Die changeX-Bestenliste Sommer 2011

Unsere Buchempfehlungen im Sommer 2011

 

Beinahe komplett neu formiert präsentiert sich unsere Bücherbestenliste im Sommer: Unser Spitzentitel ist das Buch Richtig motiviert mehr leisten von Peter Warr und Guy Clapperton, weil es sich einer zentralen Frage widmet: der Verbesserung der Zusammenarbeit durch mehr Arbeitszufriedenheit. Das Buch benennt die Einflussfaktoren, macht zugleich aber deutlich, dass es einer ganzheitlichen Unternehmensführung bedarf, um sie zum Tragen zu bringen. Natürlich auch dabei: Schmöker für den Sommerurlaub. Zwei Favoriten: Ich denke, also spinn ich für die leichte Lektüre und Die unbarmherzige Revolution für die tiefschürfende Erkenntnis.

Richtig motiviert mehr leisten Glück bei der Arbeit

Peter Warr, Guy Clapperton: Richtig motiviert mehr leisten. Konzepte und Instrumente zur Steigerung der Arbeitszufriedenheit. Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2011, 191 Seiten, 29.95 Euro, ISBN 978-3-7910-3088-3

Arbeit und Glück, im Leben der meisten Menschen gehen die beiden Begriffe nicht zusammen. Schade eigentlich, denn spätestens seit Mihaly Csikszentmihalyis Flow-Forschung wissen wir, wie bereichernd eine Tätigkeit sein kann, in der wir voll und ganz aufgehen. Nur wovon hängt es ab, ob wir eine solche Art von Arbeit, für die das Müssen keine Bedeutung mehr hat, für uns realisieren können? Der Arbeitspsychologe Peter Warr und der Journalist Guy Clapperton haben nachgeforscht. Sie identifizieren zwölf Glücksfaktoren bei der Arbeit und zeigen, wie Arbeitszufriedenheit entsteht. Lesenswert.
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Wenn Sie wollen, nennen Sie es Führung Anleitung zur Selbstorganisation

Cyrus Achouri: Wenn Sie wollen, nennen Sie es Führung. Systemisches Management im 21. Jahrhundert. GABAL Verlag, Offenbach 2011, 312 Seiten, 29.90 Euro, ISBN 978-3-86936-174-1

Allgemeinplätze wie "in Zusammenhängen denken" haben nur wenig zu tun mit systemischem Management. Dieses ist nicht einfach nur hübsch und ziemlich en vogue. Sondern es folgt aus dem, was wir heute über uns und die Welt wissen. In seinem Buch unternimmt Cyrus Achouri nun den Versuch, die Grundlagen zu sichern und die Idee des systemischen Managements gewissermaßen vom Kopf auf seine (wissenschaftlichen) Füße zu stellen. Das gleicht einem Husarenritt durch Biologie, Physik, Soziologie und Philosophie, streift Chaostheorie, Kybernetik, Thermodynamik und Quantenmechanik und mündet in ein Modell des systemisch-evolutionären Managements, das nicht Hierarchie und Kontrolle, sondern Selbstorganisation, Kooperation, Emergenz, Koevolution und Replikation in den Mittelpunkt rückt. Oder in der kürzesten Form, so des Autors Fazit: "Kooperation geht vor Konkurrenz."
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Vernetzt Euch!
Das Netz als Medium einer direkten, bürgernahen Demokratie

Lina Ben Mhenni: Vernetzt Euch!. Ullstein Buchverlage, Berlin 2011, 48 Seiten, 3.99 Euro, ISBN 978-3-550-08893-3

Das Schlüsselwort ist "hochgeladen". Auf Facebook, Twitter, Flickr. Berichte, Bilder, Videos von Polizeiübergriffen, von offener Repression, aber auch von den immer wieder erfolgreichen Demonstrationen, Flashmobs und Protestaktionen. Dass Social Media in der tunesischen Revolution (wie in den folgenden des arabischen Frühlings auch) eine wichtige Rolle gespielt haben, wurde oft berichtet. Die 27-jährige Bloggerin Lina Ben Mhenni gestattet nun einen Blick hinter die Kulissen des Revolutionsgeschehens. In der Art eines Tagebuchs berichtet sie über die Tage des Aufstands und dessen (Selbst-)Organisation, über die sozialen Medien, erzählt aber auch, wie sie selbst zur Bloggerin wurde und ihr Handicap, ihre Schüchternheit, überwand. Das 46-seitige Büchlein ist ein beeindruckendes Dokument des arabischen Frühlings, aber auch ein selbstbewusstes politisches Statement eines Mitgliedes einer jungen Generation, die das Netz längst als Medium einer direkten, bürgernahen Demokratie begreift: "Wir wollen eine herrschaftsfreie Welt, in der sich alle am Entscheidungsprozess beteiligen können, in der jeder die Gesellschaft mitgestalten darf." Das freilich birgt Zündstoff auch für die träge gewordenen westlichen Parteiendemokratien.
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Die unbarmherzige Revolution
Kultur des Kapitalismus

Joyce Appleby: Die unbarmherzige Revolution. Eine Geschichte des Kapitalismus. Murmann Verlag, Hamburg 2011, 686 Seiten, 36 Euro, ISBN 978-3-86774-135-4

Zielsicher steuert Joyce Appleby in ihrer Abhandlung über die Geschichte des Kapitalismus auf die zentrale Frage zu, die Technik- und Wirtschaftshistoriker seit Generationen beschäftigt: "Angesichts des unvergleichlichen Erfolgs der Innovationen des 18. und 19. Jahrhunderts stellt sich uns die Frage: Warum erst jetzt?" Und liefert ein paar Zeilen weiter gleich die Antwort: Weil "der Kapitalismus kein rein ökonomisches, sondern genauso sehr ein kulturelles System ist". Weil die Menschen ein neues Selbstbild entwickelten. Diese breite Perspektive ist Programm, wenn die Autorin auf über 600 Textseiten die Geschichte des Kapitalismus von seinen Anfängen bis zur Gegenwart nachzeichnet - bis in die feinsten Verästelungen des Alltags hinein. Und mit hoffnungsfrohem Schluss. Die Revolution mag unbarmherzig sein. "Aber sie ist nicht blind."
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Ich denke, also spinn ich
Kuriositätenkabinett menschlichen Verhaltens

: Ich denke, also spinn ich. Warum wir uns oft anders verhalten, als wir wollen. Deutscher Taschenbuch Verlag dtv premium, München 2011, 384 Seiten, 14.90 Euro, ISBN 978-3-423-24873-0

Ich denke, also spinn ich - netter Titel, zweifellos. Nur geht es weniger ums Denken, um die Ratio, sondern ums Verhalten. Das Buch will zeigen, "warum wir uns anders verhalten, als wir wollen" - und es zeigt auch, wie wir uns verhalten, bevor wir überhaupt an ein Wollen denken können. Kurz gesagt: Es geht darum, warum wir uns oft irrational verhalten, obwohl wir uns selbst doch als rationale, vernunftbegabte Wesen einschätzen. Und es geht um die Effekte, die unser Verhalten steuern, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Die Autoren Jochen Mai und Daniel Rettig haben fleißig zusammengetragen, was die Wissenschaft an diesbezüglichen Erkenntnissen zutage gefördert hat, und präsentieren die gesammelten Seltsamkeiten in ansprechenden, leicht zu lesenden und keinesfalls zu tiefschürfenden Texten. 123 solcher Effekte haben sie in elf Kapiteln zusammengestellt - eine kurzweilige Lektüre, wie gemacht für langweilige Urlaubstage, und stets frischen Stoff für gepflegten Small Talk an der Poolbar versprechend. Mehr als disparate Erkenntnissplitter darf man sich davon aber nicht erwarten; ein großer Erklärungsbogen fehlt. Und wer was nachlesen möchte, bleibt aufs Googeln angewiesen, Quellen gibt es nämlich keine.
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The Social Entrepreneur's Handbook Handbuch für Weltverbesserer

Rupert Scofield: The Social Entrepreneur's Handbook. How to Start, Build, and Run a Business That Improves the World. McGraw-Hill, New York 2011, 272 Seiten, 19.99 Pfund, ISBN 978-0-07-175029-5

Wie wird man eigentlich Social Entrepreneur? Und wie gründet man ein erfolgreiches Social Business? Rupert Scofield, CEO eines der ersten modernen Sozialunternehmen, hat dazu ein Handbuch geschrieben - ein außergewöhnliches Buch. Denn Scofield beschreibt spannend und anschaulich das Entstehen und den Ausbau einer Idee, die schließlich zu einer wachsenden Organisation führt, behandelt deren Struktur, Finanzierung und Governance bis hin zu Marketing und Kommunikation, gibt dabei Tipps zur Fehlervermeidung, warnt vor Fallen und plaudert aus dem Nähkästchen. Ein Muss für jeden angehenden Social Entrepreneur!
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Social Entrepreneurship - Social Business Strahlkraft ungebrochen

Helga Hackenberg, Stefan Empter: Social Entrepreneurship - Social Business. Für die Gesellschaft unternehmen. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, 379 Seiten, 39.95 Euro, ISBN 978-3-531-17759-5

Ihre Strahlkraft ist ungebrochen. Sozialunternehmen bieten nicht nur einen innovativen Ansatz zur Lösung sozialer Probleme, sondern nähren auch die Vision eines geläuterten Kapitalismus: effizient, gemeinwohlorientiert und ohne Profitmitnahme. Präzise, fundiert und vielfältig umreißt der Sammelband von Helga Hackenberg und Stefan Empter die Potenziale, aber auch die ungelösten Probleme dieses Unternehmensmodells. An einfachen Antworten ist es den Autoren nicht gelegen, sondern an "multiplen Perspektiven" auf das Phänomen. Die Stärke des Readers erwächst aus dem Nebeneinander von kluger Reflexion und anschaulichen Beispielen, die ihm den Touch einer Handreichung verleihen. Ein überfälliges Buch zu einem wichtigen Thema.
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Entschuldigung! Ich bin deutsch Europa darf uns nicht egal sein

Detlef Gürtler: Entschuldigung! Ich bin deutsch. Eine Streitschrift. Murmann Verlag, Hamburg 2011, 48 Seiten, 5 Euro, ISBN 978-3-86774-154-5

Ein Buch? Eine Flugschrift? Eine Streitschrift auf jeden Fall. Angelegt als internationales Buchprojekt, das zugleich in sieben europäischen Sprachen erscheint, übt Detlef Gürtlers 48-seitige Schrift beißende Kritik an dem Supermachtgehabe des wieder erstarkten Deutschland. Gürtler schreibt angriffslustig, pointiert und hat stets eine überraschende Wendung parat. Er hält den Text elegant in der Schwebe zwischen Polemik, Ironie und Selbstironie. Und formuliert ein leidenschaftliches Plädoyer für ein geeintes Europa. Die Botschaft: Europa darf uns nicht egal sein. Nachtrag zu unserer Rezension: Einen Text, der so leicht daherkommt, so ernst zu rezensieren, ist wahrscheinlich auch schon wieder ziemlich deutsch.
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Globish
Eine Sprache für die Welt?

Jean-Paul Nerrière, David Hon: Globish. Die neue Weltsprache?. Langenscheidt Verlag, Berlin/München 2011, 203 Seiten, 16.99 Euro, ISBN 978-3-468-73827-2

Im Jahr 1887 veröffentlichte der russische Augenarzt Ludwik Lejzer Zamenhof die Grundlagen einer neuen, leicht erlernbaren, neutralen Sprache, die die internationale Verständigung erleichtern sollte: Esperanto. Durchgesetzt hat sie sich nicht. Die Welt spricht - respektive radebrecht - Englisch. Das Problem von Esperanto liegt auf der Hand: Wie soll sich eine reine Kunstsprache gegen eine lebende Sprache durchsetzen, die weltweit gesprochen wird: Englisch? In diesem Problem steckt die Lösung, die Jean-Paul Nerrière und David Hon in ihrem Buch, das international zum Bestseller wurde, präsentieren: Globish. Globish ist kein Pidgin-Englisch, sondern korrektes Englisch, allerdings mit einer stark vereinfachten Grammatik und einem auf das Wesentliche reduzierten Wortschatz von 1.500 Wörtern. Es versteht sich als "notwendige Menge", so die Autoren: "Globish ist ausreichend und weniger als Globish wäre nicht gut. Aber mehr als Globish könnte zu viel sein, und wenn man zu viel Englisch verwendet, werden einen viele Menschen nicht verstehen." Die Idee ist bestechend, auf die Bedenken sind wir gespannt.
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Ist die Zukunft noch zu retten? Retten wir die Zukunft - vor der Gegenwart

Eike Wenzel: Ist die Zukunft noch zu retten?. Warum unser System in der Krise steckt - und was sich ändern muss, damit wir morgen besser leben. Heyne Verlag, München 2011, 288 Seiten, 18.99 Euro, ISBN 978-3-453-18629-3

Dieses Buch ist ein Abschied. Eike Wenzel, bislang Mitarbeiter am Zukunftsinstitut von Matthias Horx und bis 2010 Chefredakteur des von Horxens Institut herausgegebenen Zukunftsletters, geht eigene Wege. Und sucht den Neuanfang - mit neuem Institut und in Abgrenzung von dem, was er als "intuitive Trendforschung" bezeichnet. Oder als "Entertainmentabteilung des Neuen Marktes". Trendforschung eben, wie wir sie kennen. Ihr Erbe aber wirkt fort, vor allem in dem Gestus, Zukunft im Kaffeesatz des Gegenwärtigen lesen zu wollen. So ist in Wenzels Buch sehr viel (und nicht unbedingt Falsches) über die Gegenwart zu lesen. Aber nur sehr wenig über die Zukunft. Aber vielleicht hat sie sich nur vor dem Buchtitel furchtbar erschrocken ... Ausführliche Rezension folgt in Kürze.
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Die Geschichte der Zukunft Wachstumsfeld Menschlichkeit

Erik Händeler: Die Geschichte der Zukunft. Sozialverhalten heute und der Wohlstand von morgen. Kondratieffs Globalsicht.. Brendow Verlag, 8., überarbeitete Auflage, Moers 2011, 480 Seiten, 20.50 Euro, ISBN 978-3-87067-963-7

"Es wäre sehr zu wünschen, dass sein kluges, erhellendes und Mut machendes Buch weite Verbreitung findet, damit zumindest das Problembewusstsein für die schlummernden Produktivitätsreserven und damit Wachstumschancen von morgen weit jenseits der ökonomistisch verengten Perspektiven der Sachverständigengutachten so genannter Wirtschaftsweisen hinauswachsen kann." Schrieb Dagmar Deckstein in ihrer Rezension dieses Buches im Mai 2003. Ihr guter Wunsch ist in Erfüllung gegangen: Das Buch ist soeben in der achten, überarbeiteten Auflage erschienen - ein beachtlicher Erfolg, der zu einem guten Teil wohl der unermüdlichen Vortragstätigkeit des Autors zu danken ist. Das Thema des Buches ist so aktuell wie bei Erscheinen. "Weiche" Faktoren werden zu überlebenswichtigen Schlüsselqualifikationen im 21. Jahrhundert: Kooperation, Kreativität, Rücksicht und Menschenkenntnis. "Menschlichkeit", so Dagmar Deckstein, "wird in vielen Zweckgemeinschaften als neu zu erschließendes Wachstumsfeld wiederentdeckt werden müssen."
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