Furchtlos lernen
Lernen mit allen Sinnen. 72 sinn-volle Lernspiele - das neue Buch von Kathleen Brandhofer-Bryan.
Von Florian Michl
Spielen macht Spaß. Nicht nur, denn beim Spielen fördert der Mensch ganz nebenher seine Fertigkeiten - besonders die des Gehirns: Fehlen nämlich der Druck und die Sorge des Alltags, dann arbeitet das Gehirn um ein Vielfaches effizienter. Eine Autorin zeigt, wie sich anhand von Spielen leichter lernen lässt. / 30.01.09
Kathleen Brandhofer-Bryan CoverDer niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga machte das Spiel überhaupt zur Bedingung des menschlichen Daseins. Sein Homo ludens bestimmt sich vor allem über das Spiel. "Ohne Spiel keine Kultur. Ohne Spiel keine Zivilisation." So lautete Huizingas Grundthese vor 70 Jahren. Heute enträtseln Forscher den Sinn des vermeintlich sinnfreien Tuns. Denn Spielen macht nicht nur Spaß, sondern fördert unmittelbar die Entwicklung des Körpers, besonders die des Gehirns. Es ist ein Trick der Natur: Ohne bewusste Absicht erwirbt man beim Spielen besonders leicht - eben spielerisch - verschiedene Fertigkeiten. Denn beim Spielen ist der Mensch frei von Sorgen, Angst und Alltagsdruck.
In ihrem neuen Buch Lernen mit allen Sinnen nutzt Kathleen Brandhofer-Bryan die Vorteile dieses Phänomens. Sie ist seit mehr als 25 Jahren in der Aus- und Weiterbildung von Trainern und Lehrern tätig. In 72 Lernspielen zeigt sie, wie Lerninhalte auf spielerische Weise effektiv vermittelt werden können - eingeteilt in drei Kategorien: "Mit dem Stoff Bekanntschaft schließen", "Freier mit dem Stoff umgehen" und "Zusammenholen und integrieren". Das Besondere dabei: Das Spiel stand noch nie so sehr im Vordergrund.

Es macht Sinn.


"Grundlage der Spiele in diesem Buch ist die Erkenntnis, dass Lernen und Behalten am besten funktionieren, wenn möglichst viele Sinne - Sehen, Hören, Fühlen, Spüren, Schmecken und Riechen - angesprochen werden, wenn der Lernstoff in einen positiven Gefühlskontext eingebettet und mit Humor, Überraschungen oder Absurdem verknüpft wird, wenn er von Bedeutung für den Lernenden ist und wenn er auf vielfältige Art und Weise wiederholt wird", schreibt die Autorin. Genau das geschieht im Spiel. Und das ist Programm auf 184 Seiten. Zielgruppe des Buches sind vor allem Trainer, Coachs, Lehrer und Eltern, denn die meisten Spiele sind nur in der Gruppe durchführbar. Ich empfehle es besonders Lehrern und Eltern aufgrund der Einfachheit vieler Spiele.
Davon ausgenommen ist vielleicht das Lernspiel "Es macht Sinn" - immerhin sind alle fünf Sinneswahrnehmungen daran beteiligt: Sie sollen zu neuen Wörtern, Begriffen, Daten oder Fakten eines Lernstoffes assoziiert werden. Diese werden anschließend notiert und dem Partner vorgelesen. Der muss nun den Begriff zu den Assoziationen suchen. Nehmen wir das Beispiel "Europäische Länder". Los geht's: Was verbinden Sie mit dem Geruch von Knoblauch, dem Geschmack von Trüffel, dem Klang einer rhythmischen Sprache, dem Bild von Ruinen und dem Gefühl von Wärme? Hmmm, die Antwort lautet: Italien. Möglicherweise. Es ist ja nur ein Spiel.

Spielen kennt keine Fehler.


Das ist auch immer das Ziel von Brandhofer-Bryan: eine möglichst ungezwungene Spielsituation zu schaffen, denn das "Grundgefühl der Sicherheit und das Wissen, nicht bedroht zu sein, sind eine Voraussetzung dafür, dass das Großhirn arbeiten und lernen kann". Fehler sind erwünscht. Das gilt auch für das Spiel "Wo ist JFK?". Dessen Ziel ist es, neue Wörter, Begriffe, Sätze oder Fakten wiederzuerkennen und auszusprechen - dank intensiver Verknüpfungen. Dazu heften die Teilnehmer die Kärtchen mit den neuen Inhalten, zum Beispiel "Die amerikanischen Präsidenten", an verschiedene Gegenstände an: "George Bush" an eine Pflanze, weil sie "buschig" ist. "Gerald Ford" an die Zimmertür, weil man durch sie "fortgeht", "Dwight Eisenhower" an den Türschlüssel, weil der aus Eisen ist. Und Barack Obama? Für ihn muss erst ein Platz gefunden werden. Dann stellen sich die Teilnehmer gegenseitig Fragen. Zuerst: "Wo ist John F. Kennedy?" und dann: "Welcher Präsident ist auf der Fensterbank?"
Zugegeben: Die Spiele sind teilweise sehr einfach. Teilweise sind sie auch aus der Kindheit bekannt, wie "Auf den Rücken und in die Luft schreiben", "Von den Lippen lesen" oder "Spiel mir ein Wort" bis hin zu "Wer bin ich?". Dann wiederum fällt es einem schwer, sich vorzustellen, wie Erwachsene diese Spiele ausführen. Aber vielleicht ist genau das das Problem: Wir haben längst verlernt, spielend und damit unvoreingenommen und naiv an die Dinge heranzugehen. Deshalb funktioniert auch unser Gedächtnis nicht mehr so, wie wir oft wollen. Dieses Buch kann dem abhelfen. Spielend.

Florian Michl ist freier Mitarbeiter bei changeX.

Kathleen Brandhofer-Bryan:
Lernen mit allen Sinnen.
72 sinn-volle Lernspiele.

Gabal Verlag, Offenbach 2008,
184 Seiten, 17.90 Euro.
ISBN 978-3-89749-858-7
www.gabal.de

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Zum Buch

: Lernen mit allen Sinnen. . 72 sinn-volle Lernspiele. . Gabal Verlag, Offenbach 2008, 184 Seiten, ISBN 978-3-89749-858-7

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Florian Michl
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Florian Michl schreibt als freier Autor für changeX.

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