Raus aus der Komfortzone
Aus eigenem Antrieb. Erfahrungen eines erfolgreichen Extremsportlers - das neue Buch von Hubert Schwarz.
Von Winfried Kretschmer
Was treibt Menschen zu Höchstleistungen? Was bringt sie dazu, über ihre Grenzen zu gehen, physisch wie psychisch? Was motiviert sie, wenn nichts mehr zu gehen scheint? Deutschlands erfolgreichster Extremsportler sagt, woher er seine Motivation bezieht: Es ist der innere Antrieb, etwas aus eigener Kraft bewegen und verändern zu wollen. Denn wer in seiner Komfortzone verharrt, verpasst seine Chancen. / 11.05.07
Schwarz CoverBeinahe jeder, der schon einmal einen Marathon gelaufen ist, kennt ihn: Er wartet meist bei Kilometer 35. Man nennt ihn den "Mann mit dem Hammer". Bis zum 35. Kilometer etwa reichen bei einem trainierten Läufer die Kohlenhydratvorräte, dann aber sind plötzlich die Speicher leer, der Körper muss seine Energieversorgung umstellen. Und auf einen Schlag ist der Einbruch da, wird das Laufen zur Mühsal, machen die Beine nur noch mit, weil sie der Kopf unerbittlich antreibt: weiter! Das ist eine rigorose Erfahrung, dennoch suchen Tausende von Menschen dieses Erlebnis, stellen sich dieser Herausforderung, nicht nur bei den zahlreichen Marathonveranstaltungen, sondern auch bei Triathlons, Radmarathons oder Ultraläufen. Warum?
Hubert Schwarz ist kein "normaler" Marathonläufer oder Triathlet. Er ist ein Extremist. Ein Extrem-Radfahrer, dem keine Distanz zu lang und keine Herausforderung groß genug war. Er war der erste deutsche Triathlet, der alle fünf offiziellen Ironman-Wettbewerbe nacheinander absolvierte. Ebenfalls als erster Deutscher bestritt er das Race Across America quer durch die Vereinigten Staaten, 5.000 Kilometer in zehn Tagen. Radelte rund um den australischen Kontinent, gut 14.000 Kilometer in knapp 43 Tagen. Strampelte mit dem Mountainbike quer durch das winterliche Alaska. Und fuhr in 80 Tagen um die Welt, auch das wieder allein auf zwei Rädern mit Pedalantrieb. Jede dieser Touren bedeutete eine Extrembelastung für den Organismus: Tag für Tag zehn, zwölf Stunden oder länger im Sattel, um die Tagesetappe von 300 oder mehr Kilometern zu schaffen. Dann ein paar Stunden Schlaf, und das Ganze wieder von vorne. Durch die Wüste. Über die Berge. Bei Regen. Wie schafft ein Mensch das?

Man muss ankommen wollen.


Darüber hat Hubert Schwarz, der mittlerweile Unternehmer geworden ist und sein eigenes Tagungs- und Motivationszentrum betreibt, nun ein Buch geschrieben. Es ist ein sehr persönliches Buch, das freilich auch der Vermarktung des eigenen Unternehmens dient, sich aber keineswegs im bemühten Selbstmarketing erschöpft. Hubert Schwarz berichtet von seinen eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen und gibt einen Einblick in das, was ihn zu seinen Höchstleistungen getrieben hat: Es ist nicht nur das Ertasten und Überwinden persönlicher Grenzen, sondern der innere Antrieb, "etwas aus eigener Kraft bewegen und verändern zu wollen". Hierin, so Schwarz, liegt die Motivation zur Höchstleistung, im privaten Leben wie im Beruf, als Sportler wie als Unternehmer.
Zum Unternehmer wurde Schwarz schon bevor er seine Extremtouren in Angriff nahm und auch bevor er sein eigenes Unternehmen auf die Beine stellte. Er wurde es, als er Bürokratie und Kleingeist in seiner fränkischen Heimatstadt nicht mehr ertragen wollte, kurzerhand seinen Sozialarbeiterjob hinwarf und beschloss, seine Begeisterung für den Ausdauersport zu seinem Lebensinhalt zu machen. Er begab sich auf die Suche nach Sponsoren, um Mittel für seine teuren Extremtouren einzuwerben, und verdiente nach bestandenem Abenteuer als Vortragsredner hinzu. Gewissermaßen setzte er alles auf eine Karte: Seine Zähigkeit und sein Durchhaltevermögen, die angekündigte Strapaze auch zu Ende zu bringen. "Man muss ankommen wollen. Zu jeder Sekunde."

Die Komfortzone verlassen.


Und das erfordert "tausendmalige (Selbst-) Überwindung", erfordert die Fähigkeit, seine "Gedanken im Griff zu behalten" und negative gegen positive auszutauschen, schließlich die "Bereitschaft, an seine Grenzen zu gehen und über sich hinauszuwachsen". Denn die persönliche Grenzerfahrung, so Schwarz, sei "Teil des eigenen Antriebs". Das ist der Punkt. Mit anderen Worten: Erst wenn man seine eigenen Grenzen sucht und erfährt, kann man sie überwinden. Nur wer sich Ziele setzt und Herausforderungen sucht, die jenseits dessen liegen, was er schon erreicht und geleistet hat, der entwickelt den eigenen Antrieb zu seiner persönlichen Weiterentwicklung. Alle anderen bleiben auf der sicheren Seite, in ihrer "persönlichen Komfortzone", wo es zwar weich und warm, aber auch schrecklich langweilig ist. Weil sich nichts mehr bewegt, alles im Stillstand verharrt. Für Schwarz ist das kein Leben, und schon gar nicht ein selbstbestimmtes. "Für mich � beginnt Eigenverantwortung bei der ganz elementaren Bereitschaft, die persönliche Komfortzone zu verlassen." Wer das nicht tut, der verpasst seine Chancen.
Und das gilt nicht nur im Sport. Man muss nicht Extremsportler sein und "zweimal die Welt auf dem Rad umrundet haben, um den eigenen Antrieb zu spüren", schreibt Schwarz. Auf den eigenen Antrieb zu bauen, ist für ihn eine Lebenshaltung, die zu persönlichem Wachstum führt. Eine Haltung, die aber noch längst nicht in der gesellschaftlichen Mitte angekommen ist: "Ja, ich bin der Überzeugung, dass viel zu wenige Menschen das Potential nutzen, das in ihnen steckt."
Fazit: Ein Buch, das es nicht bei Appellen zu mehr Eigenverantwortung belässt, sondern die Quellen des Antriebs zu persönlichen Höchstleistungen offen legt. Authentisch und beispielhaft.

Winfried Kretschmer ist leitender Redakteur und Geschäftsführer bei changeX.

Hubert Schwarz:
Aus eigenem Antrieb.
Erfahrungen eines erfolgreichen Extremsportlers.

Econ Verlag, Berlin 2007,
189 Seiten, 19.95 Euro,
ISBN 978-3-430-30007-0
www.econ.de

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: Aus eigenem Antrieb. . Erfahrungen eines erfolgreichen Extremsportlers. . Econ Verlag, Berlin 1900, 189 Seiten, ISBN 978-3-430-30007-0

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Winfried Kretschmer
Kretschmer

Winfried Kretschmer ist Chefredakteur und Geschäftsführer von changeX.

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