Die changeX-Bestenliste Februar 2010

Die Buchempfehlungen der changeX-Redaktion

 

Noch ist der große Schwung der Frühjahrstitel nicht ausgeliefert. So ist in unserer Februar-Bestenliste noch recht wenig Frühlingsluft zu verspüren. Allerdings gibt es einen klaren Spitzenreiter: Gold für Dueck in der Disziplin Aufbrechen!

Aufbrechen! Gold für Dueck in der Disziplin Aufbrechen!

Gunter Dueck: Aufbrechen!. Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2010, 224 Seiten, ISBN 978-3-8218-6514-0

Deutschland muss sich einen neuen Job suchen. Denn nach den Industriearbeitsplätzen rückt die Informationstechnologie nun den Dienstleistungen zu Leibe. Da bleibt nur die Flucht nach vorn: der Aufbruch in die Exzellenzgesellschaft. Selten hat jemand die Wissensgesellschaft gründlicher durchdekliniert wie „Wild Duck“ Gunter Dueck. Sein Buch macht richtig Lust auf Zukunft. Sagt Dagmar Deckstein. Gold für Dueck in der Disziplin Aufbrechen!
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Der Ego-Tunnel Metzinger gelingt es, den Mythos des Selbst zu zertrümmern.

Thomas Metzinger: Der Ego-Tunnel. Eine neue Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik. Berlin Verlag, Berlin 2009, 384 Seiten, ISBN 978-3-827-00630-1

Die Hirnforschung revolutioniert nicht nur das Bild des Menschen, sondern auch unseren Blick auf die Welt. Der Philosoph und Bewusstseinsforscher Thomas Metzinger bündelt nun die Erkenntnisse der Neurowissenschaften in seinem kraftvollen Buch zu einer Theorie des Bewusstseins, die unser Selbstbild radikal infrage stellt. Die moderne Philosophie des Geistes und die kognitiven Neurowissenschaften sind dabei, den Mythos des Selbst zu zertrümmern. Das Selbst gibt es nicht, es ist eine Illusion, die das Gehirn erzeugt, so Metzingers These. Unser Gehirn konstruiert ein Modell der Wirklichkeit, das aber nicht als Konstrukt erfahren wird, sondern als subjektiv erlebte Wirklichkeit. Was wir wahrnehmen, ist nichts als „ein virtuelles Selbst in einer virtuellen Realität“. Das ist die Bewusstseinsrevolution, die neue ethische Herausforderungen in sich birgt und gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen anstoßen kann, von denen wir noch gar nichts ahnen. Wir brauchen eine neue „Bewusstseinsethik“, so die Forderung Metzingers. Ein furioses Buch!
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Die empathische Zivilisation Zur Empathie geboren.

Jeremy Rifkin: Die empathische Zivilisation. Wege zu einem globalen Bewusstsein. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2010, 468 Seiten, ISBN 978-3-593385129

Unsere Zivilisation steht an der Schwelle eines neuen Zeitalters: des Zeitalters der Empathie, das das Zeitalter der Vernunft ablöst. Sagt, um den großen Entwurf nie verlegen, der Soziologe Jeremy Rifkin. Doch verkitscht er seine Vision mit naivem Pathos. Zu Recht aber stellt er die Frage nach unserem Selbstbild neu: Wer sind wir? Wer wollen wir sein? Trotz der argumentativen Schwächen seines Buches, trotz mancher naiv anmutenden Visionen einer emphatischen Gesellschaft – indem Jeremy Rifkin die Entdeckung unserer empathischen Seiten zum Zivilisationscharakteristikum stilisiert, hat er das richtige Thema auf die Agenda gesetzt.
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Woher wir wissen, was andere denken und fühlen Der Mensch: Empathischer als gedacht, aber vielleicht weniger frei als gewünscht.

Marco Iacoboni: Woher wir wissen, was andere denken und fühlen. Die neue Wissenschaft der Spiegelneuronen. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2009, 320 Seiten, ISBN 978-3-421-04236-1

Für Spiegelneuronen galt bislang der Vorbehalt, ob es sie beim Menschen denn auch gibt. Der italienischstämmige Neurowissenschaftler Marco Iacoboni, sagt nun: Es gibt sie. Unser Spiegelneuronensystem ist nicht nur Grundlage von Empathie und Einfühlungsvermögen, sondern des sozialen Zusammenlebens schlechthin. Menschen sind auf einer fundamentalen Ebene zutiefst miteinander verbunden. Diese Erkenntnis könnte, wie Iacoboni hofft, eine empathischere, fürsorglichere Gesellschaft entstehen lassen. Aber es hat weitreichende Auswirkungen auf unsere Selbstdefinition als Menschen: Vielleicht sind wir in unseren Willensentscheidungen weniger frei, als wir denken.
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Meconomy Ausblick in die Kreativökonomie.

Markus Albers: Meconomy. Wie wir in Zukunft leben und arbeiten werden und warum wir uns jetzt neu erfinden müssen. Markus Albers, Berlin 2010, 321 Seiten

Ein Buchautor geht schon mal voran: Gibt seinem Verlag den Laufpass und bringt sein neues Buch im digitalen Selbstverlag heraus. Ein Beispiel für das, was er darin beschreibt: eine Ökonomie, in der die eigene Person zur kleinsten wirtschaftlichen Einheit wird. Und das eigene Wissen zum Produktionsmittel und Wertschöpfungsfaktor. In Markus Albers’ Meconomy kann man das, was man wirklich gerne tut, zu seinem Job machen. Nach Wir nennen es Arbeit und Marke Eigenbau ein weiterer schillernder Ausblick in die Kreativökonomie.
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Enterprise 2.0 McAfee erklärt Enterprise 2.0. Eine Einführung vom Erfinder des Begriffs.

Andrew McAfee: Enterprise 2.0. New Collaborative Tools for your Organization’s Toughest Challenges. Harvard Business Press, Boston, Massachusetts, 2009, 231 Seiten, ISBN 978-1-4221-2587-8

McAfee erklärt Enterprise 2.0. Der Erfinder des Begriffs liefert eine Einführung für Manager, die wenig Ahnung von IT und Web 2.0 haben. Er sagt: Um zu einem Enterprise 2.0 zu werden, müssen sich Unternehmen auf einen tief greifenden Wandel der Unternehmenskultur einlassen: einen Wandel hin zu einem anderen Kommunikations- und Verhaltensmodell, das auf Vielsprachigkeit und Beteiligung beruht. Das das Web 2.0 nicht nur technologisch nachbildet, sondern seine Kultur der Kooperation übernimmt.
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Die Perfektionierer Besser, schneller, glatter, perfekter zu werden ist das Ziel vieler. Im Ergebnis aber werden sie immer gleicher.

Klaus Werle: Die Perfektionierer. Warum der Optimierungswahn uns schadet – und wer wirklich davon profitiert. Campus Verlag, Frankfurt/New York 2010, 255 Seiten, ISBN 978-359-3-39093-2

Besser, schneller, glatter, perfekter werden: Das ist die Mittelschicht-Strategie gegen soziale Deklassierung. Klaus Werle sagt: Der Wunsch nach dem perfekten Leben ist zum Credo des 21. Jahrhunderts geworden. Doch fördern Optimierer das Gleiche, nicht den Unterschied. Auf ihn aber kommt es an in einer Gesellschaft, die Wert aus Ideen schöpft. Werles lesenswertes Buch rückt in den Vordergrund, worauf es in der Wissensgesellschaft entscheidend ankommt: einen Unterschied zu machen.
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Profit für alle Eine Punktlandung im Zeitgeist und dennoch diesem weit voraus.

Norbert Bolz: Profit für alle. Soziale Gerechtigkeit neu denken. Murmann Verlag, Hamburg 2009, 189 Seiten, ISBN 978-3-86774-075-3

Bücher des Jahres 2009, Platz 2! Dieses Buch stapelt tief. Es gibt vor, soziale Gerechtigkeit neu zu denken (was nicht wenig wäre), geht aber weit über dieses Ziel hinaus. Norbert Bolz denkt den Kapitalismus neu. In seinem klaren Buch gewinnt Gestalt, was man „Kapitalismus 3.0“ nennen könnte: eine neue Stufe kapitalistischer Entwicklung, die nach der äußeren Balance, der Versöhnung mit der Natur, nun auch eine innere Balance anstrebt: soziale Gerechtigkeit. Nicht als Umverteilung, sondern als Profit für alle, als Produktion sozialen Reichtums, der gleichermaßen aus sozialen Netzwerken wie aus der Kraft des Einzelnen erwächst. „Es geht um die Versöhnung von Profitmotiv und sozialer Verantwortung“, schreibt Bolz. Das ist das Thema, das in vielen aktuellen Debatten aufscheint – von Corporate Social Responsibility über Philathrokapitalismus bis hin zu Social Business. Bolz denkt die neuen Facetten des Sozialen zusammen. Eine Punktlandung im Zeitgeist und dennoch diesem weit voraus.
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Die Kultur des Veränderns Für wirklichen Wandel braucht es eine Kultur der Veränderung.

Konrad Stadler: Die Kultur des Veränderns. Führen in Zeiten des Umbruchs. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2009, 233 Seiten, ISBN 978-3-423-24764-1

Unternehmen fordern Elan und Veränderung, doch scheitern viele Veränderungsprozesse kläglich. Denn die Unternehmen stehen sich selbst im Weg. Konrad Stadler sagt: Für wirklichen Wandel braucht es eine Kultur der Veränderung. Change ohne Neuentwurf der Organisation bleibt in den alten Denkschablonen gefangen. Gefragt ist: Sinn anstelle von Vorschriften. Kooperation statt Hierarchie. Und Führung als dienende Tätigkeit. Mit dem Zweck, Menschen zu befähigen und zu ermächtigen, selbständig zu handeln. Führungskräfte müssen zuallererst als Mensch überzeugen.
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Wohlstand neu denken Ab jetzt gilt: Lieber glücklich als reich!

Horst W. Opaschowski: Wohlstand neu denken. Wie die nächste Generation leben wird. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2009, 240 Seiten, ISBN 978-3-579-06878-7

Die Wohlstandsgesellschaft der alten Bundesrepublik ist zu Ende. Wir leben in einer fortgesetzten Krisenwirklichkeit, die unsere Vorstellung von Wohlstand umwälzt. Bescheidener zu leben und dennoch glücklich zu sein, das ist die Vision von Horst W. Opaschowski für das Deutschland nach dem Ende des Schlaraffenlandes, des Traums von immerwährender Prosperität. Es ist eine Vision, die im Leben der Menschen Gestalt gewinnt. Das weiß der Zukunftsforscher mit empirischen Daten zu untermauern. Opaschowski stellt die alte Frage nach dem guten Leben neu. Damit werden wir uns künftig mehr auseinandersetzen müssen. Ab jetzt gilt: Lieber glücklich als reich!
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Erfolg ohne Chef Ein Unternehmen ohne Chef und ohne Hierarchie kann funktionieren!

Gernot Pflüger: Erfolg ohne Chef. Wie Arbeit aussieht, die sich Mitarbeiter wünschen. Econ Verlag, Berlin 2009, 268 Seiten, ISBN 978-3-430-20086-8

Schon der Buchtitel ist eine Provokation. Erfolg ohne Chef steht da in dicken Lettern, wobei das Wort „Chef“ in einen stilisierten Papierkorb entsorgt wurde. Ein Unternehmen ohne Chef, das soll funktionieren? Es funktioniert, und sogar besser als das alte, auf Hierarchie, Anweisung und Kontrolle basierende Modell, das noch unsere Unternehmenswirklichkeit bestimmt. Das ist die These von Gernot Pflüger, der seit 19 Jahren ein Unternehmen leitet, das gänzlich anders organisiert ist: ohne Chef und ohne Hierarchie, mit einer demokratischen Beteiligung der Mitarbeiter an den Entscheidungen, totaler Transparenz aller Vorgänge und einem Einheitsgehalt für alle Mitarbeiter. Sein Buch ist ein Praxisbericht, kein theoretisches oder gar ideologisches Pamphlet. Ein Appell zum Nachahmen – dem man nur wünschen kann, dass er auch gehört wird.
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