Wissen vom Buffet

Kompakte Einsichten: WARUM - 22 Fragen an TOP-Referenten
Text: Jost Burger

Kluge Frager bekommen kluge Antworten. Nach diesem Motto funktioniert ein neuer Ratgeber, in dem sich bekannte Referenten den wichtigsten Fragen zum Wie, Was und Warum von Wirtschafts- und Arbeitsleben stellen.

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"Wer, wie, was - warum, weshalb, wieso", singen die fröhlichen Kinder in der Sesamstraße. Leider verlernen wir im Laufe unseres Lebens das Fragen - und erhalten so auch immer weniger Antworten, die uns vielleicht weiterbringen könnten. Das bedauert auch Nadin Buschhaus im Vorwort von WARUM - 22 Fragen an TOP-Referenten. Und will etwas dagegen tun. Das Buch, herausgegeben zusammen mit dem Freisinger Seminarveranstalter "Unternehmen Erfolg", ist der Beginn einer Reihe von Büchern, die Fragen stellen. 

"Warum" macht den Anfang, bekannte Referenten antworten auf Fragen wie: "Warum entscheiden Sie und nicht die Umstände?" (Maren Lehky), "Warum ist Optimismus erfolgsentscheidend?" (Florian Langenscheidt), "Warum müssen wir Muster brechen, um zukunftsfähig zu sein?" (Stefan Kaduk/Dirk Osmetz). Wer die Bücher, Seminare und Auftritte der Damen und Herren noch nicht kennt, der wird in diesem Buch konzentrierte Kurzfassungen der jeweiligen Einsichten finden, die genug Stoff zum Nachdenken bieten. 

So entsteht tatsächlich ein "Wissensbuffet", wie es die Herausgeber selbst nennen. Wie bei einem Buffet kann sich der geneigte Leser die Häppchen nehmen, die ihn am lautesten anlachen. Zum Glück taugt die Küche etwas und die Kanapees munden. Wir greifen uns drei heraus:


Wissensgesellschaft reloaded


Zum Beispiel die von Erik Händeler. Der Autor und Zukunftsforscher sagt, warum uns die Krise auf eine höhere Stufe des Wohlstandes tragen wird. Da dürfte jeder aufhorchen, zu groß ist der Hunger nach echten guten Nachrichten. Händelers Thema ist die weitere Bekanntmachung der Kondratieff-Theorie. Nur zur Erinnerung, natürlich: Kondratieff betrachtete die Wirtschaft, grob gesagt, als eine Abfolge von Zyklen. Wir sind am Ende eines kondratieffschen Zyklus angekommen. Und das bedeutet stets: Etwas wird knapp, das führt zur Krise, aus der die Wirtschaft dann in einen neuen Zyklus der Prosperität findet. Am Ende des von der Petrochemie und dem Auto geprägten Zyklus stand beispielsweise die Ölkrise, zur Rettung wurde der Computer, der dann wieder viel Arbeit schuf. 

Und was ist heute knapp? "Gebildete Menschen und ihre Problemlösungswertschöpfung, ihre Gesundheit und produktive Lebensarbeitszeit sowie ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit." Oha. Wissensgesellschaft. Kooperatives Arbeiten. Lebenslanges Lernen. Die Wissensgesellschaft! Davon haben wir doch wirklich genug gehört! Nur dass Händeler es schafft, das Thema nach langer Zeit mal wieder so knackig auf den Punkt zu bringen, dass wir nicht davonlaufen. Wir hören vielmehr zu, wenn er sagt: Viele kapieren noch nicht, dass in der Zukunft starre Hierarchien nicht mehr gelten. Dass es gilt, über Abteilungsgrenzen hinweg zu arbeiten. Dass jene Unternehmen gewinnen, die die Ressource Wissen ernst nehmen. Dass diejenigen Erfolg haben werden, die tatsächlich lebenslang lernen. Und wer das schafft, für den wird Arbeit da sein. Es lohnt sich, die etwas in die Jahre gekommene Diskussion um den Rohstoff der Zukunft frisch präsentiert zu bekommen. Und seien wir ehrlich: Es macht auch Mut.


Wollen können, was wir wollen müssen


Ein paar Schritte weiter bieten Volker Kitz und Manuel Tusch ihre Häppchen an. Die beiden haben den Bestseller Das Frustjobkillerbuch. Warum es egal ist, für wen Sie arbeiten verfasst. Also, warum ist es egal? Da statuieren die beiden zunächst: Über 85 Prozent der Deutschen sind unzufrieden, egal in welchem Job. Der Grund: Wir erwarten zu viel! "Der Job wird zum Frust, weil wir völlig falsche Erwartungen an das moderne Arbeitsleben haben." Berufstätigkeit soll immer noch alle nur möglichen Bedürfnisse befriedigen - doch eine eierlegende Wollmilchsau sei sie nun mal nicht. Sie kann nicht Wünsche befriedigen, die - folgt man den beiden - schlicht in praktisch keinem Job zu befriedigen sind. Denn es gibt immer einen, der mehr verdient, es gibt immer nervige Routine, immer gibt es unerträgliche Kollegen, kein Chef kann einen täglich mit Lorbeeren überschütten ...  

Die Lösung liegt, wir ahnen es, in uns selbst. Es kommt darauf an, nicht gegen Dinge zu kämpfen, die nicht zu ändern sind, weil sie so universell menschlich sind, dass sie schlicht überall auftauchen. Kitz und Tusch meinen: Blickwinkel ändern. "So können wir jeden Job, den wir haben, doch noch zu dem Job machen, den wir wollen." Kein schlechter Ausblick für die Zukunft.


Management war gestern


Manch einer wird dennoch wissen wollen, was Niels Pfläging auf die Frage antwortet: "Warum sollten wir Abschied nehmen vom Management?" Der Berater und Autor geht in die Vollen mit der provokanten These, dass Management heute schlicht am Ende ist. Und an der Zeit, es durch echte Führung zu ersetzen. Zentraler Begriff in Pflägings Argumentation: Verantwortung. Er will nicht die Manager abschaffen, sondern das Management. Weil Management im tayloristischen Sinn heißt: Von oben Entscheidungen treffen, die die Massen dann ausführen müssen. Das hat einen doppelten Pferdefuß: Die Manager sind viel zu weit weg von den Konsequenzen ihres Handelns. Viel schlimmer aber: Die Ausführenden werden jeglicher Verantwortung enthoben. Verantwortung aber, und damit auch das Gefühl, gefragt und etwas wert zu sein, das wollen Menschen. Wem das vorenthalten wird, der läuft nur noch mit. Aber: "Demotivierte Mitarbeiter, unglückliche, verantwortungslose, unbedeutende Arbeitermassen haben die für Manager unangenehme Eigenschaft schlechte Arbeit abzuliefern". Das ist kein Problem, solange alle Firmen so agieren. Doch es gibt Unternehmen, in denen es anders läuft. Und die werden, so Pfläging, das Rennen gewinnen. 

Pfläging fordert Unternehmen, in denen das herrscht, was er den Beta-Kodex nennt. Das sind Organisationen, die allen die Möglichkeit geben, "zu Entscheidern, Verantwortungsträgern und Führungsarbeitern" zu werden. Das bedeutet nicht das Ende der Führung, sie definiert sich nur neu: "Führen heißt garantieren, dass sich das Denken der Mitarbeiter nicht vom Markt abkoppelt. Dass die Prinzipien und Werte des Unternehmens heilig bleiben. Dass Raum entsteht für Entwicklung." Und er nennt Unternehmen, die seiner Ansicht nach dem Beta-Kodex folgen: Toyota. Handelsbanken. Southwest Airlines. Aldi. Über diese Beispiele kann man vielleicht geteilter Meinung sein. Letztendlich propagiert er aber die Rolle des Coachs, Integrators, Moderators, des Möglichmachers. Dass dies die Rolle der Führungskräfte der Zukunft ist, dem dürften wohl die meisten zustimmen.
 


changeX 14.09.2010. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Zum Buch

: WARUM. 22 Fragen an TOP-Referenten. GABAL Verlag, Offenbach 2010, 293 Seiten, ISBN 978-3-86936-056-0

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Jost Burger
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Jost Burger ist freier Journalist in Berlin. Er schreibt als freier Mitarbeiter für changeX.

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