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Wir nennen es Wirtschaftsdemokratie
Ein anderes Unternehmen ist möglich. Gernot Pflüger leitet seit 19 Jahren eine Firma, die gänzlich anders organisiert ist: ohne Chef und ohne Hierarchie, mit einer demokratischen Beteiligung der Mitarbeiter an den Entscheidungen, totaler Transparenz aller Vorgänge und einem Einheitsgehalt für alle. Kurzum: als Wirtschaftsdemokratie.
Gernot Pflüger ist Inhaber und Co-Geschäftsführer der Veranstaltungsfirma CPP in Offenbach. Über deren hierarchiefreie und demokratische Organisationsform hat er ein Buch geschrieben: Erfolg ohne Chef.
Schlüsselzitate:
Wenn jemand Chef zu mir sagt, dann ist das auf Deutsch gesagt ein Synonym für „Arschloch“. Dann will mir mein Kollege sagen, dass ich mich in irgendeiner Form falsch verhalten habe, dass ich ihn nicht ernst genommen habe oder dass ich gerade dabei bin, einen Fehler zu begehen. Chef ist bei uns in der Firma tatsächlich ein Schimpfwort.
Diese Klischees sagen: „Der Mensch muss beaufsichtigt werden! Wenn er nicht beaufsichtigt wird, dann wird er faul, und dann ist er nicht mehr produktiv.“ Umgekehrt wird ein Schuh daraus: In Wirklichkeit bieten gerade starre hierarchische Systeme hervorragende Möglichkeiten, Freiräume zu erobern und dort Dienst nach Vorschrift zu leisten. Hinzu kommt: Diese verschiedenen Ebenen der Zuständigkeit, die auch genau definieren, was man sagen darf und was nicht, sind ein Riesenhindernis für Flexibilität und Innovation.
Kurzum, der Mensch ist – im Arbeitsleben wie auch im Privatleben – viel altruistischer, als man ihm nachsagt. Er ist viel besser in der Lage, seinen Eigennutzen zugunsten eines überschaubaren Allgemeinnutzens zurückzustellen – er muss nur verstehen, warum!
Ich glaube, dass Gehalt und Position überbewertet werden. Es ist nicht so sehr die Höhe des Gehalts oder die Position in einer Firma, sondern das Gefühl, ein Teil der Firma zu sein, was Menschen wirklich belohnt.
Ich bin der festen Überzeugung, dass die Art und Weise, wie wir Wirtschaft heute organisieren, auf einem fehlgeleiteten Menschenbild basiert. Ein Mensch, gerade im Arbeitsleben, ist viel schlauer, viel verantwortungsbewusster und viel leistungsfähiger, als man ihm gemeinhin nachsagt. Er muss nur verstehen, wofür er das tut. Und er braucht eine Rückmeldung dafür. Das ist keine Sache von Ausbildung, es ist auch keine Sache von Zuständigkeit. Die Frage ist vielmehr, inwieweit man dem dem Menschen innewohnenden Taten- und Gestaltungsdrang sowie seinem Sicherheits- und Wahrnehmungsbedürfnis Raum einräumt. Das, was im Privatleben funktioniert, funktioniert im Arbeitsleben genauso.
changeX 23.12.2009. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.
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Autor
Winfried KretschmerWinfried Kretschmer ist Autor, Redakteur & Macher bei changeX.
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