die Särge um Lesungen, Theaterstücke, Konzerte zum Thema Tod zu ergänzen. Aber selbst Bestatterin sein? Nein. Und so fragte sie Faltin im Labor: "Geht das?" Dessen nüchterne Antwort: "Sicher nicht, die Dienstleistung muss schon dabei sein."  

Langsam tastete sich Gastroph an die Aufgabe heran. Nahm Kontakt zu den wenigen modernen Bestattungsinstituten auf; holte sich bei der Stadt die "Lizenz zum Bestatten", wie sie sagt; erkannte immer mehr, wie groß das Bedürfnis nach einem anderen Abschied ist. Inzwischen begrüßt Lydia Gastroph Angehörige in ihrer "Galerie der letzten Dinge". Sie arbeitet mit einer ungewöhnlichen Urnenkünstlerin zusammen und mit einer Blumenkunstschule, lädt Musiker zur Bestattung, Künstler und Literaten. Aus der Idee von einst ist ein ungewöhnliches und erfolgreiches Unternehmen geworden, "w e i s s ... über den tod hinaus", das ein tiefes soziales Bedürfnis anspricht.


Es geht um intelligente Verschwendung


Wer den Blick vom einzelnen Unternehmen zum großen Ganzen aufziehen möchte, hört am besten Michael Braungart zu. Er ist einer, der erst Grundsatzfragen stellt und dann Antworten Schritt für Schritt runterbricht auf die Innovation. Moralkeule, Weltuntergangsdiskussionen, Konsumverzicht sind seine Sache nicht. "Weniger Müll machen ist keine Lösung, sondern dasselbe wie: Schlag dein Kind nur fünf- statt zehnmal am Tag." Braungart ist überzeugt: All die Debatten sind so etwas wie Opium fürs Volk. Sie halten uns beschäftigt, machen uns ein schlechtes Gewissen, führen aber nur zur ewigen Wiederholung des ewig Falschen, das wir perfektionieren: "Wenn wir Falsches perfekt machen, ist es eben nur perfekt falsch." Wir verzetteln uns im Klein-Klein des Einzelnen, hier ein Zertifikat, dort ein Bio, hier Fahrrad statt Auto, dort Zertifizierung statt grenzenlosen Raubbaus. "Wir denken, das Umweltthema sei ein Moralthema", und verfallen dem Jeder-kann-was-tun-Ökologismus, "aber das Wesentliche gehen wir nicht an."  

Die Alternative: Grundsätzlich neu denken. "Es geht um intelligente Verschwendung", sagt Braungart. "Wir müssen lernen, mit unseren Dingen nützlich zu sein." "Cradle to cradle", von der Wiege zur Wiege, nennt Braungart den Ansatz, der dem Begriff der Ökoeffizienz das Konzept der Ökoeffektivität entgegensetzt. Statt also auf Ökobilanzen, Kennzahlen und Verzicht zu setzen, nimmt das Modell von Braungart und seinem US-amerikanischen Kollegen William McDonough die natürlichen Stoffkreisläufe in den Blick. Das Ziel: Produkte so zu konstruieren, dass sie wieder vollständig in die Biosphäre eingefügt werden und Grundlage für neue Produkte werden können. Kunststoffe aus Algen, die sich komplett wieder auflösen, Teppiche, die die Luft reinigen, Autoreifen, die für die Biosphäre genutzt werden können. Braungart ist ein unerschöpflicher Quell solcher Beispiele, 4.500 Cradle-to-cradle-Produkte gibt es schon. Lassen Sie uns mit unternehmerischem Geist mehr davon erfinden, forderte er die Entrepreneure im Publikum auf, statt über sinnloses Sparen nachzudenken. "Wenn wir Pilze, Algen und Bakterien richtig nutzten, könnten wir auf der Erde leicht 30 Milliarden Menschen ernähren", glaubt Braungart. Wenn wir es richtig angehen. Braungart: "Wir sind nicht zu viele, wir sind nur zu blöde."  


Entry-preneurship für Flüchtlinge


Es ist Sonntagnachmittag. Der Summit neigt sich dem Ende zu. Doch stopp, bei einer Session lohnt es sich, dringend noch vorbeizuschauen: Wie können wir mit sozialer Innovation Flüchtlingen einen Weg in die deutsche Gesellschaft ebnen? Wie können wir zu einem gemeinsamen Miteinander finden, von dem beide Seiten etwas haben?  

Mithilfe von "Entry-preneuership", schlug Detlef Gürtler, Chefredakteur des Schweizer Wissensmagazins GDI Impuls vor: "Unternehmertum bietet hervorragende Chancen, um einen Einstieg in die Gesellschaft zu finden." Denn zum einen ist es weniger reguliert als abhängige Beschäftigung. Zum anderen reicht es schlichtweg, loszulaufen und anzupacken. Vom "dem kleinen und dem großen U", sprach Gürtler, ein Faltin-Zitat aufgreifend. Spannend sei nicht das große U, die gewichtige Gründung, das Unternehmen großen Zuschnitts. Sondern das kleine, quirlige u, das ohnehin stattfindet, wenn Menschen da sind. Es meint: "etwas unternehmen, etwas selber machen", erläuterte Gürtler. "Das traut sich jeder zu." Erst recht jene, die es aus den Kriegs- und Elendsregionen der Welt bis nach Deutschland geschafft haben. Gürtler: "Sie haben längst bewiesen, dass sie das Zeug dazu haben."  

Hier in Deutschland kann Entry-preneurship heißen: Etwas tun, das nah an den Menschen dran ist. Das keine großen Ressourcen erfordert und doch permanent gebraucht wird. Kochen, nähen, die Haare schneiden. Mit einem schnellen Schaubild aus konzentrischen Kreisen machte Gürtler anschaulich, wie sich der Ich-unternehme-etwas-Radius wellenartig nach außen verbreitet: Im Zentrum steht das Tun für die Familie, für das kein Geld fließt. Im Ring darum spielt sich das Tun für das Dorf oder die Community ab, hier kann sich "etwas unternehmen" in Cent und Euro auszahlen. Im Außenkreis werden die Fertigkeiten auch für die Gesellschaft nutzbar. Wer sich in diese Entry-preneurship-Mikroökonomie traut, hat den ersten Schritt zum - selbstbewussten - Ankommen und Einsteigen in die neue Gesellschaft getan.  

Das ist nicht bloß Theorie. Überall dort, wo Flüchtlinge ankommen, unternehmen viele von ihnen eine Menge. In jedem Aufnahmelager entwickelt sich in kurzer Zeit ein Wirtschaftssystem im Kleinen. Es wird gehandelt, manchmal in einer Grauzone zwischen Weiß- und Schwarzmarkt. Mit Erfassungsbögen, Registrierungsbändchen oder sexuellen Dienstleistungen, wie Friedrich Kiesinger schilderte, der als Chef der Firma Albatros Berlin seit sechs Wochen das Erstaufnahmelager für Flüchtlinge im Berliner Olympiastadion managt. Auch selbst organisierte Friseure sind dabei. Sie arbeiteten so viel, dass in den Hallen am Olympiastadion "permanent die Duschen verstopft sind". Ein gewaltiges Potenzial liege in solchen selbst organisierten Tätigkeiten, zumal die Menschen "unbedingt etwas tun wollen", so Kiesinger.  

Fazit: Wirtschaften findet statt, die Frage ist, wie wir ihm einen Rahmen geben können, in dem das Tun legal möglich ist. Notfalls mit gemeinnütziger Arbeit für kleine Münze. Rechtlich ist das Flüchtlingen schon eine Woche nach der Registrierung erlaubt. Sicher, eine Perspektive für Mikrounternehmer ist das langfristig nicht, aber ein Einstieg allemal. Entry-preneurship eben.  

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Zitate


"Wir brauchen Alternativen zur Ökonomie abgewirtschafteter Konzerne. Mit intelligenteren Konzepten, anderen Werthaltungen, anderen Ideen, anderen Menschen." Günter Faltin auf dem Entrepreneurship Summit 2015

"Der Entrepreneurship Summit 2015 bestätigt seinen Ruf, die Ideenbörse für Gründer in Deutschland zu sein. Egal, ob es ums große oder ums kleine Unternehmen geht." Kleines u, großes U

 

changeX 03.11.2015. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Quellenangaben

Autorin

Anja Dilk
Dilk

Anja Dilk ist Berliner Korrespondentin, Autorin und Redakteurin bei changeX.

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