Lasset uns spielen!
Lernen lassen! Mit 17 konkreten Methoden, Tricks und Lernspielen - das neue Buch von Vera F. Birkenbihl.
Von Florian Michl
Lernen kann so einfach sein. Unter einer Bedingung: Lernende endlich lernen zu lassen - statt sie mit vorgekauten Wissenshappen abzufüllen, bis jedes Interesse erstickt. Denn das erzeugt nur Aggression und Depression. Sagt die Gedächtnis-Trainerin Vera F. Birkenbihl. In ihrem neuen Büchlein zeigt sie, wie man's richtig macht: Spielend lernen. / 08.02.08
Vera F. Birkenbihl CoverIn den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat sich herumgesprochen, dass die hohe Verkaufskunst darin besteht, die Kunden kaufen zu lassen. Dann, ein Jahrzehnt später, verbreitete sich eine Erkenntnis, die McGregor in Amerika bereits in den 60er-Jahren formuliert hatte: Wir müssen aufhören, Mitarbeiter motivieren zu wollen. Wir müssen sie arbeiten lassen. Und heute? Heute ist die Zeit reif für eine weitere Einsicht, sagt die Gedächtnistrainerin Vera F. Birkenbihl: "Lernende endlich lernen zu lassen." Statt sie zu bevormunden und sie Lernstoff wiederkäuen zu lassen, bis er glatt hinuntergeht - nur nicht im Gedächtnis bleibt. Doch das ist nicht das einzige Problem: "Normalerweise sind Schüler, wie auch Teilnehmerinnen in der Erwachsenenbildung, den Lehrkräften auf Gedeih und Verderb ausgeliefert", kritisiert Birkenbihl. Nicht anders im Berufsalltag: Chefs unterrichten Mitarbeiter, Verkäufer unterweisen Kundinnen. Und missachten damit allzu oft das oberste Lerngebot: "Man muss sich selbst aktiv belehren, damit man etwas lernen kann." Statt sich passiv berieseln zu lassen.

Laufen fürs Lernen.


Vorbei die Zeit also, in der Lernen als Aufnahme und Speicherung von Wissensinhalten galt. Nun geht es darum, Neues ins vorhandene Wissensnetz zu integrieren. Und zwar notwendigerweise: "Wenn wir lebenslang weiterlernen, wenden wir Not ab, wenn wir hingegen damit aufhören, werden wir depressiv beziehungsweise bei einem hohen Testosteronspiegel aggressiv." Als Beispiel nennt die Trainerin Mobbing in Firmen und die Aggressivität an Schulen. Für sie eindeutige Symptome "halbtoter" Hirne, in denen der physiologische Prozess aufgehört hat, der mit Lernen einhergeht: die Neurogenese.
Lernen kann man nämlich nur dann, wenn wir Neuronen - Gehirnzellen - erzeugen. Eine Voraussetzung der Neurogenese ist Bewegung: "Findet zu wenig statt, wird sie träge und hört auf", sagt die Birkenbihl. Die Folgen zeigen sich deutlich bei Alzheimer-Patienten, deren Neurogenese gestoppt wurde. Sie reagieren hilflos oder aggressiv auf Unerwartetes und Neues. Weil sie sich nicht mehr darauf einstellen können.
Um die Neurogenese allerdings richtig in Schwung zu bringen, ist Bewegung alleine zu wenig: Informationen, die den Empfänger nicht interessieren, sind für ihn reizlos - und damit nicht lernbar. Birkenbihl: Ohne Reize keine Nervenimpulse und ohne Impulse keine neuen Nervenbahnen. Informationen bleiben damit im Nirwana des Gedächtnisses stecken. Eine Tatsache, die nach sturem Auswendiglernen, dem "Pauken", offenkundig ist.
Das ist das Geheimnis der Vera F. Birkenbihl: Sie richtet ihre Lernmethoden an der Funktionsweise des Gehirns aus. Und orientiert sich dabei an den fundierten Erkenntnissen namhafter Wissenschaftler, wie dem Harvard-Professor Dave Perkins. Der geht von einer lernbaren Intelligenz aus. "Damit wird Intelligenz in weit höherem Maße abhängig davon, wie wir Lernvorgänge angehen und bewältigen." Und nicht mehr so sehr von den Faktoren Genetik und Umwelt, die bisher als ausschlaggebend galten.

Spielend lernen.


Nervenimpulse stimulieren und neue Informationen an vorhandenes Wissen anknüpfen. Das steht im Zentrum des neuen kleinen Birkenbihl-Büchleins. Einfach, aber verblüffend wirksam sind diese Lernspiele: zum Beispiel ABC-AKTIV. Die weiterentwickelte Variante der ABC-Listen, dem Suchen nach Assoziationen zu allen Buchstaben des Alphabets. Der Unterschied: Statt nach innen zu lauschen und die eigenen Assoziationen zu notieren, lauscht man beim ABC-AKTIV nach außen - TV, Zeitung, Buch - und notiert in Stichworten, was man hört oder liest: in Form einzelner Begriffe, die man den Buchstaben des Alphabets auf einer Liste zuordnet. Damit trainiert man nicht nur den Zugriff auf sein Wissen, sondern schärft auch den Blick für das Wesen einer Sache. Wenn im Fernsehen beispielsweise ein Bericht über die Oper durch Werbung unterbrochen wird - "zappen Sie nicht in den Kanälen herum, zappen Sie in Ihr Gedächtnis: Was wissen Sie über Oper?" Ein ABC dazu anlegen? "Aber ja doch", rät die Birkenbihl.
Ähnlich funktionieren die anderen Wissensspiele, wie das "Knick-Spiel", der "Sprichwörter-Mix" oder das "Wer bin ich"-Spiel. Letzteres erfordert mindestens zwei Mitspieler. Einer davon wählt eine historische oder bekannte Person, die der andere durch geschicktes Fragen erraten muss, ähnlich wie bei Robert Lembkes legendärem Beruferaten Was bin ich? Ganz nebenbei baut man eine gewisse Systematik auf. Das sei auch das Ziel des Spiels, sagt die Trainerin: logisch denken lernen. Wer also in Zukunft immer schneller auf die Lösung kommt, der kann etwas ganz Entscheidendes lernen: dass jeder seine Intelligenz selbst in der Hand hat. Mit dem vorliegenden Büchlein kommt diese Erkenntnis spielend leicht. Man muss nur spielen.

Florian Michl ist freier Mitarbeiter bei changeX.

Vera F. Birkenbihl:
Lernen lassen!
Mit 17 konkreten Methoden, Tricks und Lernspielen.

mvg Verlag, Heidelberg 2007,
112 Seiten, 5.95 Euro.
ISBN 978-3-636-07228-3
www.mvg-verlag.de
www.birkenbihl.de

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: Lernen lassen! . Mit 17 konkreten Methoden, Tricks und Lernspielen. . mvg Verlag, Heidelberg 1900, 112 Seiten, ISBN 978-3-636-07228-3

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Florian Michl
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Florian Michl schreibt als freier Autor für changeX.

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