Einsatz, bitte!

Macht Musik - der Teamratgeber von Richard de Hoop
Rezension: Jost Burger

Teams sind wie Orchester. Sagt Richard de Hoop. Jeder hat seine Rolle, sein Lieblingsinstrument. Damit die Zusammenarbeit klappt, muss die Besetzung stimmen - und der Dirigent für den richtigen Einsatz sorgen.

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"Teams scheinen total anstrengend zu sein", schreibt Richard de Hoop im Vorwort zu seinem Buch Macht Musik. Stimmt, denkt der Leser, und erinnert sich mit Graus: an endlose Teamsitzungen, ergebnislose Diskussionen und vor allem an nervende Teammitglieder, die alle irgendwie aneinander vorbeireden und nicht selten sogar gegeneinander arbeiten. Von Harmonie und Teamgeist keine Spur.  

De Hoop findet das auch schrecklich. Er ist nicht nur ein bekannter Berater in Sachen Teambuilding, sondern begeistertet Musiker. In seinem Buch betrachtet er die leidige Sache mit der Teamarbeit daher aus dem Blickwinkel des Musikers. "Leider spielen heute viele Teams in Unternehmen und Organisationen nicht gut zusammen. Sie produzieren Lärm, statt Musik zu machen", lautet seine Analyse dessen, was in vielen Unternehmen falsch läuft. Und er liefert sogleich die naheliegende Lösung: Es kommt darauf an, dass in einem Team genau wie in einem Orchester jeder das zu ihm passende Instrument spielt und jemand dafür sorgt, dass keiner den Einsatz verpasst und alle harmonisch zusammenspielen.


Der Trick mit der Musik


Darüber, wie man gute Teams zusammenstellt, und wie die dann gut arbeiten, ist wahrlich schon viel gesagt worden. Auch de Hoop erfindet insofern nichts Neues. Aber der Trick mit der Musik macht das Buch ungeheuer lesbar. Klar, es macht ja auch Spaß, sich den kreativen Kopf als Leadgitarre vorzustellen, die ständig neue Riffs in die Welt wirft und sich in langen Soli verliert, aber sich nicht immer so genau ums Timing kümmert - oder wohin das eigentlich führen soll. Wie gut, dass es da den Bass gibt, der stetig vor sich hinarbeitet. Vielleicht ist sein Auftreten nicht besonders glamourös, aber seine Gewissenhaftigkeit sorgt für den Grundton. Und dafür, dass die Dinge umgesetzt werden. Wohingegen die nervöse Trommel das Ganze vorantreibt und wortwörtlich die Schlagzahl erhöht, wenn die Zeit drängt.  

De Hoop übernimmt im Kern das Teamrollenmodell des englischen Psychologen Meredith Belbin, das dieser in den frühen 80er-Jahren erfolgreich entwickelt hat (und dessen Werke gleichwohl auf Deutsch nicht erhältlich sind). De Hoop übersetzt Belbins Rollenbezeichnungen in griffige Bilder aus der Orchesterwelt. Mit diesem Kunstgriff liest es sich dann auch wieder spannend und frisch, wenn de Hoop über Teambuilding und das Führen von Teams schreibt. Da wird eben aus dem "Monitor/Evaluator" die Harfe (also der Beobachter, der Analyst), aus dem "Teamworker" die Gitarre (also der klassische Teamarbeiter), und der "Shaper" - unser Macher - ist die erwähnte Trommel.


Die Zusammensetzung entscheidet


Neben seiner fachlichen Rolle bringt auch jeder im Team eine gewisse charakterliche Rolle mit. Das ist bei de Hoop das jeweilige "Lieblingsinstrument". Und wie in jedem Orchester muss ein Chef darauf achten, diese Instrumente zu einem harmonischen Ganzen zu formen. Dieses Bild ist viel eingängiger als seitenweise Abhandlungen über sich ergänzende Fähigkeiten, auszubalancierende Dynamiken und hochkomplexe psychosoziale Zusammenhänge. Wer in seinem Unternehmen zu viele Harfen hat (Harfen sind prima Analytiker, haben es aber nicht so mit der Innovation), der braucht ein paar verrückte Gitarren. Oder eine Trompete, die als Wegbereiter, als Erkunder des Möglichen gilt.  

De Hoop weist seine Instrumente vier "Quadranten" zu, die jeweils für eine Grundkraft stehen: Gefühlskraft, Tatkraft, Willenskraft und Denkkraft. Die wiederum aktiv oder reaktiv wirken. Um bei den Harfen und Gitarren zu bleiben: Beide sind der Denkkraft zuzuordnen. Die analytische Harfe reagiert und durchdringt noch die kompliziertesten Probleme, die kreative Gitarre agiert und bringt qua Gedanken- und Vorstellungskraft Neues in die Welt. Auf acht Instrumente beziehungsweise Teamrollen kommt de Hoop so: Führungskräften sollte es darum gehen, alle Instrumente im Team zu haben und sie entsprechend ihren Fähigkeiten einzusetzen. Vertrauen Sie also bloß nie einer Gitarre Aufgaben an, die stetige und gewissenhafte Umsetzung erfordert. Erwarten Sie von einem Bass nicht, dass er ständig neue Ideen hat. Und die besten Teamleiter sind Klaviere - vielseitig, begeisterungsfähig und im rechten Maße überschwänglich.


Keine Rocket Science


Nicht nur der Chef, auch die Spieler selbst sollten sich ihrer Rolle, Pardon, ihres Lieblingsinstrumentes bewusst sein. Dafür bietet de Hoop im Buch einen Schnelltest an, eine vereinfachte Form des belbinschen Tests. Wer weiß, ob er ein Klavier, eine Trompete oder vielleicht gar ein Horn ist, der weiß auch, wie er seine Fähigkeiten trainiert. Übungsprogramme für jedes Instrument runden das Buch ab. Geigen etwa: Sie gelten als die geborenen Teamarbeiter, sie hören allen zu, versetzen sich in fremde Standpunkte und helfen, wo es geht. Damit sie zum Virtuosen werden, empfiehlt de Hoop die regelmäßige Analyse von Talkrunden - oder aber einmal pro Woche jemanden auch außerhalb der Arbeit zu unterstützen oder aufzumuntern.  

Teambuilding ist keine Rocket Science. Das macht viele Ratgeber zum Thema auch so schwer zu lesen - weil sie schnell ein wenig flach und zugleich zu theoretisch wirken. De Hoop gelingt es, für das Thema zu begeistern. Wie ein Orchester funktionieren kann, welchem Instrument der Kollege und man selbst entsprechen, und was man auf dem Weg zum virtuosen Orchester tun kann, das liest sich unterhaltend, einprägsam und überzeugend. Pflichtlektüre für Konzertmeister ebenso wie Solomusiker!  


changeX 16.11.2012. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

Ausgewählte Links zum Thema

Zum Buch

: Macht Musik. So spielt Ihr Team zusammen, statt nur Lärm zu produzieren. GABAL Verlag, Offenbach 2012, 224 Seiten, 24.90 Euro, ISBN 978-3-86936-432-2

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Autor

Jost Burger
Burger

Jost Burger ist freier Journalist in Berlin. Er schreibt als freier Mitarbeiter für changeX.

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