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Heute: Peter D. Zettel in Forchheim (20)
In den nächsten Monaten stellen wir ausgewählte Abonnenten vor. Jeden Dienstag und Freitag. Spannende Menschen mit unterschiedlichen Lebens- und Arbeitswelten. In einer Serie von journalistischen Kurzporträts aus aller Welt.
Peter D. ZettelPeter D. Zettel ist 55 Jahre alt. Mit seinen beruflich sehr eingespannten Eltern muss er in der Kindheit häufig umziehen. Mit 14 kommt er in ein Internat in Überlingen, "eine wunderschöne Zeit, die ich nicht missen möchte". Nach dem Studium in Tübingen landet er schließlich in Forchheim, wo er bis heute lebt. Zettel ist in zweiter Ehe verheiratet. Aus erster Ehe hat er zwei mittlerweile erwachsene Töchter.
Nach dem Abitur studiert er zunächst Physik bis zum Vordiplom, hört jedoch auf, weil er an Begriffen wie "Unendlichkeit" verzweifelt. In dieser Phase lernt er seine erste Frau kennen. Sie studiert Jura. "Mir war alles egal, Hauptsache, heraus aus diesem menschenleeren Physikstudium. Also studierte ich auch Jura", begründet er heute seine Entscheidung. Nach Ende des Studiums fängt er in Erlangen in der Kanzlei von Karl-Heinz Hirsemann zu arbeiten an. Der SPD-Landesvorsitzende ist in Bayern bekannt wie ein bunter Hund. "Ein ungeheuer wortgewaltiger Mann, der mich sehr beeindruckte. Er war ein brillanter Geist, mit dem man philosophieren konnte, der es aber mit den einfachen Leuten nicht so gut konnte." 1982 tritt Zettel in die SPD ein und ein Jahr später kandidiert er bereits für das Oberbürgermeisteramt in Forchheim. Die Wahl verliert er zwar, aber mit einem bravourösen Ergebnis. "In einer schwarzen Hochburg."
Forchheim wird zunehmend zu seinem Lebensmittelpunkt. So weit, dass er in Hirsemanns Erlanger Kanzlei aufhört und eine eigene eröffnet. Einige Jahre ist er zudem noch als Stadt- und Kreisrat aktiv. Dann lernt er seine zweite Frau kennen, die sich jedoch wenig für Lokalpolitik interessiert. "So habe ich aufgehört." Dieser politische Ausstieg fällt in eine Zeit, in der er mit seinem Leben insgesamt unzufriedener wird. Er versucht gegenzusteuern, macht Persönlichkeitstrainings und beginnt Nachforschungen in der eigenen Familiengeschichte anzustellen. Dabei kommt heraus, dass sein Vater als Arzt offensichtlich auch in das NS-Medizin-System verstrickt war. Ein Schock, aber für Zettel ein heilsamer. "Ich will immer alles wissen. Die Suche danach ist der rote Faden in meinem Leben."
Und diese Suche führt ihn in einen weiteren fundamentalen Veränderungsprozess. 20 Jahre ist Zettel als Anwalt tätig. Dann hört er im Jahr 2000 auf. Sein Berufsdilemma kann und will er nicht mehr verantworten: "Ich versuchte, Konflikte und Auseinandersetzungen zu managen. Doch es nützt nichts. Man verändert bei den Menschen nichts. Es gab Leute, die habe ich dreimal geschieden." Zettel beginnt mit dem Studium der Zen-Philosophie. Einer der Leitsätze dort: "Willst du die Wahrheit wissen, höre auf, eine Meinung zu haben." In der Folge erlebt er eine schwere Identitätskrise: "Ich hielt das nicht mehr aus, ich stand kurz vor der Klapsmühle. Ich wusste nicht mehr, wer ich eigentlich bin." Zettel hinterfragt mehr und mehr das eigene Denken und versucht, sich von Konditionierungen und falschen Wahrnehmungen zu befreien. "Irgendwann habe ich aufgehört zu kämpfen. Heute weiß ich: Du kannst das Leben nicht kontrollieren oder planen - du hast es nicht unter Kontrolle."
Diese persönlichen Erfahrungen fließen in seine neue Tätigkeit als Coach und Mediator. Seine Leiterkenntnis für seine Klienten: "Ihr wollt etwas werden, weil ihr nicht wisst, wer ihr seid!" Deshalb sein Rat: "Einfach aufhören, das Leben zu managen, sondern es einfach nur anerkennen!" In dieser Denkfigur habe jeder das Recht, "zu sein wie er ist". Zettel lebt mit seiner Frau in einer Mietswohnung in Forchheim. "Geld ist mir nicht wichtig." Seine Frau achtet darauf, dass es reicht. Er weiß: "Ohne sie wäre mein Wandel nicht möglich gewesen."
changeX gefällt ihm "extrem. Es sind einfach gute Texte. Texte, die weiter gehen, die jenseits des Mainstreams und enorm eigenständig sind." Am meisten gefallen sie ihm aber, weil sie nicht mit erhobenem Zeigefinger geschrieben sind und den Lesern nichts aufoktroyieren wollen.
Peter D. Zettel, ein Mann, der sich aus materieller und bürgerlicher Sicherheit auf einen langen, schmerzvollen Weg der Selbsterkundung begab. Heute ist er bei sich angekommen und kann anderen Menschen bei der Bewältigung ihrer Selbstfindungsprozesse helfen.
Kontakt:
Peter D. Zettel,
Seltsamplatz 28,
91301 Forchheim.
Telefon: 09191-2066
Fax: 09191-80083
E-Mail: peter.zettel@zen-coaching.net
Internet: www.zen-coaching.net
© changeX [18.08.2006] Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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