Den Weg mit Liebe gehen
Patchwork-Karrieren - wie changeX-Leser leben und arbeiten.
Von Sascha Hellmann
Geradlinige Lebensläufe, das war einmal. In der individualisierten Gesellschaft von heute kann sich jeder den passenden Lebensentwurf selbst aussuchen. Brüche, Überraschungen und Durststrecken eingeschlossen. Das Leben ist ein Patchwork unterschiedlicher Phasen, riskant und abwechslungsreich. In den nächsten Monaten porträtieren wir ausgewählte changeX-Leser. Spannende Menschen mit schillernd unterschiedlichen Lebens- und Arbeitswelten. In einer Serie von journalistischen Kurzporträts. Neue Folge 12: Ulrike Bergmann in München. / 27.03.08
Ulrike Bergmann
Ulrike Bergmann:
"Arbeit ist ein wichtiger Teil meines Lebens, aber nicht alles. Ausgleich ist wichtig."
Zwei Jahre in Portugal. "Diese Zeit hat Auswirkungen auf meinen späteren Weg gehabt", sagt die 55-jährige Ulrike Bergmann. In ihrer Jugend ist sie zusammen mit ihren Eltern dort. Die Liebe zu Sprachen und zum Ausland haben sie seitdem nicht mehr losgelassen. Die geborene Münchnerin macht das Abitur und geht zum Jurastudium nach Augsburg, absolviert ihr Referendariat in Form von Praktika. "Doch bei jedem weiteren Praktikum wusste ich: Das ist es nicht, das ist nicht mein Weg. Meine Liebe waren die Sprachen." Sie schließt das Studium dennoch ab und bewirbt sich bei der Münchener Rückversicherung. Die ausgeschriebene Stelle bietet ihr die Internationalität, die sie sich wünscht. Ein Kanada-Aufenthalt während ihres Studiums öffnet ihr die Türen. Sie bekommt die Stelle, arbeitet in der Nordamerika-Abteilung und verbringt auch ein Jahr in den USA. Einige Zeit später wechselt sie ins Vorstandssekretariat, wird persönliche Referentin des Vorstandsvorsitzenden. Die Gestaltungsspielräume werden enger, die internationalen Kontakte fehlen ihr. Ende der 80er erkrankt sie. Während der mehrwöchigen Genesung stellt sich ihr immer wieder eine Frage: "Was will ich aus meinem Leben machen?" Doch die Antwort bleibt zunächst aus und sie arbeitet weiter wie gewohnt. In einem firmeninternen Seminar wird ihr 18 Monate später plötzlich klar: "Ich will Trainerin und Beraterin werden!" Sie verlässt das Unternehmen nach 14 Jahren und geht für zweieinhalb Jahre nach Seattle, wo sie an Fortbildungen teilnimmt, um ihr eigenes Profil als Beraterin zu finden. Dabei wird ihr auch bewusst, dass sie bei ihrer früheren Arbeit schon immer beratend gearbeitet hat. "Ich habe es schon immer gemacht - nur eben in anderer Form." Während ihres Amerika-Aufenthalts unterstützt sie bereits die Münchner Managementtrainerin Vera F. Birkenbihl bei Recherchen. Als Bergmann nach München zurückkehrt, arbeitet sie noch ein paar Monate für sie als Assistentin. Ihr eigener Weg führt jedoch in die Selbständigkeit.

Menschen Mut machen.


1996 gründet Bergmann als Beraterin und Trainerin das "Büro für ungewöhnliche Zielerreichung" in München. Sie hält Vorträge, gibt Seminare und Coachings. Die Frage, die sie selbst in diese Position geführt hat, ist die gleiche, die nun Menschen zu ihr führt: Was will ich in meinem Leben? "Mir geht es darum, Menschen zu ermutigen und zu bestärken, ihren eigenen Weg zu gehen. Wenn Menschen das machen, was sie wirklich wollen, sind sie glücklicher und erfüllter. Und das wirkt sich auch positiv auf die Umgebung aus. So gesehen ist meine Arbeit auch ein Beitrag zu gesellschaftlicher Veränderung", erklärt Bergmann. Jeder Weg ist einzigartig. Was für andere nach Umwegen oder Abwegen aussehen mag, ist für den Einzelnen vielleicht sein Weg - "wenn man ihn mit Liebe geht", sagt Bergmann. Sie arbeitet alleine, ist jedoch über Netzwerke mit Partnern verbunden, mit denen sie sich austauscht. 2003 wird Bergmann zusammen mit einer Partnerin mit dem Preis für Innovation in der Erwachsenenbildung ausgezeichnet. Seit einiger Zeit arbeitet sie ausschließlich in ihrem Büro. Ihre Kolleginnen in der Bürogemeinschaft arbeiten ebenfalls als Beraterinnen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Arbeit und Privatleben versucht sie weitgehend zu trennen: "Arbeit ist ein wichtiger Teil meines Lebens, aber nicht alles. Ausgleich ist wichtig." Sie trifft sich gerne mit Freunden und genießt auf Spaziergängen die Natur. Zurzeit sucht sie noch Menschen, die sich ihren Herzenswunsch bereits erfüllt haben und ihren eigenen Weg gegangen sind. Über einen wöchentlichen Newsletter sollen die Geschichten veröffentlicht werden: "Man kann Menschen am besten mit Lebensgeschichten anderer Menschen ermutigen."

Wanderin zwischen den Welten.


Auf die Frage, ob es einen roten Faden auf ihrem Weg gibt, antwortet sie: "Mein Thema ist Verbindung. Ich sehe mich selbst als eine Wanderin zwischen den Welten." Die Welten, zwischen denen sie unterwegs ist und die sie verbindet, sind "Bayern und die Welt, Wirtschaft und Spiritualität".
changeX kennt sie seit den Anfängen. Den langjährigen changeX-Geschäftsführer Peter Felixberger hat sie in ihrem Buch Start frei zur Kooperation porträtiert. Die Beiträge und Buchempfehlungen findet sie immer wieder inspirierend.
Ulrike Bergmann ist ihren eigenen Weg gegangen. Sie hat Mut gebraucht, um das zu tun, was sie wirklich wollte. Heute ermutigt sie professionell andere Menschen, ihren ganz eigenen Weg zu gehen.

Sascha Hellmann ist freier Mitarbeiter bei changeX.

Kontakt:
Ulrike Bergmann
Büro für ungewöhnliche Zielerreichung
Blutenburgstr. 61
80636 München
Telefon: 089-18 95 35 04
E-Mail: ub@zielerreichung.de
Internet: www.zielerreichung.de und
www.ziele-brauchen-liebe.de

© changeX [27.03.2008] Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.

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Sascha Hellmann
Hellmann

Sascha Hellmann ist freier Journalist in Heidelberg. Er arbeitet als freier Mitarbeiter für changeX.

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