Emotionales Zirkeltraining
Das Lust-Prinzip. Emotionen als Karrierefaktor - das neue Buch von Ingo Vogel.
Von Sigmar von Blanckenburg
Unlust zählt nicht. Unsere innere Motivation ist der Schlüssel zu mehr Erfolg und Lebensqualität. Sagt ein bekannter Verkaufstrainer. Und erklärt, wie man die brachliegenden Potenziale der Lust erschließen kann: Indem man sich "regelmäßig eine gute Portion Glücksgefühle" gönnt. / 22.04.08
Ingo Vogel CoverPaul Kuhn hatte einen seiner größten Erfolge mit dem von ihm nicht sonderlich geliebten Schlager "Es gibt kein Bier auf Hawaii". Weil er eigentlich viel lieber Swing gespielt hätte, trug er das Lied in sehr distanzierter und lustloser Weise vor. Überraschenderweise trug seiner Meinung nach gerade das zum Erfolg des Liedes bei. Und Heinz Rühmanns eigener Stil als Schauspieler entstand daraus, dass er eine von ihm ungeliebte Rolle nur so "herunternölte". Gerade dadurch wurde das Publikum auf ihn aufmerksam und liebte den Schauspieler gerade wegen dieses besonderen, aus der Unlust geborenen Stils. Ihre Karrieren wären unter Umständen anders verlaufen, wenn die beiden das Buch von Ingo Vogel gelesen hätten. Denn Vogel will zeigen, wie man "gute Gefühle auf Knopfdruck" entwickelt. Und sie anderen vermittelt.
Damit liegt der Autor genau im Trend. Nach neueren Erkenntnissen der Hirnforschung wird uns weniger als ein Prozent dessen bewusst, was unser Körper wahrnimmt. Viele Entscheidungen laufen automatisch ab, und oft liefert nur unsere fantasievolle Vernunft im Nachhinein die passende rationale Begründung für unser Handeln. Und wir entscheiden häufig aufgrund von Wahrnehmungen, die uns gar nicht bewusst werden. Emotionen und das berühmte "Bauchgefühl" spielen dabei eine größere Rolle, als unsere von jahrhundertelanger Selbstüberschätzung verwöhnte Vernunft es wahrhaben will.

Eine menschliche emotionale Marke.


Ingo Vogel bietet dazu eigene Zahlen: Erfolg in Gesprächen, insbesondere Verkaufsgesprächen, hänge zu 55 Prozent von der Körpersprache ab, zu 38 Prozent von der Art und Weise, wie man spricht, und lediglich zu sieben Prozent vom Inhalt, den man vermittelt. Bei Telefongesprächen fällt das Resultat noch deutlicher aus: Hier hängt der Erfolg des Gesprächs sogar zu 88 Prozent davon ab, wie man spricht, und nur zu zwölf Prozent vom Inhalt. Denn unser Gegenüber kann intuitiv erkennen, ob wir selbst hinter dem stehen, was wir sagen, und ob wir vertrauenswürdig sind. Und deswegen, meint Vogel, müssen wir mit unserem Auftritt überzeugen: als "menschliche emotionale Marke, die den anderen neugierig macht, ihm sympathisch ist, ihn in den Bann zieht und ihm ein richtig gutes Gefühl des Vertrauens gibt".
Dabei setzt Vogel an einem entscheidenden Faktor an: unserer persönlichen inneren Motivation. Sie ist für ihn der Schlüssel zu mehr Erfolg und "wirklich toller Lebensqualität". Und sie bildet den Ausgangspunkt dieses speziellen, gefühlsbetonten Rhetorikseminars in Buchform. Vogel leitet den Leser dazu an, sich darüber klar zu werden, ob er seinen Beruf eigentlich gerne ausübt, und wenn nicht, wieder die Lust an seinem Tun zu wecken, indem er sich auf das konzentriert, was er gut kann und wozu er Lust hat. Dadurch soll in ihm selbst der Spaß geweckt werden, der auch andere Menschen überzeugt. Für Vogel ist das eine Sache des Trainings: Er will die "Lust-Killer" und "typischsten Erfolgsverhinderer" wie Schuldgefühle, Angst, Eifersucht, mangelnde Leichtigkeit oder eine negative, wirkungsarme Sprache durch "Lustfaktoren" ersetzen. Dazu zählt er eine positive innere Grundeinstellung, Glaubwürdigkeit, Verbindlichkeit, Toleranz, klare Ziele, Lust und Neugier. "Ein wahres, emotionales Zirkeltraining" nennt er diesen Vorgang. Sein Tipp: Um Unlust dauerhaft zu überwinden, soll man sich "regelmäßig eine gute Portion Glücksgefühle" gönnen.

Mehr Leichtigkeit.


So gestählt für den Alltag kann man sich dann daranmachen, auch andere an der eigenen Lust teilhaben zu lassen und ihnen die positiven Gefühle zu vermitteln. Ziel der Übung ist die sogenannte "PowerSprache". Neben einer bestimmten Wortwahl, die darauf abzielt, die Dinge möglichst positiv auszudrücken, zielt dieses System darauf, vor allem die Art- und Weise der verbalen und nonverbalen Kommunikation zu verändern. Dazu gehört, Körpersprache und Betonung richtig einzusetzen, sich auf den Zuhörer einzulassen, sein Tempo mitzugehen, sich ihm in Stimmung, Thema, Niveau anzugleichen und vieles mehr. Manchmal indes hat man das Gefühl, dass die "PowerSprache" den Autor selbst mit sich fortreißt, wenn er beispielsweise über die richtige Betonung meint, sie sei "der Ferrari unter den verbalen Ausdrucksmitteln".
Aber für ihn gehört die sprachliche Leidenschaft eben dazu, wenn man ein "echter Gefühls- und Beziehungsmanager" werden will, der seine "privaten und beruflichen Ziele schneller und mit deutlich mehr Leichtigkeit" erreicht. Vogels Buch stellt eine ganz eigene Mischung aus Psychologie, Rhetorik- und Verkaufstraining dar, von der man profitieren kann, wenn man nicht gerade zu den Glücklichen gehört, die wie Heinz Rühmann oder Paul Kuhn mit ihrer Unlust punkten können.

Sigmar von Blanckenburg ist freier Mitarbeiter bei changeX.

Ingo Vogel:
Das Lust-Prinzip.
Emotionen als Karrierefaktor.

GABAL Verlag, Offenbach 2008,
208 Seiten, 19.90 Euro.
ISBN 978-3-89749-790-0
www.gabal-verlag.de

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Zum Buch

: Das Lust-Prinzip. . Emotionen als Karrierefaktor. . GABAL Verlag, Offenbach 1900, 208 Seiten, ISBN 978-3-89749-790-0

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Sigmar von Blanckenburg

Sigmar von Blanckenburg schreibt als freier Autor für changeX.

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