Klarheit für Gründer

Serie Gründergeist 20: Die Gründerfallen – Lorenz Wieds Mahnung zur Klarheit.
Text: Winfried Kretschmer

Das wichtigste Wort in der Wirtschaft von heute ist Differenzierung. Sich unterscheiden, sich abheben, anders sein. Dieser Gründungsratgeber zeigt, dass Gründer vor allem eines benötigen: Klarheit.

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Warum scheitern so viele Unternehmensgründungen schon in den ersten Monaten? Vermutlich nicht selten daran, dass die meisten Gründer keinen blassen Schimmer haben, worin sich ihr Laden von den Mitbewerbern unterscheidet. Darauf aber kommt es in einer Welt des Überangebots und wachsender Konkurrenz an: Dinge anders zu machen als die anderen. Sich zu unterscheiden. Das wichtigste Wort in der Wirtschaft von heute ist Differenzierung. Entscheidend sei nämlich nicht, den Kunden bekannt zu sein, betont Lorenz Wied in seinem Buch Die Gründerfallen. Vielmehr geht es darum, „dass Ihre Kunden wissen, wodurch Sie sich vom Mitbewerb differenzieren, was Sie anders machen“. Diesen Unterschied im Gedächtnis der Kunden zu verankern ist der Schlüssel. Positionierung nennt das Wied. Man könnte auch Strategie sagen. Strategie ist somit nicht nur etwas für „die Großen“, sondern auch für die kleinste Klitsche. Strategie ist die differenzierende Idee. Ist das, was ein Unternehmen einzigartig macht. „Strategie ist, die richtigen Dinge zu tun.“  

„Achtung Falle!“, warnt Lorenz Wied in seinem Gründungsratgeber immer dann, wenn Gefahr droht, den Pfad der richtigen Strategie zu verlassen. 24 solcher Fallen hat der Experte in strategischer Positionierung ausfindig gemacht – von der „Me-too-“ bis zur „Alles-im-Kopf-Falle“. „Me-too“ meint, dasselbe zu machen wie andere auch, nur darin ein bisschen besser oder ein bisschen billiger sein zu wollen. Und das ist leider zu wenig; es reicht nicht, der „etwas andere XY-Laden“ sein zu wollen. Denn das differenziert nicht genügend. Gleiches gilt für besseren Service. Oder für Produkte. Es sei beinahe unmöglich, sich über Produktmerkmale zu differenzieren, schreibt Wied, „die Geschwindigkeit ist zu hoch geworden“. Einzig die besseren Ideen zählen. Doch auch hier lauert eine Falle: die „Alles-im-Kopf-Falle“. Denn die meisten Unternehmer tragen ihre Geschäftsidee im Kopf mit sich herum, nur wenige bringen sie zu Papier. Nur rund ein Viertel der Gründer, so eine Untersuchung, verfügt über einen ausgearbeiteten Businessplan. Seine Geschäftsidee niederzuschreiben ist aber die Voraussetzung dafür, sie kritisch daraufhin zu prüfen, ob sie eine logische und konsequente Strategie ergibt. An Klarheit mangelt es nach den Erfahrungen des Autors leider nur zu oft.  

Lorenz Wieds Ratgeber kreist um diesen einen zentralen Gedanken: Wie man sich von der Konkurrenz absetzt und in der Unübersichtlichkeit der Angebote und Anbieter wahrgenommen wird. Und er erinnert daran, dass Unternehmensgründung in erster Linie eine Sache einer zündenden Geschäftsidee ist, und erst in zweiter Linie ein organisatorisches Vorhaben. Darauf kann man nicht entschieden genug hinweisen – gerade weil die meisten Existenzgründungsratgeber die Gründungstechnik in den Mittelpunkt stellen. Die Gründerfallen ist da eine wohltuende Ausnahme. Zudem bietet das Buch eine Fülle von Tipps, die Gold wert sein können. Denn Wieds Ratschläge sind immer pragmatisch und nah an der Praxis.
 


changeX 21.07.2010. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Zum Buch

: Die Gründerfallen. Die häufigsten Fehler bei Strategie, Marketing und Management.. Linde Verlag, Wien 1900, 165 Seiten, ISBN 978-3-7093-0177-7

Die Gründerfallen

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Autor

Winfried Kretschmer
Kretschmer

Winfried Kretschmer ist Chefredakteur und Geschäftsführer von changeX.

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