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Selbstmotivation. Flow - Statt Stress oder Langeweile - das Buch von Gerhard Huhn und Hendrik Backerra.
Von Sascha Hellmann
Warum lieben manche Menschen ihre Arbeit, während andere sich dabei zu Tode langweilen? Die Antwort hat der Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi gegeben: Flow - das Glück, das sich im Gelingen einer Handlung einstellt, die auf ein selbst gewähltes, wertvolles Ziel ausgerichtet ist. Zwei erfahrene Trainer sagen: Flow fällt einem nicht einfach in den Schoß. Sondern winkt als Lohn, wenn man sein Leben entschlossen in die eigenen Hände nimmt. / 11.01.2008
Huhn/Backerra CoverAchtsamkeit ist der Schlüssel. Was energievolle Menschen von energielosen unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie achtsamer sind. Dass sie bewusst darauf achten, was sie tun und wie sie es tun. Sie können sich selbst motivieren, weil sie sich auf das konzentrieren, was für sie von Bedeutung ist. Und von da ist der Weg zum Glück nicht mehr weit. Schreiben Gerhard Huhn und Hendrik Backerra in ihrem Buch Selbstmotivation. Flow - Statt Stress oder Langeweile, das nun in komplett überarbeiteter und aktualisierter Neuauflage vorliegt. Sie selbst verstehen es nicht als Motivationsbuch, sondern empfehlen es dem Leser als eine "Erkenntnismöglichkeit, den Wirkprinzipien Ihres Antriebssystems selbst auf die Spur zu kommen". Theoretisch fundiert, jedoch mit praktischem Ansatz laden sie den Leser ein, sich Schritt für Schritt Zugang zu seiner Energie zu verschaffen und diese dann zur Verwirklichung seiner Ziele einzusetzen.
Sie beziehen sich dabei auf den Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi, der seit über 30 Jahren Glückserfahrungen untersucht und den Begriff Flow geprägt hat: "Die erhebende Erfahrung, über sich selbst zu verfügen, das Gelingen einer Handlung zu erleben, ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge zu erlangen, im Einklang mit sich und der Welt zu sein und sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, bezeichnet Csikszentmihalyi als Flow." Von zufälligen Glückserfahrungen wie einem Lottogewinn unterscheidet sich Flow jedoch dadurch, dass der Mensch selbst Einfluss nehmen kann. Einen Königsweg zum Flow gebe es allerdings nicht, die Einzigartigkeit jedes Menschen bestimme auch immer einen einzigartigen Zugang. Hierzu zitieren die Autoren den Ethnologen und Schriftsteller Carlos Castaneda, der in der Begegnung mit einem indianischen Lehrer zu einer ähnlichen Schlussfolgerung gekommen ist: "Ist es ein Weg mit Herz? Wenn er es ist, ist der Weg gut. Wenn er es nicht ist, ist er nutzlos. Beide Wege führen nirgendwohin, aber einer ist der des Herzens und der andere ist es nicht. Auf einem ist die Reise voller Freude, und solange du ihm folgst, bist du eins mit ihm. Der andere wird dich dein Leben verfluchen lassen. Der eine macht dich stark, der andere schwächt dich." Die Autoren folgen dem Weg mit Herz und versuchen, ihn dem Kopf zugänglich zu machen.

Auf schmalem Grat.


Was braucht man, um in den Flow-Zustand zu gelangen? Zunächst bedarf es einer Aufgabe, die man lösen, oder eines Zieles, das man erreichen will. Das Ziel sollte klar umrissen sein, um auf dem Weg dahin anhand unmittelbarer Rückmeldungen immer feststellen zu können, ob man auf dem richtigen Weg und wie gut man ist. Wichtig ist, dass dieses selbst gesteckte Ziel realistisch dimensioniert ist: Es sollte eine Herausforderung sein, die auf dem schmalen Grat zwischen Über- und Unterforderung angesiedelt ist. Wenn die Aktivität als solche Freude macht, "entsteht das Gefühl der Leichtigkeit, des Fließens, des Schwebens. Man geht in dem auf, mit dem man sich beschäftigt, und das eigene Ego verliert seine Bedeutungsschwere." Flow sei jedoch nicht die Suche nach dem nächsten Kick, betonen die Autoren, denn Flow-Erfahrungen stellen sich nicht automatisch ein. Sie müssen erarbeitet werden. Entscheidend ist das Ziel, das man zu erreichen sucht: Es muss von Bedeutung sein. "Erst wenn das, womit wir uns beschäftigen, Sinn macht, kann aus einzelnen Glückserfahrungen wirklich auf Dauer ein glückliches Leben werden." Was Sinn macht, muss indessen jeder für sich selbst bestimmen.
Nicht zuletzt kommt es darauf an, den Unterschied zwischen Wünschen und Zielen zu verstehen. Während Wünsche Ausdruck dessen sind, was einem wichtig ist, ist ein Ziel eine Beschreibung eines künftigen Zustandes. "Ein Ziel unterscheidet sich von einer bloßen Wunschvorstellung vor allem dadurch, dass die Verwirklichung exakt erkennbar ist." Beständig Ziele zu verfolgen erhöht die Selbstachtung. Gleichzeitig sollte das Selbstwertgefühl nicht vom Erreichen eines Zieles abhängig gemacht werden. Viele Umstände, auf die man keinen Einfluss hat, können nämlich das Erreichen eines Zieles vereiteln. Es geht darum, das Glück des Gelingens zu genießen, sich aber auch Fehlschläge zuzugestehen. In diesem Sinne ist auch der Weg das Ziel - wenn man ihn mit Herz geht.

Den Tag meistern.


Ein Letztes gilt es zu beachten: Da sich das Leben Tag für Tag ereignet, ist es wichtig, an jedem einzelnen Tag das zu tun oder anzustreben, was einem wertvoll ist, sagen Huhn und Backerra. In ihrem klar geschriebenen Buch gelingt es den beiden Autoren immer wieder, Theoretisches konkret und anschaulich darzustellen. Und so enden sie auch mit einem ganz einfachen Konzept, den Tag zu meistern: Man schreibt jeden Tag die sechs wichtigsten Dinge auf, die man zu erledigen wünscht, und arbeitet diese Liste Punkt für Punkt ab, wobei man sich immer nur auf eine Aktivität konzentriert - denn: "Durch die Fokussierung Ihrer Aufmerksamkeit auf die Erledigung jeweils einer Aufgabe schaffen Sie die besten Möglichkeiten für das Erleben einer Flow-Erfahrung."

Gerhard Huhn / Hendrik Backerra:
Selbstmotivation.
Flow - Statt Stress oder Langeweile.

Carl Hanser Verlag, München 2008,
301 Seiten, 19.90 Euro.
ISBN 978-3-446-41246-0
www.hanser.de

Sascha Hellmann ist freier Mitarbeiter bei changeX.

© changeX Partnerforum [11.01.2008] Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.


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: Selbstmotivation. . Flow - Statt Stress oder Langeweile. . Carl Hanser Verlag, München 1900, 301 Seiten, ISBN 978-3-446-41246-0

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Sascha Hellmann
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Sascha Hellmann ist freier Journalist in Heidelberg. Er arbeitet als freier Mitarbeiter für changeX.

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