Grundlage Respekt

Selbstcoaching in Konflikten - das neue Buch von Jörg Middendorf
Rezension: Annegret Nill

Ein neuer Ratgeber zeigt, wie man in Konfliktsituationen aus eigener Kraft zu einer Lösung kommen kann. Der Grundsatz ist klar: Die eigene Perspektive erweitern, um den Raum für eine konstruktive Lösung zu schaffen.

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Der Kollege rotzt bei der morgendlichen Begegnung seit einiger Zeit nur noch ein kurzes "Morgen" hin. Bei der Zusammenarbeit ist er kurz angebunden, sein Tonfall impliziert Sarkasmus oder Abwertung. Sein Verhalten wird immer steifer und distanzierter. Aussitzen ist keine Lösung mehr. Denn je länger diese Entwicklung anhält, desto unangenehmer und belastender wird die Arbeitsatmosphäre, besonders wenn Sie viel miteinander zu tun haben. Öl ins Feuer gießen wollen Sie allerdings auch nicht.  

Kommt Ihnen diese Situation bekannt vor? Dann könnte der Ratgeber Selbstcoaching in Konflikten. Strategien für erfolgreiche Konfliktlösungen etwas für Sie sein. Anhand der Methoden des NLP bietet der Psychologe, Coach und Mediator Jörg Middendorf darin Methoden an, mit deren Hilfe man der Klärung des Konfliktes näher kommen kann.


Die eigene Perspektive erweitern


Im Grundsatz geht es darum, die eigene Perspektive zu erweitern, um den Raum für eine konstruktive Lösung zu schaffen.  

Vier Perspektiven führt Middendorf dazu ein: Ich, Du, Wir und Meta. Die "Ich"-Position ist selbsterklärend: Ich kläre meine eigenen Gefühle. Die "Du"-Position setzt die Bereitschaft voraus, in die Schuhe des Konfliktpartners zu schlüpfen und die Welt mit seinen Augen zu betrachten. Die "Wir"-Position akzeptiert beide Positionen, und die "Meta"-Position schaut mit Distanz und von oben auf die Situation. Wichtig: Alle Gefühle auf allen Positionen werden akzeptiert und die hinter den Positionen liegenden Interessen geklärt.  

Ja, die Gefühle. Deren grundlegende Wichtigkeit anzuerkennen fällt vielen Menschen in unserer rational geprägten westlichen Arbeitswelt immer noch schwer. Ausreden aber oder Verschiebungen nach dem Motto "lass uns doch sachlich bleiben" oder "lass uns die Emotionen bitte heraushalten" lässt Middendorf nicht gelten. "Die schlechte Nachricht ist: Das ist leider nicht möglich, da es keine komplexere Informationsverarbeitung ohne Emotionen gibt", schreibt er. "Die gute Nachricht ist: Das macht nichts, denn Sie können Emotionen für die Konfliktlösung nutzen!" 

Nachdem die Grundlagen zum Verständnis der Situation erarbeitet worden sind, ist der nächste Schritt eine Einladung zum Klärungsgespräch an das Gegenüber. Nimmt es nicht an, endet der Versuch hier - schließlich beruht Konfliktklärung wie auch Mediation auf Freiwilligkeit.  

Nimmt es an, beginnt die Gesprächsvorbereitung. Dazu gehört eine genauere Untersuchung der eigenen Position, der eigenen Gefühle und Stimmen. Um deren Ursache und Absichten auf die Spur zu kommen, führt Middendorf eine Methode namens "Teilekonferenz" ein, die manchen Leser sicher sehr an das "Innere Team" des Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun erinnern wird.


Respekt vor sich und dem anderen


Der Ratgeber versteht sich als Arbeitsbuch. Ziel ist, eine Win-win-Situation zu schaffen und sich nicht mit einem faulen Kompromiss zufriedenzugeben. Das bedeutet auch: Einen "easy way out" gibt es nicht. Die Übungen erfordern Zeit, Experimentier- und Reflexionsbereitschaft. Grundlage ist immer der Respekt vor sich selbst und vor der anderen Person. Deshalb geht es auch nicht darum, den Konflikt um jeden Preis zu befrieden. "Überfordern Sie Ihr Gegenüber nicht", schreibt Middendorf. Und auch nicht sich selbst. Wer auf dieser Basis zu ehrlicher Klärungsarbeit bereit ist, kann von den Übungen sicher profitieren.  


changeX 16.03.2012. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Zum Buch

: Selbstcoaching in Konflikten. Strategien für erfolgreiche Konfliktlösungen. GABAL Verlag, Offenbach 2012, 192 Seiten, 17.90 Euro, ISBN 978-3-86936-342-4

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Annegret Nill
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Annegret Nill arbeitet als freie Journalistin, Autorin und Moderatorin in Berlin. Sie schreibt als freie Autorin für changeX.

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