Team denken

Go Team! Ein emphatisch-euphorischer Aufruf zu mehr Teamdenken.
Text: Dominik Fehrmann

Teamarbeit ist ein Gebot der Stunde. Wie aber lassen sich die Produktivitäts- und Kreativitätspotenziale von Teamarbeit besser ausschöpfen? Entscheidend, sagen drei Teamexperten, sind die Dezentralisierung von Entscheidungsbefugnissen und der Free Flow of Information.

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Arbeit ist auch nicht mehr das, was sie mal war. In vielen Bereichen der Arbeitswelt nimmt die Komplexität der Aufgaben zu, wächst der Umfang relevanter Informationen so rasant, dass immer mehr Arbeit von heterogenen, dauerhaft oder projektbezogen eingerichteten Teams verrichtet wird. Unabhängig davon gibt es schon seit Jahrzehnten wissenschaftliche Belege dafür, dass flache Hierarchien und die Übergabe von Verantwortung an untergeordnete Gruppen positive Effekte auf den betrieblichen Erfolg wie auch auf die Arbeitszufriedenheit haben. In diesem Sinne ist Teamarbeit also ein Gebot der Stunde. Allein: Wie kann sie und kann ihre betriebliche Verankerung gelingen? 

Ein neues Buch des renommierten amerikanischen Unternehmensberaters Ken Blanchard – verfasst mit zwei weiteren Experten in Sachen Teamarbeit – nennt und erläutert drei wesentliche Merkmale gelingender Teamarbeit. Zum einen die generelle Bereitschaft, Informationen zu teilen, um Vertrauen zu schaffen und Handlungsfähigkeiten zu erweitern. Zum anderen die Festlegung von Zielen und Zuständigkeitsgrenzen, um Handlungsspielräume überhaupt erst zu eröffnen. Schließlich die Anbahnung effizienter Entscheidungsprozesse innerhalb des Teams.


„Team der neuen Generation“


Vor allem die Dezentralisierung von Entscheidungsbefugnissen, so die zentrale inhaltliche Botschaft der Autoren von Go Team!, ermögliche die Bildung funktionierender und zufriedener Teams. Oder umgekehrt und in ihren Worten: „Wer einen Zaun um Menschen errichtet, macht sie zu einer Schafherde.“ Geradezu gebetsmühlenartig wird auch die Bedeutung frei zirkulierender Information betont. So gelte es, selbst vermeintlich „streng vertrauliche“ Informationen daraufhin zu überprüfen, ob sie zugunsten effizienterer Arbeit nicht weitergegeben werden sollten.  

Blanchard und Co. weisen aber auch auf Schwierigkeiten hin, die den Weg zu gelingender Teamarbeit pflastern. So betonen sie die entscheidende Rolle messbarer Rückmeldungen in den von Unsicherheit geprägten Phasen der Implementierung eines neuen Teamkonzepts. Oder auch die Notwendigkeit neuer, differenzierter Formen der Leistungsbeurteilungen von Mitarbeitern im Rahmen konsequenter Teamarbeit. 

Insgesamt aber verbreiten die Autoren Zuversicht und eröffnen den Lesern von Go Team! und Teamarbeitern in spe verheißungsvolle Aussichten. Von einem „Team der neuen Generation“ ist die Rede, das auf einer „höheren Entwicklungsstufe“ steht, auf der „mit vereinten Kräften an einem Strang gezogen“ und „Großartiges geleistet“ wird. Das Buch – das wird schnell deutlich – will mitreißen, nicht so sehr inhaltlich-argumentativ überzeugen. So bleibt es an den Stellen, an denen es auf Präzision ankäme, bisweilen unklar. Unter der Überschrift „Grenzen ziehen: Das richtige Maß finden“ etwa findet sich nur der Ratschlag, die Grenzen des Entscheidungsspielraums für Teams weder zu eng noch zu weit zu fassen. Und auch die vielen Fallbeispiele zeigen oft nur, dass etwas gelungen ist, selten wie. Auch Grundprobleme von Teamarbeit, wie die Vermeidung fruchtloser Diskussionen bei der Entscheidungsfindung, werden weitgehend ausgeblendet. Obwohl Teamarbeit in der arbeitspsychologischen Forschung nicht unumstritten ist. So gilt es keineswegs als ausgemachte Sache, dass in Teamarbeit die Potenziale der einzelnen Teammitglieder tatsächlich ausgeschöpft werden.


Produktivitäts- und Kreativitätseffekte von Teamarbeit


Andererseits regt das Buch durchaus zu grundlegenderen Fragen an. Etwa zur Frage, warum eigentlich innerbetrieblich und interbetrieblich gegensätzliche Gesetze gelten sollten. Warum hier Kooperation, dort aber Konkurrenz gefordert wird. Und ob nicht vielmehr unternehmerischer Erfolg in gewissen Bereichen auch ein gewisses Maß an innerbetrieblichem Wetteifer und Einzelkämpfertum braucht. Oder umgekehrt, und noch spannender: Inwieweit Einsichten in die Produktivitäts- und Kreativitätseffekte von Teamarbeit nicht auch am kapitalistischen Dogma rühren, unternehmerischer Wettbewerb sei die Quelle von gesellschaftlichem Fortschritt und Wohlstand.  

Solche Produktivitäts- und Kreativitätseffekte zeigt das vorliegende Werk des Autorenkollektivs nur bedingt, weshalb es vielleicht kein Paradebeispiel für intellektuelle Leistungskraft von Teamarbeit darstellt. Umso kraftvoller ist hier die emphatisch-euphorische „Yes we can“-Geste – der Elan, mit dem Zweifler und Zauderer von der Möglichkeit und Notwendigkeit gelingender Teamarbeit überzeugt werden sollen.


changeX 15.04.2010. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Zum Buch

: Go Team!. Teamarbeit auf höchstem Niveau.. GABAL Verlag, Offenbach 2010, 176 Seiten, ISBN 978-3-86936-063-8

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Autor

Dominik Fehrmann
Fehrmann

Dominik Fehrmann ist freier Journalist in Berlin. Er schreibt als freier Mitarbeiter für changeX.

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