Die changeX-Bestenliste März 2010

Die Buchempfehlungen der changeX-Redaktion März 2010

 

Frühjahrsputz bei unseren Buchempfehlungen: Alle Titel aus dem vergangenen Jahr sind rausgeflogen – Platz für die wichtigsten Frühjahrsneuerscheinungen. Keine Veränderung indes gibt es auf Platz eins: Dueck bleibt Spitze!

Aufbrechen! Aufbrechen!
Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen

Gunter Dueck

Gold für Dueck in der Disziplin Aufbrechen!

Deutschland muss sich einen neuen Job suchen. Denn nach den Industriearbeitsplätzen rückt die Informationstechnologie nun den Dienstleistungen zu Leibe. Da bleibt nur die Flucht nach vorn: der Aufbruch in die Exzellenzgesellschaft. Selten hat jemand die Wissensgesellschaft gründlicher durchdekliniert wie „Wild Duck“ Gunter Dueck. Sein Buch macht richtig Lust auf Zukunft. Sagt Dagmar Deckstein. Gold für Dueck in der Disziplin Aufbrechen! zur Rezension

Die empathische Zivilisation Die empathische Zivilisation
Wege zu einem globalen Bewusstsein

Jeremy Rifkin

Zur Empathie geboren.

Unsere Zivilisation steht an der Schwelle eines neuen Zeitalters: des Zeitalters der Empathie, das das Zeitalter der Vernunft ablöst. Sagt, um den großen Entwurf nie verlegen, der Soziologe Jeremy Rifkin. Doch verkitscht er seine Vision mit naivem Pathos. Zu Recht aber stellt er die Frage nach unserem Selbstbild neu: Wer sind wir? Wer wollen wir sein? Trotz der argumentativen Schwächen seines Buches, trotz mancher naiv anmutenden Visionen einer emphatischen Gesellschaft – indem Jeremy Rifkin die Entdeckung unserer empathischen Seiten zum Zivilisationscharakteristikum stilisiert, hat er das richtige Thema auf die Agenda gesetzt. zur Rezension

Warum die Welt immer kleiner wird Warum die Welt immer kleiner wird
Öl und das Ende der Globalisierung

Jeff Rubin

Brillant erklärt: der Einstieg ins postfossile Zeitalter

Wenn das Öl teurer wird, wird die Welt wieder kleiner. Denn ein steigender Ölpreis wirkt wie ein Einfuhrzoll: als Gegenmittel zur Globalisierung. Der kanadische Energieexperte Jeff Rubin prophezeit: In der postfossilen Weltwirtschaft werden Export und Import neu gewichtet. Die heimische Wirtschaft erlebt eine neue Blüte. Aber warum ist sich Rubin so sicher, dass der Ölpreis steigen wird? Die Antwort lautet „Peak Oil“: In dem Begriff steckt die These, dass die Erdölförderung nach Überschreiten eines Maximums zurückgehen wird. Weniger Druck in den Ölfeldern, weniger neue Förderstätten – der Einstieg ins postfossile Zeitalter hat begonnen. Von Rubin brillant erklärt. zur Rezension

EXIT EXIT
Wohlstand ohne Wachstum

Meinhard Miegel

Scharfzüngige Attacke auf das unhinterfragte Credo unseres Wirtschaftssystems

Das Wachstumsspiel ist ausgereizt. Die Grenzen des Wachstums sind nun endgültig erreicht. Das ist die These von Meinhard Miegel, wortmächtig vorgetragen in seinem provokanten Buch Exit. Provokant deshalb, weil Miegel an dem unhinterfragten Glaubensbekenntnis unseres Wirtschaftsmodells rüttelt: dass Wachstum notwendig sei. Seine Gegenfrage lautet: „Wie lebt es sich mit geringem oder keinem wirtschaftlichen Wachstum, wie mit wirtschaftlicher Schrumpfung?“ Darauf wird unsere Gesellschaft vielleicht bald eine Antwort finden müssen. Aber auch Miegel bleibt eine Antwort schuldig: wie der ökologische Umbau unseres Wirtschaftssystems ohne Wachstum funktionieren soll. zur Rezension

Arbeitssammler, Jobnomaden und Berufsartisten. Arbeitssammler, Jobnomaden und Berufsartisten.
Viel gelernt und nichts gewonnen? Das Paradox der neuen Arbeitswelt.

Peter Plöger

Ambivalente Beschreibung der neuen Arbeitswelt

Peter Plöger zeichnet ein düsteres Bild der neuen Arbeitswelt. Bei ihm herrscht dort keine Aufbruchstimmung. Stattdessen: „Viel Arbeit, wenig Geld, keine Sicherheit“. Das ist die Welt der Arbeitssammler. Sie sind gut ausgebildet, motiviert und optimistisch. Dennoch kommen sie beruflich nicht auf die Füße, hangeln sich von Job zu Job, oftmals am Rande des Existenzminimums. Arbeitssammler sind Prototypen einer neuen Arbeitswelt, in der jeder zum Gestalter seiner Erwerbsbiografie wird. Noch schwanken sie zwischen Prekariat und Avantgarde. Doch sie werden sich entscheiden müssen. zur Rezension

Meconomy Meconomy
Wie wir in Zukunft leben und arbeiten werden und warum wir uns jetzt neu erfinden müssen

Markus Albers

Ausblick in die Kreativökonomie.

Ein Buchautor geht schon mal voran: Gibt seinem Verlag den Laufpass und bringt sein neues Buch im digitalen Selbstverlag heraus. Ein Beispiel für das, was er darin beschreibt: eine Ökonomie, in der die eigene Person zur kleinsten wirtschaftlichen Einheit wird. Und das eigene Wissen zum Produktionsmittel und Wertschöpfungsfaktor. In Markus Albers’ Meconomy kann man das, was man wirklich gerne tut, zu seinem Job machen. Nach Wir nennen es Arbeit und Marke Eigenbau ein weiterer schillernder Ausblick in die Kreativökonomie. zum Interview

Unternehmen 2020 Unternehmen 2020
Das Internet war erst der Anfang

Tim Cole

Vernetzung bedeutet immer Veränderung

Einen klugen Gedanken bringt der Internetexperte Tim Cole ins Gespräch, Vernetzung, so schreibt er in seinem neuen Buch Unternehmen 2020, bedeute automatisch immer Veränderung. Und im Wesen der Vernetzung liege, dass sich das Tempo der durch sie ausgelösten Veränderungen ständig beschleunigt. Und deshalb wird das Unternehmen von morgen ganz anders aussehen, als wir es heute gewohnt sind. Bestimmt. Denn wenn Vernetzung erst einmal eine kritische Masse erreicht hat, so Cole, gibt es kein Zurück mehr. Unsere Rezension folgt in Kürze. zur Rezension

Faktor Fünf Faktor Fünf
Die Formel für nachhaltiges Wachstum

Ernst Ulrich von Weizsäcker / Karlson Hargroves / Michael Smith

Gegenstück zum Wachstumspessimismus

Wird Umweltschutz zum nächsten Wachstumsmotor, zum Treiber der nächsten langen Welle? Wirtschaft strebt gnadenlos nach mehr Effizienz. Mit weniger Aufwand an Material, Arbeit und Zeit mehr zu erreichen, ist das fundamentale Grundprinzip alles Wirtschaftens. Den Schutz der Umwelt ökonomisch zu denken, ist seit jeher das Anliegen von Ernst Ulrich von Weizsäcker. Nun legt er eins zu: Aus Faktor Vier wird Faktor Fünf, was so viel heißt, wie aus jeder Einheit Energie und Ressourcen fünfmal so viel herauszuholen. Energie- und Ressourcenproduktivität soll zum Motor der nächsten langen Welle werden, so das Ziel der Autoren. Faktor Fünf als Formel für nachhaltiges Wachstum ist das Gegenstück zu Miegels Wachstumspessimismus. zum Interview

Wir Abnicker Wir Abnicker
Über Macht und Ohnmacht der Volksvertreter

Marco Bülow

Ein ehrliches Buch über den Verfall einer Idee: Demokratie

Die Unzufriedenheit mit dem parlamentarischen System in Deutschland ist groß. Die Zahl der Wähler schrumpft von Wahl zu Wahl. Viele Bürger sind enttäuscht, wenden sich ab. Der Bundestagsabgeordnete Marco Bülow greift nun diese Stimmungs- und Sachlage auf und reichert sie mit seinen Erfahrungen an. Er kritisiert die Selbstentmachtung des Parlaments und die Preisgabe seiner Kontrollfunktion gegenüber einer übermächtigen Exekutive. Ein ehrliches Buch über den Verfall einer Idee: Demokratie. zur Rezension

Die Perfektionierer Die Perfektionierer
Warum der Optimierungswahn uns schadet – und wer wirklich davon profitiert

Klaus Werle

Besser, schneller, glatter, perfekter zu werden ist das Ziel vieler. Im Ergebnis aber werden sie immer gleicher.

Besser, schneller, glatter, perfekter werden: Das ist die Mittelschicht-Strategie gegen soziale Deklassierung. Klaus Werle sagt: Der Wunsch nach dem perfekten Leben ist zum Credo des 21. Jahrhunderts geworden. Doch fördern Optimierer das Gleiche, nicht den Unterschied. Auf ihn aber kommt es an in einer Gesellschaft, die Wert aus Ideen schöpft. Werles lesenswertes Buch rückt in den Vordergrund, worauf es in der Wissensgesellschaft entscheidend ankommt: einen Unterschied zu machen. zur Rezension

Common Wealth Common Wealth
Das Ende des Eigentums

Michael Hardt, Antonio Negri

Theoretiker des Totalitarismus

Statt einer Empfehlung eine Warnung: Wie ein Wolf im Schafspelz kommt das neue Buch von Michael Hardt und Antonio Negri daher: Vom Verlag mit ansprechenden Texten versehen, gibt es sich als Balsam in die Wunden, die der Kapitalismus geschlagen hat: Verspricht eine Renaissance des „Gemeinsamen“, eine Kultur der gemeinsamen Nutzung von Gütern, das Ende des Eigentums. Doch hinter der modern getünchten Fassade steckt die alte kommunistische Utopie. Mit dem altbekannten Totalitarismus. Monströs. zur Rezension

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