Die Bücher des Jahres

Die Toptitel 2011 - ausgewählt von der changeX-Jury

 

Stapel von Büchern haben wir auch in diesem Jahr wieder gesichtet und kritisch auf ihren Neuigkeitswert hin abgeklopft. Viele davon haben wir rezensiert oder mit den Autoren Interviews geführt. Zeit, die besten Bücher des Jahres zu küren. Die changeX-Jury hat ihre Toptitel 2011 gewählt.

Die Optimierungsfalle Die Optimierungsfalle
Philosophie einer humanen Ökonomie

Julian Nida-Rümelin

Platz 1 Bücher des Jahres 2011 | Der Markt ist nicht moralfrei

Ein vertrauensvolles Gespräch zwischen zwei konsequent ihren jeweils eigenen Nutzen maximierenden Menschen lässt sich nicht vorstellen. Andererseits ist ökonomischer Erfolg ohne funktionierende Kommunikation nicht möglich. Also muss an dem orthodoxen Verständnis ökonomischer Rationalität etwas falsch sein. "Der ökonomische Markt ist nicht moralfrei", schlussfolgert der Philosoph Julian Nida-Rümelin. Und entwickelt in seinem Buch Die Optimierungsfalle die philosophischen Grundlagen einer humanen Ökonomie. In der findet der Eigennutz seine Grenzen in der gleichen Freiheit aller und in der persönlichen Integrität des Einzelnen. Nach Klärung der Grundlagen, so das Fazit dieses lesenswerten Buches, führt der Weg schnurstracks in die Praxis: Die Wirtschaft humaner zu gestalten ist eine Aufgabe, an der viele mitwirken müssen. Voll dabei! zur Rezension

Die notwendige Revolution Die notwendige Revolution
Wie Individuen und Organisationen zusammenarbeiten, um eine nachhaltige Welt zu schaffen

Peter M. Senge, Bryan Smith, Nina Kruschwitz, Joe Laur

Platz 1 Bücher des Jahres 2011 Kooperation und Nachhaltigkeit zusammengedacht

Dieses Buch ist eine Wucht: Die notwendige Revolution bringt zwei Dinge zusammen: die Schaffung eines regenerativen, nachhaltigen Wirtschaftssystems und die Idee der Kooperation, des gemeinsamen Lernens. Denn, so der Grundgedanke, wenn wir den Klimawandel und die globalen Probleme bewältigen wollen, können wir nicht weitermachen wie bisher, weiterdenken in den Denkmodellen des Industriezeitalters. "Um eine nachhaltige Zukunft zu gestalten, müssen wir alle auf andere Weise zusammenarbeiten als in der Vergangenheit." Die notwendige Revolution rührt damit an den entscheidenden Punkt. Senge und seine Koautoren zeigen ganz konkret, wie sich (im doppelten Wortsinn) nachhaltige Lernprozesse in Organisationen gestalten lassen. Ein wichtiges, man möchte fast sagen ein notwendiges Buch. zur Rezension

Professionelle Intelligenz Professionelle Intelligenz
Worauf es morgen ankommt

Gunter Dueck

Platz 3 Bücher des Jahres 2011 | Logik des Gelingens

Öde Routine, uninformierte Kenntnis- und Lustlosigkeit bei der Standardarbeit, das war gestern. Denn "Commodities", Standardprodukte und -dienstleistungen, kann sich künftig jeder selbst im Internet abholen. Wer in der informationstechnisch intelligenter gewordenen Ökonomie mitmischen will, braucht mehr: "Professionelle Intelligenz" nennt es Gunter Dueck, Vordenker von Arbeit und Wirtschaft der Zukunft. Und buchstabiert aus, wie man über die gefühlte Kultur des Misslingens hinauswächst. Sehr lesenswert. zur Rezension

The Age of Less The Age of Less
Die neue Wohlstandsformel der westlichen Welt

David Bosshart

Platz 4 Bücher des Jahres 2011 | Postwachstumsgesellschaft - die Ahnung eines anderen Lebens

"Mehr, schneller, globaler" war das Credo einer Hochgeschwindigkeitsökonomie, die sich seit dem letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts Bahn brach. Heute machen sich Zweifel breit. Ein Gefühl, dass irgendetwas grundfalsch ist an der Art, wie wir heutzutage leben und wirtschaften. Dass die Krisen der Zeit das Ende einer Ära signalisieren. David Bosshart gibt dem kommenden Neuen nun einen Namen: The Age of Less bringt zum Ausdruck, was viele spüren, denken, ahnen: Die fetten Jahre sind vorbei. Bosshart trifft den Ton der Zeit. Und konkretisiert die Ahnung eines anderen Lebens. zur Rezension

Wohlstand ohne Wachstum Wohlstand ohne Wachstum
Leben und Wirtschaften in einer endlichen Welt

Tim Jackson

Platz 5 Bücher des Jahres 2011 | Ein anderes Wohlstands- und Wirtschaftsmodell

Pustekuchen! Sagt Tim Jackson: Die Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch ist eine gefährliche Illusion. Eine "Wahnvorstellung". Denn zum einen hat sich die Effizienz schon bisher nicht schneller entwickelt als die Produktionsmenge, zum anderen werden Effizienzgewinne gnadenlos durch das Bevölkerungswachstum aufgefressen. Dieser Zwickmühle entkommt man nur durch ein anderes Wohlstands- und Wirtschaftsmodell. Eine Steady-State-Ökonomie, die stabil vor sich hin schnurrt, statt zu überhitzen, zu überdrehen und periodisch am Crash vorbeizuschrammen. Jacksons Buch ist brillant in der Argumentation und zeigt eindringlich die Größe der Aufgabe, die Grundlagen der Ökonomie neu zu definieren. zur Rezension

Die disziplinierte Freiheit Die disziplinierte Freiheit
Eine neue Balance von Markt und Staat

Michael Hüther

Platz 6 Bücher des Jahres 2011 | Staatliche Aufgaben neu denken

Krisen sind normal, die wirkliche Herausforderung für Wirtschaft, Gesellschaft und Ökonomen liegt dazwischen: in der Gestaltung der Normalität. Durch Ordnungspolitik. Das ist, kurz umrissen, die These des neuen Buches des Ökonomen Michael Hüther, in dem er sich gegen den reflexhaften Ruf nach staatlicher Intervention wendet. Für Hüther ein ökonomischer Sündenfall. Denn diese Lehre reduziert nicht nur ein komplexes Wechselverhältnis auf ein einfaches Rezept. Sie hindert auch daran, grundsätzlich darüber nachzudenken, was staatliche Aufgaben heute eigentlich sind. Eben das tut Hüthers Buch auf ziemlich kluge Weise. zur Rezension

Identity Economics Identity Economics
Warum wir ganz anders ticken, als die meisten Ökonomen denken

George A. Akerlof, Rachel E. Kranton

Platz 7 Bücher des Jahres 2011 | Die Ökonomie kehrt zurück zu ihren sozialwissenschaftlichen Wurzeln

Dass der Mensch ein soziales Wesen ist, das ist keine bahnbrechend neue Erkenntnis. Für Ökonomen aber schon. Für die Ökonomie kommt einer Revolution gleich, was George A. Akerlof und Rachel E. Kranton in ihrem Buch Identity Economics in nüchtern-sachlichem Tonfall darlegen: Was der Mensch ist und wie er entscheidet, ist ganz wesentlich eine Frage seiner Identität, die er in Interaktion mit seinem sozialen Umfeld herausbildet. Nicht abstrakte Präferenzen, sondern die Vorstellung, wie sie selbst und andere handeln sollen, bestimmt darüber, was Menschen tun. Mit diesem Ansatz kehrt die Ökonomie dorthin zurück, wo sie auch hingehört: in den Kreis der Sozialwissenschaften. Wurde auch Zeit. Unsere Rezension folgt in Kürze. zur Rezension

Business Model Generation Business Model Generation
Ein Handbuch für Visionäre, Spielveränderer und Herausforderer

Alexander Osterwalder, Yves Pigneur

Wie wir neue Geschäftsmodelle entwickeln

Wir müssen innovativer werden, sagen wir uns, gehen aber zum Nachdenken in den Keller. Neues Denken zu üben, neue Methoden zu entwickeln und kreative Prozesse auf Vordermann zu bringen, ist daher eine zentrale Zukunftsaufgabe. Wie wir neue Geschäftsmodelle entwickeln, zeigt ein neues, von der weltweiten Businessavantgarde gefeiertes Buch. Business Model Generation von Alexander Osterwalder und Yves Pigneur ist eines der aufregendsten Bücher über Businessprozesse und Innovation der letzten Jahre. Dem Buch gelingt es, so profunde wie ein klassisches Managerlehrbuch zu sein und zugleich höchst erfolgreich den persönlichen Ideengenerator zu stimulieren. Eine Manifestation der Innovation, sagt unser Autor. zur Rezension

Die 100 besten Wirtschaftsbücher aller Zeiten Die 100 besten Wirtschaftsbücher aller Zeiten
Alles, was man wissen muss

Jack Covert, Peter Felixberger, Wolfgang Hanfstein, Todd Sattersten

Die Empfehlung fürs Wirtschaftsbuchregal!

Orientierung ist gefragt. Das gilt auch und gerade für das überbordende Angebot an Wirtschaftsbüchern. Sie versprechen praktisch anwendbares Wissen fürs Business. Den Überblick, den es braucht, um das richtige und passende Werk zu finden, verschafft ein dicht gewebtes Kompendium der besten Titel: Die 100 besten Wirtschaftsbücher aller Zeiten - das Kompendium von Jack Covert, Peter Felixberger, Wolfgang Hanfstein und Todd Sattersten. Die Empfehlung fürs Wirtschaftsbuchregal! zur Rezension

Die unbarmherzige Revolution
Die unbarmherzige Revolution
Eine Geschichte des Kapitalismus

Joyce Appleby

Kultur des Kapitalismus

Zielsicher steuert Joyce Appleby in ihrer Abhandlung über die Geschichte des Kapitalismus auf die zentrale Frage zu, die Technik- und Wirtschaftshistoriker seit Generationen beschäftigt: "Angesichts des unvergleichlichen Erfolgs der Innovationen des 18. und 19. Jahrhunderts stellt sich uns die Frage: Warum erst jetzt?" Und liefert ein paar Zeilen weiter gleich die Antwort: Weil "der Kapitalismus kein rein ökonomisches, sondern genauso sehr ein kulturelles System ist". Weil die Menschen ein neues Selbstbild entwickelten. Diese breite Perspektive ist Programm, wenn die Autorin auf über 600 Textseiten die Geschichte des Kapitalismus von seinen Anfängen bis zur Gegenwart nachzeichnet - bis in die feinsten Verästelungen des Alltags hinein. Und mit hoffnungsfrohem Schluss. Die Revolution mag unbarmherzig sein. "Aber sie ist nicht blind."

Alle sind Wirtschaft Alle sind Wirtschaft
Wohlstand ist eine kulturelle Leistung - ein Plädoyer für eine umfassendere Sicht auf Wirtschaft

Erik Händeler

App: Essay mit einem Audio, gesprochen von Martin Falk

Wirtschaft, für den Mainstream der Ökonomen sind das Preise, Zinsen, Löhne und Geldmenge. Doch greift dieser monetäre Blick zu kurz. Wirtschaft wurzelt im realen Leben der Menschen, die an ihr teilhaben: aller. Alle sind Wirtschaft. neu in der edition changeX

Das kalte Herz Das kalte Herz
Von der Macht des Geldes und dem Verlust der Gefühle

Wolfgang Schmidbauer

Kollateralschaden der kapitalistischen Ökonomie

"Es ist doch besser, zufrieden zu sein mit wenigem, als Gold und Güter zu haben und ein kaltes Herz." Ein Zitat, das eine verbreitete Stimmung trifft. Ein Glücksgriff ist es, Wilhelm Hauffs Märchen "Das kalte Herz", dem es entstammt, als Rahmenhandlung für ein Buch über den Kapitalismus zu nehmen. Wolfgang Schmidbauer hat ein packendes Buch geschrieben darüber, was Geld mit uns anrichtet. Da ist er ganz bei Hauff, dessen wichtigster Gedanke es ist, dass Reichtum die Menschen mehr kostet, als sie wahrhaben wollen: den Verlust der Gefühle. In seinem hoffnungsvollen Kern aber ist es ein Buch über Empathie und was sie möglich macht. Dringende Leseempfehlung! zum Interview

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