Crashkurs
Der Crash kommt. Die neue Weltwirtschaftskrise und wie Sie sich darauf vorbereiten - das neue Buch von Max Otte.
Von Winfried Kretschmer
Was, wenn sich der Traum von der Steuerbarkeit der Wirtschaftsentwicklung als große Illusion entpuppt? Wenn der anhaltende Aufschwung der letzten Jahrzehnte in einem großen Crash zu Ende geht? Ein bekannter Finanzprofessor ist sich sicher: Die neue Weltwirtschaftskrise kommt. Seine Empfehlung: Vorsorge treffen und seine Vermögensangelegenheiten in die eigenen Hände nehmen. Bevor es zu spät und der Crash da ist.
Kassandra, die Tochter des trojanischen Königs Priamos, verfügte über die Gabe der Vorhersehung, aber sie war dazu verdammt, dass sie nur schlimme Ereignisse voraussah und sich niemals täuschte. So sagte sie die Einnahme Trojas durch griechische List vorher - und musste den Untergang ihrer Heimatstadt miterleben. Wenn sich der Finanzprofessor und Buchautor Max Otte in der Rolle einer ökonomischen Kassandra sieht, dann unterstreicht dies zum einen die Dramatik seiner Warnungen. Otte sieht eine neue Weltwirtschaftskrise heraufziehen. Und es spielt auf die Rolle des einsamen Warners an, die er übernommen hat. Denn in der Ökonomenzunft steht Otte mit seiner Warnung weitgehend allein. Eines aber will der streitbare Ökonom auf jeden Fall vermeiden: Dass seine düstere Prophezeiung ungehört verhallt. Deshalb wendet er sich an ein breiteres Publikum. Seine Mahnung: Jetzt Vorsorge treffen, bevor es zu spät und der Crash da ist. Denn Otte ist sich sicher: Der Crash kommt. So heißt das neue Buch des Wormser Finanzprofessors, der sich als Autor von Anlageratgebern einen Namen gemacht hat und ein Institut für Vermögensentwicklung betreibt. In seinem neuen Buch zeigt er sich der Rolle des ökonomischen Ketzers. Der Crash kommt ist eine flammende Anklageschrift gegen die herrschende Lehrmeinung der ökonomischen Zunft.

Menetekel Deflation.


Deren großes Missverständnis bestehe darin, durch die Steuerung der Geldmenge den Kurs der Wirtschaft zwischen Inflation und Deflation beeinflussen zu können. "Genau das kann sie nicht!" schleudert Otte dem ökonomischen Machbarkeitsglauben entgegen. Er hält die Geldmengenpolitik der Zentralbanken, allen voran der amerikanischen unter Alan Greenspan wie seinem Nachfolger Ben Bernanke, für fatal. Seit Jahren versuchten die Notenbanken "das Wirtschaftswachstum durch eine maßlose Politik des 'leichten' Geldes zu beschleunigen", klagt Otte. Sprich: sie werfen die Notenpresse an. Doch fließt das viele Geld nicht in den Konsum oder in Investitionen, sondern "in immer spekulativere Investments wie Technologieaktien, amerikanische Immobilien, Hedge-Fonds oder in ganze Staaten und führt dort zu spekulativen Blasen". Und Blasen neigen bei zunehmender Ausdehnung dazu zu implodieren. Ein massiver Crash der Weltwirtschaft stehe unmittelbar bevor, prophezeit der Autor: "Nach allem, was mir meine Daten sagen, ist eine Weltwirtschaftskrise in den nächsten fünf Jahren sehr wahrscheinlich. Die Globalisierung selbst hat eine große Blase erzeugt, die über kurz oder lang entweder schnell platzen oder langsam in sich zusammensinken muss." Denn das globale Finanzsystem sei ein komplexes Kartenhaus von Krediten - und "irgendwann wird die Masse der Schulden unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen". Und der nie dagewesene Wirtschaftsaufschwung der letzten Jahrzehnte in eine lange Ära der Depression münden.
Zwei Krisenauslöser hält Otte für wahrscheinlich: Eine Flucht aus dem Dollar verbunden mit einer starken Abwertung der US-Währung oder ein Platzen der Immobilienblase in den USA. Die Folge: Vermögen wird vernichtet, die Menschen schieben ihre Konsum- und Investitionspläne auf die lange Bank. Die Nachfrage leidet. "In einem Teufelskreis schrumpft die Wirtschaft, ohne dass sie davon gesünder würde." Deflation regiert. Die Folgen könnten drastisch ausfallen: Zusammenbruch der Sozialsysteme, Auseinanderbrechen der europäischen Währungsunion, Staatsbankrott, Währungsreform. Das Gespenst von 1929, der letzten großen Weltwirtschaftkrise.
Schwarzmalerei? Letztlich ist auch das eine Frage der theoretischen Vorentscheidung. In den zurückliegenden Jahrzehnten anhaltenden Wirtschaftsaufschwungs schien sich zu bestätigen, dass tief greifende Wirtschaftskrisen endgültig der Vergangenheit angehörten. Krisen, wenn sie denn auftraten, blieben beherrschbar. Ein "fast blinder Glaube an die Steuerbarkeit der Wirtschaftsentwicklung durch die Notenbanken" machte sich breit. Diesen Glauben mag man blind oder optimistisch nennen, ihn für gerechtfertigt halten oder nicht - letztlich ist das eine Grundentscheidung: Ist man ökonomischer Pessimist oder Optimist? Sieht man in der Krise einen normalen Begleitumstand des Wirtschaftens oder hält man sie für eine vermeidbare Panne? Ob man richtig lag, weiß man immer erst nachher.

Gelassen bleiben und Verluste vermeiden.


In dieser Situation der Unsicherheit rät Otte zur Vorsicht: "Treffen Sie die notwendigen Vorbereitungen, seien Sie gelassen, und vermeiden Sie Verluste!" Diesen Vorkehrungen gegen die kommende Krise ist der zweite Teil des Buches gewidmet. Otte verrät hier Anlagestrategien, die es ermöglichen sollen, eine Krise zu überstehen und größere Vermögensverluste zu vermeiden. Seine Empfehlung: sich vorbereiten und seine Vermögensangelegenheiten in die eigenen Hände nehmen. Dabei kommen als antiquiert angesehene Formen der Wertanlage zu neuen Ehren: Bargeld und Gold sollen helfen, die Krise zu überstehen.
Auf der Kassandra der griechischen Mythologie lastete übrigens der Fluch, dass ihre Warnungen ungehört verhallten. Das zumindest braucht die ökonomische Kassandra aus Worms nicht zu befürchten.

Max Otte:
Der Crash kommt.
Die neue Weltwirtschaftskrise und wie Sie sich darauf vorbereiten.

Econ Verlag, Berlin 2006,
299 Seiten, 18 Euro,
ISBN 3-430-20001-6
www.econ.de

Winfried Kretschmer, Journalist und Autor, arbeitet als freier Mitarbeiter für changeX.

© changeX Partnerforum [28.08.2006] Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.


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: Der Crash kommt. Die neue Weltwirtschaftskrise und wie Sie sich darauf vorbereiten. Econ Verlag, Berlin 2006, 299 Seiten, ISBN 3-430-20001-6

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Winfried Kretschmer
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Winfried Kretschmer ist Chefredakteur und Geschäftsführer von changeX.

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