Ins Offene denken lernen

Verantwortung entsteht mit der menschlichen Begabung, Antworten zu suchen
Ein Essay von Ina Schmidt

Das Gefühl, dass einem die Welt entgleitet, ist Ausdruck einer Überforderung: Wie sich orientieren in einer Lage, die unübersichtlich, schnelllebig, unvollkommen und zudem vergänglich ist? Wie Antworten finden? Und wozu? Die Philosophin Ina Schmidt sagt: Weil wir dazu in der Lage sind. Weil wir als responsive Wesen gar nicht anders können, als auf die radikale Fraglichkeit einer komplexen Welt zu antworten. In dieser Suche nach Antworten liegt der Ursprung verantwortlichen Handelns. Uneindeutigkeit wiederum ist kein Defekt, sondern Wesensmerkmal der Verantwortung. Aber sie ist fordernd: Uneindeutigkeit verlangt, ins Offene denken zu lernen.

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Es stellen sich Fragen, unzählige. Persönliche wie gesellschaftliche, dringende und existenzielle. Und wir brauchen Antworten. Aber nur selten ergibt sich ein klares Bild, eine eindeutige Perspektive, aus der sich schlüssig eine Antwort ableiten ließe. Informationen und Emotionen, Fakten, Tatsachen, Deutungen und Meinungen, Aufrufe, Anfragen und Statements: Egal wohin wir schauen, welchen Bildschirmen wir unsere Aufmerksamkeit oder welchen Menschen wir Gehör schenken, es ist kaum möglich, in alldem die Übersicht zu behalten, einen Überblick zu gewinnen - einen Blick, um uns ein Bild zu machen, um wirklich zu wissen, was zu tun ist. Und selbst wenn das gelingt, dann ist dieses Bild in kürzester Zeit verschwunden, verändert, bearbeitet oder unwichtig geworden. Also machen wir uns erneut auf den Weg, um auf unsere Fragen eine Antwort zu finden. Um zu klären, was zu tun und was zu lassen ist. 

Was wir erleben, wenn wir uns auf diese Suche nach klaren Ansagen, Begriffen und Überzeugungen machen, ist das Gefühl einer "epistemischen Überforderung". So nennt es die Philosophin Eva Weber-Guskar. Wir können aus all dem Wissen - dem, das wir zu brauchen glauben, und dem, das ungefragt auf uns einstürzt - nur selten einen gesicherten Standpunkt ableiten, und ebendieses Unvermögen erleben wir als Gefühl des Scheiterns. Dieses Gefühl mag berechtigt sein, es ist aber alles andere als neu - im Umgang mit komplexen Situationen findet sich ein Thema wieder, das seit über zweitausend Jahren Teil der philosophischen Frage nach dem sogenannten "guten Leben" ist. Zu keiner Zeit war es den Menschen möglich, die Komplexität lebendiger Zusammenhänge so zu reduzieren, dass die zu treffende Wahl eine eindeutige sein konnte. Immer schon ging es um das Abwägen guter Gründe, von Möglichkeiten und Konsequenzen, und allein die Tatsache, dass wir seit der Aufklärung durch vernunftbasierten Fortschritt darin besser geworden sind, verändert nicht die grundsätzliche Qualität dieser zutiefst menschlichen Problematik. 

Was sich allerdings geändert hat, ist zweierlei: Zum einen unsere klare Erwartung, dass wir in linearen Denkprozessen der disziplinierten Maximierung von Erkenntnis an ein Ziel kommen können. Und zum anderen die Häufigkeit, mit der wir in unseren differenzierteren Lebenswelten vor solchen Entscheidungen stehen. Dies auch deshalb, weil wir anders als unsere Vordenker seltener Halt in religiösen oder spirituellen Zusammenhängen finden und uns weitaus weniger aus der individuellen Suche nach Antworten entlassen können. 

Wie also wenden wir uns dieser gegenwärtigen Welt zu? Wie orientieren wir uns dennoch in einer Lage, die unübersichtlich, schnelllebig, unvollkommen und zudem vergänglich ist? Und - warum sollten wir das wollen? Um die schlichte Antwort vorwegzunehmen: Weil wir dazu in der Lage sind. Und weil wir als responsive Wesen gar nicht anders können, als auf die radikale Fraglichkeit einer komplexen Welt zu antworten. Die Frage ist nur, wie wir das tun.



Die Suche nach dem, was sich entzieht


Denn was für Fragen sind gemeint? Gemeint sind Fragen, die uns mit Krisen, mit Bedrohungen, mit Grenzsituationen konfrontieren und denen wir - gewohnt an ein Denken in Lösungen, Ergebnissen und machbaren Innovationen - nicht mehr auf dieselbe Weise antworten können wie in den letzten Jahrzehnten, vielleicht Jahrhunderten. Wir machen derzeit persönlich wie gesellschaftlich die Erfahrung, dass ein allein auf Lösungen zielendes "solutionistisches" Denken nicht weiterführt, sondern in Sackgassen erstarrt. Und so ist derzeit folgerichtig viel von Transformation die Rede - von Transformation, die aber meist auf technische Fragen gerichtet bleibt. Wir brauchen aber ebenso eine geistige Transformation, die mit der Feststellung eines notwendigen Umdenkens nicht endet, sondern anfängt: Was bedeutet es, anders zu denken, umzudenken? Wie haben wir bisher gedacht und worüber eigentlich? 

Die aufgeklärte Epoche voller Fortschritt und Entwicklung hält vor allem ein Erbe für uns bereit: die notwendige Überlegung, welche Folgen unser Handeln haben darf, um unterschiedliche Zukünfte überhaupt denken zu können. Kann all das, was wir auf den Weg gebracht haben, im Einklang damit stehen, was in der Zukunft ebenfalls als Fortschritt und Entwicklung erlebt werden kann - gemäß dem, was der Philosoph Hans Jonas in seinem Prinzip Verantwortung Ende der 1960er-Jahre schon als "ökologischen Imperativ" beschrieben hat. Ein Imperativ, der besagt, dass wir die Auswirkungen unseres Handelns daran messen lassen müssen, ob sie die "Permanenz (menschlichen) Lebens" auf diesem Planeten gewährleisten können? Wir stehen an einem existenziellen Punkt, an dem wir die Möglichkeit haben, die Errungenschaften des Gewesenen in etwas zu überführen, was neuen Maßstäben gehorcht, ohne dass wir die Vergangenheit vollständig hinter uns lassen müssten und gleichzeitig wissen können, wie die Zukunft aussehen soll. 

Was sich verändert, ist die Richtung, die Intention, mit der wir beurteilen und bewerten, was wir für einen Fortschritt halten wollen. Es gilt dabei, ins Offene denken zu lernen. Der Soziologe Hartmut Rosa spricht in seinem Buch Unverfügbarkeit von dem bisher beständigen Streben des Menschen, seine eigene Reichweite zu vergrößern - nicht nur ein Mehr, sondern ein Weiter und Tiefer ist gemeint, der Wunsch nach Erklärbarkeit und damit der Anspruch, dem wir seit der cartesischen Trennung von Mensch und Welt gerecht zu werden versuchen, die Welt da draußen unserem Denkvermögen zu unterwerfen. 

Was aber, wenn dies nicht gelingt? Und eben nicht nur nicht heute, sondern grundsätzlich nicht? Was, wenn es sich um einen Kategorienfehler handelt, den es zu korrigieren gilt, ohne dass wir deswegen gescheitert wären? Die Tatsache, dass wir als sterbliche Mängelwesen auf die Welt kommen und ebenso von ihr verschwinden, lässt sich auch durch allen Fortschritt nicht aus ebendieser Welt schaffen, und es liegt an uns, darin eine Kränkung zu sehen, ein zu lösendes Problem - oder aber ein "Potenzial", das unser Leben als Leben kennzeichnet. Und das uns in einem Trotzdem die Aufgabe stellt, auf die Suche nach Antworten zu gehen.


Antworten auf Fragen, die unsere Gegenwart an uns richtet


Wenn wir also davon ausgehen, dass menschliches Leben sich dadurch auszeichnet, dass es in einen lebendigen Kontext hineingeboren wird, in dem die Bedingungen und Maßstäbe nicht feststehen, sondern zu gestalten sind - mehr oder weniger -, dann geht es gleichzeitig darum, sich in der Rolle als responsives Wesen zu "verantworten". 

Was genau soll das bedeuten? Dass wir zeitliche Wesen sind, die um den Lauf der Zeit, der Dinge und sogar um die eigene Endlichkeit wissen, ist nicht gerade eine revolutionäre neue Einsicht. Aber sie hat deutlich mehr Einfluss darauf, wie wir uns in der Welt orientieren, als wir uns oftmals klarmachen. Was, wenn wir nicht bedroht, verletzlich und am Ende sterblich wären? Was, wenn wir uns nicht um Altersfragen oder das Wohl unserer Kinder sorgen müssten, weil sich alles irgendwie wiederholen würde oder neu ausrichten ließe? Wir würden andere Entscheidungen treffen, wenn überhaupt. Jeder Schritt wäre korrigierbar oder zumindest wiederholbar. 

Wir aber gestalten Entscheidungen, indem wir Möglichkeiten, Vorstellungen und Hoffnungen miteinander ins Gespräch bringen, ohne sicher sein zu können, ob das Ziel wirklich erreichbar ist. Wir lernen, mit ebendiesen Wahrscheinlichkeiten umzugehen, sie zu reduzieren und Hypothesen zu verfeinern. Wir arbeiten mit Risiken und Vorstellungen, Wünschen und Sehnsüchten und bringen diese Vorstellungen mit dem ins Gespräch, was die Welt an Bedingungen zur Verfügung stellt - in einem relationalen Bezug, der ein bestimmtes Weltverhältnis beschreibt und festlegt -, aber in seiner konkreten und individuellen Responsivität immer weit von Eindeutigkeit entfernt bleiben wird. Der französische Philosoph Jacques Derrida sieht in dieser Art des handelnden Antwortens auf das, was außerhalb unserer selbst als Frage an jeden von uns gerichtet wird, einen menschlichen Wesenszug, der uns zweierlei Fähigkeiten bescheinigt: die Fähigkeit, das Außen von uns abzugrenzen, und die Fähigkeit, gleichzeitig in diesem Außen durch das eigene Handeln Veränderungen möglich zu machen, die auf Basis von Gründen auch kommunizierbar sind. 

Damit ist die Antwort, die wir geben, mehr als eine Reaktion. Sie ist nicht instinktiv und rein biologisch zu erklären, sondern sie entsteht auf Basis der Möglichkeit, sich in Beziehung zur Welt auf die eigene Relationalität zu berufen. In diesem Zwischenraum wird möglich, was einzig uns Menschen gegeben ist: ein verantwortungsvoll handelndes Wesen zu sein. Verantwortungsvolles Handeln leitet sich also nicht allein aus Rollen, Kompetenzen und Zuständigkeiten ab, sondern aus der Bereitschaft, in einer vergänglichen Welt Antworten auf die Fragen zu finden, die unsere Gegenwart an uns richtet. Das klingt vielleicht eine Spur zu pathetisch, aber es ist genau so gemeint.


Verantwortung bedeutet, sich für einen Anfang zu entscheiden


Reduzieren wir den Begriff der Verantwortung auf seinen Wortstamm, dann meint er eben genau das: eine "Antwort geben". Ebenso wie in dem lateinischen Begriff "respondere", auf den der englische Begriff "responsibility" oder das französische "responsabilité" zurückgehen. In Situationen, in denen wir Verantwortung tragen oder übernehmen, sind wir verantwortlich für etwas oder jemanden und gegenüber einem anderen. Jede Verantwortlichkeit beinhaltet somit eine mindestens "dreistellige Relation", möglicherweise sogar vier- oder fünfstellig, wenn wir in diese Relation die Normen und Adressaten, unter denen verantwortliches Handeln entsteht beziehungsweise an die es gerichtet ist, hinzunehmen. Bereits in dieser ersten Zuordnung wird die "Relationalität" jedes verantwortungsvollen Handelns erkennbar: Ohne die Einordnung in eine Situation, in einen zeitlichen wie räumlichen Kontext, können wir, was wir Verantwortung nennen, nicht beurteilen. Und damit wird die Uneindeutigkeit ein Wesensmerkmal der Verantwortung. Sie ist kein Defekt. Dennoch bleibt unsere Suche nach Antworten in diesem Verständnis immer auf eine bestimmte Frage oder Situation gerichtet, sie ist mit dem Philosophen Karl Jaspers immer "konkret", sie hat einen Adressaten, ein Gegenüber und beschreibt damit ein bestimmtes "Verhältnis", eine Beziehung zu jemandem oder etwas, in der wir "Rede und Antwort" stehen sollen. 

Wenn wir diese Suche nach Antworten als das eigentliche Wesen verantwortlichen Handelns an- und ernst nehmen, werden wir erkennen, dass die Abkehr von einem "solutionistischen" Denken eine der notwendigen Voraussetzungen dafür sein muss, um den linearen Denkgewohnheiten ein relationales Denken in Verhältnismäßigkeiten zur Seite zu stellen. Diese Abkehr ist kein Ereignis, das sich aus dem Lauf der Dinge ergibt, sondern erfordert eine klare Entscheidung, einen Abschied von einer Denktradition, in der das Mögliche das linear zu Verwirklichende war. In diesem Abschied liegt aber gleichzeitig ein Anfang: etwas, das sich erst noch wird bewähren müssen. Aber er bezieht sich mit dem Blick auf ein neues Weltverhältnis auch auf unser Menschenbild: Der Mensch ist nicht nur ein endliches und sterbliches Mängelwesen, sondern mit der politischen Denkerin Hannah Arendt auch ein "anfängliches" ein "gebürtliches" Fähigkeitswesen, das davon lebt, immer wieder aufs Neue und sogar sich selbst ein Anfang sein zu können. Und der erste Schritt, einen Anfang zu wagen, liegt darin, eine Antwort zu geben.


Die Kunst, das Lassen zu tun


Der in Nigeria geborene Philosoph und Denker Báyò Akómoláfé schrieb die wunderbaren Worte: "The times are urgent, let us slow down." Und darin liegt kein zeitgeistiger Aufruf zu individueller Achtsamkeit und persönlicher Entschleunigung. Sondern die Einsicht, dass wir in hektischer Betriebsamkeit und höchstleistungsoptimierten Prozessen keine Möglichkeit haben, den Dingen wirklich begegnen zu können. Die existenziellen Fragen zu finden, die zu beantworten sind. Wenn wir mit 220 Stundenkilometern auf der Autobahn an unser Ziel kommen wollen, dann mag das gelingen und die richtige Wahl sein, solange wir das Ziel kennen und es für das einzig richtige halten. 

Wenn wir aber auf die Suche nach Antworten gehen wollen, ohne dass die Richtung festgeschrieben ist, wenn wir einen neuen Blick einüben und andere relationale Beziehungen zu unserer Umwelt einzugehen versuchen, dann werden wir nicht darum herumkommen, langsamer werden zu müssen: damit wir die Welt, in der wir zu etwas aufgerufen oder befragt werden, überhaupt in den Blick zu nehmen lernen. Indem wir zuhören, um vor der Antwort auch die Frage verstehen zu können. Wir werden deutlich leiser und vielleicht demütiger sein müssen, um dem eigentlichen Ziel näher zu kommen: Antworten zu geben, die nicht allein unseren Interessen dienen, sondern im Sinne dessen wirksam werden können, was räumlich wie zeitlich über uns hinausgeht. 

Wir erinnern uns an den Appell von Hans Jonas. Was wir dafür brauchen, ist die Bereitschaft, den Blick auch darauf zu richten, was nicht "gelöst" werden kann. Das leise, aber sehr bewusste "Nichttun" zu lernen, das weniger eine Lösung beschreibt, sondern den Versuch, die Bedingungen zu finden, unter denen eine Antwort überhaupt möglich sein kann. Nur so gelingt es vielleicht, mit der eigenen Unvollkommenheit wie der Unvollständigkeit von Wissen umzugehen, die Tatsache der eigenen Endlichkeit und Verletzlichkeit zu akzeptieren und tatkräftig dafür "Sorge" zu tragen, diese Einsichten auch praktisch werden zu lassen. Eine Sorge, die nicht nur mahnend den Zeigefinger hebt, sondern auch im Sinne von Fürsorge in diesem "Vielleicht" für Heilung, Halt und Trost sorgen kann. Und ebendas braucht die Kraft, auszuwählen, zu entscheiden, und die Möglichkeit, sich darin wahrhaftig von etwas betreffen zu lassen, was die Grundlage für eine solche Entscheidung geben kann. 

Die Schule der stoischen Philosophen riet in der griechischen wie der römischen Antike dazu, sich in solchen Momenten auf den Rahmen dessen zu konzentrieren, was wahrhaft in unserer Macht steht, und damit die eigene Begrenztheit zum Thema zu machen. Dabei galt in der Lehre der Stoiker die Gelassenheit als Tugend einer verantwortlichen Suche nach Möglichkeiten, die es wert sind, verwirklicht zu werden, ohne sich dabei von emotionalen Stürmen aus der Ruhe bringen zu lassen. Keine Kultur der entspannten Entschleunigung, sondern eine Vertiefung und Fokussierung auf das, was "ist", und weniger auf das, "was sein sollte". 

Gelassenheit ist damals wie heute nie statisch oder absolut, sondern eine relationale Qualität, die den eigenen Handlungsspielraum ausleuchtet und auszuhalten lernt. Sie ist darauf gerichtet, das "rechte Maß" zu finden, um auf die Aufgaben, die die Welt an uns stellt, antworten zu können - eine responsive Haltung, die den Rahmen bieten kann für das, was wir als verantwortliches Handeln beschrieben haben. So ist auch die Gelassenheit Anfang wie Ziel gleichermaßen: Sie beginnt mit dem mutigen Blick auf das, "was ist". Und sie entsteht als Folge einer wachsamen und selbstreflektierten Lebensweise immer wieder aufs Neue. Die Entscheidung, sich auf diese Weise den dringenden Fragen zu widmen, die uns beschäftigen und vielleicht überfordern, eröffnet andere Räume, in denen wir auch Antworten finden und entwickeln können, die wir gar nicht gesucht hatten. Also: "The times are urgent, let us slow down." 

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Zitate


"Es stellen sich Fragen, unzählige. Und wir brauchen Antworten. Aber nur selten ergibt sich ein klares Bild, eine eindeutige Perspektive, aus der sich schlüssig eine Antwort ableiten ließe." Ina Schmidt: Ins Offene denken lernen

"Zu keiner Zeit war es den Menschen möglich, die Komplexität lebendiger Zusammenhänge so zu reduzieren, dass die zu treffende Wahl eine eindeutige sein konnte. Immer schon ging es um das Abwägen guter Gründe, von Möglichkeiten und Konsequenzen." Ina Schmidt: Ins Offene denken lernen

"Was sich geändert hat, ist zweierlei: Zum einen unsere klare Erwartung, dass wir in linearen Denkprozessen der disziplinierten Maximierung von Erkenntnis an ein Ziel kommen können. Und zum anderen die Häufigkeit, mit der wir in unseren differenzierteren Lebenswelten vor solchen Entscheidungen stehen." Ina Schmidt: Ins Offene denken lernen

"Wir machen derzeit persönlich wie gesellschaftlich die Erfahrung, dass ein allein auf Lösungen zielendes 'solutionistisches' Denken nicht weiterführt, sondern in Sackgassen erstarrt." Ina Schmidt: Ins Offene denken lernen

"Es gilt, ins Offene denken zu lernen." Ina Schmidt

"Verantwortungsvolles Handeln leitet sich nicht allein aus Rollen, Kompetenzen und Zuständigkeiten ab, sondern aus der Bereitschaft, in einer vergänglichen Welt Antworten auf die Fragen zu finden, die unsere Gegenwart an uns richtet." Ina Schmidt: Ins Offene denken lernen

"Uneindeutigkeit ist ein Wesensmerkmal der Verantwortung, kein Defekt." Ina Schmidt: Ins Offene denken lernen

"Die Abkehr von einem ‚solutionistischen‘ Denken erfordert einen Abschied von einer Denktradition, in der das Mögliche das linear zu Verwirklichende war." Ina Schmidt: Ins Offene denken lernen

"Wir werden deutlich leiser und vielleicht demütiger sein müssen, um dem eigentlichen Ziel näher zu kommen: Antworten zu geben, die nicht allein unseren Interessen dienen, sondern im Sinne dessen wirksam werden können, was räumlich wie zeitlich über uns hinausgeht." Ina Schmidt: Ins Offene denken lernen

"Gelassenheit ist nie statisch oder absolut, sondern eine relationale Qualität, die den eigenen Handlungsspielraum ausleuchtet und auszuhalten lernt." Ina Schmidt: Ins Offene denken lernen

"The times are urgent, let us slow down." Báyò Akómoláfé, zitiert in: Ins Offene denken lernen

 

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Quellenangaben

Zum Buch

: Die Kraft der Verantwortung. Über eine Haltung mit Zukunft. Edition Körber, Hamburg 2021, 272 Seiten, 20 Euro (D), ISBN 978-3-89684-285-5

Die Kraft der Verantwortung

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Autorin

Ina Schmidt
Schmidt

Ina Schmidt ist Philosophin und Publizistin. Nach dem Studium der Kulturwissenschaften an der Universität Lüneburg bis 1998 promovierte sie dort 2004 über den Einfluss der Lebensphilosophie auf das frühe Denken Martin Heideggers. 2005 gründete sie »denkraeume« und bietet seither Seminare, Vorträge und Gespräche zur Philosophie als eine Form der Lebenspraxis an und ist Lehrbeauftragte am Institut für Philosophie der Universität Rostock. Ina Schmidt veröffentlichte zahlreiche philosophische Sachbücher, zuletzt Über die Vergänglichkeit. Eine Philosophie des Abschieds (2019) und Die Kraft der Verantwortung. Über eine Haltung mit Zukunft (2021), erschienen in der Edition Körber.

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