Die changeX-Bestenliste Oktober/November 2010
Die Buchempfehlungen der changeX-Redaktion Oktober/November 2010
Drei Titel stehen ganz oben auf der Liste unserer Buchempfehlungen im Herbst, die wir zum Beginn der Buchmesse publizieren. Scheinbar haben sie nichts miteinander zu tun, zu unterschiedlich sind die Ebenen, auf denen sie ansetzen. Dennoch gibt es ein starkes, verbindendes Moment: Überall, bei Förster/Kreuz wie bei Yunus und Werner/Goehler, geht es um die Entfaltung der menschlichen Potenziale als Schlüssel zur Fortentwicklung von Unternehmen, Gesellschaft, Weltgemeinschaft.
Anja Förster, Peter Kreuz:
Nur Tote bleiben liegen.
Entfesseln Sie das lebendige Potenzial in Ihrem Unternehmen.
Campus Verlag, Frankfurt / New York 2010, 247 Seiten, ISBN 9783593392202
"Ich habe 700 Leute unter mir!" "Arbeitest du auf einem Friedhof?" Dieser Wortwechsel zwischen zwei Schulfreunden, die sich Jahre nicht gesehen haben, beschreibt präzise, worum es in dem neuen Buch von Anja Förster und Peter Kreuz geht: Die alten Rezepte, Strukturen und Denkweisen greifen nicht mehr; die aus der Industriegesellschaft übernommene Art, Unternehmen zu bauen, hat aufgehört zu funktionieren. Weil sich die Spielregeln geändert haben. Gefragt sind deshalb "Antworten, Antworten, Antworten": Darauf, wie wir zusammenarbeiten wollen. Wie wir die sanft schlummernden Potenziale der Menschen zum Blühen bringen. Wie wir Organisationen bauen, die dies möglich machen. Und darum kreist dieses Buch: "Uns geht es um nicht weniger als um eine fundamental andere Art, Unternehmen zu führen" - um "eine fundamental andere Art des Managements". Doch richtet sich Nur Tote bleiben liegen keineswegs nur an Leute aus dem Management. Das wäre zu kurz gedacht. Es geht um die Potenziale, das Denken, das Handeln jedes Einzelnen - und der Schlüssel dazu ist Freiheit. In ihrem zweifellos besten Buch weisen Anja Förster und Peter Kreuz den Weg, der zu einer neuen Wirtschaft führt. Das ist die Haltung, die Sprache, die Denke, die Wandel heute braucht: frisch, frech, radikal, offen - und frei. Pflichtlektüre für alle, die nicht stehen (oder liegen) bleiben wollen.
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Osiander
genialokal
Muhammad Yunus:
Social Business.
Von der Vision zur Tat.
Carl Hanser Verlag, München 2010, 288 Seiten, ISBN 978-3-446-42351-0
"Innerhalb weniger Jahre hat sich Social Business von einer bloßen Idee zu einer lebendigen, schnell wachsenden Unternehmensform entwickelt", schreibt Muhammad Yunus in seinem neuen, zusammen mit Karl Weber verfassten Buch Social Business. Genau zwei Jahre ist es her, dass der Friedensnobelpreisträger das Konzept des Social Business auch hierzulande einem breiteren Publikum nahegebracht hat. Nun legt er ein Update vor, das nicht nur Von der Vision zur Tat schreitet, so der Untertitel, sondern nicht zuletzt auch einige wichtige Klarstellungen bereithält. Für Yunus ist Social Business eben nicht eine Variante sozial verantwortlichen Unternehmertums, irgendwo zwischen Corporate Social Responsibility, Sozialunternehmertum und Philanthropie. Sondern ein klares Konzept, das sich durch den Verzicht auf die Ausschüttung einer Dividende nicht nur klar von der Welt der gewinnorientierten Wirtschaft abgrenzt, sondern den Entwurf des Kapitalismus erst komplett macht. Dabei gewinnt die Vision selbst an Prägnanz und Klarheit. Es gilt, eine globale Infrastruktur für Social Business zu schaffen - als Schritt zur Tat, hin zu dem einen, großen Ziel: der Beseitigung der Armut.
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Osiander
genialokal
Götz W. Werner, Adrienne Goehler:
1000 Euro für jeden.
Freiheit. Gleichheit. Grundeinkommen.
Econ Verlag, Berlin 2010, 272 Seiten, ISBN 9783430201087
Eine große Vision haben auch Götz Werner und Adrienne Goehler, der Gründer der dm-Drogeriemärkte und die Kuratorin und Autorin, die eine gemeinsame Überzeugung als Autorengespann zusammengeführt hat: dass das bedingungslose, existenzsichernde Grundeinkommen, die provokativ ausgesprochene Verheißung der 1000 Euro für jeden, den "Dreh- und Angelpunkt für die notwendige gesellschaftliche Weiterentwicklung" darstellt. Insofern es die Basis schafft "für ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit, das wiederum Kreativität und Leistungsfähigkeit ermöglicht". Hierin liegt der Wert dieses Buches, das sich gar nicht mehr mit (den längst abgehandelten) Machbarkeitsfragen aufhält, sondern forsch und fordernd zu einer gesellschaftlichen Vision voranschreitet: die einer Kreativitätsgesellschaft, die es sich leistet, kreativ sein zu können.
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genialokal
Horst W. Opaschowski:
WIR!.
Warum Ichlinge keine Zukunft mehr haben.
Murmann Verlag, Hamburg 2010, 240 Seiten, ISBN 978-3-86774-104-0
Es liegt in der gesellschaftlichen Luft: Der Trend geht vom Ich zum Wir. Eine Renaissance des Gemeinschaftlichen scheint im Gange, die mehr ist als ein Zusammenrücken in der Krise, mehr als ein Sichabwenden von den Ego-Shootern, die in grenzenloser Selbstüberschätzung zu ihrem Entstehen beigetragen haben. Nein, die Hinwendung zum Wir ist mehr als eine Zeitgeistströmung, ist ein grundlegender Paradigmenwandel in unserer Gesellschaft. Das ist die These von Horst W. Opaschowski. Sein Vorteil gegenüber anderen Gesellschaftsdiagnostikern, die Ähnliches verkünden: Er hat Zahlen. Und kann belegen, dass dieser Wandel nicht bloß Zeitdiagnose ist, sondern eine grundlegende Verschiebung in der Tiefenstruktur der Gesellschaft. Ein Wandel des Wertewandels. Dabei bleibt Opaschowski nicht kühl distanzierter Analytiker, sonder mischt sich ein, ergreift Partei. Vor allem, wenn er sagt: "Optimismus ist Pflicht!"
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Osiander
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Helmut Saiger:
Kontakte statt Kulisse.
Miteinander gut leben statt nur viel haben.
Verlag BoD, Norderstedt 2010, 180 Seiten, ISBN 978-3-8391-6747-2
In Krisenzeiten wächst die Bedeutung sozialer Netzwerke. Familie, Freunde, Nachbarschaft und Vereine gewinnen an Bedeutung für die Menschen. Dies ist ein oft beobachtetes und sehr nachvollziehbares Phänomen. Wenn derzeit aber auffällig oft von einer „Renaissance des Gemeinschaftlichen“ (Meinhard Miegel), von sozialem Reichtum (Norbert Bolz) oder einer Kultur des Zusammenlebens gesprochen wird und Kooperation, Beziehungen und Netzwerke in den Blickpunkt rücken, dann scheint das mehr als ein krisenbedingtes zwischenmenschliches Zusammenrücken zu sein. „Zukunft zeichnet sich ab, wenn Menschen, die nichts voneinander wissen, plötzlich beginnen, in die gleiche Richtung zu denken und zu schreiben“, sagt der Freiburger Zukunftsforscher, Berater und Autor Helmut Saiger. In seinem Buch Kontakte statt Kulisse, das er bei Books on Demand veröffentlicht hat, fügt er die Puzzlesteine eines neuen Gemeinschaftsdenkens zusammen. Sein Buch ist Anleitung zum Gemeinschaftsleben, soziologische Analyse, philosophische Betrachtung und persönliche Stellungnahme in einem. Saiger zeigt, wie eine Gesellschaft der reichen Beziehungen und Gemeinschaften aussehen kann, und gibt ihr mit dem Begriff der „Kontaktgesellschaft“ zugleich eine griffige Bezeichnung. Lesetipp: zum Lesen allein und mit anderen.
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Andreas Zeuch:
Feel it!.
So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen.
Verlag Wiley-VCH, Weinheim 2010, 258 Seiten, ISBN 978-3-527-50467-1
Wir werden die alten Mythen einfach nicht los: Mehr Informationen führen zu besseren Entscheidungen; Gefühle haben im Business nichts zu suchen. Hartnäckig und allen Erkenntnissen über unser Bewusstsein zum Trotz halten sich olle Kamellen wie diese. Zeit, auszumisten. Das ist das Ziel des Organisationsberaters Andreas Zeuch. „Manager geben vor, wissenschaftlich fundiert ihre Unternehmen zu führen, obgleich sie lang bekannte, immer noch gültige und aktuelle Forschungsergebnisse nicht in ihr angeblich ‚rationales‘ Kalkül einbeziehen. Sie verhalten sich nachweislich irrational, behaupten aber dreist das Gegenteil.“ Umgekehrt wird ein Schuh draus: Nämlich Emotion und Intuition den Stellenwert einzuräumen, der ihnen zukommt. Doch will Intuition geübt sein, um in Unternehmen effektiv eingesetzt werden zu können. Intuition zu professionalisieren, das ist das Ziel von Zeuchs Buch Feel it! Schritt für Schritt leitet der Autor dazu an, mit Intuition besser umgehen zu lernen. Ziel ist eine „effektive Entscheidungskultur“, in der Rationalität und Emotion ihren Platz finden. Merke: Nicht Kopf oder Bauch ist die Frage. Entscheidend ist: Kopf UND Bauch.
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Manfred Wittenstein:
Geschäftsmodell Deutschland.
Warum die Globalisierung gut für uns ist.
Murmann Verlag, Hamburg 2010, 214 Seiten, ISBN 978-3-86774-096-8
In kaum einem Land ist die Skepsis gegenüber der Globalisierung so groß wie in Deutschland. Und kaum ein Land profitiert so stark von ihr wie wir. Nur, Exportweltmeister sein zu wollen, möglichst aber ohne Globalisierung, das ist deutsche Schizophrenie. Manfred Wittenstein schreibt, warum wir mehr und nicht weniger Globalisierung brauchen. Sein Buch ist ein Plädoyer für ein weltoffenes Deutschland, das sich den Herausforderungen einer sich wandelnden Weltwirtschaft stellt und die Chancen der Globalisierung wahrnimmt, statt ihre Risiken zu bejammern.
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Henry Mintzberg:
Managen.
GABAL Verlag, Offenbach 2010, 392 Seiten, ISBN 978-3-86936-105-5
Management ist in aller Munde. Und der Begriff polarisiert, vor allem wenn man von "dem" Management oder "den" Managern spricht. Doch was macht eigentlich ein Manager, dass seine Tätigkeit solchen Widerspruch hervorruft? Soeben ist ein Buch erschienen, das offen eingesteht: "Wir wissen herzlich wenig über die simplen Alltagsprobleme eines gewöhnlichen Managers." Und infolgedessen habe sich auch unser Verständnis vom Managen nicht weiterentwickelt. Das ist die These von Henry Mintzberg. Und Mintzberg tut das, was in einer solchen Situation dringend geboten ist: Genau hinschauen. In Managen entwirft er ein erstaunlich vielschichtiges - man kann auch sagen: komplexes - Bild dieser Tätigkeit. Und zertrümmert dabei so manches Klischee. Zum Beispiel dass Manager Planungsversessen seien. Managen, so hält Mintzberg entgegen, "ist eine praktische, situationsgebundene Tätigkeit, die vorrangig von der Erfahrung lebt".
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Ludger Heidbrink, Peter Seele (Hg.):
Unternehmertum.
Vom Nutzen und Nachteil einer riskanten Lebensform.
Campus Verlag, Frankfurt am Main/New York 2010, 248 Seiten, ISBN 978-3-593-39213-4
Skeptisch bis offen ablehnend, so war über lange Jahre hinweg die vorherrschende Haltung zum Unternehmer. Man sah ihn als nützlich, ja notwendig, aber man mochte ihn nicht. Das hat sich geändert. Unternehmertum ist zum gesellschaftlichen Leitbild geworden. Und das Cross-over von der Ökonomie zum Sozialen und Kulturellen ist in vollem Gange. Der Cultural Entrepreneur wird zum Treiber gesellschaftlichen Wandels. Ein Reader versucht sich an einem schillernden Begriff - mit gemischtem Ergebnis.
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Douglas C. Merrill, James A. Martin:
Der Google-Effekt.
Strukturiert denken im digitalen Zeitalter.
Südwest Verlag, München 2010, 320 Seiten, ISBN 978-3-517-08618-7
"Googlemanie" könnte man nennen, was sich seit einiger Zeit in der Verlagsbranche beobachten lässt: Bücher mit "Google" im Titel haben Konjunktur. Denn, so die Hoffnung der Verlage, der Name des Internet-Giganten möge sich als Umsatzbringer erweisen. Dass dieses Kalkül aufgeht, wünscht man diesem Buch ganz besonders. Denn es bietet eine Antwort auf die viel beklagte Informationsüberflutung. Wir erleben einen tief greifenden Wandel unseres Umgangs mit Information, diagnostiziert der Autor und korrigiert zugleich die eine oder andere Lebenslüge des beginnenden digitalen Zeitalters. Multitasking? Kann man mangels Arbeitsspeicher im Gehirn vergessen! Work-Life-Balance? Blanker Unsinn! Während die Ratgeberbranche Auflage und Umsatz damit macht, den Menschen den Schwarzen Peter zuzuschieben, sagt Merrill klar: Es sind die Verhältnisse und Strukturen des Industriezeitalters, die den Übergang in die neue digitale Ära erschweren. Sich wehren, lautet seine Empfehlung. Und: Sich besser organisieren. Dafür liefert er eine Fülle an Tipps, Methoden und Techniken - dass er dabei Google-Produkte bevorzugt, wird man dem früheren Informationsvorstand des Konzerns nachsehen. Immerhin bietet er Alternativen an. Seine Methoden sind durchdacht und im Kampf gegen die eigene Legasthenie erprobt. Kurzum: Merrill bietet die Rezeptur gegen die schirrmachersche Gehirnerweichung. Unser Sommer-Lesetipp für alle, die nach Orientierung im digitalen Informationsdschungel suchen.
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Nicholas A. Christakis, James H. Fowler:
Connected!.
Die Macht sozialer Netzwerke und warum Glück ansteckend ist.
Verlag S. Fischer, Frankfurt am Main 2010, 431 Seiten, ISBN 978-3100113504
Ich, das prägte lange Zeit den Blick auf die Welt: das Individuum im Mittelpunkt von Werbung wie Wissenschaft. Zunehmend und verstärkt durch den Boom der Social Networks richtet sich der Blick auf die Beziehungen zwischen Menschen. Und zeigt: Wir sind Netzwerkwesen. Wir prägen unser Netzwerk und unser Netzwerk prägt uns. Connected! liefert verblüffende Erkenntnisse über die Macht sozialer Netzwerke. Nicholas A. Christakis und James H. Fowler schauen dabei nicht nur auf die virtuellen Netze. Sie lenken den Blick auch auf die kleinsten Netzwerke in unserem direkten Umfeld: die Familie, die Partnerschaft, die Freunde, den Verein, das Studentenwohnheim, aber auch das reine Funktionsnetzwerk, das sich spontan vor Ort bildet, wenn eine Menschenkette Wasser vom Fluss zu einem Brandherd schafft. Ob man Facebook & Co. liebt oder verdammt – allen, die Zukunft gestalten und Gegenwart besser verstehen wollen, kann man die Lektüre dieses Buches nur uneingeschränkt empfehlen.
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Osiander
genialokal
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