Zeit und Sinn
Ein Meer an Zeit - das neue Buch von Jörg Knoblauch, Johannes Hüger und Marcus Mockler.
Von Nina Hesse
Nichts weniger als ein neues Paradigma wollen die Autoren ihren Lesern vermitteln. Ihre These: Zeit zu haben beginnt im Kopf. Wer umdenkt und sich dazu gezielt entschleunigt, hat mehr vom Leben - und kann die gewonnene Muße in Sinn ummünzen.
Arbeit, Arbeit, Arbeit, Druck, Deadlines, schnell, schnell. Keine Zeit, nur Hektik und Stress! So empfinden viele Menschen ihr Leben. Und doch, so erinnern Jörg Knoblauch und seine Kollegen, sprechen die Fakten eine andere Sprache: Wir haben deutlich mehr Zeit, als wir denken. Im Vergleich zu früheren Generationen schwimmt der moderne Mensch (schöne Metapher übrigens) förmlich in einem Meer an (Frei-)Zeit. Die Lebenserwartung ist gestiegen, die Lebensarbeitszeit dramatisch gesunken, die Arbeitszeit pro Woche wäre unseren Vorfahren wie das Paradies vorgekommen. So etwas wie einen Ruhestand gab es früher nicht mal.
Und doch vermitteln uns der schnelle Wandel und der Druck am Arbeitsplatz ein gehetztes Zeit- und Lebensgefühl. Was tun? Erstmal umdenken, empfehlen die Autoren. "Unser Ziel ist es, Ihnen den Reichtum an Zeit vor Augen zu führen, den wir heute haben - und Ihnen zu zeigen, wie Sie diesen Reichtum optimal für sich nutzen können." Dabei predigen sie keineswegs, dass man weniger arbeiten soll. Sie helfen nur, ein anderes Zeitgefühl zu finden, sein Zeitmanagement zu optimieren und eigene Zeithorizonte zu planen. Leider in zuweilen etwas salbungsvollem Ton, aber mit durchaus nützlichen Tipps.

Entschleunigung durch Planung.


Wahrscheinlich wird so mancher, der die Arbeit von drei eingesparten Kollegen miterledigen muss, pikiert reagieren angesichts solcher Aussagen: "Chronischer Zeitmangel ist eine Illusion, die Sie selbst aufgebaut haben, indem Sie sich beispielsweise zu viele Aufgaben aufhalsen oder sich permanent als Opfer von Zuständen betrachten, in die andere Sie hineingetrieben haben." Andererseits zeigt die Erfahrung, dass man sich für das, was einem wirklich wichtig ist, Zeitinseln schaffen kann - trotz allem. Keine Zeit steht letztlich für: "Das ist mir nicht wichtig genug, ich nutze meine Zeit lieber für andere Dinge." Knoblauch et al. leiten an, wie man sich geschützte Zeiten der Ruhe nehmen kann und beispielsweise einen persönlichen Ruhe- und Gewohnheitsplan erstellt. Eine andere Übung ist, aufzulisten, wo der Druck und die Ansprüche überhaupt herkommen. Hat man das analysiert, kann man beginnen, Belastungen gezielt abzubauen und auf die Entschleunigung hinzuarbeiten. Ziel: das rechte Maß zu finden, Grenzen zu setzen und zu respektieren, einen "Wohlfühlkorridor" zu schaffen.
Ausführlich gehen die Autoren auf das Thema "Planung und Ziele" ein: Wer weiß, was er an einem Tag erledigen möchte - oder in der Woche, dem Monat, dem Quartal, dem Jahr - der arbeitet gezielter darauf hin. Knoblauch et al. empfehlen eine tägliche Checkliste, und sich selbst Zeitlimits zu setzen.

Zeit veredeln durch Sinn.


Doch effektiv zu arbeiten reicht allein nicht, um Zufriedenheit zu finden. Knoblauch et al. legen Wert darauf, dass Zeitmanagement mehr ist als Effektivität - auch die Lebensqualität soll stimmen. In weiten Teilen ist Ein Meer an Zeit ein Work-Life-Balance-Buch, in dem es auch um Ziele, Träume, Flow-Gefühle, die persönliche Balance geht. Und zur fünften Generation von Zeitmanagement gehört auch das, was die Autoren "Shared-Life-Balance" nennen: Wie gestalte ich meine Zeit im Zusammenspiel mit anderen? Einen ganzen Teil ihres Buches widmen die Autoren diesem Thema.
"R wie Reichtum" heißt dieser Teil, es geht um das hübsche Thema "Zeitveredlung". Denn es ist ja schön und gut, wenn man durch ausgefeilte Planungen Zeit gewinnt - aber wenn man die dann hirntot vor dem Fernseher vertrödelt, bleibt das Wohlbefinden in weiter Ferne. Stattdessen kann man diese Zeit für bessere Kommunikation nutzen, um Unterstützungsbeziehungen aufzubauen oder seine Werte zu leben, sprich sich zu engagieren und an seinem Charakter zu arbeiten. Wer jetzt schon wieder etwas von "keine Zeit" murmelt, dem setzen die Autoren entgegen: "In den USA gehört es gerade für gestresste Manager zum guten Ton, sich für einen gemeinnützigen Zweck einzusetzen." Also investieren Sie keine Zeit mehr in das Erfinden von fantasievollen Ausreden und machen Sie sich ans Werk!

Nina Hesse ist freie Mitarbeiterin von changeX.

Jörg Knoblauch / Johannes Hüger / Marcus Mockler:
Ein Meer an Zeit.
Die neue Dimension des Zeitmanagements,

Campus Verlag, Frankfurt/New York 2005,
294 Seiten, 19.90 Euro,
ISBN 3-593-37792-6
www.campus.de

© changeX [04.10.2005] Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.


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: Ein Meer an Zeit. . Die neue Dimension des Zeitmanagements. . Campus Verlag, Frankfurt/New York 1900, 294 Seiten, ISBN 3-593-37792-6

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