Von der Generation Y lernen

Fünfeinhalb Fragen an Martina Mangelsdorf

Wie mit einer jungen Generation umgehen, die mit so unkonventionellen Vorstellungen in die Arbeitswelt drängt. Eine Autorin und Beraterin sagt: Es ist höchste Zeit, sich mit den Ypsilonern auseinanderzusetzen. Unternehmen täten gut daran, die Kreativität der Ypsiloner zu fördern, anstatt zu versuchen, "gute Mitarbeiter" aus ihnen zu machen.

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Martina Mangelsdorf arbeitet seit 1998 im internationalen Personalwesen und hat Vertreter aller Generationen in verschiedenen Ländern rekrutiert und ausgebildet. Mit besonderem Augenmerk auf die Nachwuchsführungskräfte der Generation Y sieht sie sich - selbst eine Vertreterin der Generation X - als "generationale Grenzgängerin". Ihre Firma GAIA Insights vermittelt zwischen den Generationen und unterstützt Firmen, die junge Talente ansprechen, entwickeln und motivieren wollen. Fünfeinhalb Fragen an sie.
 

Generation Y - überschätzt und überbewertet? 

Weder noch. Zwar wird den Ypsilonern immer wieder ein gewisser Grad an Selbstüberschätzung unterstellt, aber Besserwisser oder Möchtegernhelden gibt es in jeder Generation. Fakt ist, dass es in der Geschichte der Menschheit noch nie eine Generation gab, die so gut ausgebildet, so gut vernetzt und mobil ist, wie die der heute 19- bis 34-Jährigen. Außerdem hat uns das Informationszeitalter in eine Ära katapultiert, die trotz allen Fortschritts vor massiven wirtschaftlichen, sozialpolitischen und umweltbezogenen Herausforderungen steht. Wer soll sich dieser Herausforderungen annehmen, wenn nicht die Generation Y? Der demografische Wandel passiert, ob es uns passt oder nicht. Höchste Zeit also, sich mit den Ypsilonern auseinanderzusetzen.
 

Sie sprechen von Grundwerten dieser Generation. Welche sind das? 

Jede Generation hat durch ihre historisch spezifische Prägung typische Werte und Eigenschaften entwickelt, die sich generationsübergreifend ergänzen und sich gegenseitig beeinflussen. Zwar können die Ausprägungen kulturell bedingt unterschiedlich ausfallen, doch verschiedene Studien belegen ein Wertegrundmuster der globalen Generation Y: Themenfelder wie Flexibilität, Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft, Authentizität, Integrität und soziale Verantwortung sowie Selbstverwirklichung und eine Verschmelzung von Arbeit und Freizeit stehen dabei im Vordergrund. Die Werte und Eigenschaften der Generation Y sind lediglich eine logische Konsequenz daraus, wie diese Generation ihre prägenden Jahre erlebt hat und wie sie erzogen wurde. Die Merkmale der Generation Y mögen anderen Generationen fremd erscheinen, sind aber lediglich ein Ausdruck dessen, wie Ypsiloner die Welt sehen. Und ihre Sicht ist nicht besser oder schlechter als die Perspektive anderer Generationen.
 

Was sollte man außerdem über diese Generation wissen? 

Die hohen Erwartungen der Ypsiloner und ihr Streben nach Selbstverwirklichung sind größtenteils anerzogen und kein Grund, ihnen mangelnden Leistungswillen zu unterstellen. Im Gegenteil, viele Vertreter dieser Generation sind ehrgeizig und anspruchsvoll, denn ihnen wurde von klein auf suggeriert, dass ihnen die Welt offensteht und sie alles erreichen können, was sie wollen. Auch das Bedürfnis nach Anerkennung und Wertschätzung ist entsprechend groß.
 

... und wie mit ihr umgehen? Welches sind Ihre wichtigsten Ratschläge für den Umgang mit dieser Generation? 

Das kommt natürlich ganz auf den Kontext an. Bezogen auf die Arbeitswelt lassen sich ein paar grundlegende Tipps formulieren: Gestalten Sie erstens einen modernen Arbeitsplatz mit Wohlfühlfaktor und schaffen Sie eine Unternehmenskultur, die authentisch, transparent und positiv ist. Zweitens: Bieten Sie so viel Flexibilität und Selbstbestimmung wie möglich. Lassen Sie die Ypsiloner arbeiten, wann und wo sie wollen, solange das Ergebnis stimmt! Und nehmen Sie drittens die Ypsiloner ernst, und lassen Sie ihnen die Freiheit, ihren Lebensstil individuell zu gestalten. So fühlen sie sich wohl, können ihre Werte ausleben und spiegeln ganz nebenbei auch den immer größer werdenden Anteil Ihrer Generation-Y-Kundschaft wider.
 

Was können wir von der Generation Y lernen? 

Vieles! Zum Beispiel aufgeschlossener durchs Leben zu gehen, den Status quo infrage zu stellen und nach Verbesserung zu streben, anstatt sich stillschweigend mit dem Gegebenen abzufinden. Anstatt in veralteten Strukturen zu erstarren, täte es uns allen gut, neugieriger zu sein und Veränderung positiv zu sehen. Der - manchmal verzweifelte - Ruf nach Innovation hätte mehr Nährboden, wenn Unternehmen die Kreativität der Ypsiloner fördern würden, anstatt zu versuchen, "gute Mitarbeiter" aus ihnen zu machen. Viele Firmen beklagen auch die Nutzung sozialer Medien am Arbeitsplatz, übersehen aber, was ihnen die Ypsiloner in Bezug auf virtuelle Teamführung und digitales Netzwerken auf Absatzmärkten beibringen könnten.
Ja, es braucht Mut, von der Generation Y zu lernen, doch diese bunte Mischung anspruchsvoller, aber durchaus leistungsbereiter Individualisten kann unsere Arbeitswelt mit frischem Wind und dynamischer Vielfalt bereichern.
 

Die für Sie wichtigste Erkenntnis ganz kurz? 

Keine Generation ist besser oder schlechter als die andere, alle bringen ihre Vor- und Nachteile mit sich. Wichtig ist, voneinander zu lernen, denn letzten Endes führt der Mix zum Erfolg.
 


Zitate


"Es braucht Mut, von der Generation Y zu lernen, doch diese bunte Mischung anspruchsvoller, aber durchaus leistungsbereiter Individualisten kann unsere Arbeitswelt mit frischem Wind und dynamischer Vielfalt bereichern." Martina Mangelsdorf: Von der Generation Y lernen

"Unternehmen täten gut daran, die Kreativität der Ypsiloner zu fördern, anstatt zu versuchen, ,gute Mitarbeiter‘ aus ihnen zu machen." Martina Mangelsdorf: Von der Generation Y lernen

 

changeX 17.10.2014. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Zum Buch

: 30 Minuten Generation Y. GABAL Verlag, Offenbach 2014, 96 Seiten, 8.90 Euro, ISBN 978-3-86936-567-1

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