Innere Wandlungen für den äußeren Erfolg
MetaManagement - das neue Buch von Fred Kofman.
Von Nina Hesse
Führen ist eine ständige Herausforderung. Die man nur bewältigen kann, wenn man bewusst mit Gefühlen umgehen lernt, offen und authentisch kommuniziert. Aber wie lernt man das? Kofmans Buch ist eine ungewöhnliche Anleitung dazu - philosophisch, poetisch und praktisch zugleich, mehr als nur ein bisschen von Zen-Weisheit durchdrungen und doch nie abgehoben. Wen sein Buch neugierig gemacht hat, der kann Kofman demnächst live erleben - er kommt Anfang September nach Deutschland, hält Vorträge und ein Seminar.
Es gibt Bücher, die herausragen aus der Masse der Management-Bücher - Fred Kofmans Werk ist eins davon. Kofman, der in Buenos Aires studiert hat und schon in jungen Jahren am berühmten MIT lehrte und heute das Beratungsunternehmen Axialent leitet, geht unter die Oberfläche des Managements, der Beziehungen im Unternehmen, des Selbst. Er betrachtet die Zusammenarbeit in Organisationen, im Team, mit dem Kunden aus neuen Perspektiven und geht - wie der Titel schon andeutet - kühn über traditionelles Management hinaus. So, wie er selbst sagt: "Mein Ziel ist es, ganz rational Theorien und Praktiken vorzustellen, die man eher aus der Welt der Lyrik oder der Emotionen kennt." Dieses Versprechen löst er ein - ohne Eile, in einer schönen, schlichten, ruhigen Sprache.
Obwohl er ganz bewusst keine traditionellen How-to-Anleitungen bieten will, findet sich in seinem Buch eine Fülle von praktischen Hinweisen, wie man wichtige Meta-Kompetenzen in Kommunikation und Konfliktlösung bei sich selbst und im Unternehmen fördern kann. "Man könnte sagen, dass dieses Buch ein Spiegel des gesunden Menschenverstands ist", schreibt Kofman. Nur, dass sich gesunder Menschenverstand leider selten in gesundem Handeln äußert. Nur Know-how und Wissen helfen nicht weiter. Kofman will seinen Lesern helfen, damit diese Verbindung wieder klappt, dass sie es schaffen, diese Lücke zu schließen.

Protagonist des eigenen Lebens.


Kofman setzt beim Einzelnen an. Er muss sich weiterentwickeln, so dass sich die Organisation als Organismus ebenfalls weiterentwickeln kann. Mit am wichtigsten ist dabei eine Portion Demut und Offenheit: "Die arrogante Anmaßung, sich für den Herren der Wahrheit zu halten, ist keineswegs ein philosophisches Problem, sondern das größte Hindernis bei respektvoller Kommunikation und effektiver Interaktion." Der Schlüssel zu herausragenden Leistungen ist für ihn, einseitige Kontrollpraktiken in Kulturen gegenseitigen Lernens zu transformieren. Der Weg des Lernens ist schon zu Anfang ausführlich Thema seines Buches.
Wer sich auf das Sein konzentriert und an sich arbeitet, der wird auch fähig, seine Strategien und Ergebnisse zu verändern. Ein Schlüssel dabei ist, Protagonist seines eigenen Lebens zu werden, statt Opfer zu sein. Verantwortung zu übernehmen. Denn noch herrschen in vielen Organisationen, wie Kofman feststellt, die Sprache der Unverantwortlichkeit und die Opferphilosophie vor.
Wobei er nicht leugnet, dass es in Unternehmen durchaus echte Opfer gibt. "Der Mensch muss der Reiter sein und die Organisation das Pferd", mahnt er. "Gefährlich wird es, wenn die Rollen vertauscht werden und die grundlegenden Prinzipien der Menschenwürde vor operationalen Notwendigkeiten in den Hintergrund treten." Dabei ist Kofman keineswegs jemand, der Marktwirtschaft, Wettbewerb oder Gewinnstreben ablehnt, wie er im (etwas idealistisch geratenen) Kapitel "Rückkehr zum Markt" deutlich macht. Für ihn sind es Einzelne, die die Schuld tragen, nicht das System an sich.

Ehrlichkeit und Offenheit.


Kritisch nimmt Kofman die bisherigen Denkmuster und Verhaltensweisen in Unternehmen unter die Lupe. Zum Beispiel die allgegenwärtige Schizophrenie in Organisationen. Gesagt wird: "Veränderungsanregungen sind willkommen" - in der Praxis sieht das aber ganz anders aus, wie Neulinge schnell merken, wenn sie tatsächlich Vorschläge einreichen. Andere gängige Botschaften sind: "Gehen Sie Risiken ein, aber machen Sie keine Fehler", "Sagen Sie die Wahrheit, aber warten Sie niemals mit schlechten Neuigkeiten auf" und "Seien Sie kreativ, aber ändern Sie nichts an traditionellen Vorgehensweisen."
In vielen Organisationen wird so getan, als gäbe es diese Widersprüche nicht. Versucht ein Mitarbeiter erfolglos, sich in der paradoxen Situation zu orientieren, dann hebt das seinen Stresspegel, seinen Krankenstand - oder seinen Zynismus. Eine gefährliche Situation, so Kofman. Werden die Beziehungen zwischen den Angehörigen einer Organisation schizophren, dann kommt es häufig zu schwerwiegenden Fehlern. Die wiederum mit aller Energie verheimlicht werden. Im Extremfall fällt die Organisation in den Abgrund.
Doch Kofman lässt den Leser mit dieser Diagnose nicht allein. Er setzt sie in praktische Anleitungen um - zum Beispiel, wie man verantwortungsvolle Meta-Gespräche über Abwehrroutinen führt. Ob man es nun als Führungskraft mit einem schwierigen Mitarbeiter zu tun hat oder als Mitarbeiter mit einer Führungskraft, die diese Schizophrenie unterstützt.

Spirituell und praktisch.


Führen hat mit Menschen zu tun, und Menschen werden von Gefühlen stark beeinflusst. Im Gegensatz zu vielen anderen Management-Autoren hat Kofman keine Scheu, auf das Thema Emotionen einzugehen. Der renommierte Autor Peter Senge nennt ihn einen "Fachmann der Seele", der integrierende Spiritualität mit knallhartem Business in Verbindung bringt und verschmilzt. Diese Kombination klingt nur auf den ersten Blick nach einem unmöglichen Spagat. Wenn man auf eine neue Art miteinander umgehen will, dann muss man das bewusst tun, mit einem klaren Blick auf das Selbst und offen gegenüber anderen.
Ein ganzes Kapitel widmet Kofman dem Thema Verzeihen. Groll, so Kofman, ist eine Droge, die süchtig macht. Doch ihr nachzugeben ist fatal. "Die Kälte des Grolls verschwindet nicht mit dem Racheakt, sondern ergreift uns selbst in Form von Scham und Angst vor künftigen Racheakten." Verzeihen öffnet Geist und Herz, fördert Effektivität, Energie und Wachstum.
Aber was ist Verzeihen eigentlich? Geduldig erklärt Kofman erst einmal, was Verzeihen nicht heißt - zum Beispiel negatives Verhalten gutheißen, so tun, als sei alles in Ordnung, es heißt nicht Vergessen und auch nicht, dass der Betreffende sein Verhalten ändern muss. Echtes Verzeihen basiert auf Mitgefühl und Verständnis.

Lernen aus kleinen Szenen.


Angenehm anschaulich liest sich das Buch auch, weil Kofman immer wieder kleine Szenen eingebaut hat, erzählte Beispiele, die er anschließend analysiert. Zum Thema "Verpflichtungen und Neuverpflichtungen, Bitten und Versprechen" präsentiert er den Fall einer Granitplatten-Bestellung, die völlig aus dem Ruder läuft, weil der verantwortliche Manager nicht richtig bei seinen Mitarbeitern und Partnern nachgefragt hat und sich auf Zusagen einlässt, die er nicht halten kann. Wie sich die Situation elegant und korrekt hätte lösen lassen, beschreibt Kofman in einer zweiten Fassung der Szene. Ein Fall, den man nicht so schnell vergisst. Auch sich selbst spart Kofman nicht aus dem Buch aus, er erzählt offen von seinen eigenen Erfahrungen und dem, was er zunächst selbst falsch gemacht hat. Damit lebt er vor, was er lehrt - und diese Ehrlichkeit spürt man in seinem Buch deutlich.

Tipp:
Fred Kofman kommt demnächst nach Deutschland. Er hält in Frankfurt am Main beim Personal-Symposium (5./6. September) zwei Vorträge, diskutiert mit, steht für Gespräche bereit ... und daran anschließend findet in Königstein/Taunus am 7./8. September ein Seminar mit ihm statt.

Inhaltliche und organisatorische Infos zum Symposium finden Sie unter www.authentisch-fuehren.de. Näheres zum Seminar ist unter dem Menüpunkt: "Kofman-Seminar" beschrieben.

Fred Kofman:
MetaManagement.
Der neue Weg zu einer effektiven Führung,

J. Kamphausen Verlag, Bielefeld 2005,
400 Seiten, 29.50 Euro,
ISBN 3-89901-056-6
www.axialent.com
www.authentisch-fuehren.de
www.j-kamphausen.de

Nina Hesse ist freie Mitarbeiterin von changeX.

© changeX Partnerforum [09.08.2005] Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved.


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: MetaManagement. . Der neue Weg zu einer effektiven Führung. . J. Kamphausen Verlag, Bielefeld 1900, 400 Seiten, ISBN 3-89901-056-6

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