Der cleverste Wirt gewinnt
Goldbräu - das neue Spiel von Hanser, ist der wahrscheinlich vergnüglichste Weg, Geschäfte zu machen.
Von Nina Hesse
Die Idee ist genial: In Zukunft kann man im Sommer in den Biergarten gehen und im Winter selber einen leiten. Wenn auch Letzteres nur auf dem Spielbrett. Wer geschickt agiert, scheffelt dabei jede Menge Geld, das man leider ausschließlich im fiktiven Seehausen ausgeben kann. Auch für Nicht-Bayern geeignet!
Es geht rund in Seehausen - immer mehr Sommerfrischler kommen in der Ferienzeit in das idyllische Bauerndorf, die Biergärten und Brauereien des Ortes machen mehr Umsatz als sonst im ganzen Jahr. Das lockt auch knallharte Geschäftsleute an. Drei Wochen haben sie Zeit, Anteile an den sechs Biergärten und den vier Brauereien zu erwerben, Bierlieferverträge abzuschließen und die Ausschankflächen ihrer Lokale zu erweitern. Nur eins zählt: dass in diesen drei Wochen nicht nur viele Maß Bier in die Kehlen der Durstigen fließen, sondern auch möglichst viele Taler in die Taschen der cleveren Wirte!

Taktik und Strategie.


Nach dem Manager-Spiel ist Goldbräu der zweite Ausflug von Hanser Fachbuch in die Welt der Unterhaltung. Herausgekommen ist ein komplexes Spiel, in das man sich - ähnlich wie bei den Siedlern von Catan - erst hineinfuchsen muss, das dann aber spannende Herausforderungen bietet. Wer lockt die meisten Gäste an? Wer macht am meisten Umsatz? Wer schnappt sich die besten Geschäftsanteile? Biergartenanteile erwerben, Geschäftsführer ernennen (oder wieder rausschmeißen), die "Schöne Kellnerin" in den eigenen Biergarten setzen (belebt das Geschäft) oder den "Trunkenbold" in den des Gegners (schadet dem Umsatz) ... drei bis vier Spieler können sich auf diese Art einen ganzen Abend lang vergnüglich duellieren. Auch versteckt Anteile zu erwerben und das bis zum taktisch günstigsten Moment geheim zu halten ist möglich. Wer Spaß am Managen, Schachern und Planen hat, der kommt voll auf seine Kosten. Kein Wunder: Franz-Benno Delonge, der Schöpfer von Goldbräu, ist seit Jahren erfolgreicher Spieleautor. Viele seiner Spiele sind international erfolgreich. TransAmerica wurde 2002 für das "Spiel des Jahres" nominiert.
Auch die Grafik ist liebevoll und mit einem Hauch Nostalgie gestaltet, eine witzige Idee sind die original wirkenden Goldbräu-Bierfilze. Die Spieler blicken aus der Vogelperspektive in die Biergärten hinein, die mit Bär, Baum, Posthörnchen und anderen Symbolen verziert sind - schräg von oben blickt man auf die gediegenen Gebäude der Brauereien. Franz Vohwinkel, der für die Gestaltung verantwortlich zeichnet, ist Deutschlands bekanntester Spiele-Illustrator (Kartenspiel Siedler von Catan) und arbeitet mit allen großen deutschen Spieleverlagen zusammen. In den jährlichen Auswahllisten zum "Spiel des Jahres" finden sich in der Regel gleich mehrere seiner Spiele.

Begrenzt familientauglich.


Streiten könnte man sich über die Altersangabe "Ab 10" - in Goldbräu spielen Taktik und Strategie eine große Rolle, fast könnte man das Spiel als Übung für das Business im wahren Leben empfehlen (und geht es nicht auch dort meist ums Geldscheffeln?). Es erfordert besonders am Anfang etwas Konzentration und während des Spiels einiges Rechnen. Dadurch ist es nur begrenzt familientauglich, eignet sich aber umso besser für einen Abend mit Spaß und Niveau. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, nach Herzenslust Chefs zu feuern?

Nina Hesse ist freie Mitarbeiterin von changeX.

Franz-Benno Delonge:
Goldbräu.
Der cleverste Wirt gewinnt,

Hanser Fachbuch, München 2004,
29.95 Euro,
ISBN 3-446-22766-0
www.hanser.de

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: Goldbräu. . Der cleverste Wirt gewinnt. Ein Spiel von Franz-Benno Delonge. . Hanser Verlag, München 1900, ISBN 3-446-22766-0

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