Was nervt

Was die Kollegen auf die Palme bringt - ein Interview mit Georg Albes
Text: Winfried Kretschmer

Gutes Arbeitsklima klingt gut. Theoretisch. Doch oftmals sind es die alltäglichen Unachtsamkeiten, schlechten Angewohnheiten und Störungen in der Zusammenarbeit, die die Kollegen auf die Palme bringen. Wenn man das Arbeitsklima verbessern möchte, ist es gut, diese Frustauslöser zu kennen. Ein Personaldienstleister hat deshalb eine Umfrage gestartet.

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Was bringt die Kollegen auf die Palme? Dieser Frage ist der spezialisierte Personaldienstleister Robert Half in einer Umfrage auf den Grund gegangen. In der Workplace Survey des Personaldienstleistungsunternehmens wurden Finanz- und Personalmanager zu den Auslösern von Unstimmigkeiten am Arbeitsplatz befragt. Georg Albes, Director bei Robert Half International, erläutert im Interview die Ergebnisse.
 

Mit welchem Ziel haben Sie die Umfrage gestartet? 

Wir wollten herausfinden, was in den Unternehmen los ist: Wie ist die Stimmung? Wo gibt es Unzufriedenheiten? Was kann man besser machen?
 

Wie sehen die aus? Was bringt die Kollegen am meisten auf die Palme? 

Da gab es ein recht klares Ergebnis: Fast jeder dritte Befragte regt sich darüber auf, wenn ungenau gearbeitet wird. Das ist auch nachvollziehbar: Wenn delegierte Aufgaben fehlerhaft zurückkommen oder wichtige Informationen fehlen, dann hat das Mehrarbeit zur Folge, und in den heutigen eng getakteten Workflows läuft der Zeitplan aus dem Ruder. Deshalb steht für Professionelle eine fehlerhafte Zusammenarbeit ganz oben auf der Agenda. Und entsprechend nervt es, wenn es hier zu Störungen in der Zusammenarbeit kommt.
 

Und Platz zwei und drei? 

Jeder Fünfte stört sich daran, dass Kollegen sich mit fremden Federn schmücken, also die Ergebnisse oder Ideen anderer als die eigenen ausgeben. Das liegt mit 19 Prozent klar an zweiter Stelle.
Mit 14 Prozent auf dem dritten Platz liegt das Thema Klatsch und Tratsch. Kollegen regen sich darüber auf, wenn sich andere am Klatsch beteiligen. Wenn also nicht miteinander, sondern übereinander geredet wird.
 

Das ist eine Mischung aus professionellen und eher zwischenmenschlichen Faktoren. Sehen Sie etwas Verbindendes, Gemeinsames? 

Ganz klar die Zusammenarbeit. Was betrifft mich in der Zusammenarbeit mit Kollegen? Was stört mich daran? Das hat einmal mit dem Arbeitsaufkommen zu tun, zum anderen aber auch damit, wie im Unternehmen miteinander umgegangen wird. Wie geht man mit neuen Ideen um? Werde ich gelobt, wenn ich einen guten Beitrag leiste? Wird mir das auch angerechnet? Wird miteinander gearbeitet oder eher gegeneinander? Wird miteinander geredet oder eher übereinander? Das sind Faktoren, die über eine gute Zusammenarbeit entscheiden.
 

Sie haben Finanz- und Personalmanager befragt. Sind die Ergebnisse verallgemeinerungsfähig? Spiegeln sie eine allgemeine Stimmung im Büro? 

Ja, das glaube ich schon. Vielleicht ist in anderen Berufsgruppen die Rangfolge der Faktoren eine andere, aber ich denke, dass man das schon verallgemeinern kann. Insgesamt spiegeln die Ergebnisse die Herausforderungen in der Zusammenarbeit recht gut wider.
 

Wir hatten jetzt die "Top 3" genannt. Sie haben die "Top 6" erhoben. Welches sind die drei anderen Faktoren? 

Auf Platz vier rangiert, wenn Kollegen regelmäßig krank sind. Zwölf Prozent der Befragten ärgert das. Denn auch dann entsteht Mehrarbeit für andere Kollegen; und das wird nicht gerne gesehen, wenn es sich häuft.
Auf dem nächsten Platz kommt unangemessenes Verhalten Kollegen gegenüber: Jemand ist nicht am Arbeitsplatz und sein Handy klingelt ständig. Oder er telefoniert ständig laut neben einem Kollegen, und auch noch privat. Das sind Dinge, die als sehr störend empfunden werden.
Immerhin noch acht Prozent nervt es, wenn Kollegen oft zu spät kommen. Ein Meeting fängt an, ein Kollege fehlt, und alle warten.
Allen sechs Faktoren ist gemeinsam, dass man durch das Verhalten der anderen beeinflusst wird, ohne selbst Einfluss darauf zu haben.
 

Was kann man tun, wenn man von einem Kollegen genervt wird? Was empfehlen Sie? 

Zuallererst sollte man eine sachliche Kommunikationsform wählen und keine emotionale. Keinesfalls mit Vorwürfen auf den Kollegen zustürmen, sondern ihn in einem sachlichen, vernünftigen Ton, aber klar und deutlich darauf ansprechen, was einen stört. Sehr hilfreich ist es auch, wenn man erklärt, warum man etwas als störend empfindet. Zum Beispiel: "Ich kann nicht konzentriert meine Arbeit machen, weil es gerade sehr laut ist. Kannst du das verstehen? Was können wir tun, um das Problem zu lösen?" Also zusammen nach Lösungen suchen und sachlich an die Thematik herangehen.
 

Was kann das Management tun, also der direkte Vorgesetzte? 

Er sollte eingreifen, wenn Konflikte auftreten. Er sollte Führung übernehmen und dafür sorgen, dass alle sich wohlfühlen können.
 

Ist er erst gefordert, wenn ein Konflikt virulent wird, also ein Mitarbeiter kommt und sagt: "Mich nervt das furchtbar." Oder sollte eine Führungskraft schon präventiv tätig werden? 

Für das Management ist es ganz wichtig, die richtigen Mitarbeiter an der richtigen Position zu haben, damit die Aufgaben erfüllt werden können und wenig Fehler passieren. Das setzt eine funktionierende Zusammenarbeit voraus. Das ist das eine. Das andere ist, in einem Team oder einem Unternehmen eine Kultur zu schaffen, in der das Miteinander gefördert wird.
 

Dazu können auch die Mitarbeiter beitragen. Was kann ein Mitarbeiter konkret tun, bevor es brennt? 

Eine Kultur zu implementieren, in der respektvoll miteinander umgegangen wird, ist Aufgabe der Führung. Entscheidend aber ist, dass die Mitarbeiter hier mitziehen. Jeder sollte diese Kultur mittragen. Und es muss sich auch niemand an Klatsch und Tratsch beteiligen. Wenn man mit einem Kollegen zusammensteht, und der klatscht über andere, dann kann man sich rausnehmen oder das richtigstellen. Die Verantwortung liegt bei jedem Einzelnen.
 

Die Top 6', was an Kollegen am meisten stört:
- ungenaues und nicht gründliches Arbeiten
- Ideen anderer als die eigenen präsentieren
- Beteiligung am Klatsch
- regelmäßige Krankheitstage
- Rücksichtslosigkeit und unüberlegtes Handeln
- regelmäßiges Zuspätkommen
 


changeX 06.07.2011. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Autor

Winfried Kretschmer
Kretschmer

Winfried Kretschmer ist Chefredakteur und Geschäftsführer von changeX.

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