Spitz kommentiert

Die Bewerbungsmappe mit Profil für Führungskräfte, das neue Buch von Christian Püttjer und Uwe Schnierda.

Von Nina Hesse

Bewerben ist mühsam. Und vorher wälzt man zur Sicherheit lieber den einen oder anderen Ratgeber. Wer sich schnell mit den wichtigsten Do's und Don'ts vertraut machen und ein Gefühl für die richtige Gestaltung bekommen will, lernt aus den Vorher-nachher-Fallbeispielen der beiden Karriere-Coachs am meisten.

Pech gehabt, Birgit O. Das Anschreiben sollte flott klingen, ist aber peinlich geworden und hinterlässt den Eindruck "schwierige Persönlichkeit". Der Lebenslauf soll offensichtlich Kreativität beweisen - schließlich bewirbt sie sich im Marketing - sieht aber leider sehr bemüht aus. Und ach, Klaus-Peter L.! Wenn man sich in den Finanzbereich bewirbt, sollte man im Lebenslauf keine Zahlendreher haben und die Bewerbung vorher besser auf Flüchtigkeitsfehler durchchecken. Außerdem hat Klaus-Peter L. wie ein Berufsanfänger dem weit zurückliegenden Studium und diversen Praktika viel Platz eingeräumt, die letzten beiden Stellen dagegen kommen zu kurz weg. Unter seinen einzelnen Tätigkeitsbezeichnungen kann man sich nicht viel vorstellen.

Anschaulicher Vorher-nachher-Vergleich.


An den neuen Püttjer/Schnierda-Bewerbungsmappen kann man erleben, wie gut man durch Fallbeispiele lernt. Nämlich weitaus besser als aus abstrakten Erklärungen. Die beiden erfahrenen Karriere-Coachs, die bei Campus mit zahlreichen Bewerbungsratgebern vertreten sind, haben zahlreiche Beispiele aus der Praxis genommen, kommentiert und neu gestaltet. Durch den Vorher-nachher-Vergleich werden die Do's und Don'ts schnell deutlich. Übersichtlich stehen sich Beispiel und Kommentare auf jeweils zwei Doppelseiten gegenüber, zudem scheint ein virtueller Personalmitarbeiter seine spitzen Kommentare mit blauem Stift direkt auf die Unterlagen gekritzelt zu haben. Diese "Insider-Kommentare" sind nicht nur oft vergnüglich, sondern leiten den Leser dazu an, sich in den Empfänger seiner Elaborate hineinzuversetzen und die Unterlagen noch einmal einem kritischen Blick auszusetzen. Nach und nach bekommt man ein Gespür für die Erwartungen der Unternehmen und Personalverantwortlichen.
Der Unterschied zwischen dem Negativ- und dem Positivbeispiel ist verblüffend. Während man bei den schlechten Beispielen gut verstehen kann, wenn der Personalchef die Bewerbung mit spitzen Fingern in den Rückumschlag gleiten lässt, würde man den Verfasser der verbesserten Versionen sofort zum Vorstellungsgespräch einladen. Obwohl die Person die gleiche ist. Kurz: Es lohnt sich, seine Selbstdarstellung zu optimieren!

Führungskräfte bewerben sich anders.


Mangelnde Erfahrung ist oft der Grund, dass sich Führungskräfte bei Bewerbungen nicht optimal vermarkten. Schließlich liegt die letzte Bewerbung bei vielen Menschen schon Jahre zurück. Andere stecken nicht genug Arbeit in eine individuelle und aussagefähige Bewerbungsmappe. Was fatal ist, denn, so Püttjer und Schnierda, schlechte Mappen generieren Absagen, und die schaden dem Selbstwertgefühl. Je weniger Selbstwertgefühl man hat, desto schlechter wird aber die Art, wie man sich präsentiert. Eine Abwärtsspirale.
Ein wichtiger Tipp für gelungene Unterlagen: Jedem Unternehmen die gleichen Standardunterlagen anzubieten reicht heute nicht mehr. Auch den alten Lebenslauf immer wieder aktuell aufzubereiten ist keine gute Strategie. Man sollte seinen Lebenslauf auf die jeweilige Stelle hin zuschneiden, eigene Schwerpunkte setzen. Und bei jeder Stelle in drei bis vier Sätzen erläutern, was für Aufgaben man eigentlich wahrgenommen hat. Bei erfahrenen Führungskräften sollte man den Lebenslauf sogar umgekehrt chronologisch aufziehen und die aktuellsten Stellen nach ganz oben setzen. Auf dem zweiten Blatt kann man die Details vom Studium et cetera immer noch unterbringen, und detaillierte Angaben über den Schulbesuch bis runter zur Grundschule kann man sich gleich sparen. Wichtig ist, herauszustellen, wo man spezielle Erfahrungen gesammelt hat.

Wie man eine Anzeige richtig liest.


Nützlich ist, wie Püttjer und Schnierda das richtige Analysieren einer Stellenanzeige demonstrieren. "Versuchen Sie in Ihren Bewerbungsunterlagen so viele Überschneidungen wie möglich zwischen Ihren bisherigen Tätigkeiten und den neuen Aufgaben herauszustellen", raten die beiden Autoren. "Argumentieren Sie immer von der neuen Stelle her!" Die Muss-Anforderungen sollte man unbedingt schon im Anschreiben aufgreifen, denn viele Personalverantwortliche scannen die Bewerbung erst einmal nach Schlüsselworten - bei E-Mail-Bewerbungen erledigt das sogar immer häufiger gleich der Computer, was nicht zu passen scheint, wird gleich aussortiert. Bei den Soft Skills nützt es wenig, allgemeine Behauptungen aufzustellen, man sollte sie mit Beispielen belegen können.
Damit in der Bewerbungsmappe auch nichts fehlt, haben Püttjer und Schnierda in ihr Buch zahlreiche Checklisten integriert. Hat man auch sie ausgefüllt, meint man zu spüren, wie ein unsichtbarer Coach einem auf die Schulter klopft. Jetzt ab in die Post damit - und die Konkurrenz wird blass!

Nina Hesse ist freie Mitarbeiterin von changeX.

Christian Püttjer / Uwe Schnierda:
Die Bewerbungsmappe mit Profil für Führungskräfte,
Campus Verlag, Frankfurt/New York 2003,
152 Seiten, 21.90 Euro,
ISBN 3-593-37324-6
www.campus.de

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Zum Buch

: Die Bewerbungsmappe mit Profil für Führungskräfte. . Campus Verlag, Frankfurt/New York 1900, 152 Seiten, ISBN 3-593-37324-6

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