Tyrann und Visionär

Steve Jobs' Werdegang spiegelt die Entwicklung des Silicon Valley

Von Sylvia Englert

Alan Deutschmans spannend erzählte Biographie beschreibt, wie der berühmte Apple-Gründer sein Comeback schaffte.

Steve Jobs Geschichte ist eine Story ganz nach amerikanischem Geschmack - bunt, dramatisch, erfolgsbetont. Man könnte sie für den Plot eines Hollywoodschinkens halten: Der gutaussehende Held schafft es von unten bis ganz nach oben, setzt Trends, wird zur lebenden Legende. Dann der Absturz: Er wird ausgerechnet von dem Unternehmen, das er selbst gegründet und zum Erfolg geführt hat, gefeuert. Ein paar Jahre lang ist er der Verzweiflung nah und schließlich beinahe pleite. Schließlich zahlt sich eine weise Tat in der Vergangenheit aus, und er wird doch wieder reich und erfolgreich. Höhepunkt und Schluss: Sein ehemaliges Unternehmen kriecht zu Kreuze und heuert ihn wieder an. Worauf der Held es aus den tiefroten Zahlen holt und noch einmal zu einem triumphalen Erfolg führt.

Fast schon zufälliger Erfolg.


Die weise Tat war in diesem Fall, dass Apple-Gründer Jobs, der mit dem Filmgeschäft eigentlich nichts am Hut hatte, die kleine Trickfilm-Firma Pixar kaufte. Viele Jahre lang war sie für ihn wenig mehr als ein lästiges Millionengrab, und er ließ sie unbeachtet, während er sich seinem neuen Unternehmen Next widmete. Doch als die Fertigstellung des Pixar-Werks Toy Story näher rückte, begriff Jobs, was für eine goldene Gans er aufgezogen hatte. Zum Start des Films brachte er Pixar an die Börse, machte - wieder einmal - enorme Gewinne und ließ sich fortan als Filmmogul feiern. Das kam ihm gerade recht, denn Next, die Firma in die er all seine Energie gesteckt hatte, war ein riesiger Flop. Niemand wollte die formschönen, aber viel zu teuren Computer kaufen.


Parallelen zur Geschichte des Silicon Valley.

Steve Jobs Werdegang, den Alan Deutschman spannend erzählt, hat viele Parallelen mit der Entwicklung des Silicon Valley. Am Anfang, als der junge Jobs Apple aus der Taufe hob und den Macintosh zum Kult machte, war er das Enfant terrible - so wie das ganze Silicon Valley als Brutstätte frecher und revolutionärer Unternehmen galt, die die etablierten Branchenriesen herausforderten. Wie das Valley verloren auch Apple und Steve Jobs an Schwung, als die neuen Großen wie Microsoft und Compaq sich auf dem Markt breit zu machen begannen. Und als die New Economy das Valley wieder zum Zentrum des Aufschwungs machte, gelang auch Steve Jobs das Comeback. Das Buch würdigt seine Leistungen, verbeugt sich aber nicht wie die Wirtschaftspresse vor seinem Genie. Statt dessen spiegelt es Jobs Persönlichkeit in ihrer Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit wider: Er ist charismatisch, überzeugend, hartnäckig, aber auch ein gnadenloser Antreiber und Tyrann, der seine Mitarbeiter öffentlich demütigt und rücksichtslos seine Interessen anderen gegenüber durchsetzt. Innerhalb von wenigen Sekunden, so schildern Freunde und Kollegen, kann sein Verhalten von charmant zu scheußlich umschlagen. Kein Wunder, dass in seinen Unternehmen - von seinem erfolglosen Start-up Next bis hin zu Apple nach seiner Rückkehr - eine Kultur der Angst herrschte und wahrscheinlich heute noch herrscht: "Die Mitarbeiter fürchteten sich davor, ein paar Sekunden lang mit ihm zusammen im Fahrstuhl eingesperrt zu sein, aus Angst, dass sie vielleicht keine Stelle mehr haben würden, wenn sich die Tür wieder öffnete", berichtet Deutschman. Doch Nachschub an guten Leuten gab es immer genug, dafür sorgte schon Jobs Mythos.

Jobs � Privatleben wird nicht ausgespart.


Aus Deutschmans geduldig aus Steve Jobs Umfeld zusammengetragenen Informationen ergibt sich ein Charakterportrait, das auch das Privatleben des Computer-Gurus mit einschließt. Selbstverständlich ist das nicht, denn Jobs achtet sorgfältig darauf, keine privaten Informationen preiszugeben. Wenn in Interviews persönliche Fragen gestellt werden, bricht Jobs das Gespräch gewöhnlich ab. Deutschmans Biographie hat Steve Jobs sicher nicht gefallen. Apple erlaubte Campus nicht einmal, das berühmte Apfel-Logo für den Umschlag zu verwenden - was den Verlag nicht daran hinderte, mit einer (etwas modifizierten) Frucht in drei verschiedenen iMac-Farben aufzuwarten.

Alan Deutschman:
Das unglaubliche Comeback des Steve Jobs,
Campus 2001, 296 Seiten, 58 Mark.

Sylvia Englert, Journalistin und Buchautorin, ist Redakteurin bei changeX.

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: Das unglaubliche Comeback des Steve Jobs.. Campus, Frankfurt/New York 1900, 296 Seiten, ISBN 3-593-36780-7

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