Rettungsringe für den Job
Überleben im Job - das neue Buch von Klaus Merg und Torsten Knödler.
Von Sigmar von Blanckenburg
Egal ob über- oder unterfordert, für viele Menschen ist ihr Job ein Albtraum. Sie schieben Frust. Gehen mit Angst im Bauch zur Arbeit. Und - das Schlimmste - sie haben sich an diesen Zustand gewöhnt. Das muss nicht sein, sagen zwei Ratgeberautoren: Man kann sich fit machen für die Herausforderungen des Berufsalltags. Denn wie man sich fühlt, ist auch eine Frage der eigenen Haltung. / 04.05.07
Cover Merg / Knödler27 Millionen Beschäftigte in Deutschland sind im Job unter- oder überfordert. Und schieben mächtig Frust. Und nicht wenige gehen mit Angst im Bauch zur Arbeit. Viele haben sich an diesen Zustand gewöhnt. Aber es ist wichtig zu erkennen, wenn es einem nicht gut geht, und Hilfe anzunehmen, wenn es notwendig ist. Das aber ist oft gar nicht so einfach, wie schon Wilhelm Busch erkannt hat: "Mancher ertrinkt lieber, als dass er um Hilfe ruft." Die Angst vor dem Ertrinken ist eine Urangst des Menschen, die in zahlreichen Metaphern fortlebt. Schon die Bibel vergleicht den notvollen Alltag mit einer Flut, die plötzlich über den Menschen hereinbricht und ihn verschlingt. Auch das Cover des neuen Buches von Klaus Merg und Torsten Knödler spielt mit dem Motiv: An einer Schiffsreling hängt ein Rettungsring, dahinter erstreckt sich das blaue Meer. Noch hängt der Rettungsring. Mit ihrem Buch wollen die Autoren verzagten Arbeitnehmern einige Rettungsringe zuwerfen und ihnen Hilfestellungen für ihren beruflichen Alltag geben. Stress, Burn-out, Zukunftsangst, Orientierungslosigkeit sind die Stichwörter. Denn: "Es ist Ihre (!) bewusste Entscheidung, ob Sie sich Ihr Leben weiter vermiesen lassen wollen und Sie weiter abwärts strudeln. Das muss nicht sein!" Das Buch will Tipps und Tricks vermitteln, "wie das Überleben auch in rauer Job-See gelingt".

Angst ist manchmal auch ein guter Ratgeber.


Das Buch beginnt mit einem elementaren, für alle Menschen nachvollziehbaren Gefühl: Angst. Angst ist nach Merg und Knödler nicht nur ein negatives, lähmendes Gefühl. Sie empfehlen, sich gerade im Berufsleben mit seinen Ängsten auseinanderzusetzen und auf seine eigene innere Stimme zu hören. Denn Angst ist manchmal ein guter Ratgeber. "Angst ist Ihre innere Alarmanlage, die Gefahr signalisiert. Angst sensibilisiert Sie für negative Entwicklungen: Wer rechtzeitig weiß, dass eine Sturmflut droht, kann Maßnahmen dagegen treffen." Diese Aussage ist schon ein erster Rettungsring. Denn oftmals tendiert der moderne Verstandesmensch dazu, solche inneren Signale zu unterdrücken.
Doch ist Angst kein sicheres Alarmzeichen. In der Flut der Informationen und Optionen können auch Leute untergehen, die keine Angst verspüren. Wer keine genaue Vorstellung von seiner Zukunft hat, ist unter Umständen mit allem zufrieden oder findet sogar alles toll. Dennoch kann es sein, dass er sich unnötig in der Gegend herumschubsen lässt, und so nicht zur Entfaltung bringen kann, was er wirklich kann und was er wirklich will. Ganz einfach deshalb, weil er sich dessen nicht bewusst ist. Die Autoren verdeutlichen dies mit der Unterscheidung von Uhr und Kompass: Viele Menschen leben zu sehr nach der Uhr und zu wenig nach ihrem Kompass. Sie wissen nicht, wohin sie wollen. Ziele, die man sich steckt, haben dagegen den schönen Effekt des Selbst-Commitments. Sie fördern sowohl die Entscheidungsfähigkeit wie auch die Fähigkeit, Wichtiges von weniger Wichtigem zu unterscheiden. Ziele sind, um im Bild zu bleiben, Retter in der Entscheidungsnot. Die Autoren nennen sie gar den "Sauerstoff des Lebens".

Balance ist wichtiger als Erfolg und Ruhm.


Schließlich ist es wichtig, sich selbst zu kennen, wenn man mit anderen sinnvoll umgehen will. Im Hinblick auf die Frage nach den verschiedenen Typen und Temperamenten greifen Merg und Knödler auf Klassiker wie die Temperamenten-Lehre des Griechen Empedokles oder Fritz Riemanns Typologie aus seinem Buch Grundformen der Angst zurück. Solche Typologien erlauben es, nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mitarbeiter und Chefs besser einzuschätzen. Ein Ergebnis solcher Beobachtung wird sein, wie wenig viele Menschen an ihrem Verhalten ändern und wie wichtig doch die Fähigkeit ist, Menschen richtig einzuschätzen und auf verschiedene Typen angemessen reagieren zu können. Gerade für Menschen, die ihr Gegenüber ständig verändern oder verbessern wollen, kann das ein rettender Hinweis sein.
Davon finden sich zahlreiche im Buch. Die Autoren belassen es nicht bei Tipps für den besseren Umgang mit negativen Bedingungen in seinem Arbeitsumfeld. Sie wollen den Menschen Mittel und Methoden an die Hand geben, an ihrer Arbeitssituation zu wachsen und mit Stress, Belastungen und hohen Arbeitsanforderungen besser umgehen zu können. Motivation und positives Denken", Zeitmanagement, Coaching und Mentoring, Erfolg und Selbstmarketing und Work-Life-Balance sind weitere Themen, zu denen Merg und Knödler konkrete und praxisbezogene Tipps und Anleitungen servieren.
Letztlich geht es ihnen um einen Einstellungswandel. Mit seinen 60-Stunden-Wochen anzugeben kann nicht das Ziel sein. Sondern ein ausgeglichener, bewusster Umgang mit beruflichen Anforderungen. Als positives Beispiel führen die Autoren den ehemaligen Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann an. Nach der guten Leistung der deutschen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft ließ er sich nicht zum Weitermachen drängen, sondern machte "erstmal ein halbes Jahr Urlaub", weil er sich ausgebrannt fühlte. Natürlich kann sich nicht jeder ein halbes Jahr Urlaub leisten - aber hier geht es eher ums Prinzip: dass für Jürgen Klinsmann "die Wiederherstellung der eigenen Balance wichtiger als beruflicher Erfolg und Ruhm" war. Wichtig hierbei ist es, Rückhalt im Privatleben oder in der Familie zu haben, sagen Merg und Knödler. Denn es gibt ein Leben nach der Arbeit.
Fazit: Das Buch bietet zahlreiche Hilfestellungen für das Überleben im Job. Wer sich in der Psycho-, Ratgeber- und Coaching-Literatur auskennt, wird hier zwar nicht nur Neues entdecken, dafür aber viel Nützliches in didaktisch gefälliger Aufbereitung. Wer am Ertrinken ist und sich bisher nicht helfen lassen wollte, für den könnte das Buch sogar eine kleine Offenbarung sein.

Sigmar von Blanckenburg ist freier Mitarbeiter bei changeX.

Klaus Merg / Torsten Knödler:
Überleben im Job
- Berufsalltag ohne Stress und Burn-out
- Coaching für die Karriere
- Umgang mit Chef und Kollegen,

REDLINE WIRTSCHAFT, Heidelberg 2007,
269 Seiten, 17.90 Euro,
ISBN 978-3-636-01360-6
www.redline-wirtschaft.de

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: Überleben im Job.. Berufsalltag ohne Stress und Burn-out - Coaching für die Karriere - Umgang mit Chef und Kollegen.. REDLINE WIRTSCHAFT, Heidelberg 1900, 269 Seiten, ISBN 978-3-636-01360-6

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Sigmar von Blanckenburg

Sigmar von Blanckenburg schreibt als freier Autor für changeX.

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