Die changeX-Bestenliste Dezember 2009

Die Buchempfehlungen der changeX-Redaktion

 

Kurz vor den Büchern des Jahres und etwas später als gewohnt hier nun das Dezember-Update der Buchempfehlungen der changeX-Redaktion - mit einigen neuen Titeln und zwei neuen Spitzenreitern.

Profit für alle Profit für alle
Soziale Gerechtigkeit neu denken

Norbert Bolz

Eine Punktlandung im Zeitgeist und dennoch diesem weit voraus.

Bücher des Jahres 2009, Platz 2! Dieses Buch stapelt tief. Es gibt vor, soziale Gerechtigkeit neu zu denken (was nicht wenig wäre), geht aber weit über dieses Ziel hinaus. Norbert Bolz denkt den Kapitalismus neu. In seinem klaren Buch gewinnt Gestalt, was man „Kapitalismus 3.0“ nennen könnte: eine neue Stufe kapitalistischer Entwicklung, die nach der äußeren Balance, der Versöhnung mit der Natur, nun auch eine innere Balance anstrebt: soziale Gerechtigkeit. Nicht als Umverteilung, sondern als Profit für alle, als Produktion sozialen Reichtums, der gleichermaßen aus sozialen Netzwerken wie aus der Kraft des Einzelnen erwächst. „Es geht um die Versöhnung von Profitmotiv und sozialer Verantwortung“, schreibt Bolz. Das ist das Thema, das in vielen aktuellen Debatten aufscheint – von Corporate Social Responsibility über Philathrokapitalismus bis hin zu Social Business. Bolz denkt die neuen Facetten des Sozialen zusammen. Eine Punktlandung im Zeitgeist und dennoch diesem weit voraus. zur Rezension

Der Ego-Tunnel Der Ego-Tunnel
Eine neue Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik

Thomas Metzinger

Metzinger gelingt es, den Mythos des Selbst zu zertrümmern.

Die Hirnforschung revolutioniert nicht nur das Bild des Menschen, sondern auch unseren Blick auf die Welt. Der Philosoph und Bewusstseinsforscher Thomas Metzinger bündelt nun die Erkenntnisse der Neurowissenschaften in seinem kraftvollen Buch zu einer Theorie des Bewusstseins, die unser Selbstbild radikal infrage stellt. Die moderne Philosophie des Geistes und die kognitiven Neurowissenschaften sind dabei, den Mythos des Selbst zu zertrümmern. Das Selbst gibt es nicht, es ist eine Illusion, die das Gehirn erzeugt, so Metzingers These. Unser Gehirn konstruiert ein Modell der Wirklichkeit, das aber nicht als Konstrukt erfahren wird, sondern als subjektiv erlebte Wirklichkeit. Was wir wahrnehmen, ist nichts als „ein virtuelles Selbst in einer virtuellen Realität“. Das ist die Bewusstseinsrevolution, die neue ethische Herausforderungen in sich birgt und gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen anstoßen kann, von denen wir noch gar nichts ahnen. Wir brauchen eine neue „Bewusstseinsethik“, so die Forderung Metzingers. Ein furioses Buch! zur Rezension

Fortuna und Kalkül Fortuna und Kalkül
Zwei mathematische Belustigungen

Hans Magnus Enzensberger

Ebenso elegant wie tiefgründig konfrontiert Enzensberger die exakteste aller Wissenschaften mit der Endlichkeit ihrer Theorien ebenso wie mit ihren möglicherweise doch metaphysischen Grundlagen.

Zu allen Zeiten haben die Menschen Praktiken erfunden, um mit den Wechselfällen des Lebens fertigzuwerden und das Schicksal des Einzelnen wie der Gemeinschaft zu deuten. Erst die Moderne räumte mit der Unvernunft auf und setzte an die Stelle des Aberglaubens das Kalkül. Nicht mehr von Schicksal war nun die Rede, sondern von Zufall. Alles schien nun kalkulier- und berechenbar – bis hinein in die feinsten Verästelungen der Finanzmathematik. Die Folgen kennen wir. Nur selten aber erfasst die allgegenwärtige Krisenanalyse deren wirklichen Ursachenkern: die Mathematisierung unserer Weltsicht. Hans Magnus Enzensberger gelingt das ganz wunderbar. Ebenso elegant wie tiefgründig konfrontiert er die exakteste aller Wissenschaften mit der Endlichkeit ihrer Theorien ebenso wie mit ihren möglicherweise doch metaphysischen Grundlagen. Lesetipp! zur Rezension

Wohlstand neu denken Wohlstand neu denken
Wie die nächste Generation leben wird

Horst W. Opaschowski

Ab jetzt gilt: Lieber glücklich als reich!

Die Wohlstandsgesellschaft der alten Bundesrepublik ist zu Ende. Wir leben in einer fortgesetzten Krisenwirklichkeit, die unsere Vorstellung von Wohlstand umwälzt. Bescheidener zu leben und dennoch glücklich zu sein, das ist die Vision von Horst W. Opaschowski für das Deutschland nach dem Ende des Schlaraffenlandes, des Traums von immerwährender Prosperität. Es ist eine Vision, die im Leben der Menschen Gestalt gewinnt. Das weiß der Zukunftsforscher mit empirischen Daten zu untermauern. Opaschowski stellt die alte Frage nach dem guten Leben neu. Damit werden wir uns künftig mehr auseinandersetzen müssen. Ab jetzt gilt: Lieber glücklich als reich! zur Rezension

Ökologische Intelligenz Ökologische Intelligenz
Wer umdenkt, lebt besser

Daniel Goleman

Ökologische Intelligenz, das heißt bestes Wissen über die verflochtenen Produktionsweisen und radikale Transparenz für bessere Kaufentscheidungen.

Unser Alltag ist voll von Dingen, die wir kaufen, benutzen, verbrauchen, wegwerfen, rumliegen lassen, horten, ohne dass wir viel über sie wissen. Welches Produkt das ökologisch bessere ist, ist gar nicht so einfach zu entscheiden – das erfordert ökologische Intelligenz, sagt Daniel Goleman: bestes Wissen über die verflochtenen Produktionsweisen und radikale Transparenz für bessere Kaufentscheidungen. Wieder einmal beweist Daniel Goleman Gespür für den Geist der Zeit. Gut möglich, dass nach der emotionalen und sozialen die dritte Dimension der Intelligenz in seiner Trilogie die wichtigste ist. Ökologische Intelligenz ist Überlebensbedingung für die Zukunft. Jetzt kommt es darauf an, sie zu entwickeln. zur Rezension

Die 12 neuen Gesetze der Führung Die 12 neuen Gesetze der Führung
Der Kodex: Warum Management verzichtbar ist

Niels Pfläging

Die Zeit ist reif für ein neues Business-Paradigma: Zeit für die Abschaffung des Managements.

Unternehmen haben das Managen professionalisiert – und sich damit jene Dynamik und Lebendigkeit ausgetrieben, die in der komplexen, volatilen Business-Welt des 21. Jahrhunderts überlebenswichtig ist. Das ist die Kernthese von Niels Pflägings neuem Buch. Seine Forderung: die Abschaffung des Managements. Denn die Zeit ist reif für ein neues Business-Paradigma: für einen mentalen Kurswechsel, der Unternehmen schneller, flexibler, robuster und leistungsfähiger werden lässt, der die Wirtschaft krisenfester macht, die Gesellschaft zukunftsfähiger, die Arbeit sinnvoller und die Menschen ein Stück weit glücklicher. Empfehlung: unbedingt lesen! zur Rezension

Das Buch des Wandels Das Buch des Wandels
Wie Menschen Zukunft gestalten

Matthias Horx

Ein flammender Appell, den Wandel als Chance zu begreifen.

Matthias Horx hat sich viel vorgenommen: Eine Theorie des Wandels will sein Buch bieten, einen großen gesellschaftstheoretischen Wurf, der die Gestaltung von Zukunft durch die Menschen in den Mittelpunkt rückt. Horx spannt einen weiten Bogen von den frühen menschlichen Kulturen bis zur komplexen Welt von heute und zeigt, unter welchen Voraussetzungen es Gesellschaften gelang, Herausforderungen zu bewältigen – und wann sie scheiterten. Horx will zeigen, wie es Menschen gelingt, Zukunft zu gestalten, und er will dazu ermutigen. Sein Buch ist ein flammender Appell, den Wandel als Chance zu begreifen. Gerade in Krisenzeiten. zur Rezension

Deutschlands nächste Jahre Deutschlands nächste Jahre
Deutschlands Zukunft: Was bleibt und was sich ändert

Peter Felixberger

Mit Nachdruck setzt dieses Buch die Frage auf die Tagesordnung: Welche Zukunft hätten Sie den gern?

Wir gehen auf eine Reise, und was nehmen wir mit? Diese Frage stellt sich im übertragenen Sinn auch für unsere Reise in die Zukunft. Das ist die konzeptionelle Idee, die hinter dem Buch des langjährigen changeX-Machers Peter Felixberger steckt: Einen Rucksack zu packen mit Dingen, die wir in die möglichen Zukünfte mitnehmen wollen. Das Rohmaterial an Packstücken lieferten die maßgeblichen Zukunftsforscher des Landes, die auf einer Reihe von Expertenhearings und Workshops im Bundeskanzleramt ihre Thesen und Konzepte vorstellten. Das verdienstvolle Buch zu diesem Prozess setzt mit Nachdruck die im gesellschaftlichen Tagesdiskurs leider zu oft ausgeblendete Frage auf die Tagesordnung: Welche Zukunft hätten Sie den gern? zum Essay

Erfolg ohne Chef Erfolg ohne Chef
Wie Arbeit aussieht, die sich Mitarbeiter wünschen

Gernot Pflüger

Ein Unternehmen ohne Chef und ohne Hierarchie kann funktionieren!

Schon der Buchtitel ist eine Provokation. Erfolg ohne Chef steht da in dicken Lettern, wobei das Wort „Chef“ in einen stilisierten Papierkorb entsorgt wurde. Ein Unternehmen ohne Chef, das soll funktionieren? Es funktioniert, und sogar besser als das alte, auf Hierarchie, Anweisung und Kontrolle basierende Modell, das noch unsere Unternehmenswirklichkeit bestimmt. Das ist die These von Gernot Pflüger, der seit 19 Jahren ein Unternehmen leitet, das gänzlich anders organisiert ist: ohne Chef und ohne Hierarchie, mit einer demokratischen Beteiligung der Mitarbeiter an den Entscheidungen, totaler Transparenz aller Vorgänge und einem Einheitsgehalt für alle Mitarbeiter. Sein Buch ist ein Praxisbericht, kein theoretisches oder gar ideologisches Pamphlet. Ein Appell zum Nachahmen – dem man nur wünschen kann, dass er auch gehört wird. zum Interview

Das Ende der Welt, wie wir sie kannten Das Ende der Welt, wie wir sie kannten
Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie

Claus Leggewie / Harald Welzer

Claus Leggewie und Harald Welzer fragen nach der Zukunft der Demokratie,

Das Buch ist der ambitionierte Versuch, die Krisen unserer Zeit auf das System zu beziehen, das uns zu ihrer Lösung zur Verfügung steht: die Demokratie. Die These: Unsere Demokratien werden unter die Räder kommen, wenn sie nicht radikal erneuert werden und den Weg aus der Leitkultur der Verschwendung finden. zur Rezension

Die Illusion der perfekten Kontrolle
Die Illusion der perfekten Kontrolle

Bernd Sprenger

Ein Plädoyer für die richtige Balance zwischen Loslassen und Kontrollierenwollen.

Kontrolle ist ein menschliches Grundbedürfnis, sagt der Arzt und Psychotherapeut Bernd Sprenger. Denn jeder möchte der Autor seines eigenen Lebens sein, möchte kontrollieren, was geschieht. Doch nicht alles lässt sich kontrollieren. Die „Illusion der perfekten Kontrolle“ führt zu einem fatalen Zirkelschluss: Indem Menschen glauben, die Welt kontrollieren zu können, erfahren sie sie als kausal bestimmt und mithin kontrollierbar – und erfahren dann umso schmerzlicher, dass diese Annahme nicht stimmt. Sprengers Empfehlung: Man muss die richtige Balance zwischen Loslassen und Kontrollierenwollen finden!

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